Kick-Off-Veranstaltung am 22. März 2022: „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen – Zugänge schaffen und Familien stärken“

Berlin, 22.03.2022 | Wie können Familien nachhaltig gestärkt werden? Wie erreicht Unterstützung die Familien, die sie brauchen? Und welche impliziten Annahmen stecken bereits in der Formulierung „Familien, die sie brauchen“? Was für normative, strukturelle und finanzielle Faktoren spielen eine Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung von Unterstützungsangeboten? Zu diesen Fragen kamen die Mitglieder des Bundesforums Familie zur Auftaktveranstaltung der Themenperiode 2022/23 zusammen.

Begrüßung und Einleitung

Dr. Laura Block begrüßte die große Runde von über 50 Teilnehmenden aus den Mitgliedsorganisationen, die sich im digitalen Raum eingefunden hatte. Das rege Interesse bestätige die hohe Relevanz des im November 2021 auf dem Netzwerktreffen des Bundesforums Familie gewählten Themas für die Arbeit der Mitgliedsorganisationen. Die Kick-Off-Veranstaltung setze sich das Ziel, gemeinsam das Thema in seinen Aspekten zu diskutieren und aus den vielseitigen Beiträgen eine Grundlage für die weitere Bearbeitung in der Themenperiode zu schaffen. Der Beirat des Bundesforums Familie habe dazu im Vorfeld bereits einen Zugang erarbeitet, der heute vorgestellt und weiterentwickelt werden solle.

Ulrike Bahr, MdB (Vorsitzende des Familienausschusses des Deutschen Bundestags und Mitglied des BFF-Beirats) betonte in einem Grußwort die Wichtigkeit von Stabilität und Resilienz gerade in den aktuellen krisenhaften Zeiten. Dafür spiele die Stärkung von Familien eine wichtige Rolle. Die Verzahnung von Politik und zivilgesellschaftlichen Akteuren und die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft sei dabei unabdingbar – sie wolle mit ihrer frisch aufgenommenen Beiratstätigkeit im Bundesforum Familie hierfür einen Beitrag leisten. So werde sie die Ergebnisse des Bundesforums Familie gerne an die Mitglieder des Familienausschusses weiterleiten – wie die eben erschienene Publikation „Platz für Familie“ der Themenperiode 2020/21.

Einführung: Ergebnisse des 9. Familienberichts zum Themenfeld Unterstützungsstrukturen

Titelbild der Präsentation von Dagmar Müller (DJI)

Präsentation von Dagmar Müller zum Download

Um dem Anspruch einer engen Zusammenarbeit mit der Wissenschaft gerecht zu werden und der Diskussion einen inhaltlichen Einstieg zu bieten, stellte Dagmar Müller vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) die für das Thema Unterstützungsstrukturen relevanten Ergebnisse des Neunten Familienberichts vor. Als drei Kerndiagnosen der Sachverständigen-kommission seien der steigende Anspruch an Elternschaft, die zunehmende Diversität von Familien und die wachsende soziale Ungleichheit zu nennen. Diese Gemengelage sei deswegen problematisch, da die Intensivierung von Elternschaft vor dem Hintergrund ungleicher sozioökonomischen Voraussetzungen zu einer vermehrten psychosozialen Belastung in vielen Familienzusammenhängen führe. Hier gelte es zu entlasten: Die Empfehlung der Kommission ziele vor allem auf die Gewährleistung wirtschaftlicher Absicherung von Familien, aber auch auf Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Anreize beim Elterngeld. Dagmar Müller betonte die Bedeutung der Befähigung durch Familienbildung und -beratung und der Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung. Hierbei müsse das Präventionsdilemma berücksichtigt und entsprechend gegengesteuert werden, etwa durch die (Um-)Gestaltung der Zugänge und Settings von Unterstützungsangeboten. Der Familienbericht zeige, dass sowohl digitale Angebote als auch offene Angebote wie Familiencafés und Familienzentren hier einen wichtigen Beitrag leisteten. Allerdings gebe es auch Lücken: Beratungen in Trennungssituationen, bei der Nutzung digitaler Medien und Angebote für die Phase der Pubertät gebe es zu wenig und Väter würden immer noch schwer erreicht. Zudem müsse der Ausbau von Präventionsketten verstärkt werden.

Diskussion zur weiteren Themenbearbeitung

Die Ergebnisse des Familienberichts zeigten, dass das Thema „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen“ einen Nerv treffe, so Sandra Clauß (Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter und Mitglied des BFF-Beirats). Wie kann dieses sehr komplexe Thema gewinnbringend eingegrenzt und durch das Bundesforum Familie bearbeitet werden? Sandra Clauß stellte dafür einen Vorschlag für einen Zugang vor, der im Nachgang zum Netzwerktreffen am 22.11.2021 durch den Beirat erarbeitet worden war. Bestimmend seien darin die Wahrnehmung von Ambivalenzen im System der Familienunterstützung. Diese sollten mit selbstkritischem Blick reflektiert werden. Es gehe etwa darum, Stigmatisierungen in den Unterstützungsangeboten offenzulegen, beispielsweise durch die Frage, mit welchem Bild von Armut gearbeitet werde. Diese reflektierende Perspektive böte sich speziell nach der akuten Erfahrung der COVID-19-Pandemie an. Nach diesem „Stresstest“ der Strukturen brauche es jetzt ein Innehalten mit der Frage, was eine nachhaltig stärkende Unterstützung für Familien behindert und was sie gelingen lässt.

Mit diesen Leitfragen wurden die Teilnehmenden in kleinere Break-Out-Gruppen eingeladen. In einer ersten Phase diskutierten die Kleingruppen „Hürden, Barrieren und Restriktionen“, die gelingenden Unterstützungsstrukturen im Weg stehen. In einer zweiten Phase wurde nach „Wegen, Brücken und Spielräumen“ gefragt, die Familien stärken könnten. Nach jeder Phase wurden die Teilnehmenden eingeladen, ihre individuellen Ergebnisse schriftlich festzuhalten und über ein Umfrage-Tool der Geschäftsstelle des Bundesforums zukommen zu lassen.

Schlagwortwolke "Unterstützungsstrukturen"

Ausblick

Die reichhaltigen Rückmeldungen aus den Kleingruppen werden nun durch die Geschäftsstelle strukturiert und ausgewertet und daraus in enger Absprache mit dem Beirat ein Fahrplan für die inhaltliche Bearbeitung erstellt. Voraussichtlich wird die weitere Arbeit zunächst in Ad-Hoc-AGs stattfinden, die durch die Mitglieder des Bundesforums gestaltet werden. Zur konkreten Mitarbeit in diesen AGs werden die Mitglieder zeitnah eingeladen. Im Oktober 2022 wird das diesjährige Netzwerktreffen geplant, welches hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung in Berlin stattfinden wird. Sobald der definitive Termin feststeht, wird er an alle Mitgliedsorganisationen kommuniziert werden.

 

 

„Platz für Familie“ an Vorsitzende des Familienausschusses übergeben

Berlin, 23. März 2022 | Der Geschäftsführer der AGF, Sven Iversen, hat am 23. März die kürzlich erschienene Abschlusspublikation „Platz für Familie. Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ an die Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestags, Ulrike Bahr, MdB, übergeben. Frau Bahr, die seit ihrer Übernahme des Ausschussvorsitzes auch Mitglied im Beirat des Bundesforum Familie ist, nahm gleich einen ganzen Klassensatz entgegen, um jedem der 38 Mitglieder des Familienausschusses ein Exemplar der Publikation weiterzureichen. So werden den politischen Entscheidungsträger:innen die Ergebnisse des zweijährigen Diskussionsprozesses an die Hand gegeben, welche unterstreichen, dass Familie eine viel zentralere Rolle in einer nachhaltigen und zukunftsgerichteten Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik einnehmen muss.

Foto: Büro Bahr (Dr. Ruth Vornefeld)

Druckexemplare der Publikation können weiterhin unter info@bundesforum-familie.de bestellt werden.

22. März 2022, online: Kick-Off-Veranstaltung „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen“

Das Schwerpunktthema der Themenperiode 2022/23: „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen – Zugänge schaffen und Familien stärken“ wurde beim Netzwerktreffen des Bundesforums Familie am 22. November 2021 mit großer Mehrheit von den anwesenden Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen gewählt. Erkenntnisse aus dem Neunten Familienbericht sowie Erfahrungen aus den Unterstützungsstrukturen unter dem „Stresstest“ der Pandemie begründen die Relevanz des Querschnittsthemas.

Bereits in den Diskussionen während des Netzwerktreffens wurden zu dem Thema erste Gedanken ausgetauscht. Festgehalten wurde unter anderem, dass die Zugänge zu Ressourcen für Familien in Deutschland insgesamt ungerecht verteilt sind. Dies gilt beispielsweise für die Teilhabe an Bildung, Wohnraum, Gesundheit etc. ebenso wie für den Zugang zu Unterstützungs-möglichkeiten in der Erziehungs- und Bildungsarbeit. Betont wurde, dass es daher wesentlich auf eine nachhaltige gerechtere Verteilung der materiellen und sozialen Ressourcen ankommt, aber auch auf die Schaffung barrierearmer Zugänge zu Unterstützungsangeboten für belastete Familien. Wie können Zugänge zu Unterstützung geschaffen und Familien gestärkt werden?

Um diese Frage zu beantworten, müssen einerseits die nach Unterstützung suchenden Familien und ihre Bedarfe, andererseits die Unterstützungsstrukturen selbst und die hier handelnden Fachkräfte in den Blick genommen werden. Letztere agieren im Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Regelwerk und praktischer Umsetzung und sind täglich mit immanenten und auferlegten Restriktionen konfrontiert, die gelingende Zugänge erschweren. Das Bundesforum Familie hat sich in der Themenperiode 2022/2023 das Ziel gesetzt, durch die Eröffnung eines Reflexionsraumes diese Restriktionen, aber auch die Stellschrauben und Gelingensbedingungen für eine nachhaltige Stärkung von Familien durch Unterstützungsstrukturen zu identifizieren. Welche Potenziale werden durch einen selbstkritischen Blick auf Unterstützungsstrukturen freigelegt? Wie kann und muss mit bekannten Ambivalenzen des Systems umgegangen werden?

Die Kick-Off-Veranstaltung eröffnet ein Forum, in dem der Austausch zu diesen Fragen möglich ist. Sie bildet den Auftakt für die Themenperiode, der sowohl inhaltlichem Input als auch Diskussionen Raum bietet und strukturelle Grundsteine für den Weg der nächsten zwei Jahre legt.

Die Teilnahme ist den Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie vorbehalten. Wir bitten um Anmeldung bis zum 21. März 2022, 11 Uhr.

Publikation „Platz für Familie – Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ der Themenperiode 2020/21 erschienen

Das Bundesforum Familie hat in einem intensiven Diskussionsprozess 2020-2021 den Themenschwerpunkt „Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ bearbeitet. In einer Serie von Fachforen brachten die Mitgliedsorganisationen ihre unterschiedlichen Perspektiven auf Wohnen und Familie ein. Die nun vorliegende Publikation „Platz für Familie – Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ fasst diesen Prozess und seine Ergebnisse zusammen.

Familie muss eine viel zentralere Rolle in der Wohnungspolitik einnehmen: Die beteiligten Organisationen erkennen die herausragende Rolle von Wohnbedingungen und Wohnumfeld für die Sozialisationsleistungen von Familien und die Notwendigkeit der Entwicklung von familiengerechtem Wohnraum. Hinsichtlich aktueller Entwicklungen immer knapper werdenden Wohnraums sind es gerade Familien, die auf dem Wohnungsmarkt vor besonderen Herausforderungen stehen – insbesondere z.B. Einelternfamilien, Mehrkindfamilien, Familien mit behinderten Mitgliedern sowie von Armut oder Rassismus betroffene Familien.

In der Publikation werden mehrere Themen vertieft:

  • Familiengerechte Wohnpolitik als Aufgabe für Staat und Gesellschaft: Die Bedarfe von Familien müssen verstärkt Teil der Wohnraumdebatte sein, sei es im Neubau, in der Mietenpolitik oder im Eigentumserwerb. Es braucht politische Rahmenbedingungen, um einen familiengerechten Wohnungsmarkt zu etablieren. Familiengerechtigkeit muss in Beständen, Bau und Infrastruktur berücksichtigt und Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt verhindert werden.
  • Beteiligung an kommunaler Infrastruktur: Um gute Strukturen für Familien in ihren Quartieren bzw. Kommunen zu etablieren, ist eine Vielzahl von Gelingensbedingungen notwendig. Es gilt, Familien als Expert*innen ihrer Lebensräume zu erkennen und ihre Bedarfe in die Angebotsplanung einzubeziehen. Um Beteiligung zu ermöglichen, braucht es Mittel, die kon­junkturunabhängig zur Verfügung stehen sowie die langfristige Förderung personeller Ressourcen.
  • Wohnungslosigkeit von Familien: Nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit steigen die Zahlen wohnungsloser Familien. Hier sind dringend präventive statt kurative Maßnahmen nötig, um das Phänomen nachhaltig anzugehen. Versteckte Wohnungslosigkeit muss besser erfasst werden, so dass eine zügige Vermittlung in normale Wohnverhältnisse statt langer Aufenthalte in Sonder­wohnformen gewährleistet werden kann.
  • Gemeinschaftliches Wohnen für Familien: Das Wissen über gemeinschaftliche Wohnformen kann für die Familienpolitik fruchtbare Erkenntnisse liefern. Gemeinschaftliches Wohnen für Familien bietet ein beachtliches Anpassungspotential an familienbiographische Umbrüche und schafft Ressourcen, die auf das umliegende Quartier und die Gesamtgesellschaft ausstrahlen.

Wir freuen uns über die Verbreitung der Publikation. Diese kann hier abgerufen werden. Für Druckexemplare wenden Sie sich an die Geschäftsstelle des Bundesforums Familie.

 

Netzwerktreffen am 22. November 2021: Abschluss der Themenperiode „Familie, Wohnen und Kommunale Infrastruktur“, Beiratswahl und Wahl des Schwerpunktthemas 2022/23

Berlin, 22.11.2021 | Über 40 Teilnehmende aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie kamen am 22. November 2021 im Festsaal der Stadtmission am Hauptbahnhof zusammen. Inhalt des Netzwerktreffens war der Abschluss der Themenperiode 2020/21 sowie die Wahl des Schwerpunktthemas für 2022/23 und die Wahl eines neuen Beirats.

Wrap-Up der Themenperiode „Familie, Wohnen und Kommunale Infrastruktur“

Laura Block eröffnete den Rückblick und resümierte, dass sich in der vergangenen Themenperiode deutlich gezeigt habe, von wie großer und vielschichtiger Relevanz die Wohnungsfrage für familiäre Lebenswelten sei. Leider würde dies von politischer Seite zu oft nicht als Familienthema wahrgenommen werden. Im Laufe der Themenperiode konnte das Bundesforum Familie mit verschiedensten Veranstaltungsformaten zu einem fruchtbaren fachlichen Austausch zur Identifikation von Handlungsschwerpunkten sowie Lösungsansätzen beitragen. Die Ergebnisse des zweijährigen, gemeinsam gestalteten Prozesses würden Anfang des nächsten Jahres Form einer Publikation veröffentlicht und an alle Mitgliedsorganisationen verschickt werden.

„Was sind die drängendsten Zukunftsfragen für Familien in Bezug auf Wohnen & kommunale Infrastruktur?“ Diese zukunftsgewandte Frage wurde nun als Eisbrecher in einer kleinen Podiumsrunde an Ulrike Gebelein (Diakonie Deutschland), Silke Raab (DGB Bundesvorstand), Lisa Sommer (Zukunftsforum Familie) und Dörthe Gatermann (Deutscher Verein) gestellt.

Ulrike Gebelein nannte in ihrer Antwort drei dringende Aspekte: Erstens sei es von immenser Wichtigkeit, dafür zu sorgen, dass der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen nicht weiter eskaliere. Dieses Problem betreffe Familien insbesondere im Niedriglohnsektor, aber zunehmend auch im Mittelstand, hier vor allem Mehrkindfamilien und Alleinerziehende. Als zweites betonte Gebelein, dass man den ländlichen Raum dringend im Blick behalten müsse. Allzu oft beschränke sich die Wohnungsfrage und ihre Lösungsansätze auf die Ballungsräume. Eine dritte Entwicklung, die weiterhin bearbeitet werden müsse, sei die steigende Gefahr, als Familie wohnungslos zu werden. Lisa Sommer schloss sich ihrer Vorrednerin an und betonte, dass Wohnen als existentielles Grundbedürfnis immer schwerer zugänglich sei. Neben der finanziellen Lage von Familien sei es die sozialräumliche Trennung, mit der eine Vielfalt von Benachteiligungen einhergehe. Es brauche effektive Wege, Folgen der sozialen Segregation abzubauen, etwa durch Bildungs- und Betreuungsprogramme. Silke Raab betonte die Wichtigkeit des Themas aus gewerkschaftlicher Sicht. Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen seien für Arbeitnehmer*innen kein Gewinn, wenn das Mehr an Zeit in Pendelzeit und der höhere Lohn in Miete und Pendelkosten fließen würden. Es brauche dringend bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, um bezahlbaren Wohnraum in Arbeitsplatznähe zu ermöglichen. Der letzte Impuls aus den Mitgliedsorganisationen war ein Statement von Dörthe Gatermann; sie betonte darin die Wichtigkeit von niedrigschwellig erreichbaren Beratungsangeboten auf kommunaler Ebene (z.B. Familienbüros). Diese würden als „freiwillige“ Leistungen der Kommunen oft zu kurz kommen. Der Deutsche Verein setze sich daher als Arbeitsvorhaben für 2022 thematisch die Förderung und Verstetigung von Angebotsstrukturen, wobei Gatermann insbesondere auf die Fachtagung des Deutschen Vereins im kommenden Jahr verwies.

Anschließend an die Inputs wurden in einer Diskussion im Plenum weiterführende Aspekte und Fragen thematisiert, darunter: Quartiersentwicklung, Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, innovative und gemeinschaftliche Wohnkonzepte, Infrastruktur vor Ort, Wohnungsgemeinnützigkeit und Gewinnbeschränkung. Die Wohnungsfrage und der Ausbau kommunaler Infrastruktur für Familien werde, so die Einschätzung in der Runde, mittlerweile zunehmend als drängendes Thema erkannt, nun gehe es aber um die politische Gestaltung von Lösungen. Auch diesbezüglich werde der Koalitionsvertrag mit Spannung erwartet. Die bald erscheinende Publikation zur Themenperiode könne, so Laura Block, den Mitgliedsorganisationen als Informations- und Argumentationsgrundlage für die weitere eigene Arbeit an dem Thema dienen.

 

Wahl des Beirats

Nächster wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war die Wahl von fünf Personen aus den Reihen der Mitgliedsorganisationen in den Beirat des Bundesforums Familie. Der insgesamt zehnköpfige Beirat besteht neben diesen fünf Personen aus fünf weiteren durch die AGF berufenen Personen. Der Beirat begleitet die Arbeit des Bundesforums inhaltlich und methodisch und unterstützt die Rückkopplung der Arbeit in die Fachöffentlichkeit.

Von den 15 Kandidat*innen wurden gewählt: Sandra Clauß (Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter), Anna Gerwinat (Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern), Astrid Hollmann (dbb beamtenbund und tarifunion), Silke Raab (DGB Bundesvorstand) sowie Martin Rosowski (Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland). Zusätzlich durch die AGF in den Beirat nominiert werden Prof. Dr. Donja Amirpur (Hochschule Niederrhein), Dr. Christina Boll (Deutsches Jugendinstitut), Prof. Dr. Paul Mecheril (Universität Bielefeld) sowie Dr. Thomas Metker (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Zudem ist ein Platz im Beirat für den Vorsitz des Familienausschusses des Deutschen Bundestages reserviert, der jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht.

Laura Block gratulierte dem frisch gewählten Beirat und dankte den zahlreichen Kandidat*innen für ihr Interesse und ihre Bereitschaft, sich im Beirat einzubringen. Auch bedankte sich Laura Block im Namen des gesamten Bundesforums Familie sehr herzlich bei den scheidenden Beiratsmitgliedern für ihr langjähriges Engagement.

Wahl des Schwerpunktthemas für 2022/23

„Nach dem Thema ist vor dem Thema!“ – war das Motto des letzten Tagesordnungs-Punktes. Im Vorfeld waren 60 Themenvorschläge eingereicht worden. Diese Vielzahl durch den Beirat im Vorfeld des Netzwerktreffens auf folgende vier Bereiche zugespitzt: 1. „Zukunft der Sorgearbeit“, 2. „Elternschaft 2030? Zukunft der Familie. Rechtliche und soziale Aspekte neuer Familienkonstellationen“, 3. „Konflikte, Gewalt und Schutz in Familien“ und 4. „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen: Zugänge schaffen und Familien stärken“.

Die jeweiligen Vorschläge wurden in Kleingruppen von Themenpat*innen aus den Mitgliedsorganisationen vorgestellt und im Rundlauf diskutiert. Die anschließende Wahl fiel mit deutlicher Mehrheit auf das Thema: „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen: Zugänge schaffen und Familien stärken.“ Hervorgehoben wurde, dass der Zugang zu materiellen und sozialen Ressourcen in Deutschland nach wie vor ungerecht verteilt ist. So haben unter anderem Familien mit niedrigen Einkommen keine gleichen Chancen auf Teilhabe an Bildung, Wohnraum oder Gesundheit. Mit diesem Schwerpunkt werden auch Themen aufgegriffen, die bereits in der Themenperiode „Familie und Inklusion“ (2013-2015) angesprochen wurden, als das Bundesforum unterschiedliche Formen der Exklusion von Familien identifizierte. In den nächsten zwei Jahren werden vor allem Unterstützungsmöglichkeiten in der Erziehungs- und Bildungsarbeit angesprochen, die gerade belastete Familien adressieren, jedoch oft unbekannt oder zu wenig zugänglich sind: Wie werden Eltern in die Lage versetzt, Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen? Wie werden Akteur*innen in Bildungs- und Betreuungsinstitutionen in die Lage versetzt, die Potenziale und Unterstützungsbedarfe von Eltern zu sehen und sie bei der Erziehung ihrer Kinder auf Augenhöhe zu unterstützen? Welche Rolle könnte dabei auch eine zunehmende Digitalisierung der Unterstützungsstrukturen spielen? Diese sowie weitere Fragen in dem Themenbereich hätten, so der Tenor der Diskussionsrunden, in der Pandemie weiter an Relevanz gewonnen und seien sowohl sehr praxisorientiert, als auch dazu geeignet, die Arbeit der Mitgliedsorganisationen zu reflektieren. Die Themenwahl greift damit auch die Handlungsempfehlung des Neunten Familienberichts auf, Eltern bei der Erziehungs- und Bildungsarbeit zu unterstützen.

Im nächsten Schritt werden die zahlreichen Anregungen aus der Diskussion dazu genutzt, in Abstimmung mit dem neuen Beirat einen spannenden Fahrplan für die neue Themenperiode zu entwerfen.

24./25. November 2022, online: „Kinderrechte für Alle?! Klassismuskritische Arbeit in Kita und Grundschule“ Fachtagung des Deutschen Kinderhilfswerks

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Diese Zahl bleibt seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Die Corona-Krise hat zu einer weiteren Verschärfung der Lage beigetragen – viele Unterstützungsangebote für Kinder fielen weg, wodurch Bildungsungleichheiten umso offensichtlicher hervortraten.

Kinderrechtlich betrachtet ist die Tatsache, dass so viele Kinder in Deutschland in finanziell benachteiligten Verhältnissen aufwachsen, buchstäblich ein Armutszeugnis für Deutschland – einem der reichsten Industrieländer der Welt. Das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Beteiligung (Art. 12) wird durch die ungleichen sozioökonomischen Ausgangslagen eingeschränkt. Doch Armut bedeutet nicht nur, ökonomisch benachteiligt zu sein; sozial benachteiligten Kindern wird auch der Zugang zum kulturellen Leben und zu digitalen Teilhabemöglichkeiten erschwert, sie haben schlechtere Chancen auf Erfolg im Schulsystem und auf ihrem weiteren Bildungsweg. So wird deutlich gegen das Diskriminierungsverbot (Art. 2) verstoßen, das besagt, dass alle Kinder unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihres sozialen Status die gleichen Rechte besitzen.

Kinderarmut ist eng mit Scham und Diskriminierungserfahrungen für die Betroffenen verbunden. Klassistische Vorurteile und Strukturen werden insbesondere auch im Bildungssystem reproduziert. Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen und kann sich beispielsweise im Kontakt zwischen pädagogischen Fach- und Lehrkräften und Kindern, zwischen Gleichaltrigen oder durch diskriminierende Darstellungen in pädagogischen und didaktischen Materialien äußern. Klassismus verhindert demokratische Partizi pation.

Gemeinsam mit Expert*innen, Praktiker*innen, Verbands- und Elternvertreter*innen möchten wir ins Gespräch darüber kommen, welche Auswirkungen die oft fest verankerten klassistischen Strukturen sowie Diskriminierungen auf die Demokratiebildung in Kita, Hort und Ganztag haben und wie man dem in der pädagogischen Praxis begegnen kann. Wir möchten hierbei unter anderem folgenden Fragen auf den Grund gehen: Auf welche Barrieren im Bildungssystem stoßen von sozioökonomischer Benachteiligung betroffene Kinder und ihre Familien? Welche kinderrechtlichen Grundlagen für klassismussensibles Handeln gibt es? Welche geeigneten und nachhaltigen Konzepte, Methoden und Materialien gibt es für eine klassismuskritische Praxis? Wo sind Lücken?

Die Einladung und das Programm sowie die Anmeldemöglichkeit folgen im Sommer.

Donnerstag, 24. November 2022 von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Freitag, 25. November 2022 von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr
Link zur Anmeldung: folgt
Kosten: kostenfrei

Mehr Informationen online

02. November 2022, Hannover: „Wohlfahrt queer gedacht und queer gemacht“ Fachtag des LSVD

Strategien und Handlungsfelder für einen professionellen und diskriminierungssensiblen Umgang mit Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt

Die breit gefächerten Angebote der Wohlfahrtspflege spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft
wider. Auch Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) nutzen diese Angebote oder gehören selbstverständlich zu den Anbieter*innen. Aufgrund von fehlendem Wissen kann es allerdings zu Irritationen kommen, die verletzend und diskriminierend wirken. Wie können die Wohlfahrtsverbände und deren Mitgliedsverbände sowie die Fachkräfte den diskriminierungssensiblen und professionellen Umgang mit Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt gewährleisten? Dieser Leitfrage gehen wir mit Ihnen im Rahmen unseres Fachtags nach.

Bei dieser Präsenzveranstaltung geben wir den inhaltlichen Impulsen für den professionellen Alltag, der Vernetzung und dem Austausch der Teilnehmenden breiten Raum. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Fachkräfte und Multiplikator*innen in der Wohlfahrtspflege. Die Teilnahme am Fachtag ist nach Anmeldung kostenfrei möglich.

Mehr Informationen auf der Website des LSVD

Save-the-Date: Fachtag „Wohlfahrt queer gedacht und queer gemacht“ als PDF

20. Oktober 2022, Berlin: Netzwerktreffen des Bundesforums Familie

Das diesjährige Netzwerktreffen des Bundesforums Familie findet am Donnerstag, den 20. Oktober 2022 von ca. 10-16 Uhr als Präsenzveranstaltung in Berlin statt. Eine Teilnahme ist den Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen vorbehalten.

Eine Einladung mit allen Details zum Netzwerktreffen wird rechtzeitig vor der Veranstaltung an alle Mitgliedsorganisationen verschickt.

07./08. Oktober 2022, Leipzig: „Sichere Orte für Kinder! Schutz der Kinderrechte: Verantwortung aller Institutionen für Kinder!“ Jahrestagung der Deutschen Liga für das Kind

Vor zehn Jahren ist das Bundeskinderschutzgesetz in Kraft getreten, mit vielen Verbesserungen für den vorbeugenden und eingreifenden Schutz von Kindern, etwa vor Gewalt oder Vernachlässigung. Risiken für Kinder können jedoch nicht nur von ihrem familiären Umfeld ausgehen, sondern auch durch Personal in Institutionen, die eigentlich nur für Kinder da sind.

Was macht einen Ort, der Lebenswelt für Kinder ist, zu einem sicheren Ort? Ist Schutz vor Gewalt genug Schutz für Kinder? Wie verantworten Institutionen den Schutz der Rechte von Kindern insgesamt und wie sehen Kinder das selbst? Auf der Tagung wird erörtert, was reale und virtuelle Lebenswelten zu sicheren Orten für Kinder macht und wie Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte einander bedingen. Es soll diskutiert werden, welche Verantwortung den Institutionen zukommt, in denen sich entscheidet, wie sicher der Alltag von Kindern ist. Die interdisziplinäre Tagung richtet sich an alle mit Kindern und Familien tätigen Fachkräfte, an Verantwortliche in Politik, Justiz und Verwaltung sowie an Studierende, Auszubildende und alle am Thema Interessierte.

Mehr Informationen auf der Website der Deutschen Liga für das Kind

23./24. September 2022, Potsdam: „Vielfalt im Team: Potenziale und Hindernisse für die pädagogische Praxis“ Bundesfachtagung des Pestalozzi-Fröbel-Verbands

(Multi-)professionelle Teams bilden in der Kinder- und Jugendhilfe seit jeher eine Facette des Personals. Im Zuge der starken Expansion der Arbeitsfelder und des hohen Personalbedarfs werden die pluralen Ausbildungs-, Studien- und Lebenshintergründe – insbesondere in Kindertageseinrichtungen – deutlicher sichtbar als zuvor. Erweiterte Ansprüche an die pädagogische Arbeit, veränderte Fachkräfterichtlinien und neue Formen inklusiver Zusammenarbeit unterstützen diese Prozesse. Auf der Bundesfachtagung sollen die Potenziale und Hindernisse für die pädagogische Praxis gemeinsam ausgelotet werden. Mit der Tagung wird Raum gegeben für offene Fragen von Ausbildung, Praxis, Wissenschaft und Fachpolitik. Impulsvorträge und Workshops rahmen diese Auseinandersetzungen. Die Tagung bietet neben dem unmittelbaren Austausch vielfältige Möglichkeiten der Mitwirkung.

Die Veranstaltung ermöglicht eine Standortbestimmung aus theoretischer und praktischer Perspektive. Sie richtet sich an alle, die sich mit den Handlungsfeldern Kindertageseinrichtungen oder dem offenen schulischen Ganztag beschäftigen sowie an diejenigen, denen die Weiterentwicklung guter Bildungsorte in unserer Gesellschaft ein offenes Anliegen ist.

Die pfv-Bundesfachtagung 2022 führt der Pestalozzi-Fröbel-Verband e.V. (pfv) in Kooperation mit der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam sowie den Beruflichen Schulen Hermannswerder durch. Sie findet am 23. und 24. September 2022 auf der Insel Hermannswerder in Potsdam statt.

Save-the-Date des pfv

Programm

Anmeldung

Fachforum „Gemeinschaftliches Wohnen für Familien – Zukunft des Zusammenlebens?“ am 11. Mai 2021

Berlin, 11.05.2021 | Etwa 45 Teilnehmende aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie kamen am 11. Mai 2021 digital zum dritten und letzten Fachforum der Themenperiode „Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ zusammen. Das Thema lautete: „Gemeinschaftliches Wohnen für Familien – Zukunft des Zusammenlebens?“

Einführend eröffnet wurde das Fachforum von konkreten Einblicken in die Lebensrealitäten von Familien in drei gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Den Impulsvortrag hielt im Anschluss Dr. Martina Heitkötter (Deutsches Jugendinstitut) mit aktuellen Forschungsergebnissen zu Familien in gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Im Anschluss gaben Expert*innen aus ihren Perspektiven Antworten auf die Frage: Welche Rahmenbedingungen fördern gemeinschaftliches Wohnen für Familien?

Gemeinschaftliches Wohnen in der Praxis: Berichte aus Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen

Agnes Schuster berichtete von der Gemeinschaft Tempelhof, ein Ökodorf im ländlichen Baden-Württemberg, wo auf 30 ha Land 2010 ein basisdemokratisches und ökologisch nachhaltiges Wohnprojekt entstanden ist, in dem mittlerweile ca. 150 Personen (etwa 100 Erwachsene und 50 Kinder) gemeinschaftlich leben und arbeiten. Der großzügig vorhandene Raum in den Bestandsgebäuden bietet zahlreiche Möglichkeiten: Neben den Wohnflächen gibt es u.a. einen Waldkindergarten, eine freie weiterführende Schule, Seminarräume, Großküchen, Werkstätten, einen Hofladen und ein Café sowie eine Mehrzweckhalle mit Bühne, außerdem 26 ha Agrarland, welches von der Gemeinschaft bewirtschaftet wird. Die Gemeinschaft verfügt zudem über Bauland in Reserve. Agnes Schuster beschrieb, wie Mehrgenerationenwohnen und Gemeinschaft in Tempelhof funktioniere: jede*r Bewohner*in verfüge über ein Wohnrecht auf Lebenszeit, jedoch nicht über ein Anrecht auf bestimmte Räume. So könne sich das „Wohnkarussell“ in der Gemeinschaft drehen und neue bedarfsgerechte Lösungen mit Unterstützung anderer Menschen aus der Dorfgemeinschaft, die bereit sind, sich zu verändern, gefunden werden, wenn sich im Lebenslauf und durch familiäre Veränderungen, insbesondere durch Trennungen, andere Wohnbedürfnisse ergäben. Als Mehrgenerationenprojekt sei in letzter Zeit zudem des Öfteren das Thema „Heimathafen“ für junge Erwachsene aufgekommen: wenn junge Erwachsene das Elternhaus in Tempelhof verließen und die Eltern sich in dem Zuge räumlich verkleinerten, fehle ein Ort für die erwachsenen Kinder, an den sie für Besuche heimkehren könnten. Um dieses Problem anzugehen, hätte eine Gruppe von jungen Erwachsenen eine eigene Genossenschaft gegründet, um auf dem Gelände „Wohnboxen“ für Besuche zu errichten. Insgesamt sei die in Tempelhof praktizierte Konsenskultur, achtsame Kommunikation und eine Verpflichtung aller Bewohner:innen, in den sozialen Räumen präsent zu sein, für diese Prozesse sehr wichtig.

Danach gab Teena Ihmels Einblicke in das gemeinschaftliche Wohnprojekt Schöner Hausen in Leipzig, ein Komplex aus 4 Gründerzeitbauten, wo nach zwei Jahren selbstorganisierter und gemeinschaftlicher Sanierung seit 2017 80 Personen zwischen 0 und 65 Jahren leben. Die Häuser wurden von einer Stiftung erworben und der Projektgruppe über einen Erbbaurechtsvertrag zur Nutzung überlassen, außerdem ist das Projekt Teil des Mietshäusersyndikats. Ihmels hob hervor, dass die langfristige Wohnperspektive, der günstige Wohnraum, die geteilten Gemeinschaftsflächen sowie die Unterstützungsstrukturen in der Care-Arbeit, die sich im Kollektiv ergäben, große Anziehungskraft auf Familien hätten. Sie unterstrich, dass sehr viele Einelternfamilien Teil des Projekts seien, und es auch weiterhin viele Anfragen von Alleinerziehenden gebe, die besonders viel von der Gemeinschaft und der gegenseitigen Unterstützung profitierten. Sie berichtete außerdem, dass das Projekt mit teils sehr großen Gemeinschaftswohnungen mit vielen Kindern gestartet sei und es dann insgesamt eine Verkleinerungstendenz innerhalb der Wohneinheiten gegeben habe, da das Bedürfnis nach Rückzugsräumen gerade auch in der Gemeinschaft bedeutsam sei. Dennoch stünden offene Türen und Gemeinschaft nach wie vor im Fokus der Projektgruppe.

Das genossenschaftliche Wohnprojekt Uferwerk Werder in Nähe von Potsdam wurde von Dr. Wenke Wegner vorgestellt: hier leben seit 2017 ca. 100 Erwachsene und 65 Kinder in einem nachhaltigen Mehrgenerationenwohnprojekt auf einem Ufergrundstück. Wegner berichtete von vielen Vorteile des Wohnens im Uferwerk für Familien: das großzügige Außengelände mit vielen anderen Kindern böten eine abenteuerliche und dennoch sichere Spielumgebung, Kinder wüchsen mit vielfältige Bezugspersonen auf und erlernten im Projekt viele Kompetenzen, nach Trennungen könnten beide Elternteile durch Wohnungstausche vor Ort bleiben und die Gemeinschaft unterstütze sich gegenseitig in den Care-Aufgaben. Das Thema Care habe im Uferwerk eine besondere Relevanz, da es als explizites Mehrgenerationenprojekt viele ältere Bewohner*innen gebe. Teils fungierten diese als „Ersatz-Großeltern“, gleichzeitig würden die Unterstützungs- und Pflegebedarfe der älteren Uferwerk-Genoss*innen in den nächsten Jahren immer weiter zunehmen. Auch wies Wegner auf einige Herausforderungen hin, die es für Familien im Uferwerk gebe: so sei es sehr schwierig, mal als Familie „unter sich“ zu bleiben und man müsse sich intensiv mit den teils divergierenden Erziehungsstilen der anderen Familien auseinandersetzen, weil man so eng zusammenlebe. Auch käme es durchaus zu Interessenskonflikten in der Gemeinschaft, z.B. bzgl. der Nutzung des Außengeländes – diese Konflikte gelte es dann möglichst unter Einbeziehung aller Stimmen im Gruppenprozess zu lösen.

Impulsvortrag: Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen – Unterstützungsnetzwerke und „atmende Lebensräume“

Dr. Martina Heitkötter (Deutsches Jugendinstitut) präsentierte in ihrem Impulsvortrag ausgewählte Ergebnisse des zweijährigen Forschungsprojektes Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen (FageWo), das das DJI in Kooperation mit Architekt*innen der Hochschule Karlsruhe durchgeführt und das Familien in gemeinschaftlichen Wohnprojekten in ganz Deutschland untersucht hat. Zunächst unterstrich Heitkötter die gesellschaftliche Relevanz des gemeinschaftlichen Wohnens, welches letztlich als Suche nach Antworten auf verschiedene gesamtgesellschaftliche Fragen unserer Zeit zu verstehen sei. Gemeinschaftliche Wohnprojekte reagierten auf gesellschaftliche Herausforderungen und könnten gleichzeitig innovative Lösungsansätze für den demografischen Wandel, ökologische Herausforderungen und Klimawandel, die Wohnungskrise und ungleiche Verteilung von Wohnraum und nicht zuletzt auch für die Care-Krise hervorbringen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt FageWo ist u.a. den Fragen nachgegangen, wie eine gegenseitige Unterstützung im Alltag in gemeinschaftlichen Wohnprojekten gelebt wird, inwiefern sozial- und wohnräumliche Bedarfe, die durch familiäre Lebensveränderungen entstehen, in gemeinschaftlichen Wohnprojekte befriedigt werden können, und welche spezifischen Anforderungen das Leben in Gemeinschaft für Familien birgt.

Gemeinschaftliche Wohnformen ließen netzwerkartige Strukturen der Unterstützung für Bewohner*innen entstehen, sei es praktischer, emotionaler, finanzieller, informationeller Art, führte Heitkötter aus. So würden vor allem neue Ideen geteilt, verschiedenste Hilfeleistungen in der Bewältigung des Alltags gegeben oder auch Trost und Aufmunterung gespendet, sowohl innerhalb als auch zwischen den Generationen und Lebensformen. Familien geben an, dass Familie und Beruf in gemeinschaftlichen Wohnprojekten insgesamt leichter zu vereinbaren seien. Ebenso bietet das Umfeld ein besonderes Umfeld für das Aufwachsen von Kindern: sie erfahren unterschiedliche Lebensformen und Lebensmodelle, bewegen sich meist in altersgemischten Gruppen und haben unterschiedliche erwachsene Bezugspersonen. Die Unterstützungsnetzwerke und sozialen Bezüge, die in gemeinschaftlichen Wohnformen entstehen, werden von vielen Bewohner*innen als erweiterter Familienkreis erlebt, auch wenn die Kleinfamilie nach wie vor meist zentraler Bezugsrahmen bleibt. Gemeinschaftlich genutzte Räume und Freiflächen erweiterten zudem den Wohnraum, den die Familie für sich zur Verfügung habe. Darüber hinaus entlasteten weitere Sharing-Angebote, wie Kleidertausch, Lebensmittelläden, Car-Sharing etc. Familien. Auch finanziell fühlen sich weniger Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen von den Wohnkosten belastet, gleichzeitig haben sie aufgrund gemeinschaftlicher Eigentumsverhältnisse häufig eine sicherere Wohnperspektive. Gleichzeitig sind knapp ein Fünftel der Wohnungen in den Befragten Gemeinschaftsprojekten Sozialwohnungen und bieten auch unteren Einkommensschichten Zugang zu dieser Wohnform. Vielfach können gemeinschaftliche Wohnprojekte auf verändernde Familienverhältnisse flexibel reagieren, indem z.B. Wohnungen getauscht, Übergangslösungen gefunden oder maßgeschneiderte Wohnarrangements kreiert werden. Dadurch werden trotz Veränderungen kontinuierliche Wohnbiographien in den Projekten möglich, wenn gewünscht.

Heitkötter betonte, dass es neben diesen positiven Aspekten es auch spezifische Herausforderungen gibt, denen Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen ausgesetzt sind. Wohnen in Gemeinschaft erfordert ein gewisses Zeitpensum um sich für die Gemeinschaft und das Projekt zu engagieren, dies kann zu Konflikten im Familienalltag oder/und Berufsalltag führen. Zudem können andauernde interne Konflikte innerhalb der Gemeinschaft die Familien belasten. Die teils schwierige Abgrenzung zwischen Privat und Gemeinschaft kann ebenfalls Schwierigkeiten für das Familienleben bergen. Vielfach haben diese Projekte daher unterstützende Formen der Konfliktbegleitung und der Kompetenzschulung etabliert.

Heitkötter hob hervor, dass gemeinschaftliche Wohnformen neben dem direkten Mehrwert für die Bewohner*innen auch einen gesellschaftlichen Mehrwert hätten, indem sie Lernorte für Demokratie, solidarisches Handeln, Energiekonzepte etc. seien. Ebenfalls stärkten sie soziale Kohäsion. Familien brauchen die Qualitäten des Gemeinschaftlichen. In einer nachhaltigen Familienpolitik der Zukunft sollte daher der Dreiklang „Zeit, Geld, Infrastruktur“ durch Gemeinschaft ergänzt werden.

Bildschirmpräsentation von Martina Heitkötter (DJI) zum Download

Im Gespräch mit Expert:innen: „Welche Rahmenbedingungen fördern gemeinschaftliches Wohnen für Familien?“

Den Abschluss des Fachforums bildete eine spannende Runde mit Expert:innen aus Verwaltung und Praxis, die aus ihren verschiedenen Perspektiven diskutierten, welche Rahmenbedingungen gemeinschaftliches Wohnen für Familien förderten.

Axel Burkhardt, Beauftragter für Wohnen und barrierefreies Bauen der Stadt Tübingen unterstrich, dass das gemeinschaftliche Wohnen für viele Familien eine attraktive Alternative zum konventionellen Wohnen darstelle, es jedoch zahlreiche Hürden für sie gebe. Zeitliche Ressourcen, die es brauche, um ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu gründen oder zu finden, sei bei Familien mit kleinen Kindern notorisch knapp. Gleichzeitig stünden, insbesondere in den Innenstädten, nicht genügend bezahlbare Gebäude oder Grundstücke für solch eine Nutzung zur Verfügung. Gemeinden wie Tübingen, die das gemeinschaftliche Wohnen von kommunaler Seite aus fördern wollten, könnten dies bspw. durch eine entsprechende Konzeptvergabe von Grundstücken, mit Beratung und Projektsteuerung bei der Gründung. Zudem könnte der rechtliche Rahmen vereinfacht werden, z.B. durch das Vorhalten einer kommunalen Dachgenossenschaft.

Gabriele Schmitz, Geschäftsführerin des Berliner Beirats für Familienfragen, berichtete von Dialogforen, die der Beirat 2017 mit Berliner Familien zum ihren Wünschen beim Thema Wohnen durchgeführt habe. Hier habe Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum für alle an erster Stelle gestanden, ebenso wie der verwandte Wunsch, nicht aus der gewohnten Umgebung verdrängt zu werden. Ebenso hätten Familien den Wunsch nach mehr gemeinnützigen Wohnungen geäußert, zum Beispiel bei öffentlichen Wohnbaugesellschaften und in -genossenschaften. Auch gebe es großes Interesse für größere Familienwohnungen, altersgerechten / barrierefreien Wohnraum sowie Mehrgenerationenwohnprojekte. Für das Wohnumfeld wünschten sich die befragten Familien eine gute Durchmischung und nachbarschaftliches Miteinander ebenso wie gute ÖPNV-Anbindung und ein sicheres Radwegenetz.

Bildschirmpräsentation von Gabriele Schmitz (Berliner Beirat für Familienfragen) zum Download

Constance Cremer, Geschäftsführerin von STATTBAU Berlin, führte aus, dass die STATTBAU unter anderem als Netzwerkagentur für das Land Berlin fungiere und in dieser Funktion gemeinschaftliche und generationsübergreifende Wohnprojekte berate, unterstütze, vernetze und vermittle. Sie unterstrich, dass für Familien die Bezahlbarkeit von Wohnraum oberste Priorität habe und es somit unverzichtbar sei, politisch wieder mehr auf die Gemeinwohlorientierung in der Wohnungswirtschaft zu setzen. Außerdem seien Mitgestaltungsmöglichkeiten wichtig, damit Familien ihre Bedarfe schon in frühen Phasen von Bauplanungen miteinbringen könnten. Neue bedarfsgerechte Typologien wie Cluster-Wohnungen oder gestapelte Einfamilienhäuser in der Innenstadt erwähnte Cremer ebenso wie die wichtige Rolle, die für Familien die Gemeinschaft im Wohnen einnehme. Dies trifft insbesondere auf Unterstützungsstrukturen, gute Nachbarschaft und gemeinschaftlich nutzbare Flächen und Räumen zu.

Bildschirmpräsentation von Constance Cremer (STATTBAU Berlin) zum Download

Irene Mohr, regionale Ansprechperson der Stiftung trias für Berlin und Brandenburg, erläuterte wie die Stiftung viele gemeinschaftliche bzw. genossenschaftliche Wohnprojekte finanziere und somit dazu beitrage, dass Grund und Boden Gemeingut würden und blieben. Die Stiftung trias erwerbe und entziehe Grundstücke der Spekulation und führe sie mittels Erbbaurecht dauerhaft einer sozialen und ökologischen Nutzung zu. Damit ermögliche und sichere die Stiftung innovative Projekte des Wohnens und Arbeitens in der Stadt und auf dem Land. In den drei Handlungsfeldern Ökologie, Boden und Wohnen schaffe die Stiftung Freiräume.

Bildschirmpräsentation von Irene Mohr (Stiftung trias) zum Download

Sabine Seitz, Referentin für Neue Wohnformen der GAG Immobilien AG aus Köln, stellte dar, wie die GAG als konventionelle Wohnungsbaugesellschaft das gemeinschaftliche Wohnen für sich entdeckt habe und zunehmend umsetze. So sagte sie, dass Grundrisse flexibler gestaltet werden müssten, um der Lebenslaufentwicklung von Familien gerecht zu werden. Ebenso würden immer häufiger Gemeinschaftsflächen beim Neubau mit geplant, sodass die Mietbelastung von Familien geringer sei und Räume und Freiflächen gemeinsam genutzt werden könnten. Die Zukunft des Wohnens liege in einer Vielfalt von Wohnformen in einem Quartier um für eine gute Durchmischung zu sorgen.

01. Juli 2022, online: „Vorfahrt für Gemeinnützigkeit“ Not For Profit-Gipfel des Paritätischen Gesamtverbandes

Das Streben nach Gewinn und der Markt als Ordnungsprinzipien prägen zentrale Bereiche unserer Gesellschaft: die Soziale Arbeit, die Pflege, das Gesundheitssystem, den Klimaschutz, den Wohnungsmarkt, die Landwirtschaft u.v.m. Eine auf den Logiken des Marktes beruhendes Wirtschaften strebt jedoch nach der Gewinnmaximierung für Einzelne und nicht nach der Versorgung der Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung. Ein überlastetes Gesundheits- und Pflegesystem, hohe Mieten, niedrige Löhne und ein unzureichender Klimaschutz sind die Folgen.

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie und die drastischen Folgen des Klimawandels führen klar vor Augen, dass es dringend eine andere Form des Wirtschaftens braucht, die die Bedürfnisse aller Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht das Streben nach Profit. Für eine gesellschaftlich nachhaltige Form des Wirtschaftens müssen gemeinnützige Strukturen gestärkt werden.

Gemeinnützige Strukturen und Akteure leben vom Selbstgestaltungswillen der Menschen und fördern bürgerschaftliches Engagement in aller Vielfalt. Sie sind die lebendige Zivilgesellschaft in ihrer organisierten Form und befördern den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft.

Auf dem Not For Profit-Gipfel kommen wir mit Expert*innen in den Austausch, zeigen eine alternative, am Gemeinwohl orientierte Form der Daseinsvorsorge und des Wirtschaftens auf und stellen die Folgen eines auf profitorientierten Handelns auf verschiedene Lebensbereiche dar.

Sie können sich hier zur Veranstaltung anmelden. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Das Programm wird demnächst veröffentlicht auf:
www.not-for-profit-gipfel.de

30. Juni 2022, Berlin: „AWO-Werte in der Praxis – wie vielfaltsbewusste Führung gelingt“ Tagung des AWO-Bundesverbandes

Die AWO verfolgt das Ziel, mehr Geschlechtergerechtigkeit in den eigenen Strukturen zu erreichen und Vielfalt im AWO Haupt- und Ehrenamt zu stärken. Das ESF-Gleichstellungsprojekt „Vielfaltsbewusst in Führung. Mit Diversity Management Potentiale erkennen, Strukturen verändern, Personal gewinnen und binden (ViF) liefert konkrete Anknüpfungspunkte, wie das gelingen kann. An den beiden Modellstandorten Westliches Westfalen und Schwaben wurden in einem intensiven partizipativen Arbeitsprozess AWO-spezifische Diversity-Konzepte entwickelt. Dazu gehören Leitbilder vielfaltsbewusster Führung sowie Standards vielfaltsbewusster Personalgewinnung und -entwicklung mit konkreten Maßnahmen für die Umsetzung. Führungskräften kommt dabei als Entscheidungsträger*innen und Personalverantwortlichen eine besondere Verantwortung zu. Die Abschlusstagung richtet sich an Interessierte aus der AWO und anderen Verbänden der Sozialwirtschaft sowie der Fachöffentlichkeit insgesamt. Sie bietet Gelegenheit:

  • Einblicke in die Ergebnisse und Erfahrungswerte aus dem ViF-Projekt zu gewinnen,
  • sich mit Schwerpunktthemen im Bereich vielfaltsbe-wusster Führung, Personalgewinnung und ‑entwicklung auseinanderzusetzen,
  • Kenntnisse und Bewusstsein für Aspekte gesellschaft-licher Vielfalt zu erweitern,
  • die eigene Vielfaltskompetenz zu stärken und
  • Impulse für den eigenen Verbands- und Arbeitskontext mitzunehmen.

Link zum Anmeldeformular auf der AWO-Website

Fachforum „Gutes Wohnen für Familien – eine Aufgabe für Staat und Zivilgesellschaft“ am 18. März 2021

Berlin, 18.03.2021 | Knapp 50 Teilnehmende aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie kamen am 18. März 2021 digital zum zweiten Fachforum der Themenperiode „Familie, Wohnen und kommunale Infrastruktur“ zusammen. Im Fokus diesmal: „Gutes Wohnen für Familien – eine Aufgabe für Staat und Zivilgesellschaft“. Die Wohnungsnot von Familien, vor allem ausgelöst durch steigende Mieten und Immobilienpreise, ist ein akutes Thema. Die Verdrängung aus einzelnen Stadtvierteln ist für Familien oft besonders problematisch: Unter anderem sind sie auf eine gewisse Infrastruktur angewiesen und sie werden aus ihrem sozialen Umfeld herausgeholt. Gleichzeitig verbleiben ältere Menschen häufig in ihren angestammten, aber ungeeigneten Wohnungen, weil ein Umzug und die meist höhere Miete für eine kleinere Wohnung für sie nicht finanzierbar sind. Da der soziale Status und gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten unter anderem davon abhängt, wo und wie wir wohnen, wird (gutes) Wohnen oft als Grundrecht verstanden. Aber was heißt das konkret? Welche Herausforderungen haben Familien in verschiedenen Lebensphasen auf dem Wohnungsmarkt? Welche Rollen können Staat und Zivilgesellschaft bei der Lösung dieser Probleme spielen? Das grundlegende Ziel des Fachforums war es, zu erörtern, welche Rahmenbedingungen es braucht, um adäquaten und bedarfsgerechten Wohnraum für alle Familien zu sichern. Nach einem einleitenden Impulsvortrag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit mit Expert:innen in Break-Out-Rooms zu drei unterschiedlichen Schwerpunktthemen ins Gespräch zu kommen.

Impulsvortrag „Wie stellt sich die aktuelle wohnungspolitische Lage von Familien dar?“

Zu Beginn des Fachforums führte Dr. Gerd Kuhn (urbi-et, Tübingen) in seinem Impuls in die aktuelle wohnungspolitische Lage von Familien ein. Er unterstrich, dass Familien momentan – vom Baukindergeld einmal abgesehen – viel zu wenig Relevanz in wohnungspolitischen Debatten hätten und diesbezüglich unbedingt ein Paradigmenwechsel stattfinden müsse. Einerseits müsse die Quantität von verfügbarem und bezahlbarem Wohnraum für Familien deutlich erhöht werden, andererseits müsse ein Augenmerk auf die Qualität gelegt werden, sodass nicht nur irgendein Wohnraum, sondern vor allem auch mehr familiengerechter Wohnraum entstehen bzw. erhalten bleiben könne. In einem historischen Abriss erläuterte Kuhn, wie in den 1950er und 1960er Jahren Wohnungspolitik ein wichtiger Teil von Familienpolitik gewesen sei: in den 1950ern noch durch die intensive Schaffung von sozialem Wohnungsbau, und ab den 1960ern zusätzlich mit einer Förderung von Eigentum und Eigenheimen für Familien. Während Familienpolitik heutzutage leider immer weniger den Wohnungsmarkt im Blick hätte, herrsche in den wohnungspolitischen Maßnahmen, die es in Bezug auf Familien gebe, vielfach das Familienbild der 1950er vor, z.B. würden multilokale Lebensformen nicht berücksichtigt. Insgesamt führe all dies zu einer Überbelegung von Wohnungen und einem „Lock-In-Effekt“, vor allem für junge Familien. Als enormes Problem skizzierte Kuhn die quantitative Versorgung mit sozialem Wohnungsbau, da jährlich deutlich mehr Sozialwohnungen aus der „Bindung fielen“ (ca. 43.000 Wohnungen) als nachgebaut werde (ca. 25.000 Wohnungen). Habe es in den 1980ern noch 4 Millionen und 2002 noch 2,47 Millionen Sozialwohnungen gegeben, seien dies 2020 nur noch 1,13 Millionen gewesen. Ideen, wie politisch aus der Wohnungskrise herauszufinden sei, gebe es mittlerweile einige, diese seien jedoch teils auch umstritten, weil sie oftmals den Interessen von Immobilienkonzernen zuwiderliefen. Kuhn erwähnte das Berliner Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“, welches vorsehe, Konzerne mit über 3000 Wohneinheiten zu enteignen, den Berliner Mietendeckel, das Mietenstopp-Volksbegehren aus Bayern, Mietmoratorien ebenso wie Ansätze der „Neuen Gemeinnützigkeit“ sowie dem „Neuem Bodenrecht“.

Kuhn unterstrich weiterhin, dass neben dem quantitativen Mangel an bezahlbarem Wohnraum die qualitative Ausgestaltung des Familienwohnens defizitär sei; hier bedürfe es dringend wohnungspolitischer Korrekturen. Es sei dringend notwendig, die Förderkriterien an die sozialen Realitäten von Familien anzupassen und somit auch bei der qualitativen Ausrichtung die verschiedenen Familienformen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen, z.B. durch ein verstärktes Angebot von flexiblen Cluster-Wohnungen für Familien. Zudem müssten die Sozialbindungen langfristiger bzw. dauerhaft Bestand haben, um genügend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu halten. Kuhn gab einen umfassenden Einblick in die historische Entwicklung des Wohnungsbaus und die zunehmend weniger familienorientierte Wohnungsbaupolitik und machte deutlich, dass genau dies wieder verändert werden müsse: Familien müssten wieder viel stärker in den Fokus der Wohnungspolitik rücken – wenn dies auch in unterschiedliche lokale Handlungsansätze resultieren könnte, da die Herausforderungen sich teils auch regional stark unterschieden.

Bildschirmpräsentation „Wie stellt sich die aktuelle wohnungspolitische Lage von Familien dar?“ von Dr. Gerd Kuhn (zum Download)

Im direkten Anschluss wurde Kuhns Impulsvortrag durch Dr. Patricia Arndt aus der Ad-Hoc-AG im Bundesforum Familie kommentiert. Sie merkte an, dass während Wohnungs- und Familienpolitik in früheren Dekaden durchaus zusammen gedacht wurde, sich dies zunehmend auseinanderentwickelt habe, was es dringend zu ändern gelte – auch wenn Wohnen immerhin im 9. Familienbericht als Themenfeld erwähnt werde. Familien – in all ihrer Vielfalt und in Anbetracht des stetigen gesellschaftlichen Wandels – müssten wieder zentral in Wohnungs- und Baupolitik sowie schon in der Architekt:innenausbildung mitgedacht werden. Weiterhin gelte es, Familien nicht nur in einer Lebensphase, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus in den Blick zu nehmen.

In der anschließenden Diskussion der Teilnehmenden im Plenum wurde unterstrichen, dass Wohnen weitaus mehr sei, als die Wohnung oder das Haus, in dem eine Familie wohne. Es sei vielmehr ein Netzwerk an Strukturen und Angeboten, die die Qualität des Wohnens fundamental bedingten – daher müsse die Diskussion um die qualitative Ausgestaltung von Wohn- und Sozialraum in den Quartieren verstärkt werden. Beispielsweise entstünden aufgrund von Multilokalität von Familien immer mehr Engpässe hinsichtlich der Care-Arbeit innerhalb der Familien, dies könne zumindest teilweise durch ein gutes nachbarschaftliches Netzwerk aufgefangen werden. Auch wurde gefordert, intensiver über Möglichkeiten nachzudenken, Mehrgenerationenwohnen sowie Wohnungstausch zu fördern, sodass Familien in den unterschiedlichen Lebenslaufzyklen adäquaten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung hätten. Die Teilnehmenden fragten kritisch, warum immer weniger in sozialen Wohnungsbau investiert werde, wo doch gerade belastete Familien hiermit unterstützt würden.

Drei parallelstattfindende Expert:innengespräche

Familiengerechtes Wohnen – ein marktwirtschaftliche Perspektive
Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft, vertiefte im ersten Expert:innengespräch die marktwirtschaftliche Perspektive auf Familien auf dem Wohnungsmarkt. Er legte dar, dass vor allem der Wohnungsneubau in den Städten gefördert werden müsse, um der Nachfrage gerecht zu werden sowie, dass Familien der Zugang zu Wohneigentum durch adäquate Förderungen und Instrumente erleichtert werden solle. Die Sozialpolitik müsse sich verstärkt an den sich wandelnden Bedürfnissen von Familien orientieren. Die Infrastruktur im Umland von Städten müsse ausgebaut werden, um die Attraktivität des ländlichen Raums für Familien zu vergrößern. Hierbei müsse sowohl die Infrastruktur vor Ort sowie die Anbindung an zentrale Knotenpunkte ausgebaut werden.

Angemerkt wurde u.a., dass das Baukindergeld zwar Wirkung zeige, jedoch mit 10 Mrd. Euro zu teuer sei. Gegebenenfalls könnten die Mittel mit anderen Maßnahmen zielgerichteter und effektiver ausgegeben werden. Seit 2010 sei ein starker Mietenanstieg zu verzeichnen, die Wohnkostenbelastung im Gegenzug bleibe zumindest dort relativ konstant, wo höhere Löhnen auf niedrige Bestandsmieten träfen – nicht jedoch bspw. bei ALG-2-Empfänger:innen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Sozialwohnungen ein gutes Mittel seien, um belastete Familien zu unterstützen. Derzeit seien diese jedoch häufig falsch belegt. Voigtländer schlug vor, Mietverträge in Sozialwohnung zu befristen und die Bedürftigkeit alle fünf Jahre zu prüfen, sodass der Zugang zu Sozialwohnungen zielgerichteter möglich sei. Ein weiteres Problem, welches den Wohnungsmangel vor allem in Städten verstärke, sei die Nutzung von Wohnungen als Ferien- oder Zweitwohnungen. Diese Wohnungen fehlten auf dem Markt, zudem trügen die Besitzer:innen nicht zu einem lebendigen Stadtleben bei. Intensiv diskutiert wurde anschließend die Frage von Mietobjekt versus Eigentum. Voigtländer legte am Beispiel von Großbritannien dar, warum ein ausgewogener Anteil von Miete und Eigentum zusammen mit verstärkten Neubau die Wohnungskrise aufhalten könne. Eine Wohneigentumsquote von 50-60% sei günstig, in Deutschland liege diese derzeit bei 40%. Sie sei seit 2010 nicht mehr gestiegen, obwohl die derzeitig niedrigen Zinsen ein Anreiz zum Erwerb von Eigentum darstellen könnten. Jedoch seien die Kosten von Bauland und Bau im Vergleich ebenfalls stark gestiegen. Wegen niedriger Zinsen sei der Erwerb von Wohneigentum gerade vielerorts günstiger als zu mieten, jedoch fehle oftmals gerade jüngeren Menschen in der Familien(gründungs)phase das Startkapital. Dies bedeute, dass der Eigentumserwerb meist nur für diejenigen, die Kapital erbten, möglich sei, was sozialen Sprengstoff berge. Lösungen, um den Eigentumserwerb auch ohne Erbschaft zu ermöglichen, seien die Gewährung von Nachrangdarlehen und Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. Die Förderung von Eigentum sozial verträglich zu gestalten, sei insgesamt sehr schwierig, daher müssten sowohl Instrumente, die den Mietmarkt regulierten, als auch Instrumente für die Finanzierung von Eigentum entwickelt und gefördert werden. Die Grundsteuer könne durch die Einführung einer Bodenwertsteuer reformiert werden. Darüber hinaus wurde angemerkt, dass die Erschließung von Bauland immer auch aus ökologischer Perspektive zu betrachten sei.

Bildschirmpräsentation „Familiengerechtes Wohnen – eine marktwirtschaftliche Perspektive“ von Prof. Dr. Michael Voigtländer (zum Download)

Wohnungslosigkeit von Familien
Im zweiten Expert:innengespräch erörterten Sarah Lotties & Joachim Krauß von der BAG Wohnungslosenhilfe den aktuellen Problemkomplex der Wohnungslosigkeit von Familien mit den Teilnehmenden. Die Referent:innen legten in ihrem Kurzimpuls dar, dass Wohnungslosigkeit von Familien kein Randphänomen mehr sei, sondern dass mittlerweile viele Familien die Hilfsangebote der Beratungsstellen aufgrund von (drohender) Wohnungslosigkeit in Anspruch nähmen. Wohnungslosigkeit von Familien würde jedoch häufig viel zu spät erkannt, da Familien oftmals zunächst auf ihre Hilfsnetzwerke (Familien und Freundeskreise) zurückgreifen würden und bei diesen unterkämen. Weiter ergänzten sie, dass Familien häufiger auf Hilfen zurückgriffen als Alleinlebende, was grundsätzlich dafür spräche, präventive Hilfen auszubauen, sodass Familien gar nicht erst in die Lage gerieten, wohnungslos zu werden.

In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden wurden unterschiedliche Handlungsfelder identifiziert, die dazu beitragen könnten, Familien vor der Wohnungslosigkeit zu bewahren. Die Gesellschaft müsse grundsätzlich für das Thema Wohnungslosigkeit stärker sensibilisiert werden, sodass das stereotypische Bild eines zottligen, alkoholkranken Obdachlosen aus den Köpfen der Menschen verschwinde. Denn Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Präventionsketten wie sie beim Kinderschutz angewandt würden, könnten auch dazu beitragen, Wohnungslosigkeit frühzeitig zu erkennen und dem früh entgegen zu steuern. Neben der Stärkung präventiver Maßnahmen müssten die Unterstützungsinstanzen besser vernetzt werden, sodass die häufig multiplen Gründe für die Problemsituation angegangen werden könnten. Beratungsstellen müssten außerdem die Möglichkeit haben, multilingual zu beraten, bzw. Dolmetscher:innen hinzuziehen zu können.

Ergänzend hingewiesen wurde auf die Erkenntnisse des Online-Fachgesprächs „Wohnungslosigkeit von Familien im europäischen Vergleich“, welches das Bundesforum Familie am 03. Dezember 2020 mit Expert:innen aus Finnland, Irland und Deutschland durchgeführt hatte.

Bildschirmpräsentation „Familien in Wohnungsnotfallsituationen“ der BAGW (zum Download)

Treiber und Konsequenzen der Wohnstandortwahl von Familien
Dipl. Ing. Ricarda Pätzold, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Urbanistik stellte im dritten Expert:innengespräch Treiber und Konsequenzen der Wohnstandortwahl von Familien vor. In der Diskussion mit den Teilnehmenden kristallisierte sich heraus, dass Wohnraum der Finanzspekulation entzogen werden müsse, um Familien den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu ermöglichen. In der Diskussion wurde die Aussage von Dr. Kuhn bestätigt, dass vor allem auch die Qualität von Wohnraum in den Blick genommen werden müsse. Derzeit stehe zu wenig familiengerechter Wohnraum zur Verfügung. Hierbei sei nicht nur auf den Wohnraum an sich, sondern auch auf die Umgebung zu achten. Thematisiert werden sollte zum Beispiel die Frage, wie viele Autos in Städten erlaubt werden sollte. In dem Kontext wurde auch diskutiert, dass Wohnraum für Familien in den Innenstädten immer weniger attraktiv oder bezahlbar sei, und diese entsprechend an den Stadtrand bzw. in Vorstädte („Speckgürtel“) zögen. So verschwänden Familien zunehmend aus den Innenstädten, was gesamtgesellschaftlich problematisch sei. Zudem seien auch die Familien häufig nicht zufrieden mit dem Wegzug aus der Stadt, der ihnen in gewisser Weise von den Umständen auferlegt sei. Innenstädte müssten also eher so (um-)gestaltet werden, dass die Gemeinschaft in den Quartieren gefördert werde und durch mehr Grün und mehr Verkehrsberuhigung attraktiver für Familien werde. Im ländlichen Raum hingegen müsse das Bewusstsein für die Bedarfe junger Familien sowie die Lebensverlaufsperspektive gefördert werden, sodass die Infrastruktur bedarfsgerecht für junge Familien sowie Senior:innen gestaltet wird. Auch wurde bestätigt, dass Quartiere sowie Kommunen verstärkt eine homogene Anwohner:innenschaft anziehe und so unter anderem die Schere zwischen arm und reich verstärkt werde. Hier müsse die Perspektive stärker auf sozialer Heterogenität liegen.

Bildschirmpräsentation „Treiber und Konsequenzen der Wohnstandortwahl von Familien“ von Ricarda Pätzold (zum Download)

Abschließende Kurzvorstellung der Diskussionen im Plenum

In einer abschließenden Runde stellten Mitglieder der Ad-Hoc-AG die jeweiligen Diskussionen, die in den Break-Out-Rooms stattgefunden hatten, im Plenum vor. Aus allen drei Gruppen wurde verstärkt darauf verwiesen, dass der Markt die angesprochenen Probleme nicht lösen kann und wird und somit Instrumente entwickelt werden müssten, die den Markt entsprechend regulierten. Damit müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, um allen, insbesondere sozioökonomisch benachteiligten Menschen einen guten Zugang zum Wohnungsmarkt zu ermöglichen und sozial- und umweltverträglichen Neubau zu fördern. Vielfach wurde erwähnt, dass vor allem in die Schärfung des Bewusstseins sich wandelnder Bedürfnisse von Familien investiert werden müsse und dass diese im Wohnungsmarkt sowie in der Qualität des Wohnens und in Beratungsangeboten sich widerspiegeln müssten.

28. Juni 2022, online: Impulsworkshop „Empowerment als Leit- und Zielperspektive in der Familienunterstützung“

Die aktuelle Themenperiode „Empowerment durch Unterstützungsstrukturen“ nimmt die Stärkung von Familien durch empowernde Unterstützungsstrukturen in den Blick. Dieser Fokus thematisiert damit Empowerment als Leit- und Zielperspektive mit seinen Potenzialen, aber auch die damit einhergehenden Ambivalenzen, Herausforderungen und Missverständnisse.

Der Begriff des Empowerments wird sich wie ein roter Faden durch die drei für 2022/23 geplanten Fachforen ziehen – doch was bedeutet Empowerment und warum ist es erstrebenswert?

Bietet Empowerment einen Ausweg aus der Fürsorge-Falle oder dient er stellenweise als Label für Maßnahmen, die einen gegenteiligen Effekt erzielen? Was sind die Potenziale und Widersprüche von Empowerment? Der Empowerment-Begriff findet sich in vielen politischen und sozialarbeiterischen Kontexten. Gibt es Spezifika des Empowerment-Begriffs in der Familienarbeit?

Mit dem Impulsworkshop soll bereits im Vorfeld der Fachforen durch Input und Diskussion eine gemeinsame begriffliche Grundlage für die weitere Bearbeitung der Thematik geschaffen werden. So wird erreicht, dass ‚Empowerment‘ nicht als wohlklingender Trendbegriff verstanden wird, sondern als Konzept, das Familien nachhaltig stärken und Zugänge langfristig schaffen kann.

Gliederung des Workshops

In einem ersten Teil gibt Yasmine Chehata (TH Köln, Herausgeberin des Sammelbandes „Empowerment und Powersharing“ [2020]) einen inhaltlichen Einblick in den konzeptionellen Ansatz des Empowerment-Begriffs. Prof. Dr. Paul Mecheril (Universität Bielefeld, Beiratsmitglied des Bundesforums Familie) schließt daran mit einem einordnenden Kommentar an. Dieser Teil des Workshops ist für alle interessierten Mitglieder des Bundesforums Familie.

Der zweite Teil richtet sich ausschließlich an die Mitglieder der drei neu gebildeten Ad-Hoc-AGs und fragt nach dem Nutzen und möglichen Stolpersteinen des Empowerment-Begriffs und dessen Auswirkungen auf die Praktiken in der Familienunterstützung. Durch die Diskussion soll hier ein tieferes Verständnis für die Idee des Empowerments erworben und bestehende Vorstellungen reflektiert und erweitert werden. Diese Auseinandersetzung dient als Grundlage für die weitere Bearbeitung der Thematik innerhalb der AGs.

Das ausführliche Programm finden Sie als PDF hier zum Download.

Anmeldung zum Impulsworkshop am 28. Juni 2022

Der Impulsworkshop richtet sich nur an Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie.

24. Juni 2022, Berlin: „Familienpolitische Vorhaben der Bundesregierung“ Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung enthält eine Reihe wichtiger familienpolitischer Vorhaben, die in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden sollen.

Mit der Veranstaltung werden zum einen die großen Linien der familienpolitischen Projekte der Bundesregierung mit der Parlamentarischen Staatssekretärin, Frau Ekin Deligöz diskutiert.

In einem zweiten Teil wird auf die zeitpolitischen Inhalte der im Koalitionsvertrag geplanten Maßnahmen fokussiert. Es werden dabei zum einen die Reformen des Elterngelds und der Elternzeit sowie andere begleitende Maßnahmen und zum anderen die Pläne zur Neuordnung der Pflegezeit- und Familienpflegezeit betrachtet.

Die Tagung ist kostenfrei.

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung finden sich auf der Website der AGF.

23. Juni 2022, online: „Kinderschutz in Corona-Zeiten“ Transfer-Frühstück der AGJ

Während der Corona-Pandemie verschwanden Kinder und Jugendliche über Monate aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit, wodurch die vielfältigen Schutzmechanismen in pädagogischen Institutionen stark beeinträchtigt waren. Es ist davon auszugehen, dass junge Menschen unter erhöhten Belastungen litten und viele Gefährdungen unentdeckt blieben. Um betroffene Kinder und Jugendliche bestmöglich schützen und unterstützen zu können, müssen Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe um mögliche Handlungsansätze wissen. Vor diesem Hintergrund laden wir ein, sich innerhalb einer Frühstückslänge durch zwei Inputs mit neuen Forschungsergebnissen vertraut zu machen. Die Moderation übernimmt Katrin Rönicke, Erziehungswissenschaftlerin und Podcasterin.

Mit dem neuen Projekt „Transfer-Talks“ führt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ ihre bewährten Transfer-Formate fort. Im Rahmen einer Podcast- und Veranstaltungsreihe werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche vorgestellt und diskutiert. Das vierte digitale „Transfer-Frühstück“ findet am 23. Juni 2022 von 9:00 bis 10:30 Uhr zum Schwerpunkt Kinderschutz in Corona-Zeiten statt.

Das Projekt „Transfer-Talks“ wird im Rahmen von AUF!leben – Zukunft ist jetzt.  gefördert. AUF!leben – Zukunft ist jetzt. ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Programm ist Teil des Aktionsprogramms Aufholen nach Corona der Bundesregierung.

Anmeldung zum AGJ-Transfer-Frühstück auf der AGJ-Website

20./21. Juni 2022, Magdeburg: „Familienbildung in der Neuen Normalität? – Herausforderungen für Fachkräfte und Familien“ Fachtagung der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie

„Neue Normalität wurde 2018 durch den österreichischen Sprachphilosophen und Politikwissenschaftler Paul Sailer-Wlasits begrifflich geprägt und im deutschsprachigen Raum in den gesellschaftspolitischen Diskurs eingeführt.“ (Wikipedia)

Seit dem Frühjahr 2020 ist der Ausdruck im Zuge der COVID-19-Pandemie zu einem – umstrittenen – politischen Schlagwort geworden. Er erklärt das Leben unter Pandemiebedingungen zur (neuen) Normalität. Wird diese Neue Normalität der Ausnahmezustand bleiben? Oder gehen wir gestärkt aus der Krise hervor? Klar ist: Es wird nicht mehr so sein, wie es vorher war.

Mit dem Vortrag Die Neue Normalität? Herausforderungen für Gesellschaft, Familie und Familienbildung wird uns Martina Wasserloos-Strunk in das Thema einführen. Welche besonderen Herausforderungen mussten Familien bewältigen? Was wurde für Eltern zur Neuen Normalität? Dr. Anna Buschmeyer wird uns dazu die Studie Erschöpfung der Eltern – Corona und die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit vorstellen.

Auch in der Praxis gab es zahlreiche Herausforderungen für die Familienbildung: Einrichtung zu – Einrichtung auf, Fenster zu – Fenster auf, Maske auf – Maske ab, Abstand statt Nähe, Singen verboten, Landesverordnungen, Hygienepläne usw… Begegnet wurde ihnen mit Solidarität, Kreativität, Innovation, Phantasie, Engagement, Digitalisierung, Austausch- und Vernetzungstreffen, sowie Fort- und Weiterbildung in Online-Formaten. Karsten Piehl wird uns mit seinem Vortrag Familienbildungsstätte in der Pandemie – Herausforderung und Chance von seinen Erfahrungen berichten und daraus erwachsende Chancen zur Diskussion stellen.

Mit ihren Orientierungslinien für das evangelische Engagement mit und für Familien unter der Überschrift „Familie leben“ möchte die EKD Zukunftsperspektiven für eine familienbezogene Arbeit in Kirche und Diakonie eröffnen. Oberkirchenrat Dr. Steffen Merle wird die Orientierungslinien vorstellen und mit uns diskutieren, wie diese für die Evangelische Familienbildung von Nutzen sein können. Ein World-Café und das Abendprogramm werden Raum und Zeit für Erfahrungsaustausch und Diskussion geben.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und Kennenlernen in Magdeburg.

Flyer der Veranstaltung

Mehr Informationen und Anmeldemöglichkeit auf der Website der eaf

15. Dezember 2021, online: „Egalität egal? Was Frauen (und Männer) auf ihrem Weg zur Gleichheit ausbremst“ Netzwerk-Veranstaltung des Deutschen Jugendinstituts

Wie ist es um die gelebte Geschlechtergerechtigkeit zwischen Mann und Frau nach fast vier Jahrzehnten Gleichheitsdebatte heute bestellt? Was ist an den oft zitierten „neuen Vätern“ neu?

Fakt ist, dass Frauen auch 2021 das Gros unbezahlter Sorgearbeit in Familien leisten, dass sie ein deutlich geringeres Erwerbseinkommen erzielen als Männer und dass dieser sogenannte „Gender-Pay-Gap“ über den „Gender-Lifetime-Gap“ im Alter zum Gender-Pension-Gap wird.

Welche Faktoren spielen bei der Kluft, die weiterhin zwischen formulierten Ansprüchen und der alltäglichen Praxis in Familien und Erwerbsarbeit besteht, eine Rolle? Ist alles nur eine Aushandlungssache zwischen Mann und Frau? Welche Wirkmacht haben hierbei (noch immer) tradierte Geschlechterrollen? Und welche Strukturen, z.B. auf dem Arbeitsmarkt und in der Sozial- und Familienpolitik, wirken ungleichheitsfördernd und bremsen Veränderungsprozesse aus?

Umgekehrt lässt sich fragen: Was sind Treiber für Veränderungsprozesse hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit? Braucht es andere gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen?

Und ganz konkret: Welche Auswirkungen hatte die SARS-CoV-2-Pandemie bislang auf die Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern? Ist die befürchtete Retraditionalisierung, der Rückfall in überkommene Arbeitsteilungen, eingetreten? Oder wem ist Egalität vielleicht sogar egal?

Diese und weitere Fragen diskutiert Dr. Karin Jurczyk, Familiensoziologin, im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik, Mitinitiatorin von Care.Macht.Mehr und bis 2019 Leiterin der DJI-Abteilung Familie und Familienpolitik mit Prof. Dr. Michael Meuser, bis 2020 Professor für Soziologie der Geschlechterverhältnisse an der TU Dortmund, der den Gleichheits-, Familien- und Väterdiskurs über Jahrzehnte wissenschaftlich begleitet hat und Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V., Professorin für Kindheitspädagogik, die in ihrer aktuellen Publikation „Frauenrolle vorwärts“ Frauen ermutigt, sich von möglicher Weise überkommenen verinnerlichten Rollenbildern in Beruf, Partnerschaft und Familie zu distanzieren und nicht hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück zu bleiben.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Mehr Informationen und Anmeldung auf der Website des DJI

14. Juni 2022, online: „Kindergeldleistungen für Kinder von EU-Bürger*innen in Deutschland – rechtliche Grundlagen, Zugangsbarrieren und Zukunftsperspektiven“ Fachgespräch des Paritätischen Gesamtverbands

Seit einigen Monaten erreichen den Paritätischen zunehmend Problemanzeigen aus unseren Mitgliedsorganisationen, die im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Kindergeldanträgen für in Deutschland lebende Unionsbürger*innen stehen.

Ein Teil der Probleme dürfte auf die Verschärfung der gesetzlichen Regelung im Sommer 2019 zurückzuführen sein, ein anderer Teil ergibt sich aber unabhängig davon aus der Verwaltungspraxis der Familienkassen. Dazu zählen unter anderem: überlange Bearbeitungsdauer der Kindergeldanträge, unverhältnismäßige Anforderungen an Nachweispflichten oder rechtswidrige Ablehnungen von Kindergeld aufgrund freizügigkeitsrechtlicher Vorgaben.

In dem Fachgespräch möchten wir die Rechtslage und deren Auswirkungen auf die Praxis schildern und anschließend mit dem Fachpublikum darüber diskutieren, wie die Zugangsbarrieren zu den Kindergeldleistungen für diese Gruppe abgebaut werden können – auch in Hinblick auf die womöglich bevorstehenden gesetzlichen Änderungen im Zuge der Kindergrundsicherung.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie die Anmeldemöglichkeit finden sich auf der Website des Paritätischen Gesamtverbands.