Michael Wrase: Inklusion als (Menschen-)Recht?!

Dr. Michael Wrase, WZB

Dr. Michael Wrase, WZB

Dr. Michael Wrase vom WZB eröffnete das Thema mit einem interessanten Blick auf die rechtlichen Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) auf den Begriff der Inklusion. Durch die UN-BRK sei Inklusion zu einem rechtsverbindlichen Begriff geworden, der beispielsweise bezogen auf das Bildungssystem in Deutschland zu grundlegenden Veränderungen führe. Dr. Wrase erläuterte den Anwesenden zunächst, warum er sich im Weiteren auf den englischen Originaltext der UN-BRK beziehe. So sei die englische Version zum einen die rechtsverbindliche Version der UN-BRK, zum anderen sei die deutsche Übersetzung leider teilweise unpräzise und beinhalte beispielsweise nicht den Begriff „Inklusion“, stattdessen würde lediglich von „Integration“ gesprochen. Nach diesem Exkurs erläuterte er in einem ersten Schritt, wie sich Rechtsbegriffe im engeren und im weiteren Sinne definierten. So seien Rechtsbegriffe im engeren Sinne juristisch unmittelbar von Bedeutung sowie juristisch zu interpretieren und anzuwenden, das heißt sie ziehen Rechtsfolgen nach sich. Als Beispiel für einen derartigen Rechtsbegriff im engeren Sinne führte Dr. Wrase die nachfolgende Passage der UN-BRK an:

„States parties shall ensure an inclusiveeducation system at all levels”.

Hierbei handele es sich um einen Rechtsbegriff im engeren Sinne, der schließlich auch in Art. 24 Abs. 2 BRK konkretisiert wird. Rechtsbegriffe im weiteren Sinne wiederum eröffneten über das positive Recht hinausgehende Sinnverständnisse, seien Leitbilder für ganze Rechtsgebiete (wie das „Behindertenrecht“) und könnten als Interpretationshilfen dienen. Beispielhaft hierfür sei der Artikel 3 „General principles“, in dem es heißt:

“The principles of the present Convention shall be:
a. Respect for inherent dignity, individual autonomy including the freedom to make one’s own choices, and independence of persons;
b. Non-discrimination;
c. Full and effective participation and inclusion in society”

Im Weiteren skizzierte Dr. Wrase das Konzept der Inklusion. So bedeute Inklusion als „Form der Berücksichtigung von Personen in Sozialsystemen“ (Stichweh 2005) – oder wie Dr. Wrase konkretisierte, von Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit – die gleichberechtigte soziale Teilhabe aller zu ermöglichen. Es gehe also immer um Inklusion versus Exklusion. Entsprechend sei laut Dr. Wrase ein System dann exkludierend, wenn es menschlich-sozialer Vielfalt, also Diversität, nicht ausreichend Rechnung trage. Diesem Konzept folgend führe auch die UN-BRK den Gegenbegriff in einem Diskriminierungsverbot in Art. 5 Abs. 2 konkret aus. Diese Diskriminierung wird in Art. 2 genauer definiert:

„’Discrimination on the basis of disability’ means any distinction, exclusion or restriction on the basis of disability which has the purpose or effect of impairing or nullifying the recognition, enjoyment or exercise, on an equal basis with others, of all human rights and fundamental freedoms in the political, economic, social, cultural, civil or any other field. It includes all forms of discrimination, including denial of reasonable accommodation”.

Der Gleichheitsbegriff gehe hier also sehr weit, so Wrase. So berücksichtige substantielle (materielle) Gleichheit sowohl die gegenwärtigen Strukturen als auch vergangene Benachteiligungen und fordere eine systemische Anpassung.

Gleichheitskonzepte im Wandel

Um die Bedeutung und das Innovative dieser Gleichheitsdefinition angemessen würdigen zu können, veranschaulichte Dr. Wrase die Entwicklung des Gleichheitskonzeptes im vergangenen Jahrhundert. So hätte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die staatsbürgerliche Gleichheit gegolten, im Rahmen derer es gleiche Behandlung nur im Rahmen geltender Gesetze gab. Dem folgte nach Ende des Zweiten Weltkrieges die formale Gleichheit im Sinne eines Menschenrechtes. Zentral war hier das Differenzierungsverbot, insbesondere aufgrund von Rasse, Herkunft und Geschlecht, kurzum die Gleichheit gegenüber dem Gesetz. Während der Gleichberechtigungs- beziehungsweise Gleichstellungsbewegung hätte die formal-materielle Gleichheit vorgeherrscht, die sich insbesondere in dem Verbot mittelbarer (faktischer) Diskriminierung niederschlug. Grundgedanke war hier, dass durch Regelungen, die die spezifische Lebenssituation nicht berücksichtigen, keine wirksame Gleichheit erzeugt werden kann. Mit der UN-BRK sei man nun an dem Punkt der materiellen Gleichheit. Das wiederum hieße, exkludierende Systeme müssten umgestaltet werden und wenn diese Umgestaltung unterlassen werde, komme das Diskriminierung gleich. Es gehe also um die Gleichheit innerhalb der Sozialsysteme, nicht durch Maßnahmen außerhalb der Systeme, die der Verschiedenheit Rechnung trügen – wie das beispielsweise im Fall der Förderschulen der Fall sei. Mit dem Ansatz der Umgestaltung bestehender Systeme gehe Inklusion deutlich über formale Gleichbehandlung hinaus und müsse dazu führen, dass existierende Prozesse wie zum Beispiel arbeitsorganisatorische Abläufe, hinterfragt würden.

Welche Maßnahmen die UN-BRK nun vorsieht, um Diskriminierung zu verhindern, führte Dr. Wrase zum Schluss seines Vortrages aus. An dieser Stelle ging er näher auf den Art. 24 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit Abs. 2 BRK ein. So sei hier beispielsweise festgeschrieben, dass Menschen mit Behinderung nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürfen, Zugang zu inklusiven, qualitativ hochwertigen und kostenfreien Grundschul- und weiterführender Bildung haben und den die benötigte Unterstützung erhalten sowie angemessene Einrichtungen entsprechend der individuellen Erfordernisse vorgehalten werden müssen. Darüber hinaus müssen individuelle Unterstützungsmaßnahmen in Bereichen vorgehalten werden, die der Steigerung der akademischen und sozialen Entwicklung dienen.

Dr. Wrase schloss seinen Input damit, dass auch wenn die UN-BRK hauptsächlich Auswirkungen auf die Inklusion innerhalb des Bildungssystems habe, sie dennoch den Blick für Inklusion als solche entscheidend weite.

Der Input von Dr. Michael Wrase zum Download

Seite 1: Netzwerkversammlung 2014
Seite 2: Dr. Michael Wrase: Inklusion als (Menschen-)Recht?!
Seite 3: Dr. Sigrid Arnade: Die UN-BRK aus der Perspektive der Zivilgesellschaft
Seite 4: Prof. Dr. Andreas Eckert: Lebenslagen von Familien mit einem Kind mit einer Behinderung
Seite 5: Abschließende Diskussion im Plenum

Netzwerkversammlung 2014: Familie und Inklusion

Der 19. September 2014 stand ganz im Zeichen des Bundesforums Familie. Bereits am Vormittag trafen sich die beiden Arbeitsgruppen AG A „Inklusion bei Familien mit behinderten Angehörigen” und AG B „Inklusion für die Vielfalt von Familien” zu einer ersten gemeinsamen Sitzung. In arbeitsreichen drei Stunden verschafften sich die Teilnehmenden einen Überblick über den aktuellen Stand der Arbeiten und vereinbarten weitere Schritte hin zu einem gemeinsamen Papier zum Thema „Familie und Inklusion“.

Während das Treffen am Vormittag Arbeitscharakter hatte und insbesondere demInformationsaustausch diente, war der Nachmittag vor allem der Wissensgenerierung gewidmet. Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Can Aybek (Mitglied des Beirats des Bundesforums Familie) und Diana Golze, MdB (Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Deutschen Bundestag) brachten kurze Inputs aus den beiden Arbeitsgruppen auch diejenigen Netzwerkmitglieder auf den Stand der aktuellen Diskussion, die momentan nicht aktiv an den Arbeitsgruppen mitwirken. Im Anschluss daran stand das Thema „Lebenslagen von Familien im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention“ im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Hierzu hatte die Geschäftsstelle mit Dr. Sigrid Arnade (Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.), Prof. Dr. Andreas Eckert (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich) und Dr. Michael Wrase (Wissenschaftszentrum Berlin) drei renommierte Expert/innen gewinnen können, die den Mitgliedern des Bundesforums aus verschiedenen Perspektiven Einblicke in das komplexe Thema gaben.

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10. Dezember 2014, Köln: „Making of…Migranten und Muslime. Die Homogenisierung der Anderen in Bildungseinrichtungen“ Vortrag und Diskussion des Forums Inklusive Bildung

Das Forum Inklusive Bildung lädt ein zur Veranstaltung „Making of…Migranten und Muslime. Die Homogenisierung der Anderen in Bildungseinrichtungen“ mit Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu:

Zeit: 10.12.2014, 18:30-20.30 Uhr
Ort: Fachhochschule Köln, Ubierring 48, Raum 220

„… Doch statt dass die Vielfalt der Religionen und Denominationen zwischen und innerhalb dieser Gruppen in den Blick genommen würde, kommt es zu der bereits erwähnten Muslimisierung der türkischen Migranten und Migrantinnen, die analog zu anderen Ethnisierungsprozessen und Essentialisierungsprozessen abläuft. Das Thema Islam dominiert den Kulturdiskurs in der pädagogischen Praxis dermaßen, dass der Eindruck entstehen könnte, der diffuse Begriff der Kultur habe eine Heimat in der Religion, namentlich im Islam gefunden…“ (Yasemin Karakaşoğlu)

Dr. Yasemin Karakaşoğlu ist seit Oktober 2004 Professorin für Interkulturelle Bildung im Lehrgebiet Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Universität Bremen und seit 2011 Konrektorin für Interkulturalität und Internationales.

Karakaşoğlu befasst sich mit dem Zugang zu Erziehung und Bildung im Kontext migrationsbedingter Heterogenität sowie dem Umgang der Lehrenden und des Bildungs- bzw. Schulsystems mit Migration und Fremdheit.

Ihre mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien ausgezeichnete Dissertation liefert auch heute einen wichtigen Beitrag zur „Kopftuchdebatte“ und gibt Einblicke in Religiosität und Erziehungsvorstellungen junger Frauen mit Kopftuch in Deutschland. Zur Kopftuchdebatte veröffentlichte sie zudem zahlreiche Stellungnahmen.

Karakaşoğlu ist u.a. Mitglied im SVR, dem Rat für Migration und war 2013 im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für den Bereich Bildung und Wissenschaft. Kürzlich erhielt sie den Dialogpreis 2014 des BDDI.

Im Kontext der Reihe „Die Erfindung der Anderen“ beschreibt sie den Prozess der Konstruktion von Migrant_innen und Muslim_innen im deutschen Bildungssystem.
Die daran anknüpfende Diskussion wird eingeleitet mit Erfahrungen aus der beratenden Tätigkeit von Eliza Aleksandrova, Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen Köln/Forum Rassismus Köln.

Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe  „Die Erfindung der Anderen: Diskurse im Kontext von Inklusion“, Forum Inklusive Bildung im Wintersemester 2014/15.
Flyer „Erfindung der Anderen“

Kinderbetreuung
Ihre Kinder sind herzlich mit eingeladen. Bitte geben Sie uns eine Woche vorher Bescheid, damit wir die Veranstaltung dann kinderfreundlich planen können. Anmeldung bitte unter andrea.platte@fh-koeln.de

Inklusion
… verfolgt die Vision von sozialer Gerechtigkeit und zielt auf die Überwindung von Hürden, die Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung verursachen.

Um die Gestaltung inklusiver Kulturen, Strukturen und Praktiken für Bildungseinrichtungen zu diskutieren, laden die Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Mittelrhein e.V., die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Köln und die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft zu einer offenen Veranstaltungsreihe ein.

4. Dezember 2014, Duisburg: „Gemeinsam für Bildungserfolge der Kinder: Migranteneltern und Bildungseinrichtungen“ Fachtagung der Otto Benecke Stiftung

Eltern sind der Schlüssel zur Bildung ihrer Kinder. Und Tatsache ist, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund es immer noch schwerer haben, einen guten Schulabschluss zu erreichen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Deshalb wurde 2011 das Modellprojekt Bildungs-Brücken: Aufstieg! initiiert, um Eltern mit Arabisch, Russisch oder Türkisch als Herkunftssprache Bildungswissen zu vermitteln. Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS) und fünf Migrantenorganisationen wurden Eltern erreicht, die bisher nur selten die Angebote der Elternbildung nutzen. Bundesweit wurden Elternforen organisiert und Fortbildungen für Migrantenorganisationen angeboten.

Projekt-Partner sind:
• Deutsch-Marokkanisches Kompetenznetzwerk e.V. (DMK)
• Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland e.V. (FÖTED)
• PHOENIX-Köln e.V. Kultur- und Integrationszentrum
• Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)
• Verband der Islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ)

Nun wird Bilanz gezogen: Nach der Präsentation der Ergebnisse des Projekts wird in World-Cafés gefragt, wie die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Migranteneltern verbessert werden kann. Wissenschaftliche Vorträge diskutieren die Perspektiven der Kooperation zwischen Migranteneltern und Bildungseinrichtungen. Eingeladen sind Aktive aus Migrantenorganisationen, dem Integrationsbereich, Eltern, Wissenschaft und Politik.

Das vollständige Programm

Anmeldung
Um Anmeldung per Fax, Post oder Mail mit dem Anmeldeformular wird bis zum 21. November 2014 gebeten. Tagungsgebühren werden nicht erhoben.

Veranstaltungsort
Mercatorhalle im CityPalais
Landfermannstraße 6
47051 Duisburg
Informationen zur Anfahrt

Informationen
Otto Benecke Stiftung e.V.
Tagungsbüro „Bildungs-Brücken: Aufstieg!“
Kennedyallee 105-107
53175 Bonn
Telefon: 0228 / 8163-305
Fax: 0228 / 8163-300
Email: Fachtag@obs-ev.de

27. November 2014, Köln: „Bonding in besonderen Situationen“ Symposium der WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“

Eine gelungene Eltern-Kind-Bindung macht das Neugeborene stark für seinen weiteren Lebensweg. Babyfreundliche Einrichtungen berücksichtigen und fördern das Entstehen dieser Bindung, in der Fachsprache „Bonding“ genannt, wo immer es geht. Ob und wie Bonding auch in besonderen oder schwierigen Situationen möglich ist, welche Auswirkungen es hat – diesen Fragen geht die Veranstaltung „Bonding in besonderen Situationen“ nach.

Programm
10:00 h – 10:10 h     Begrüßung
10:10 h – 10:50 h     Bonding bei Frühgeborenen: K. Mehler (Köln), Vortrag und Diskussion
10:50 h – 11:30 h     Bonding bei Kaiserschnitt aus anästhesiologischer Sicht: V. Kehm (Freiburg), Vortrag und Diskussion
11:30 h – 12:10 h     Mutter-Kind-Beziehung: Interaktion und Bonding bei psychischen Erkrankungen: P. Trautmann-Villalba (Frankfurt/M.), Vortrag und Diskussion
12:10 h – 12:30 h     Schlusswort

Referent/innen
Dr. med. Vadim Kehm, Universitätsklinik Freiburg – Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Dr. med. Katrin Mehler, Universitätsklinik Köln – Klinik und Poliklinik für Allgemeine Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Bereich Neonatologie und pädiatrischen Intensivmedizin
Dr. Patricia Trautmann-Villalba, Institut für peripartale Interventionen, Frankfurt am Main

Zielgruppe
Das B.E.St.®-Symposium richtet sich an Ärztinnen, Ärzte und andere Fachkräfte aus Einrichtungen der Geburtshilfe und Kinderkliniken.

Fortbildungspunkte
Vom IBLCE werden 1,5 L und 0,75 R-CERPs vergeben. Von der Ärztekammer Nordrhein für das Fortbildungszertifikat mit 3 Basispunkten (Kategorie A) anerkannt. Vom Gesundheitsamt Köln als Fortbildung für Hebammen im Rahmen der HebBO NRW anerkannt mit 3 Stunden.

Veranstaltungsort
KOMED-Saal (1. OG), Im MediaPark 7, 50670 Köln.
Wegbeschreibung

Teilnahmebedingungen und Anmeldung
Die Teilnahme an der Fachveranstaltung ist kostenfrei. Füllen Sie bitte die Anmeldung aus und senden sie bis zum 20.11.2014 per Fax oder Mail an die Geschäftsstelle oder melden Sie sich online an. Alle Informationen und das Programm auch hier.

Kontakt
WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“
Jan-Wellem-Straße 6, 51429 Bergisch Gladbach
Tel: 02204 4045-90 Fax: 02204 4045-92
E-Mail: info@babyfreundlich.org

21. November 2014, Berlin: „Welche Rolle spielt die Jugendhilfe in der inklusiven Bildung?“ Fachtagung des DJI

Welche Rolle spielt die Jugendhilfe in der inklusiven Bildung? Erfahrungen aus Ganztagsschulen im Bereich der Sekundarstufe I

Im Rahmen der Tagung stehen die bisherigen Entwicklungen, aktuellen Fragestellungen und kommenden Herausforderungen inklusionsorientierter Bildungskonzepte im Fokus. Die Fachvorträge beschäftigen sich mit dem Selbstverständnis der Jugendhilfe im Kontext von Inklusion sowie mit der Umsetzung Inklusiver Bildung in Ganztagsschule. In daran anschließenden Workshops werden die schrittweise Entwicklung zur Inklusionsschule, die Zusammenarbeit zwischen Regelschullehrkräften und Sonderpädagogen/innen in der Inklusionsschule, die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe sowie die Praxis der inklusionsorientierten Schulsozialarbeit näher beleuchtet. Es sollen Erfahrungen ausgetauscht und Perspektiven auf die Gelingensbedingungen von Inklusion erarbeitet werden.

Das vollständige Programm finden Sie hier.

Wann und wo?
Freitag, 21. November 201410.00-16.30 Uhr
Jerusalemkirche
Lindenstraße 85
10969 Berlin

Anmeldung
Die Anmeldung sollte bis zum 12. November mit der Antwortkarte erfolgen. Es fällt keine Tagungsgebühr an.

Kontakt
Deutsches Jugendinstitut e.V.
Außenstelle Halle
Susanne Ignaszewski
Franckeplatz 1, Haus 12/13
06110 Halle (Saale)

Tel. + (49) 0345/681 78 35
Fax: + (49) 0345/681 78 47
ignaszewski@dji.de

21. November 2014, Berlin: „Sexualität und Familie“ Fachtagung des Regenbogenfamilienzentrums

Am Freitag, dem 21. November 2014, laden das Regenbogenfamilienzentrum Berlin und das SOS Familienzentrum Berlin zur Fachtagung „Sexualität und Familie“ ein. Die zweite gemeinsame Fachtagung findet von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr in den barrierefreien Räumen des SOS Familienzentrums statt. Alexander Nöhring, Leiter der Geschäftsstelle des Berliner Beirats für Familienfragen, wird die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen.

Schwerpunkt des Fachtages wird die fachliche Auseinandersetzung und Sensibilisierung in Bezug auf Sexualität und sexuelle Vielfalt in der Familie im Kontext von Beratung sein. Weitere Informationen zu dem Fachvortrag und den Workshops können Sie der Einladung entnehmen. Eine Anmeldung zum Fachtag ist bis 14. November 2014 möglich.

Freitag, 21. November 2014, 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr
Fachtagung „Sexualität und Familie“
SOS-Familienzentrum, Alte Hellersdorfer Straße 77, 12629 Berlin-Hellersdorf

Programm
09:30 Uhr Einlass
10.00 Uhr Eröffnung
10:30 Uhr Vortrag Dr. phil. Sophinette Becker
12:00 Uhr Pause mit Imbiss
12:45 Uhr Workshops
14:45 Uhr Kaffeepause
15:00 Uhr Ausarbeitung der Workshops/Diskussion im Plenum
16:00 Uhr Ende

Es wird um einen Kostenbeitrag in Höhe von 10,- Euro für Essen und Getränke gebeten. Das Geld ist vor Ort zu entrichten. Eine Teilnahmebescheinigung kann ausgestellt werden.

Weitere Informationen und Anmeldung
constanze.koerner@lsvd.de
Telefon: 030/91901628

20. November 2014, Berlin: „Familienpolitik 54/94/24 – Vision und Wirklichkeit“ Podiumsveranstaltung der AGF

Anlässlich ihres 60jährigen Bestehens lädt die AGF zu einer Podiumsveranstaltung ein:
am 20. November ab 16.15 Uhr in der Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund in Berlin.

Im Fokus der Podiumsveranstaltung stehen ein Rückblick auf Meilensteine der Politik für Familien sowie die Diskussion zukünftiger Herausforderungen für die Familienpolitik und damit auch für die Familienorganisationen.

Programm

16.15 Uhr Einlass

16.30 Uhr Begrüßung: Dr. Klaus Zeh, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e. V.

16.45 Uhr 60 Jahre AGF – ein Blick zurück und nach vorn: Prof. Dr. Dr. Siegfried Keil, ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e. V.

17.00 Uhr Festrede: Stark für Familien: Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

17.20 – 18.30 Uhr: Podiumsdiskussion „Familien im Jahr 2024 – eine Vision. Was ist zu tun?“
•    Prof. em. Dr. Hans Bertram, Humboldt-Universität zu Berlin
•    Elisabeth Niejahr, Journalistin
•    Prof. Dr. Ludger Pries, Lehrstuhl Soziologie/Organisation, Migration und Mitbestimmung an der Ruhr-Universität-Bochum
•    Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
•    Dr. Klaus Zeh, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e. V.

Moderation: Christel Riemann-Hanewinckel, Präsidentin der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie e. V. (eaf)

Ab 18.30 Uhr Gemeinsamer Ausklang mit Gesprächen und Imbiss

Einladung mit Anmeldepostkarte

Eine Anmeldung ist auch über die Anmeldeseite oder per Email an anmeldung [@] ag-familie [.] de möglich.

Weitere Informationen zur Geschichte der AGF: 60 Jahre AGF – Artikelserie

19. November 2014, Köln: „Väter heute: Ernährer, familiäre Hilfsarbeiter, gleichberechtigte Erziehende?!“ Fachtagung des Zukunftsforum Familie in Kooperation mit IMPULS Deutschland

Väter wollen aktiver in der Betreuungs- und Erziehungsarbeit ihrer Kinder sein. Dies ist ein Resultat veränderter Wertvorstellungen zum Verhältnis zwischen Erwerbsleben, Familienleben und Freizeit. Auch neuere gesetzliche Regelungen bestärken dieses neue Selbstverständnis als Vater. Die Realität hingegen sieht oftmals anders aus: Väter klagen über zu wenig Zeit, um die angestrebte aktive Rolle beim Aufwachsen des eigenen Kindes einnehmen zu können. Dies ist zurückzuführen auf den täglichen Spagat zwischen Arbeit und Familienleben.

Ziel der Fachtagung „Väter heute“ ist es zu beleuchten, was Vatersein heute bedeutet und wie unterschiedlich Väter ihre Rolle interpretieren. Zudem wird ein Blick auf die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben in familienbewussten Unternehmen geworfen.

Fachtagung des Zukunftsforum Familie e.V. in Kooperation mit IMPULS Deutschland gGmbH

19. November 2014, 10:30 Uhr bis 17.00 Uhr
im KOMED Zentrum für Veranstaltungen, Im MediaPark 6, 50670 Köln

Programm

  • 10.00 Uhr Anmeldung, Begrüßungskaffee
  • 10.30 Uhr Begrüßung
    Birgit Merkel, stellv. Vorsitzende des ZFF und Peter Weber, Geschäftsführer IMPULS Deutschland gGmbH
  • 10.45 Uhr Grußwort
    Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im BMFSFJ
  • 11.15 Uhr Input: „Vom Alleinernährer zum fürsorglichen Vater – Männer zwischen Kind und Karriere“ Dr. Thomas Gesterkamp, Journalist und Buchautor
  • 12.00 Uhr Kommentar
    Martin Rosowski, Vorsitzender Bundesforum Männer e.V.
  • 12.15 Uhr Diskussion
  • 12.30 Uhr Mittagspause
  • 13.30 Uhr Informationen und Hintergründe zum Programm „Vater sein.“
    Prof. em. Dr. Gudrun Cyprian, Universität Bamberg, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats und Jens Tieben, IMPULS Deutschland gGmbH, Projektleiter
  • 14.00 Uhr Input: „Zwei Partnermonate beim Elterngeld und das war’s? Väter als Adressaten familienbewusster Unternehmenspolitik“
    Dr. Frank Meissner, Leiter DGB Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten“
  • 14.30 Uhr Kommentar
    Thomas Oehring, ehem. Bundesvorsitzender Wirtschaftsjunioren Deutschland e.V. und Vorsitzender des Vorstands FScon AG
  • 14.45 Uhr Diskussion
  • 15.00 Uhr Kaffee und Kuchen
  • 15.15 Uhr World Cafés: Väterarbeit in der Praxis
    • W1: Von der Arbeit mit Vätern zur Väterarbeit – Interkulturelle Väterarbeit in NRW, Coach e.V., Köln, Christian Gollmer, Christoph Kahle
    • W2: „Mein Papa kommt“. Besuchsprogramm für Väter
      Flechtwerk 2+1 gGmbH, München, Annette Habert, Jobst Münderlein
    • W3: Interkulturelle Vätergruppen des Vereins Aufbruch Neukölln e.V., Berlin, Kazim Erdogan, Kemal Hür
    • W4: Das Programm „Vater sein.“ in der Praxis IMPULS Deutschland gGmbH, Bremen, Reyhan Savran, Jens Tieben
  • 16.15 Uhr Abschlussdiskussion: Warten auf die „neuen“ Väter?!
    Prof. em. Dr. Gudrun Cyprian, Kazim Erdogan, Dr. Thomas Gesterkamp,
    Birgit Merkel, Dr. Frank Meissner, Thomas Oehring, Martin Rosowski
  • 16.50 Uhr Verabschiedung
    Birgit Merkel, stellv. Vorsitzende des ZFF und Peter Weber, Geschäftsführer IMPULS Deutschland gGmbH
  • 17.00 Uhr Ende der FachtagungModeration: Jasper Barenberg, Deutschlandfunk, Köln

Das vollständige Programm und Anmeldekarte als PDF finden Sie hier

Anmeldung
Anmeldeschluss ist der 7. November 2014. Der Teilnahmebeitrag beträgt 40,- Euro pro Person (inkl. Verpflegung). Sie können zur bequemen Anmeldung das Online-Anmeldeformular nutzen.

Veranstaltungsort
KOMED Zentrum für Veranstaltungen
Im MediaPark 6
50670 Köln
Anfahrtsbeschreibung

Veranstalter
Zukunftsforum Familie e.V.
Markgrafenstraße 11
10969 Berlin
www.zukunftsforum-familie.de

Workshop des Clusters Familienbildung

„Werte erlebbar machen im Miteinander der Generationen: Praxisbeispiele – Familienbildung“ am 2. September 2008 in Berlin

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In einer Fragebogenaktion wurden Ende 2007 Projekte unter der Überschrift „Werte erlebbar machen im Miteinander der Generationen“ erfasst. Eine Vielzahl interessanter und spannender Praxisbeispiele wurden den Teilnehmer/innen in diesem Workshop zugänglich gemacht. Zur Förderung des Austauschs und des Transfers von Erfahrungen wurden Praktiker/innen aus der Familienbildung eingeladen. Neben einleitenden Vorträgen gab es viel Zeit, sich mit den vielen aus- und vorgestellten Projekten vertraut zu machen.

Nach einführenden Vorträgen am Vormittag standen die Projekte im Mittelpunkt. Während der Mittagspause war Zeit für den Besuch des Marktes der Möglichkeiten. Und am Nachmittag wurden drei Arbeitsgruppen angeboten, um Impulse für die eigene Arbeit zu geben. In Form eines moderierten Gespräches wurden hier die ausgewählten Projekte präsentiert.

Einmischen in die Diskussion um kommunuale Bildungslandschaften

hocke_fb.jpgNorbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, bedankte sich in seiner Begrüßung bei der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, die die Schirmherrschaft für das Projekt „Kinder brauchen Werte – Bündnisinitiative: Verantwortung Erziehung“ übernommen hat. Er kritisierte, dass genau bei denjenigen, die mit den Familien arbeiten, in den letzten sechs Jahren am meisten Personal abgebaut wurde und bezeichnete diesen Personalabbau als Aderlass. Und appellierte an die Teilnehmer/innen, sich in den nächsten Monaten in die Diskussion um die kommunalen Bildungslandschaften einzumischen. Denn Kultur, Familie und die offene Kinder- und Jugendarbeit gehören in diese Diskussion. Es komme weniger darauf an, Leuchttürme und Botschafter/innen zu finden, sondern die öffentliche Verantwortung für ein gelingendes Aufwachsen und die Zuwendung zu den Lebenslagen und Lebensbedingungen der Familien einzubetten in ein Konzept der kommunalen Bildungslandschaften. In dieser Diskussion mit den Stärken zu brillieren und sich nicht an die Seite drängen zu lassen – hierin liegt Norbert Hocke zufolge die Zukunftsperspektive und Chance für die Familienbildung.

Eltern in die Arbeit einbeziehen

golze_fb.jpgDiana Golze, Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, wies in ihrem Grußwort auf den 12. Kinder- und Jugendbericht hin, der die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen mit einem ganzheitlichen Anspruch betrachtet. Der Blick auf die heutige Kindererziehung zeige, dass das Aufwachsen von Kindern heute eine sehr hohe Aufmerksamkeit erfahre und damit auch die Betrachtung der Kinder als eigenständige Persönlichkeiten, die es zu fördern und zu unterstützen gelte. Gleichzeitig wies Diana Golze auf die Problemsituation von Familien hin, denn veränderte, allzu oft familienunfreundliche Arbeitswelten stellten Eltern unter Druck. Aus diesem Grund brauchten Familien Orte des Austausches und der Begegnung  sowie Bildungsangebote, um Kompetenzen zu erlernen, die sie an ihre Kinder weitergeben können, und die Möglichkeit, sich selbst einbringen zu können. Besonders die Beteiligung und die Mitsprache von Eltern seien für die Vorsitzende der Kinderkommission wichtig, denn nur so könnten Demokratie, Toleranz und Solidarität erlernt werden.

Der Beitrag der Familienbildung zur Werteerziehung

loeher_fb.jpgMichael Löher vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. gab einen reichhaltigen Überblick über die Aufgaben und Anforderungen der Familienbildung und wies auf die stetig realen oder gefühlten Anforderungen an Eltern hin. Elterliche Kompetenz sei gefragt wie nie und die vielen Erziehungsratgeber und Fernsehformate zeigten die Nachfrage in erzieherischen Fragen, ohne jedoch wirklich eine große Hilfe zu sein. Familienbildung hingegen mit seinen vielfältigen Angeboten und Trägern unterstütze nachhaltig Familien. Löher stellte drei Thesen vor, welchen Beitrag die Familienbildung zur Werteerziehung leisten könne und solle:

Familienbildung als Brückenfunktion: Durch Familienbildung finde ein Wertetransfer statt. Dadurch, dass derjenige, der eine Familie im Rahmen einer Maßnahme der Familienbildung berät, der Familie Werte vorlebe, würden Werte in die Familie selbst hineingetragen.

Werte vorleben und weitergeben: Die Familienbildung könne die Werte der Eltern transparent und bewusst machen. So versetze sie die Eltern in die Lage, Werte bewusst weitergeben zu können. Doch gehe es hierbei nicht darum, der Familie möglichst viele Werte  nahezubringen oder gar um den besten Wert, sondern immer um die konkrete Familiensituation im Einzelfall. Die Herausforderung bestehe darin, dass Werte einem permanenten Wandel unterworfen seien. Doch, so betonte Löher, könne die Weiterentwicklung von Werten die Weiterentwicklung des Einzelnen bedeuten. Werte zu haben bedeute vor allem, einen Selbstwert zu besitzen und zu entdecken. Dazu müsse die Familienbildung beitragen. Sie müsse Eltern ermutigen, ihren eigenen Wert zu entdecken und schätzen zu lernen.

Familienbildung soll werteorientiert sein: Die Familienbildung müsse selbst werteorientiert sein, wenn sie erfolgreich sein wolle. Diejenigen, die in der Familienbildung tätig sind, müssten für sich selbst Werte gefunden haben, um sie den Familien vorleben zu können. Ohne Werte wie Achtung, Wertschätzung und Respekt gegenüber der Familie auch auszudrücken, könne die Familienbildung nicht die Werteerziehung und Werteorientierung der Eltern stärken.

 

Die Befragungsaktion des Bundesforums Familie

Dr. Katherine Bird vom Bundesforum Familie stellte in ihrem Vortrag die Befragungsaktion des Clusters Familienbildung vor. Ziel der Befragung war es, neue oder innovative Ansätze vieler Einrichtungen und Verbände zu erfassen und interessierten Praktiker/innen vorzustellen, um Impulse für die eigene Arbeit zu geben. Der zweiseitige Fragebogen wurde Ende 2007 an alle Mitgliedsorganisationen verschickt und stieß mit 126 ausgefüllten Antworten auf eine kate1.gifüberraschend große Resonanz. Eine Vielzahl von Angeboten, deren Großteil auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten sind, wurde erfasst: Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz und/oder Entwicklung von Partizipationsmöglichkeiten, religiöse Erziehung/religiöse Bräuche, Jung und Alt/Familienzeit, Ernährung/Hauswirtschaft, Förderung der Kultur/Natur sowie Patenschaften/„Leih-Omas“ o.Ä. Und eine breite Palette an Werten wurde erhoben, die in soziale, kulturelle, religiöse, ökologische und sonstige Werte unterteilt werden konnte.

Die sozialen Werte wie z.B. Solidarität, Toleranz oder Mitgefühl wurden am häufigsten benannt. Die Angaben zu den kulturellen Werten unterstrichen die Bemühungen der Anbieter, gewisse Traditionen weiterzugeben, aber auch die Lust an der Produktion und Rezeption von Kultur zu wecken und zu fördern. Bei den ökologischen Werten war es den Befragten oftmals wichtig, einen sparsamen Umgang mit den begrenzten Ressourcen zu vermitteln. Und als religiöse Werte nannten viele Nächstenliebe, Gottvertrauen sowie Achtung und Wertschätzung der eigenen Personen. Dr. Bird betonte aber hierbei, dass das Thema Werte komplex ist und daher die Klassifikation eines Wertes oder einer Aktion nicht so wichtig ist, wie das dahinter stehende Handlungsprinzip. Und dass es verschiedene Erklärungen, Grundlagen sowie Rechtfertigungen für unsere gemeinsamen Handlungsprinzipien gibt. Anschließend ging Dr. Bird auf drei kleinere spannende Projekte näher ein, um praxisnah aufzuzeigen, wie Werte erlebbar gemacht werden. Übertragbar, so Dr. Bird, sind bestimmte Organisationsformen, wie z.B. Mutter-Kind-Gruppen, Patenschaften oder Begegnungen zwischen Jung und Alt, aber die genaue Gestaltung hängt von den „Macher/innen“ vor Ort ab.

Werte erlebbar machen – die Arbeitsgruppen

gruppe_fb.jpgAm Nachmittag wurden drei Arbeitsgruppen angeboten, in denen in Form eines moderierten Gespräches unterschiedliche Projekte vorgestellt wurden, und mit den Teilnehmenden intensiv diskutiert. Im kleineren Kreis war es möglich, auf die Inhalte, Hintergründe und Beweggründe für das Projekt, Finanzierungsmöglichkeiten und weitere Hindernissen und Hilfen einzugehen.

Folgende Arbeitsgruppen wurden eingerichtet:
AG 1: Kurse für Erziehungspersonen (Moderation: Hubert Heeg, AKF – Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e. V.)
•    „Auf eigenen Beinen stehen“, vorgestellt von Thea Strichau, Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern, AEEB
•    „Kess – Hand in Hand. (Erziehungs-)Kurs für Eltern und Großeltern“, vorgestellt von Sabine Schäfer, Caritas Erziehungs- und Familienberatung Berlin
•    „Stark für die Zukunft“ – Elternseminarreihe für Migrantenfamilien, vorgestellt von Dagmar Höpfner, BVHS Solingen Wuppertal
•    Werteorientierter Erziehungskurs „Kindern zum Leben helfen“, vorgestellt von Peter Scherer, Bistum Augsburg
AG 2: Angebote von Kooperationspartnern der Familienbildung (Moderation: Dr. Katherine Bird, Bundesforum Familie)
•    „GfG-Familienbegleitung von Anfang an“, vorgestellt von Ines Albrecht-Engel, Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband e.V.
•    Toleranzprojekt „Ich bin anders. Du bist anders. Jeder ist einzigartig“, vorgestellt von Eva Neumann, Kindervereinigung Hohen Neuendorf e.V.
AG 3: Ehrenamtliches Engagement und selbstorganisierte Projekte (Moderation: Dr. Erika Neubauer, BAGSO)
•    „Bedeutung der Musikerziehung im frühkindlichen Bereich von behinderten und nicht behinderten Kindern für Eltern und Großeltern“, vorgestellt von Dr. Renate Heinisch, Elternverein Baden-Württemberg e.V.
•    „Initiative Z – Zeit und HerZ. Paten begleiten Familien“, vorgestellt von Christine Heppner, Jugendamt Stuttgart
•    „Stricken für Akzeptanz und Solidarität“ – ein humanitäres Projekt des Deutschen Hausfrauen-Bundes, vorgestellt von Sylvia Dieckhoff, Deutscher Hausfrauen-Bund Schleswig-Holstein

Eine Besonderheit der AG 3 war die Teilnahme gleich zwei Bundesverdienstkreuzträgerinnen: Sylvia Dieckhoff (links) und Dr. Renate Heinisch (rechts), die in langjähriger ehrenamtlicher Arbeit viele Menschen unterstützt haben.

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In einer Abschlussrunde fasste Heribert Rollik vom Deutschen Roten Kreuz die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen zusammen und sprach die Empfehlung aus, Länderinitiativen auf den Weg zu bringen, die sich an die oberste Landesjugendbehörde wenden, um das Erlebbar machen von Werten in § 16 des SGB VIII aufzunehmen.

Regionalkonferenz Süd des Kita-Clusters

„So entsteht ein Werteklima: In Kindertageseinrichtungen wertebewusst kommunizieren“

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Werte können Kindern nicht vermittelt werden – erst durch das eigene Tun und durch das Vorbild von Erwachsenen werden Werte für Kinder lebendig und begreifbar. Aus dem, wie sie Menschen im Umgang miteinander erleben, leiten Kinder intuitiv Regeln für ihr Leben ab. Dies setzt ein Werteklima voraus, das den erhobenen Zeigefinger überflüssig macht. Und genau darum ging es in dieser Regionalkonferenz. Die Kooperationspartner waren der Landesverband Katholischer Kindertagesstätten Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) – Bundesverband.

Am 17. Juli 2008 trafen sich mehr als 60 Erzieher*innen und Fachberater*innen im Christkönigshaus in Stuttgart-Hohenheim, um sich praxisnahe und konkrete Anregungen für die Beschäftigung mit Werten in Kindertagesstätten zu holen.

Zum Auftakt stellte Norbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, fest, dass jede Einrichtung ihreigenes Werteklima habe, das von den Mitarbeiter*innen geprägt werde und auf den Grundpfeilern von Authentizität, Respekt und Wertschätzung ruhe. Er bedauerte zutiefst, dass Erzieher*innen so wenig Wertschätzung erführen, denn wer wenig Wertschätzung erführe, könne sie auch nicht weitergeben. Für ihn sei das Peter SchererKlima einer Einrichtung wichtiger als vielfältige frühkindliche Bildungsangebote.
In seinem Grußwort wies Peter Scherer (Landesverband Katholischer Kindertagesstätten Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.) darauf hin, dass das Wertethema nicht neu sei und immer darunter leide, dass nicht genau definiert sei, was man mit Werten meine, und alle etwas anderes darunter verstünden. Ziel der Regionalkonferenz sei, zur Klärung dieser Frage beizutragen.

Frank Jansen (Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) – Bundesverband e. V.) ging in seinem Grußwort noch einmal auf die Entstehungsgeschichte des Projektes „Kinder brauchen Werte – Bündnisinitiative: Verantwortung Erziehung“ ein und erinnerte daran, dass es die damalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt gewesen sei, die die Idee für das Bündnis für Erziehung hatte und die Kirchen zum gemeinsamen Handeln aufforderte. Dann sei der Regierungswechsel gefolgt und die neue Ministerin von der Leyen hätte das erste Bündnis für Erziehung initiiert. Jansen berichtete von seiner Erfahrung auf der Bundespressekonferenz, auf der das Projekt vorgestellt und sogleich massiv kritisiert worden sei. Aus dieser Erfahrung sei dann das Projekt „Kinder brauchen Werte – Bündnisinitiative: Verantwortung Erziehung“ geworden. Schnell habe man dort gelernt, dass es nicht möglich ist, in so einem pluralen Zusammenhang bestimmte Werte festzulegen. Stattdessen habe man auf die Reflexion dessen gesetzt, was man tut, und versuche darüber zu einem Konsens zu kommen.

Uta Stolz

Den praktischen Teil der Veranstaltung leitete Mitorganisatorin Uta Stolz (Landesverband Katholischer Kindertagesstätten Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.) ein, die darauf hinwies, wie wichtig es sei, die Eltern in den Wertedialog einzubeziehen und dass Werte im Verborgenen wirkten und immer wieder herausgeholt werden müssten. Folgende Fragen formulierte sie für die Veranstaltung:
•    Wie wird im Elternhaus und Kindergarten ein Werteklima geschaffen?
•    Wie kann man Werte erlebbar machen?
•    Wie kann man sie teilen und vermitteln?
•    Wie kann man sie mit Leben füllen, überzeugend und bereichernd machen?

Werte erlebbar machen – gefühlt, gelebt, gezeigt…

Elke Schlimbach

Die Kommunikationsspezialistin, Trainerin für Kommunikation, Kooperation und Erlebniskommunikation Elke Schlimbach war von den Veranstaltern eingeladen worden, um den Teilnehmer*innen eine praxistaugliche Methode nahezubringen, um in ihren Einrichtungen einen Wertedialog führen zu können.
Schlimbach betonte die Wichtigkeit des Begriffs „Erlebnis“ im Hinblick auf die Gestaltung von nachhaltigen Kommunikationsprozessen. Ein Erlebnis habe einen pädagogischen Hintergrund. Was Menschen erleben, hinterlasse nachhaltige Spuren. Herz und Bauch würden Erlebnisse spürbar machen. Ein Erlebnis habe immer etwas mit Unbekanntem zu tun. Die fünf Sinne müssten angesprochen werden.
Wenn Werte erlebbar gemacht werden sollen, müssten sie ungewöhnlich und neu dargestellt werden, sodass Gefühle entstehen können und eine Anregung zum Mitdenken entsteht. Es sei einfacher darauf zu reagieren, wenn etwas nicht stimme mit den Werten.
Schlimbach stellte dann das Konzept der Kommunikationssphären vor. Auf einem Achsenkreuz befänden sich die Dimensionen Aktiviertheit und Innere Beteiligung. Nur in dem Bereich, wo sich Aktiviertheit und Innere Beteiligung treffen, könne ein Erlebnis entstehen. Als Beispiele für Aktiviertheit ohne innere Beteiligung nannte sie den Bildungsbereich. Weder innere Beteiligung noch Aktiviertheit fänden sich beim Fernsehen oder anderen Formen der „Berieselungsunterhaltung“. Hohe innere Beteiligung ohne Aktiviertheit könne in bestimmten Arten des ästhetischen Empfindens vorkommen.
Ziel sei also, sowohl die innere Beteiligung als auch die Aktiviertheit in einer Gruppe zu erreichen, damit es ein gemeinsames Erlebnis geben könne.

Was ist ein Erlebnis?                  –    Aus dem Alltag herausgelöst
Wie wird ein Erlebnis erreicht?    –    Aktivieren, Innere Beteiligung
Was bedeutet das für Werte?    –    Das Alltägliche besonders machen

Auf dieser Grundlage entwickelte sie ein Dreistufenmodell, um Werte erlebbar zu machen:
1.    Sich seiner eigenen Werte bewusst werden und definieren
2.    Leitsätze entwickeln (Wir-Aussagen, wir möchten, wir wollen …)
3.    Handlungsgrundsätze (Ich verpflichte mich, auf meiner persönlichen Ebene)
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Im weiteren Verlauf der Tagung ging es darum, sich die eigenen Werte bewusst zu machen und pädagogische Praktiken zu entwickeln, um sie erlebbar zu machen. Die weiteren Stufen der Entwicklung von Leitsätzen und Handlungsgrundsätzen sind Themen für die Teams in den einzelnen Einrichtungen und können deswegen auf so einer Tagung nicht sinnvoll diskutiert werden.

Was würde ein Kind über Sie erzählen?

Zur Bewusstmachung der eigenen Werte wurden sechs Teilnehmer*innen gebeten, vorne Platz zu nehmen und sich den anderen zu beschreiben. Um sie aus dem Alltag herauszulösen, bat Frau Schlimbach die Freiwilligen, sich aus der Sicht eines Kindes oder eines Haustiers vorzustellen:

•    Wie würde ein Kind oder ein Haustier Sie wohl beschreiben?
•    Was würde ein Kind oder ein Haustier über Sie erzählen?

Danach hatten die sechs Teilnehmenden die Aufgabe, auf Karten aufzuschreiben, welche Werte und Wertehaltungen aus den Vorstellungen der einzelnen Teilnehmenden deutlich wurden. Die große Sammlung wurde in einem mehrstufigen Diskussionsprozess auf drei zentrale Werte zusammengefasst: Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und Gerechtigkeit
Alle Tagungsteilnehmenden wurden in drei Gruppen – eine pro Wert – aufgeteilt. Drei Tische mit unterschiedlichsten Materialen standen zu Verfügung. Nach dem Prinzip „Lernen mit allen Sinnen“ wurden jedem Tisch unterschiedliche Sinne zugeordnet. Die Idee war, der Kreativität der Teilnehmenden freien Lauf zu lassen und die Frage zu beantworten: Wie können wir Kindern und Erwachsenen den uns zugewiesenen Wert mit den uns zugewiesenen Sinnen näherbringen?
Eine Gruppe hatte die Aufgabe, „Gerechtigkeit“ akustisch und taktil erlebbar zu machen. Sie führte das Spiel „stiller Dirigent“ vor, in dem jede/r einen Rhythmus vorgab, den die anderen nachmachen sollten.

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Alle Gruppenmitglieder bekamen damit die Chance, die ganze Gruppe kurzzeitig zu führen. Aber das Spiel funktioniert nur, wenn alle die Grundbedingungen akzeptieren und mitmachen.
Die gestellte Aufgabe brachte für viele der Teilnehmenden eine neue Erkenntnis: In vielen ihrer Alltagsaktivitäten in der Kita werden Werte erlebbar gemacht; sie hatten aber noch nicht erkannt, dass sie das tun. Viele der Teilnehmenden genossen die neue Herangehensweise an eine derartige Problematik und die Gelegenheit, sich kreativ mit der Problemstellung auseinandersetzen zu können. Nicht wenige machten in Gesprächen deutlich, dass sie durchaus versuchen werden, das Gelernte in der eigenen Einrichtung umzusetzen.

Regionalkonferenz Ost II des Kita-Clusters

„Pädagogische Fachkräfte im Spannungsfeld der Wertekonflikte II“

halle1.gif Wie schon zuvor in Dresden ging es in der zweiten Regionalkonferenz Ost am 4. Juni 2008 in Halle um die Entwicklung von Strategien im Umgang mit Wertekonflikten in Sachsen-Anhalt. Das Nachbarschaftszentrum „Pusteblume“ (Träger: SPI-Ost) in Halle war Kooperationspartner und zugleich Tagungsort. Diesmal konnten folgende Referenten und Referentinnen gewonnen werden: Norbert Blauig-Schaaf von „bildung: elementar“, Pascal Begrich von Miteinander e.V., und Annett Maiwald von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Werte sind nicht lehrbar, sondern nur lernbar

blauig-schaaf„Werte können nicht durch Institutionen vermittelt werden, d.h. auch nicht durch Kirchen und Kindergärten oder Schulen, sondern durch Menschen“, zitierte Norbert Blauig-Schaaf von „bildung: elementar“ Ilse Wehrmann. Kinder erfahren Werte nicht in gesonderten pädagogischen Veranstaltungen. Sie erleben sie in vielen verschiedenen Alltagszusammenhängen und in der Interaktion mit anderen Kindern und mit erwachsenen Bezugspersonen. Werte werden oftmals unbewusst an Kinder herangetragen. Deshalb ist es wichtig, dass insbesondere Erwachsene sich ihrer Wertvorstellungen/Wertbilder bewusst sind. Für Norbert Blauig-Schaaf gibt es für wertebewusste Bildung weder eine Methode noch eine pädagogische Zauberformel, sie wächst vielmehr aus einem wertschätzenden Umgang mit den Kindern heraus. Mit einer Wertevermittlung an Kinder korrigieren zu wollen, was die gesellschaftliche Moral der Erwachsenen hervorruft, kann Blauig-Schaaf zufolge nicht funktionieren. Werte sind nicht lehrbar, sondern nur lernbar. Diese Grundhaltung ist für ihn für eine wertebewusste Bildung in allen Kindertageseinrichtungen entscheidend.

Praxisnahe Auseinandersetzung mit fremdenfeindlichen Einstellungen

begrich Pascal Begrich von Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. stellte die vier Schwerpunkte des Vereins kurz vor: Monitoring gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Entwicklung von Handlungsstrategien, Sensibilisierung durch Fortbildungen und Beratung, und Prävention durch die Stärkung von Demokratie und Zivilgesellschaft. Der Verein hat Anfragen von Erzieher/innen erhalten, hauptsächlich aus strukturschwachen Regionen, die über den Umgang mit engagierten aber rechtsextremistischen Eltern eine Beratung suchten. Vor diesem Hintergrund ging Begrich der Frage nach, wie entsteht ein Klima von Fremdenfeindlichkeit? Dazu tragen bei: Die Abwesenheit von Zivilgesellschaft, ein autoritärer Identitätsdiskurs (DDR), hohe Zustimmungswerte zu menschenverachtenden Positionen sowie die Existenz einer rechtsextremen Jugendkultur. Bei einigen Jugendlichen herrscht eine Bedrohungskulisse in den Köpfen. Nach dem Ausländeranteil in ihrem Bundesland befragt, schätzen Schüler/innen in Sachsen-Anhalt es auf 40 bis 50 %, obwohl der tatsächliche Anteil lediglich 1,8 % beträgt. In der Jugendkultur ist zu beobachten, dass die Cliquenbildung immer früher anfängt (mit 12 – 13 Jahren). Anhand eines Szenenmodells erläuterte Begrich wie Jugendliche über Freunde vom äußeren Ring der Szenengänger/innen in den festen Kern einer rechten Clique hineinwachsen können. Die Herausforderung für die Pädagogik ist, es nicht so weit kommen zu lassen. Eine Möglichkeit wäre einen „Wettbewerb der Kulturen und Weltbildern“ zu unterstützen und damit eine demokratische vielfältige Erlebniswelt dem Rechtsextremismus entgegensetzen. Das fängt schon in frühen Jahren an, z.B. mit der Wahl des Spielzeugs und der Bilderbücher. Insbesondere sollten Demokratie und Vielfalt im Kindesalter erfahrbar gemacht werden und die Arbeit mit Eltern und Großeltern nicht vergessen werden – denn ohne sie kann Wertebildung nicht gelingen.

Ostdeutsche Erzieher/innen unter veränderten Verhältnissen

maiwaldIn der ostdeutschen Kita-Landschaft, so Annett Maiwald von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, stehen sich zwei Konzepte gegenüber. Einerseits die Konzeption eines subjektiv motivierten, vom Kind aktiv initiierten und durchgehaltenen Bildungsprozesses, der sich im notwendigen Dialog mit den Erwachsenen entfaltet. Und andererseits das Konzept der Befähigung der Kinder zur regelgeleiteten Teilhabe an der Gesellschaft der Erwachsenen durch die Erzieherin. Eine Pädagogik, die das Durchsetzen von Regeln über die subjektiven Bildungsinteressen der Kinder stellt. Nachdem Maiwald auf die sozialistische Erziehung – die Eingliederung ins Kollektiv – und auf die angewendeten Methoden bei der staatlichen Kindererziehung einging, beschrieb sie auf sehr persönliche und anschauliche Weise anhand eines Beispieles „Aufräumen des Kinderzimmers“ das Spannungsverhältnis von Autonomie und Ordnung zwischen ihr selber und ihrem Sohn: Während für die Mutter unter den Spielsachen ein heilloses Durcheinander und keine Ordnung erkennbar war, unterwies sie ihr Sohn in die Funktionsweise der „kindlich-chaotischen“ Gebäude und Vorrichtungen. Bei einer Aufräumaktion „es wird aufgeräumt, was rausgekramt wurde und nur so rumliegt“ kann das Kind nur zur Erkenntnis gelangen, dass keine Achtung und kein Interesse an seinem/ihrem Produkten, den Resultaten seiner/ihrer kindlichen Eigentätigkeit, bestehen.

teilnehmerin halle Maiwald schlägt vor, dass die Kitas sich von einer abgeforderten Ordnung bzw. von der kontrollierten, protokollierten Zeit und und von dem Einwand „nachher müssen sie es ja eh` können“ befreien. Für sie gilt es, die Heranziehung des Nachwuchses nicht nur als Vorbereitung und Einführung in die späteren erwachsenen Werte zu begreifen, sondern als Begleitung und Wertschätzung der für sich seienden Kinder. In den Kitas müssten bewusst gemachte Erfahrung und Vorbild vorherrschen und damit die Belehrung und Benennung von Werten ablösen, auf die meist die sogenannte Wertevermittlung hinausläuft.

Regionalkonfenz Ost I des Kita-Clusters

„Pädagogische Fachkräfte im Spannungsfeld der Wertekonflikte I“

wustmann2„Konflikte gehören zu unserem Alltag, aber leider gehen sie nicht von alleine weg sondern bedürfen einer aktiven Auseinandersetzung, um sie zu lösen“, so Prof. Dr. Cornelia Wustmann. Im Mittelpunkt der ersten Regionalkonferenz Ost am 29. Mai 2008 in Dresden stand der Umgang mit Wertekonflikten und mit Eltern, die die Demokratie und Menschenrechte aberkennen. Ziel der Regionalkonferenz war es daher, unter Zuhilfenahme des sächsischen Bildungsplanes Handlungsoptionen für Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte zu erarbeiten. Kooperationspartner vor Ort in Dresden waren die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, die AWO und der Landeselternrat Sachsen.

Etwa 70 pädagogische Fachkräfte waren gekommen, um sich die Vorträge von Thomas Platz (Sächsische Landeszentrale für politische Bildung), Dr. Katherine Bird (Bundesforum Familie), Arnfried Schlosser (Sächsisches Staatsministerium für Soziales), Danilo Starosta (Kulturbüro Sachsen) und Prof. Dr. Cornelia Wustmann (Leuphana Universität Lüneburg) anzuhören und anschließend am Nachmittag in Workshops zu diskutieren.

Wertewandel und Wertehaltung

platz ddIn den Vorträgen von Platz und Bird wurden grundsätzliche Fragen zu Wertevorstellungen und zur Wertevermittlung besprochen. Thomas Platz beschrieb den Wertewandel der letzten hundert Jahre in Deutschland, vom Kaiserreich über die Nazizeit bis zur Bundesrepublik. Er betonte das Spannungsfeld, in dem sich pluralistische, westliche Gesellschaften befinden, in denen es keinen allgemein verbindlichen Wertekanon mehr gibt und Wertehaltungen daher wandel- und angreifbar sind. Er wies darauf hin, dass viele Elternhäuser die Meinung vertreten, Wertebildung sei nicht Auftrag öffentlicher Bildungsinstanzen. In einer Umfrage sprachen sich 2/3 aller Eltern für „wertfreien“ Unterricht in der Schule aus. Seiner Meinung nach müssen Eltern und Erzieherinnen Werte leben und aktiv vertreten, er hält es jedoch für verkehrt zu glauben, dass Kita und Schule ein Reparaturbetrieb für die Gesellschaft sein können. Sein Fazit war, dass eine multikulturelle Gesellschaft trotz einer Vielfalt der Werte Verbindlichkeit braucht und dass auch gerade die Wertebildung als Integrationsinstrument sinnvoll sein kann.

kate ddDr. Katherine Bird stellte die Arbeit des Bundesforums Familie, sowie des Kita-Clusters vor. Sie betonte die Botschaft der Auftaktveranstaltung am 22. November 2007: Man kann Werte nicht nicht vermitteln, sondern Erwachsene sind immer Vorbilder für Kinder, ob sie es wollen oder nicht. Deswegen ist eine eigene sichere Wertehaltung unverzichtbar.

 

Die Entstehung des sächsischen Bildungsplanes

schlosser ddIn seinem Vortrag über die Entstehung des sächsischen Bildungsplans stellte Arnfried Schlosser fest, dass das Ziel, unsere Kinder und Enkel zu eigenverantwortlichen, ihrer Individualität bewussten und zugleich gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu erziehen, immer noch vorrangig durch eine Generation von Pädagogen umgesetzt werde, die es in ihrem eigenen Aufwachsen, in ihrer Schul- und Studienzeit ganz anders erlebt hätten. Er beschrieb die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem aktuellen sächsischen Bildungsplan und den damaligen Vorgaben in der DDR. Er wies darauf hin, dass Begriffe wie „Wohlbefinden“ dort keinen Platz gehabt hätten. Die Aufnahme religiöser Bildungselemente in den neuen Bildungsplan habe zu Konflikten geführt. Schlosser zitierte einige Sätze, die damals kontrovers diskutiert worden seien, z. B.: „Die aus der DDR-Zeit herrührende Überzeugung, die Religion hätte in der heutigen Zeit keinen Platz mehr, hat leider einen gewissen religiösen Analphabetismus hinterlassen“. Resümierend plädierte er dafür, stärker über den Wertekonsens in der Demokratie und die Schlussfolgerungen für Erziehung und Bildung zu sprechen – und auch zu streiten.

Werte sind weder „gut“ noch „schlecht“

staroste ddDanilo Starosta benutzte ein Werteviereck, um die Entstehung von Wertekonflikten zu erklären. Für jeden Wert gebe es einen positiven Gegenwert. Beide – der Wert und sein Gegenwert – könnten in ein Extrem „entarten“, wenn sie nicht hinreichend von dem anderen im Gleichgewicht gehalten würden. Ein Beispiel sei die Toleranz. Das eine Extrem von Toleranz sei Gleichgültigkeit und ein positiver Gegenwert die Überzeugungsgewissheit. Konflikte entstünden z. B., wenn zwei unterschiedliche Überzeugungsgewissheiten aufeinandertreffen.
Als Antwort darauf stellte Starosta eine Hierarchie der Konfliktlösung nach Gerhard Schwarz vor: Flucht, Vernichtung, Unterordnung, Delegation an einen Dritten (höhere Instanz), den Kompromiss suchen. Die Parallelwelt des Rechtsextremismus suche keinen Kompromiss mit der Gesellschaft, sondern wolle sie vernichten. Wenn Eltern vermuteten oder erführen, dass ihre Kinder so denken, würden sie Rat suchen. Das Kulturbüro Sachsen sei eine solche Beratungsstelle für besorgte Eltern.
Zum Schluss berichtete Starosta über ein Beispiel für Konfliktlösung mittels Unterordnung. Eine Frau habe ihr Kind in eine Kita in der Nähe von Berlin gebracht und die Einrichtung sei froh über eine „so aktive, interessierte, motivierte, ordnen könnende, moderieren könnende, kluge Frau“ gewesen, bis sie mitbekommen habe, dass sie dem Vorstand der NPD angehörte. Die Einrichtung habe den Betreuungsvertrag gekündigt – wie es einem freien Träger freistünde –, aber sie habe einen Rechtsanspruch auf öffentliche Erziehung. Die Kollegen vom mobilen Beratungsteam in Brandenburg hätten einen neuen Kita-Platz für das Kind gefunden, und zwar in einer AWO-Kita. Dafür müssten die Eltern den Magdeburger Appell der AWO für ein demokratisches Miteinander unterschreiben, der dazu auffordert, vehement gegen die Unterwanderung zivilgesellschaftlicher Strukturen durch Personen und Gruppierungen mit rechtem Gedankengut einzutreten.

Konflikte gehören zum Alltag

zuschauer ddProf. Dr. Cornelia Wustmann betonte in ihrem Vortrag die soziale Komponente von Wertekonflikten. Sie stellte fest, dass Kinder Werte brauchen, aber auch selber Werte haben. Kinder seien keine Konsumenten, sondern aktive Aneigner/innen von Werten. Sie betonte, dass Konflikte zu unserem Alltag gehörten, aber leider gingen sie nicht von alleine weg, sondern bedürften einer aktiven Auseinandersetzung, um sie zu lösen. Zur Illustration berichtete sie über ein Beispiel, in dem verschiedene Wertehaltungen zu einem Konflikt geführt hätten.
„Wenn ein Kind in der Kita Geburtstag hat, ist es üblich, dass an diesem Tag vom Geburtstagskind eine Torte mitgebracht wird. Insbesondere sehr arme Kinder bieten dann sehr häufig sehr teure Konditortorten auf. Der Konflikt, der sich in den Einrichtungen zeigen kann, bezieht sich auf die Möglichkeiten gerade dieser Familien.“
Die Mitarbeiter/-innen der Einrichtung würden sich fragen, wie die Familie sich das leisten könne, wenn sie doch von Hartz IV lebe und das Geld viel sinnvoller ausgeben solle. Vielleicht sei jedoch der Wert der teuren Torte ein anderer für die Mitarbeiter/-innen als in der Familie. Wenn man aber etwas tiefer in die Familien hineinschaue, entdecke man, dass es eigentlich um die Kaschierung von Armutsanzeichen geht. Die Familie lege viel Wert darauf, nicht als arm zu erscheinen, selbst um den Preis, dass sie, wie Wustmann es ausdrückte, „drei oder mehr Tage, im wahrsten Sinne des Wortes, trockene Nudeln ohne Sauce essen muss.“
Daraus schließ Wustmann: „Scheinbar eindeutige Situationen gibt es selten, deswegen müssen wir als Erwachsene beleuchten, was uns stört“ und schlug Reflektionsfragen für das Erkennen von Konflikten vor:
•    Wer sind in der Situation die Beteiligten?
•    Sehen diese selbst ein Problem?
•    Betrifft die Konfliktsituation auch Personen, die nicht direkt beteiligt sind?
•    Ist dies ein Problem, dass ich lösen möchte und kann?
•    Wo haben Kinder wirkliche Entscheidungsspielräume?
•    Wo gibt es Unterschiede, Widersprüche und Gegensätze zwischen den Erziehungsstilen Kita und Elternhaus?

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Regionalkonferenz Nord des Kita-Clusters

„Mein Wert – Dein Wert: Zum Umgang mit Differenz in der Kita“

teilnehmerinnen ha.gif„Nicht alles, was man sieht, ist auch so“
Über 100 Erzieherinnen und Erzieher, viele davon noch in der Ausbildung, folgten der gemeinsamen Einladung des Bundesforums Familie, der AWO Region Hannover und der Alice-Salomon-Fachschule Hannover und nahmen an der Regionalkonferenz Nord am 6. März 2008 in Hannover teil. Die drei Vorträge am Vormittag lieferten reichlich Stoff für Diskussion und Reflektion über die eigenen Werte und das pädagogische Handeln am Nachmittag.

Wertedifferenzen und Wertehaltungen

ha_uslucan2.gifIn seinem Eröffnungsvortrag sprach PD Dr. Haci-Halil Uslucan von der Universität Potsdam über die Wahrnehmung des Anderen und die Gefahr der vorschnellen Erklärung von Problemen mit dem Begriff „Kultur“. Manche Unterschiede lassen sich an Hand anderer Merkmale erklären, wie z.B. Schichtzugehörigkeit oder Geschlecht und nicht nur Ethnie.

Uslucan stellte die Ergebnisse einer Forschungsstudie vor, in der Deutsche, in Deutschland lebende Türken und Türkinnen und in der Türkei lebende Türken und Türkinnen nach ihren wichtigsten Werten befragt wurden. Für einige überraschend, stand in allen drei Gruppen derselbe Wert an erster Stelle: „Familiäre Sicherheit“. An zweiter oder dritter Stelle standen weiterhin in allen drei Gruppen „Freiheit“ und „Freundschaft“. Diese drei Werte führten mit Abstand. Unterschiede bestanden in der Bewertung von „Spiritualität“ und „Achtung vor Tradition“ zwischen den Deutschen und den in Deutschland lebenden Türken und Türkinnen.ha_zuschauermappen.gif

Anknüpfend an die Bedeutung der Spiritualität berichtete Uslucan aus weiteren Studien über religiöse Erziehung in islamischen Familien. Einigen eingewanderten Familien hilft die Religion sich in der Aufnahmegesellschaft zu Recht zu finden. Angesichts der Unübersichtlichkeit und Komplexität der neuen Heimat bietet die Religion klare Regeln und Orientierungen. Ferner wenn das Bild eines Gottes als eine schützende, bergende und bedingungslos liebende Macht vermittelt wird, kann es das Selbstwertgefühl eines Kindes stärken. In diesem Fall kann die Religion als Ressource in der kindlichen Entwicklung betrachtet werden.

Zum Schluss warnte Uslucan vor „pädagogischen Fallen“ im Umgang mit Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund. Dazu gehören die Tendenz zum Universalismus („Alle Türken sind gleich“), die Fixierung auf eine fremde Mentalität oder Sitten (manchmal sind es die Eheprobleme der Eltern, die einem Kind zu schaffen machen), der pauschale Verdacht auf Fundamentalismus, eine folgenlose Toleranz (Unterschiede wahrnehmen aber keinen Umgang damit entwickeln), die Infantilisierung von Eltern mit Migrationshintergrund, die Tendenz zur zivilisatorischen Missionierung und keine Infragestellung des eigenen Wahrnehmungs- oder Bewertungsmusters. Vor allem dieser letzte Punkt wurde in den Workshops am Nachmittag aufgegriffen.

Der Umgang mit Wertedifferenzen im niedersächsischen Orientierungsplan

ministerium.gif Im zweiten Vortrag berichtete Christiane Reckmann aus dem niedersächsischen Kultusministerium, Referat 31 (Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder), über die Entstehung und Inhalte des Orientierungsplans für Bildung und Erziehung im Elementarbereich. An der Erarbeitung des Plans waren nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kultusministeriums beteiligt, sondern auch die Kita-Träger und Eltern. In der prozesshaften Zusammenarbeit kamen bestimmte Werte zum Vorschein, wie z.B. Wertschätzung, Akzeptanz, Beachtung und Verständigung.
Im Orientierungsplan selbst befasste sich ein Abschnitt mit ethischen und religiösen Fragen. Der Fokus liegt auf grundlegenden Erfahrungen der menschlichen Existenz, wie z.B. Geburt oder Tod, und nicht auf einer spezifischen religiösen Interpretation. In der Kita sollen Kinder positive Grunderfahrungen machen: Geborgenheit, Vertrauen und Angenommensein. Sie sollen zu ihrem eigenen Standpunkt verholfen werden in dem sie lernen, dass es gut ist, solidarisch zu sein und anderen zu helfen. Sie lernen Toleranz, die Achtung der Umwelt und der Mitmenschen vor allem durch das Vorbild der Erwachsenen und durch gelebte Demokratie in der Kindertagesst
ätha_zuschauerlachend.gifte.

Es ist Aufgabe der Erzieherinnen, den Raum für solche Themen zu schaffen und ihn entsprechend zu gestalten. Obwohl Erzählungen und Feste natürlich geeignete Anlässe für Diskussionen über ethische und religiöse Fragen sind, werden die positiven Grunderfahrungen im Kita-Alltag gemacht, ohne darüber nachzudenken. Zur Unterstützung der Erzieherinnen kann es hilfreich sein, über diese Fragen zu reflektieren: Welche Sicht auf das Kind habe ich? Bin ich Vorbild? Vermittele ich die Werte des Trägers? Sind die Eltern ein Partner? Die Konsultationskitas nehmen sich einen Schwerpunkt aus dem Orientierungsplan und entwickeln Umsetzungsvorschläge für sich und andere Kitas. Auf dieser Weise lernt die Praxis von der Praxis. Die vollständige Liste der Konsultationskitas finden Sie hier: www.kita-bildet.de
Die Kita „Villa Kunterbunt“ in Peine (Raum Braunschweig) hat den Schwerpunkt Wertebildung mit konkreten Aktivitäten zur Bildung von fünf Werten: Solidarität, Weltbürger, Gerechtigkeit, Frieden und Naturschutz.
Der Orientierungsplan wurde ursprünglich für 3- bis 6-Jährigen konzipiert. Zurzeit ist das Kultusministerium wieder im Gespräch mit den Trägern, um den Plan für 0- bis 3-Jährigen zu erweitern, im Zuge des Ausbaus der Betreuung der unter 3-Jährigen.
Hier können Sie den Niedersächsischen Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich herunterladen: www.mk.niedersachsen.de

„Kinderwelten“ – Ein Projekt zur vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung

ha_birgit.gif Abgerundet wurde der Vormittag mit der Vorstellung des Projektes „Kinderwelten“ von Birgit Merkel von der AWO Region Hannover. Seit ihrer Gründung im Jahre 1919 gehören Werte wie Toleranz, Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität zum Leitbild der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Deswegen wird in AWO-Kitas einen besonderen Schwerpunkt auf das Erlernen von demokratischen Verhaltensweisen gelegt. Kinder erwerben und praktizieren demokratische Verhaltensweisen in gemeinsamen Aktionen:
– im gemeinsamen Spiel
– in der gemeinsamen Planung
– in der gemeinsamen Gestaltung des Zusammenlebens.

Von dieser Ausgangslage war die Beteiligung am Projekt „Kinderwelten“ nur ein kurzer Schritt. Über drei Jahre arbeiteten die AWO Region Hannover zusammen mit Institut für den Situationsansatz, internationale Akademie gGmbh an der FU Berlin im Rahmen des Projektes. Basis für das Projekt „Kinderwelten“ ist der Anti-Bias-Ansatz. Für die Kinder bedeutet dies:

•    Kinder brauchen pädagogische Fachkräfte, die sich ihres eigenen kulturellen Hintergrunds und seiner Auswirkungen auf ihre Tätigkeit bewusst sind.
•    Dazu gehört, dass sie ihre Machtposition im Erziehungsgeschehen reflektieren, Einseitigkeiten erkennen und bei Vorurteilen und Diskriminierung kompetent eingreifen.

Für die pädagogischen Fachkräfte sind vier Ziele von zentraler Bedeutung:

•    Erkennen Sie ihren eigenen kulturellen Hintergrund und seinen Einfluss auf Ihr berufliches Handeln.
•   
Lernen Sie die unterschiedlichen Familienkulturen und Vorstellungen über Erziehung und Lernen kennen.
•    Werden Sie kritisch gegenüber Diskriminierungen und Vorurteilen in Ihrer Einrichtung und allgemein im Bildungsbereich.
•    Initiieren Sie Dialoge über Diskriminierungen und Vorurteile und tragen Sie Konflikte aus.
Wie diese abstrakten Prinzipien in vielfältigen praktischen Aktivitäten umgesetzt werden können, zeigte Frau Merkel inha_birgitmagda.gif einer Ton-Dia Show. Da der Ansatz kontextbezogen ist („Situationsansatz“), gibt es keine allgemeingültigen Konzepte, sondern der Anti-Bias-Ansatz ist auf den jeweiligen Kontext zu beziehen. Er umfasst Vorurteile jeglicher Art aber thematisiert Unterschiede auf der Grundlage von Gemeinsamkeiten. Wichtig ist die breite Verankerung in der Kita: es geht alle Kinder an, bezieht die Familien(-kulturen) ein und ist integriert in Alltagsleben der KiTa (nicht touristisch). Die Einblicke in die Praxis lieferten wichtige Inspirationen für die Workshops am Nachmittag.

Die Dokumentation kann bei der AWO Bezirksverband Hannover e.V., Körtingsdorfer Weg 8, 30455 Hannover gegen ein Entgelt erworben werden.
Weitere Informationen über „Kinderwelten“ finden Sie unter www.kinderwelten.net

Workshops – Reflektion über die eigenen Werte

Am Nachmittag fanden drei parallele Workshops statt. Schwerpunkt war die Reflektion über die eigenen Werte und wie diese mit denen der Kinder, ihrer Eltern, der weiteren Teammitglieder, des Leitbildes des Trägers und der Gesellschaft insgesamt zusammenpassen. Eine wichtige Botschaft des Tages war Differenz als Chance zu sehen und zu begreifen und „Wertedifferenzen nicht nur wahrnehmen, sondern etwas daraus machen.“
ha_workshopzettelschreiben.gif ha_zettel.gif ha_workshoppinwand.gif

Protokolle der Workshops
•    Workshop 1
•    Workshop 2
•   
Workshop 3

Auftaktveranstaltung des Kita-Clusters

„Werte reflektieren und erlebbar machen! Wertevermittlung in frühen Jahren“ im November 2007 in Hannover

preissing.jpg„Werte können nicht vermittelt werden, sondern müssen von jedem Kind durch eigene Aktivität gebildet werden“, betonte Dr. Christa Preissing auf der Auftaktveranstaltung „Werte reflektieren und erlebbar machen! Wertevermittlung in jungen Jahren“ am 22. November 2007 in Hannover.

Die beiden einführenden Referate von Dr. Christa Preissing von der Internationalen Akademie, Institut für den Situationsansatz (ISTA) der Freien Universität Berlin und Dr. Rainer Strätz vom Sozialpädagogischen Institut Nordrhein-Westfalen dienten als Grundlage, um in den anschließenden berufsspezifischen Workshops (Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege und Elternvertretung) über das eigene pädagogische Handeln zu reflektieren. Während Dr. Christa Preissing in das Thema einführte, ihr Verständnis von Bildung darlegte und hieraus die Wertebildung ableitete und ausführte, veranschaulichte Dr. Rainer Strätz anhand von Beispielen, welche Möglichkeiten Fachkräfte und Eltern zur Wertebildung in konkreten Situationen zur Verfügung stehen und wie sich unterschiedliches Verhalten bei Kindern auswirkt.

Werte müssen durch eigene Aktivität gebildet werden

straetz.jpgFür Preissing und Strätz ist Bildung ein aktiver Prozess, denn ein Kind entdecke, erforsche und gestalte seine Welt durch eigenwillige Tätigkeit mit allen Sinnen vom ersten Atemzug an. Für sie sei Bildung nicht von Wertebildung zu trennen. Werte könnten nicht vermittelt werden, betonte Preissing, sondern müssten von jedem Kind durch eigene Aktivität gebildet werden. In dieser Aktivität wollten Kinder wertgeschätzt werden und diese Wertschätzung sei die wichtigste Quelle, aus der die Kinder neue Energie für ihren weiteren Bildungsprozess zögen. Wertebildung sei ohne diese Wertschätzung nicht denkbar.
„Kinder lernen nur das, was sie wollen, nicht das was sie sollen“, zitierte Preissing den Neurophysiologen Wolf Singer, denn Kinder wollten aus sich heraus etwas wollen, können und erfahren. Der Wunsch, sich anzustrengen und etwas zu leisten, Widerstände und Schwierigkeiten zu überwinden, werde von der Erwartung auf ein Glücksempfinden gespeist. Doch Wertebildung werde in der pädagogischen Praxis oft als Erziehung zum Verzicht, zur Begrenzung verstanden, die das Glücksempfinden ausschließe. Preissing betonte, dass das eigene Wollen und der Stolz auf die eigene Leistung vom Kind her gesehen Voraussetzung und nicht Barriere für Gemeinschaftsfähigkeit seien. Wertebildung sei dann Gewinn, wenn Gemeinschaftsfähigkeit nicht Unterordnung bedeute, sondern durch eigene Leistung zu einer Entwicklung in der Gemeinschaft beitrage. Grundbedingung sei hier allerdings, dass die eigenen Voraussetzungen und Möglichkeiten eines jeden Kindes in der Gemeinschaft einer Kita Platz hätten.
Für Strätz sind Werte auch wahre Unruhestifter, denn der Wunsch nach Frieden erfülle sich nicht, wenn man immer die Wahrheit sagt. Oder es stelle sich auch die Frage, ob man in einer ungerechten Welt Pazifist sein kann. Wenn man mit Kindern über Werte spreche, die hinter Handlungen stünden, würden sie für Kinder dann besonders erlebbar, wenn es „auf der Kippe“ steht, in Situationen, in den es ihnen vielleicht schwerfällt, sich wertgemäß zu verhalten. Dann hätten Kinder ein Recht auf einen kurzen Blick, der sagte, dass wir es bemerkt haben und uns darüber freuen – ohne lange darüber zu sprechen. Preissing ergänzte, dass für die Wertebildung die Konflikthandlung in der Kindergruppe wichtig sei. Denn hier werde ausgehandelt, was zählt, was in der Gemeinschaft Wert hat. Würden diese Aushandlungsprozesse durch den mächtigen Erwachsenen gestoppt, unterbrochen oder blockiert, indem die Konfliktregelung den Kindern aus der Hand genommen und vom Erwachsenen übernommen werden, werde auch die Wertebildung blockiert.

Mit den Kindern in den Dialog treten – Werte reflektieren

podium1.jpgDas Beobachten und Dokumentieren – eine jüngst noch mal sehr in die Bildungsdiskussion in den Tageseinrichtungen für Kinder eingebrachte Frage – stellen für Preissing und Strätz vielfältige Chancen dar, denn hier biete sich die Gelegenheit, in einen intensiven Dialog mit den Kindern zu treten. Hier werde deutlich, welchen Wert die betreffenden Aktivitäten für das jeweilige Kind und welchen Wert die Erzieherin ihr beigemessen hätten. Doch hiermit seien auch Risiken verbunden, denn vielerorts herrsche die Annahme, die eigenen Bewertungen seien außen vor zu lassen. Das Gegenteil sei der Fall. Kinder hätten ein Recht auf die Bewertungen der Erwachsenen und ein Recht, sich damit auseinanderzusetzen – nicht als Vorschrift, sondern als Feedback.
Beide Referierende betonten die Wichtigkeit, authentisches Vorbild zu sein. Wertebildung zeige sich für Kinder aus unterschiedlichen Kulturen daran, wessen Sprache gehört und verstanden wird, wessen Erfahrung zählen, wessen Erleben in das Leben der Kita einbezogen werden, was ignoriert oder abgewertet wird und wer etwas wert ist. „Werte kann man nicht nicht vorleben“, so Strätz. Dies erfordere eine ständige Selbstreflektion sowie eine Reflektion im Team, mit Eltern und anderen Experten. Die Richtlinien für diese Selbstreflexion könnten folgende Prinzipien sein:
•    Unantastbarkeit/Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens
•    Recht auf Zugehörigkeit
•    Individuelle Freiheit und Integrität
•    Gleichwürdigkeit/Gleichheit aller Menschen
•    Gleichberechtigung
•    Solidarität mit Menschen in unterprivilegierten Situationen
•    Verantwortlicher Umgang mit Tieren und Pflanzen und mit natürlichen Ressourcen
Auf diese Weise könne den Kindern allmählich und ohne pädagogischen Zeigefinger bewusst werden, dass und welche Wirkungen ihre Handlungen für sie selbst und ihre Gemeinschaft haben. Dies sei nicht nur eine wesentliche lernmethodische Kompetenz, sondern fördere vor allem das Lernen in Sinn- und Bedeutungszusammenhängen und damit die Bildung von Werten in einem doppelten Sinn.

Ein Bericht über die Tagung erschien in “Kinderzeit – Zeitschrift für Pädagogik und Bildung. Das didacta Fachmagazin“, 1/2008, Seite 7 unter dem Titel „Werte bilden“.


17. November 2014, Berlin: „Monitoring in der frühkindlichen Bildung: Was sagen (inter)nationale Längsschnittstudien über die Wirkung früher Bildung auf die kindliche Entwicklung aus?“ Internationale Fachtagung des ICEC am DJI

Die Qualität frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu erhöhen ist ein wichtiges Anliegen vieler Staaten. Dabei gibt es eine Tendenz, die Qualität von Angeboten daran zu messen, welche Wirkung sie auf kindliche Entwicklungs- und Lernprozesse haben. In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Ländern Europas Längsschnittstudien auf den Weg gebracht, auch um die Frage nach der Wirkung frühkindlicher Bildung anzugehen.

Das Internationale Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC) am DJI und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) laden Sie herzlich dazu ein, diese Entwicklung gemeinsam in den Blick zu nehmen. Dabei sollen u.a. folgende Fragen diskutiert werden:

  • Wie lassen sich „child outcomes“ messen und welche Herausforderungen gibt es dabei?
  • Auf welche Fähigkeiten kommt es langfristig für Bildungserfolg und eine gelingende Lebensführung an?
  • Wie können die Ergebnisse von Längsschnittstudien im Sinne einer evidenzbasierten Politik für Qualitätsverbesserungen herangezogen werden?
  • Welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn und welche Herausforderungen bringt eine international vergleichende Erhebung kindlicher Fähigkeiten mit sich?

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem OECD-Netzwerk zur Frühkindlichen Bildung und Betreuung statt. Arbeitssprachen sind Deutsch und Englisch. Deutsche und englischsprachige Beiträge werden simultan übersetzt.

Programm

08:00 Uhr Anmeldung
09.00 Uhr Begrüßung
Staatssekretärin Caren Marks, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin und Prof. Dr. Bernhard Kalicki, Deutsches Jugendinstitut, München
09:45 Uhr Längsschnittstudien als Teil des Monitorings frühkindlicher Bildung und Betreuung in Deutschland: Prof. Dr. Yvonne Anders, Freie Universität Berlin, Berlin
10:30 Uhr Kaffeepause
11:00 Uhr Messung von kindlichen Fähigkeiten in unterschiedlichen Ländern:
Ausgewählte nationale Längsschnittstudien
Nationales Bildungspanel (NEPS): Prof. Dr. Sabine Weinert, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Bamberg
Studie zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung (SEED): Prof. Dr. Edward Melhuish, University of Oxford, Oxford
12:30 Uhr Mittagssnack
13:30 Uhr Nationale Kohortenstudie zu frühkindlicher Bildung und Betreuung (Pre-COOL): Prof. Dr. Paul Lesemann, Universiteit Utrecht, Utrecht
14:15 Uhr Messung der Auswirkungen von FBBE auf kindliche Fähigkeiten durch Längsschnitterhebungen: Grenzen und Möglichkeiten: Prof. Dr. Steven Barnett, Rutgers University, New Brunswick (USA)
15:00 Uhr Kaffeepause
15:30 Uhr Internationale Vergleichsstudie der OECD frühkindlichen Entwicklung: Ziele und Stand der Planungen: OECD ECEC secretariat/bureau
16:00 Uhr Podiumsdiskussion: Kindliche Entwicklungsstudien – was ist der Mehrwert für die Kita-Qualität?
17:15 Uhr Abschluss
17:30 Uhr Tagungsende

Tagungsprogramm als PDF

Website der Konferenz

Anmeldung

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei. Zum Anmeldeformular
Die Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Der Eingang Ihrer Anmeldung wird per E-Mail automatisch bestätigt. Zusätzlich erhalten Sie eine verbindliche Zusage für Ihre Anmeldung. Sollte die Tagung ausgebucht sein, werden Sie entsprechend benachrichtigt und automatisch auf eine Warteliste gesetzt. Bitte teilen Sie einen Rücktritt von der Anmeldung mit (ganzevoort@dji.de), damit die frei gewordenen Plätze anderweitig vergeben werden können. Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich zugleich damit einverstanden, dass Ihre Daten vom Deutschen Jugendinstitut e.V. ausschließlich zum Zweck der Durchführung der Fachtagung gespeichert und verwendet werden und, dass Ihr Name und Ihre Dienststelle in eine Teilnehmerliste aufgenommen und allen Teilnehmenden ausgehändigt werden.

Tagungsort

Hotel Aquino
Tagungszentrum Katholische Akademie
Hannoversche Straße 5b
10115 Berlin
Anfahrtsskizze

Organisation

Deutsches Jugendinstitut (DJI)
Sylvie Ganzevoort
Nockherstraße 2
81541 München
Email: ganzevoort@dji.de
Tel.: 089/62306-319
Fax: 089/62306-407

17. November 2014, Erfurt: „Was Eltern brauchen!“ Fachtag Elternschaft und Behinderung/chronische Erkrankung des bbe e.V.

Welche Bedarfe haben Eltern mit unterschiedlichen Behinderungen und chronischen Erkrankungen, damit der Alltag mit Kind gelingt? Wie müssen Hilfen für behinderte/chronisch kranke Eltern ausgerichtet sein, damit sie Elternschaft selbstbestimmt leben und für das Wohl ihrer Kinder sorgen können?

Welche Forderungen ergeben sich an Sozialverwaltung und Politik, damit Eltern mit Behinderung/chronischer Erkrankung die benötigten Hilfen zeitnah und bedarfsorientiert bekommen? Welche Chancen bietet ein zukünftiges Bundesteilhabegesetz?

Diese und weitere Fragen sollen aus der Sicht von Eltern mit Sinnes-, Körperbehinderungen und chronischen Erkrankungen, von Eltern mit Lernschwierigkeiten und psychisch erkrankten Eltern in Vorträgen und in Arbeitsgruppen diskutiert werden.

Eingeladen sind Eltern mit Behinderung/chronischer Erkrankung sowie Mitarbeiter/innen aus Diensten, Beratungsstellen, Verwaltungen, Politik und Selbsthilfe.

Fachtag Elternschaft und Behinderung/chronische Erkrankung des bbe e.V.
17. November 2014, Stadtwerke Erfurt

Programm

10:00 Uhr Ankommen und Anmelden
10:30 Uhr Begrüßung durch den bbe e.V., Grußwort Dr. Paul Brockhausen, Landesbehindertenbeauftragter
10:50 Uhr Eltern mit Körper-, Sinnesbehinderung sowie chronischen Erkrankungen: Beratungsstelle Elternassistenz Erfurt stellt sich vor, Peggy Steinecke, bbe e. V.
11:10 Uhr Eltern mit Lernschwierigkeiten: Elternhaus Jena – Angebot der Begleiteten Elternschaft, Michaela Hoffmann, Saale Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena
11:30 Uhr Unterstützung und Hilfe für Kinder und Eltern mit seelischen Krisen, Andrea Olle, KIPS – Solingen
Pause
12:00 Uhr Was macht gute Hilfe für uns aus? Talk-Runde von Eltern mit Behinderung/chronischer Erkrankung
12:30 Uhr Eltern mit Behinderung/chronischer Erkrankung – Stand der Forschung, Dr. phil. Marion Michel, Uni Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health
13:00 Uhr Mittagspause – Infostände
14:00 Uhr Arbeitsgruppen
In den Arbeitsgruppen werden Erfahrungen zu Unterstützungsbedarfen ausgetauscht. Gemeinsam werden konkrete Erwartungen formuliert, die sich aus den Bedarfen für ein Bundesteilhabegesetz ergeben.
•    AG 1: Begleitete Elternschaft: Stefanie Bargfrede, Lebenshilfe Bremen, Unterstützte Elternschaft und Sprecherin der BAG Begleitete Elternschaft
•    AG 2: Unterstützung für Eltern mit seelischen Krisen: AG Leitung angefragt
•    AG 3: Elternassistenz: Hilfen im Alltag für körper-, sinnesbehinderte/chronisch kranke Eltern, Elisabeth Fink, Caritas Regensburg und Susanne Schnabel, bbe e. V.
15:45 Uhr Kaffeepause
16:00 Uhr Podiumsdiskussion mit Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen sowie Eltern, Vertretern aus Politik und Verwaltung
17:00 Uhr Tagungsende

Organisatorisches

Teilnahmegebühr: 30 Euro
für Eltern mit Behinderung/chronischer Erkrankung: 10 Euro
Anmeldeschluss: 20. Oktober 2014

Veranstaltungsort:
Stadtwerke Erfurt
Magdeburger Allee 34
99086 Erfurt

Der Tagungsort ist berollbar, weitere Bedingungen zur Barrierefreiheit bitte in der Anmeldung angeben.
Eine genaue Anfahrtsskizze zum Veranstaltungsort finden Sie hier.

Veranstalter:
bbe e.V.
Beratungsstelle Elternassistenz
Johannesstraße 141, 99084 Erfurt
Tel.: 0361-7525228
E-Mail: elternassistenz-erfurt@behinderte-eltern.de
http://www.behinderte-eltern.de

Programmflyer
Anmeldebogen als PDF, Word, OpenText

Stellungnahmen zur Berliner Erklärung

Am 25. November 2008 stellte die Steuerungsgruppe des Bundesforums Familie ihre Berliner Erklärung zur werteorientierten Erziehung der Öffentlichkeit vor. Mit der Berliner Erklärung drücken die Erstunterzeichnenden ihre Vorstellungen von einer wertorientierenden Erziehung und den nötigen Rahmenbedingungen dafür aus. Die Berliner Erklärung ist der erste Beitrag einer weiterführenden Diskussion in Verbänden, Politik und Öffentlichkeit, die wir auf diesen Seiten dokumentieren werden.

Die ersten Stellungnahmen wurden am 25. November vorgetragen:

•    Stellungnahme von Dr. Josef Faltermeier, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge
•    Stellungnahme von Judith Huber, Humanistischer Verband Deutschlands, Bundesverband
•    Stellungnahme von Dr. Ayyub A. Köhler, Zentralrat der Muslime in Deutschland
•    Stellungnahme von Prof. Dr. Dieter Spanhel, Universität Erlangen-Nürnberg
•    Stellungnahme von Anette Stein, Bertelsmann Stiftung
•    Stellungnahme von Cord Wellhausen, Der Paritätischer Gesamtverband

foto henning moser

Erstunterzeichnende und Stellungnehmende auf der Abschlussveranstaltung am 25. November 2008, von l. nach r.: Wolfgang Hötzel; Dr. Erika Neubauer; Sarah Singer; Magda Göller; Dr. Insa Schöningh; Dr. Ayyub Axel Köhler; Cornelia Spohn; Dr. Jürgen Frank; Cord Wellhausen; Dr. Katherine Bird; Norbert Hocke; Dr. Barbara Thiessen; Dr. Josef Faltermeier; Prof. Dr. Dieter Spanhel; Judith Huber; Hannes Lachenmair.

Unterzeichnende

Nach der Vorstellung der Berliner Erklärung teilten uns weitere Mitgliedsorganisationen ihre Unterstützung mit. Die Erstunterzeichnenden sind:
•    Norbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
•   
Cornelia Spohn, Stellvertretende Sprecherin des Bundesforums Familie, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e. V.
•   
Magda Göller, Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bundesverband
•   
Wolfgang Hötzel, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz
•   
Ute König, Bundesarbeitsgemeinschaft Ev. Familien-Bildungsstätten und Familien-Bildungswerke (BAG)
•   
Hannes Lachenmair, Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE)
•   
Peggi Liebisch, Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV)
•    Dr. Erika Neubauer, Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO)
•   
Dr. Insa Schöningh, Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (eaf)
•   
Wilfried Steinert, Bundeselternrat (BER)

unterzeichnen

Unterzeichnende auf dem Parlamentarischen Nachmittag am 20. April 2009, von l. nach r. Wilfried Steinert, Bundeselternrat (BER); Dr. Eberhard Jüttner, Der Paritätische Gesamtverband; Angelika Grözinger, Deutscher Hausfrauen-Bund, Berufsverband der Haushaltführenden (DHB); Helga Conzen, Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Einrichtungen der Familienbildung; Magda Göller, Verein zur Förderung der Beziehungskompetenz; Gisela Notz, pro familia; Hannes Lachenmair, Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE); Norbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW); Dr. Insa Schöningh, Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (eaf); Dr. Verena Wittke, AWO Bundesverband; Birgit Merkel, Zukunftsforum Familie; Dr. Volker Mueller, Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften; Regine Bigga, Haushalt in Bildung und Forschung (HaBiFo); Dr. Jürgen Blumenberg, Verein zur Förderung der Beziehungskompetenz; Dieter Dornbusch, Bundeselternrat (BER); Norbert Hubweber, Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen (BAG OKJE);Ines Albrecht-Engel, Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband (GfG);Michael Kortländer, LegaKids; Ute Brückner, ECE – Early Childhood Education European Institute; Ruth Althoff-Epting, Evangelische Konferenz für Familien und Lebensberatung (EKFuL); Wolfgang Hötzel, Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (eaf)

Folgende Unterzeichnende sind seit der Vorstellung der Berliner Erklärung am 25.11.2008 dazu gekommen:
•   
Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen e.V. (BAG OKJE)
•   
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke)
•   
Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften
•   
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB)
•   
Deutsche Gesellschaft für systemische Therapie und Familientherapie (DGSF)
•   
Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
•   
Deutscher Hausfrauen-Bund, Berufsverband der Haushaltführenden (DHB)
•   
ECE – Early Childhood Education European Institute
•   
Evangelische Konferenz für Familien und Lebensberatung (EKFuL)
•   
Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband
•   
Haushalt in Bildung und Forschung (HaBiFo)
•   
Humanistischer Verband Deutschlands, Bundesverband
•   
IG Metall
•   
Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Einrichtungen der Familienbildun
•   
LegaKids
•   
Der Paritätische Gesamtverband
•   
Paritätisches Bildungswerk Bundesverband
•   
Verband Bildung und Erziehung (VBE)
•   
Verein zur Förderung der Beziehungskompetenz
•   
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
•   
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)
•   
Zukunftsforum Familie

Abschlussveranstaltung: „Kinder haben Werte!“

gruppe_02„Kinder haben Werte!“ – Dieser Satz fasst das Ergebnis der zweijährigen Arbeit des Projekt „Kinder brauchen Werte – Bündnisinitiative: Verantwortung Erziehung“  am besten zusammen. Am 25. November 2008 zogen alle am Projekt Beteiligten auf der Abschlussveranstaltung ein gemeinsames Fazit der Arbeit. Einhellige Meinung, es hat sich gelohnt! Norbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, Dr. Katherine Bird, die Geschäftsführerin und  ließen alle Aktivitäten der letzten zwei Jahre noch einmal Revue passieren. Schon am Anfang wurde allen Beteiligten schnell klar, dass es im Projekt nicht um die Durchsetzung der eigenen Vorstellungen vom gelungenen Leben gehen kann, sondern um das Wohl aller Kinder. Das Bundesforum Familie hält dieses reflexive und auch (selbst-)kritische Verhältnis zum Wertethema – das in seiner ganzen Tragweite beleuchtet werden muss – für unabdingbar. Nicht erst die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die der breiten Öffentlichkeit Abgründe von Gier und Verantwortungslosigkeit in Kreisen der wirtschaftlichen Elite vorführte, machte deutlich, dass das Thema Werte immer erst einmal zur Selbstreflexion zwingt. Welche Werte haben diejenigen, die Kindern Werte vermitteln wollen?

Die Grundlage der Arbeit des Bundesforums war der Dialog. Dieser Wertedialog über die eigenen Werte und die Werte der Anderen wurde in zahlreichen Veranstaltungen, Seminaren und Arbeitsgruppen, mit Fachleuten, Mitarbeiter/innen aus der pädagogischen Praxis, Politiker/innen und Bürger/innen geführt, in Form von Publikationen ausgearbeitet, dokumentiert und für die praktische Arbeit nutzbar gemacht.

Neben den zahlreichen Publikationen wurden auf der Abschlussveranstaltung auch die Ergebnisse der Studie KinderSTIMMEN ElternSTIMMEN. Vorbilder und Werte in der Erziehung des Bundesforums Familie und des Kindersenders NICK vorgestellt, die neue Einblicke in das Werteempfinden von Kindern und Eltern erlauben.

Wesentliche Ergebnisse der Fachdebatten im Bundesforum Familie wurden in Form der Berliner Erklärung zur werteorientierten Erziehung auf der Veranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.  Sie soll eine weiterführende Diskussion in Verbänden, Politik und Öffentlichkeit anregen und Anstöße für praktische Initiativen in Einrichtungen der Elementarpädagogik sowie der Familienbildung und -beratung geben. Viele Mitgliedsorganisationen nutzten die Gelegenheit, um vor Ort zur Berliner Erklärung Stellung zu nehmen.

gewinnerEin besonderer Höhepunkt war die erstmalige Verleihung des Medienpreises 2008 des Bundesforums Familie für journalistischen Nachwuchs. Die zwei mit 1500 Euro dotierten Förderpreise gingen an Jan Piegsa (32) für den Beitrag „Jugendhilfe am Limit“, der von den Folgen der Einsparungen bei Berliner Jugendämtern berichtet und an Christoph Grabitz (25) und Simon Schneller (28) für ihre Reportage „Oh, schöner Schmerz“, eine Geschichte über Borderline-Kranke und ihr Leben im Internet.  Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an Karin Prummer (25) und Dominik Stawski (24) für ihre Reportage „Mädchen sind willkommen (Jungs nicht)“, in der sie die Geschichte der zehnjährigen Nina erzählen, die ihr ganzes Leben dafür kämpft, ein Mädchen sein zu dürfen. Als Teil der Preisverleihung las der Schauspieler Patrick Bach aus den Reportagen vor.

Die MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle und die Steuerungsgruppe des Bundesforums Familie möchten sich hier noch einmal ganz herzlich für die engagierte Mitarbeit aller Beteiligter bedanken.

Fachforum beim Kinder- und Jugendhilfetag 2008

„Zwischen Zeitgeist und Hilflosigkeit: Wertorientierte Erziehung in der Kinder- und Jugendhilfe“ in Kooperation mit der AGJ

Auf dem 13.  Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Essen luden das Bundesforum Familie und die logo djht.gifArbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe (AGJ) am 20. Juni 2008 gemeinsam zum Fachforum „Zwischen Zeitgeist und Hilflosigkeit: Wertorientierte Erziehung in der Kinder- und Jugendhilfe“ ein. Impulse für die Diskussion gaben Prof. Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld und Ulrike Thiel, Leiterin des Kinder- und Jugendhilfeverbundes Berlin-Süd der EJF Lazarus gAG.

Norbert Hocke, Sprecher des Bundesforums Familie, führte hocke_essen.jpgin das Thema ein. Im Spiegel der öffentlich-medialen Wahrnehmung seien die Lebenslagen Kindheit und Jugend in steigendem Maße mit negativen Attributen verknüpft: übermäßiger Medienkonsum, mangelhaftes Gesundheitsbewusstsein, fehlendes Bildungsinteresse, Verantwortungslosigkeit, fehlender Gemeinsinn, von Gewaltanwendung geprägte Interaktionsmuster, defizitäre Regelaffinität u. v. m. Geradezu reflexartig ertöne hier der Ruf an die Erziehungs- und Bildungsinstanzen, die Vermittlung traditioneller Werte und Tugenden verstärkt in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen.

Die nachwachsende Generation sieht sich mit deutlich komplexer werdenden Lebens-, Lern- und Arbeitsweltbedingungen konfrontiert. Starthilfe in ein selbstbestimmtes Leben zählt zu den grundlegenden gesellschaftlichen Pflichten. Erschöpft sich eine Neuformulierung dieser Bringschuld aber in einem schlichten „Lob der Disziplin“? Immunisiert möglichst früh einsetzende Wertevermittlung gegen die vielfältigen Verlockungen einer sich stetig pluralisierenden Wertelandschaft? Wo liegen die Ursachen für die aktuell geführte Debatte über wertorientierte Erziehung? Welche Konsequenzen hat das für die Praxis?

Ulrike Thiel sprach sich gegen einfache und schnelle Lösungen aus. Sie wies darauf hin, dass Werte durch Menschen vermittelt würden. Beziehungen bildeten die Grundlage, auf der Werte und Haltungen weitergegeben würden. Eine erfolgreiche Vorbildfunktion sei von wertschätzender Haltung geprägt. Frau Thiel unterstrich die Bedeutung der Reziprozität in der Erziehung: „Wenn wir wollen, dass die uns anvertrauten Menschen andere Menschen respektieren und achten, müssen wir ihnen ebenfalls mit Respekt und Achtung begegnen.“
andresen essen.jpg Auch Prof. Dr. Sabine Andresen wies den verkürzten Rückgriff auf ein nie da gewesenes „Goldenes Zeitalter“ zurück und erinnerte daran, dass der Wertediskurs auch ein Machtdiskurs sei. Es gehe um ein nicht einzulösendes, aber dennoch ersehntes „Versprechen nach Eindeutigkeit.“ Ferner nahm sie direkt zu Berhard Buebs Buch „Lob der Disziplin“ Stellung: „Bernhard Bueb sagt auch: Es müsse um die unhinterfragte Anerkennung von Autorität gehen, und damit habe ich ein Problem. Weil die unhinterfragte Anerkennung von Autorität kein einziges Erziehungsproblem tatsächlich löst. Er gibt keine Antwort auf konkrete Erziehungsfragen.“ Diese Position fand viel Zuspruch unter den zahlreichen Zuhörenden.