3. November 2026, Berlin: Netzwerktreffen des Bundesforums Familie „Vielfältige Familien – Gerechte Chancen: Frühe Bildung inklusiv gestalten“

10:00-16:00 Uhr | Ankommen und Begrüßungskaffee ab 9:30 Uhr
Hotel Grenzfall, Ackerstraße 136, 13355 Berlin

Wie wird der Zugang zu früher Bildung in Deutschland endlich für alle Kinder und ihre Familien gerecht? Der Anspruch ist klar: Jedes Kind hat das Recht auf bestmögliche Bildungschancen – von Anfang an und unabhängig von den Lebensumständen der Familie. Die Realität zeigt jedoch, dass frühe Bildungszu- und -übergänge nach wie vor von strukturellen Hürden, Exklusion und Vielfaltsblindheit geprägt sind.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, braucht es einen weiten Blick: Inklusion bedeutet für das Bundesforum Familie die gleichberechtigte Teilhabe für alle und umfasst damit den Abbau aller Diskriminierungsformen inklusive sozialer, sprachlicher oder finanzieller Barrieren.

Auf unserem Netzwerktreffen widmen wir uns unter anderem diesen Fragen:

  • Wie wird allen Familien in der frühen Bildung Zugang, Teilhabe und Mitgestaltung möglich?
  • Wie sieht eine Unterstützung aus, die die tatsächlichen Lebensrealitäten von Familien wirksam aufgreift?
  • Welche Chancen sind mit einem gleichberechtigten Zugang aller Kinder und Familien zu früher Bildung verbunden?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchen Bildungsorte, die Vielfalt als Standard begreifen?
  • Welche Signale sind vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten bei der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe nötig, um den Stellenwert einer inklusiven frühen Bildung zu stärken?

Am Vormittag nehmen wir den Status Quo inklusiver früher Bildung und früher Bildungsübergänge auf der Grundlage des breiten Inklusionsbegriffes in den Blick. Nach einem Grundsatzimpluls wollen wir die aktuellen politischen Entwicklungen bei der inklusiven Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe einordnen und diskutieren. Am Nachmittag fokussieren wir in interaktiven Formaten auf die spezifischen Rahmenbedingungen und Hürden verschiedener Familiendynamiken, so z. B. das Leben mit einer Behinderung, Fluchtgeschichte, Alleinerziehende, Regenbogenfamilie oder Armutserfahrung.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und Vertreter:innen der Mitgliedsorganisationen vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 27. Oktober 2026 über das untenstehende Formular an.

Programm

Programm_NWT_2026

Anreise

Wenn Sie nach Berlin zur Veranstaltung anreisen, bemühen wir uns, Sie bei den Reisekosten zu unterstützen. Damit wir die Möglichkeiten dafür besser abschätzen können, geben Sie bitte bereits möglichst frühzeitig im Anmeldeformular Ihre ungefähren Reisekosten an. Sollten Sie ein Hotelzimmer benötigen, setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.

Bitte denken Sie daran, dass wir hinsichtlich der Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten an die Vorgaben des Bundesreisekostengesetzes gebunden sind.
Merkblatt Reisekosten
Hinweise zur Anreise zum Hotel Grenzfall
Hinweise zur barrierefreien Anreise

Anmeldung

Dokumentation des Impulsworkshops am 30. Juni 2026 „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit?“

Zusammenfassung zentraler Aussagen

Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelingt nur auf Augenhöhe

Familien sind die ersten Bildungsorte für Kinder. Damit Bildungs- und Erziehungspartnerschaften gelingen, müssen Eltern als Expert:innen für ihre Kinder anerkannt und ernsthaft einbezogen werden. Zusammenarbeit lebt von gegenseitigem Vertrauen, Transparenz und einer wertschätzenden Haltung – immer mit dem gemeinsamen Ziel, das Kind bestmöglich zu begleiten.

Chancengerechte Bildung braucht Beteiligungsgerechtigkeit

Damit alle Familien ihre Kinder auch in der Kita gut begleiten können, braucht es Beteiligungsangebote, die sich an ihren unterschiedlichen Lebenslagen orientieren. Chancengerechtigkeit bedeutet deshalb auch, Beteiligung und Unterstützung so zu gestalten, dass sie alle Familien erreichen.

Elternmitwirkung als Ressource für Qualitätsentwicklung

Eltern sind nicht nur Adressat:innen pädagogischer Arbeit, sondern wichtige Mitgestalter:innen von Bildungsqualität. Beteiligung sollte daher nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als selbstverständlicher Bestandteil guter pädagogischer Arbeit verstanden werden. Denn von einer gelungenen Partnerschaft profitieren sowohl die Familien als auch die Institutionen.

Haltung als Schlüssel

Ob Bildungs- und Erziehungspartnerschaften gelingen, hängt wesentlich von der Haltung der Fachkräfte, Leitungen und Träger ab. Familien willkommen zu heißen, Vielfalt wertzuschätzen und Vertrauen aufzubauen sind grundlegende Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gleichzeitig braucht Haltungsentwicklung Zeit, Reflexion und Ressourcen für Fortbildung.

Kommunale Vernetzung stärkt Familien

Das Praxisbeispiel der Kita am Sommerbad verdeutlicht, welches Potenzial in einer familien- und sozialraumorientierten Kita steckt. Niedrigschwellige Begegnungsangebote, Beratung und eine enge Vernetzung mit weiteren Unterstützungsangeboten stärken Familien und fördern Teilhabe. Solche Ansätze benötigen jedoch verlässliche Ressourcen und politischen Rückhalt.

 

Veranstaltungsbericht

An dem online durchgeführten Impulsworkshop am 30. Juni 2026 nahmen etwa 45 Personen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie teil.

Franziska Oelkers vom Bundesforum begrüßte die Teilnehmenden zur zweiten Veranstaltung der Themenperiode „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“. Als Schwerpunkt des Workshops benannte sie Partnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen, hauptsächlich in der frühen Bildung. Damit sei das Idealbild einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Eltern und Bildungsinstitutionen gemeint, die sich an den Lebenslagen der Familien orientiert und das Wohl und die Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt.

Impulsvortrag von Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Ruhr-Universität Bochum und Ständiger Beirat des Bundesforums Familie

Birgit Leyendecker wies eingangs darauf hin, dass der gerade erschienene Bildungsbericht 2026 verschiedene Herausforderungen der Bildungsgerechtigkeit aufgezeigt habe.

Risikolagen und Bildungsgerechtigkeit

Jedes vierte Kind sei im Jahr 2024 von mindestens einer Risikolage betroffen gewesen: Armutsgefährdung, geringe elterliche Qualifikation oder fehlende Erwerbstätigkeit. Am häufigsten seien Familien mit Migrationsgeschichte sowie Alleinerziehende damit konfrontiert. Während die Kinder der ‚Gastarbeitergeneration‘ fast den gleichen Bildungserfolg erzielt hätten wie Kinder ohne Migrationshintergrund, sei dies bei den Kindern von neu Eingewanderten nicht der Fall. Die Kita könne Risikolagen ausgleichen, aber der Zugang zur Kita bleibe eine Hürde insbesondere für Familien mit Risikolagen. Der Fokus richte sich heute auf schwer erreichbare Familien, die oft noch von weiteren Risikolagen gekennzeichnet seien.

Zentrale Orte kindlicher Entwicklung: Familie – Kita – Familienzentrum/Kommune

Kinder verbrächten vor allem in der frühen Familienphase die meiste Zeit in der Familie und erführen hier sozial-emotionale Bindung und Geborgenheit sowie sprachliche und kognitive Anregungen. Dies hänge jedoch von den Ressourcen Zeit, Geld, Gesundheit und Vernetzung ab. Die Kita könne mit professioneller früher Bildung und Betreuung einen Ausgleich schaffen, erreiche aber nicht alle Familien in Risikolagen. Nach Joyce Epstein (2018) käme noch ein dritter Bildungsort hinzu, nämlich die Nachbarschaft, das Stadtviertel, die Kommune, gegebenenfalls mit einem Familienzentrum. Letzteres fungiere als „One-Stop“-Anlaufstelle für frühe Hilfen, Beratung, Jugendamt und den Abbau von Sprachbarrieren.

Wie kann Erziehungspartnerschaft gelingen?

Auf der Grundlage einer Willkommenskultur gehe es um niedrigschwellige Formate (z. B. Elterncafé mit Nähmaschinen), die Stärkung der Zugehörigkeit durch Elternbeteiligung (z. B. Kuchenbacken als Einstieg), mehrsprachige Apps und die Einbeziehung der Väter. Außerdem müsse man unterschiedliche Erwartungen verstehen und berücksichtigen. So sei nicht jedes stille Elternteil ein desinteressiertes Elternteil. Zum Beispiel sei es in manchen Ländern erwünscht, dass sich die Eltern aus der Kita heraushalten, oder Eltern aus Osteuropa seien oft irritiert, wenn ihre Kinder nicht mit auswendig gelernten Gedichten nach Hause kommen. Zugewanderte Eltern hätten oft hohe Ambitionen für die Bildung ihrer Kinder, wüssten aber nicht, was ihr Beitrag für die Kita sein könnte. Zu den bereits genannten Hürden für die Eltern kämen noch eine geringe Selbstwirksamkeit und wenig Erfahrung mit der Beteiligung an Bildungseinrichtungen hinzu. Bei den Kitas seien es fehlende Erfahrungen oder ungenügende Ausbildung für heterogene Elterngruppen sowie implizite Defizitannahmen gegenüber schwer erreichbaren Zielgruppen, die dazu führen könnten, dass Versuche schnell aufgegeben werden. Bei den Kommunen fehle es an Personal, für Familienzentren seien multiprofessionelle Teams und neue Organisationsformen nötig, z. B. weil eine Fachkraft nicht ständig vor Ort sein könne, sondern mehrere Familienzentren betreuen müsse. Dies erfordere auch die Bereitschaft, Ungleiches ungleich zu behandeln.

Was ist der Ertrag gelungener Partnerschaften?

Untersucht worden seien gute Praxisbeispiele wie die Early Excellence Centres in England und Deutschland, die auf eine enge Kooperation mit den Eltern setzten, das Förderprogramm Opstapje in den Niederlanden, das mit Hausbesuchen die häusliche Situation der Kinder zu verbessern suche, und das langfristig angelegte Perry Preschool Project in den USA, das habe zeigen können, dass eine frühe Förderung lebenslange positive Auswirkungen habe. Zu den Erfolgen bei Kindern zählten eine höhere Lernbereitschaft und bessere sozio-emotionale Entwicklung. Diese führten zu Entlastungen bei den Kitas. Eltern gewännen ein besseres Verständnis der Kita-Prozesse. Bei der Kommune (Jugendamt, frühe Hilfen, Beratung usw.) fiele zwar zunächst mehr Aufwand an, danach seien die entsprechenden Akteure jedoch näher an den Familien und könnten gezielter Unterstützung leisten. Durch diese Vernetzung erhöhe sich insgesamt die Chance auf mehr Bildungsgerechtigkeit.

Diskussion: Kommune, Zeit, neue Organisationsformen

In der Diskussion wurde begrüßt, dass Birgit Leyendecker die Kommune in die Betrachtung hineingebracht hat. Es wurde jedoch in Frage gestellt, dass Kinder die meiste Zeit zuhause verbrächten. Leyendecker wies darauf hin, dass dies gemäß Zeitstudien je nach Alter der Fall sei, wobei Zeit nicht nur die interaktive Zeit umfasse. Mit zunehmendem Alter verschiebe sich das Bild.

Zu den positiven Ansätzen wurde gefragt: Wer muss es hören, damit es umgesetzt wird? Ebenso wurde nach den erwähnten neuen Organisationsformen der Kommune gefragt. Leyendecker bezog sich vor allem auf die Familienzentren. Kommunen müssten sich regional vernetzen und Zuständigkeiten dort in einer einzigen Anlaufstelle konzentrieren. Dem Einwand, dass dies sich für freie Träger anders gestalte und Kita-Arbeit endlich sei, stimmte Leyendecker zu – andere Einrichtungen müssten dann übernehmen und ergänzen.

Impulsvortrag von Annegret Neugschwender, Vorsitzende des Landeselternausschusses der Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz (LEA RLP)

Annegret Neugschwender verfolgte aus Sicht der Eltern die Fragestellung, wie eine tatsächlich wirksame Partnerschaft in der Bildung und Erziehung erreicht werden kann. Diese Problemstellung gehörte zu den Ausgangspunkten einer landesweiten Befragung, die der Landeselternausschuss gemeinsam mit der Hochschule Koblenz im April/Mai 2025 durchgeführt hat und an der 1.257 Kita-Eltern teilgenommen haben. Im Zentrum stand der Zusammenhang zwischen Elternmitwirkung und Kita-Qualität. Was sind die Bedingungen dafür, dass aus einer guten Zusammenarbeit tatsächlich eine Partnerschaft auf Augenhöhe wird? Hierzu stellte Annegret Neugschwender vier Thesen vor.

These 1: Bildungsgerechtigkeit braucht Beteiligungsgerechtigkeit

Neugschwender betonte, dass Bildungsgerechtigkeit nicht nur Zugänge, Sprachförderung, Personal und Ressourcen erfordere, sondern auch Beteiligungsgerechtigkeit. Für die Wirksamkeit von Bildungspartnerschaften reiche es nicht, dass Eltern erreicht werden. Entscheidend sei vielmehr, was danach passiert. Dieses „Danach“ sei leider häufig eine Pseudobeteiligung. Der Landeselternausschuss erhalte häufig Rückmeldungen von Eltern über eine gescheiterte Mitwirkung, in der sie nichts hätten bewirken können. Die damit verbundene Hilflosigkeit von Eltern gegenüber dem Kita-System führe oft auch zu einer Radikalisierung. Eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft hingegen entfalte ihre Wirkung dann, wenn Eltern erleben, dass ihre Perspektive zählt und ihre Anliegen etwas bewirken. Es frage sich also nicht nur, wie Eltern erreicht werden, sondern auch, wie es ihnen Eltern ermöglicht wird, wirksam zu werden.

These 2: Eltern sind nicht nur Zielgruppe, sondern Qualitätsakteur:innen

Eltern seien Mitgestalter:innen von Qualität, die aus ihrem Familienalltag Erfahrungen mitbringen, was funktioniert und was nicht. Elternmitwirkung sei daher kein zusätzliches Angebot, sondern eine Ressource für die Qualitätsentwicklung.

These 3: Besonders benachteiligte Familien brauchen mehr Mitsprache, und nicht weniger

Für die Bildungsgerechtigkeit sei es wichtig, benachteiligte Familien einzubeziehen. In der Diskussion darüber werde jedoch oft eher die Frage danach gestellt, warum sich diese Familien nicht beteiligen würden, als danach, ob die Beteiligungsstrukturen überhaupt so gestaltet sind, dass sie für alle zugänglich sind. Im Sinne des bereits von Birgit Leyendecker genannten Grundsatzes, Ungleiches ungleich zu behandeln, bedeute auch Beteiligungsgerechtigkeit nicht, allen die gleichen Beteiligungsangebote zu machen. Wer mehr Hürden überwinden muss, brauche mehr Unterstützung beim Zugang. Wer wenig Gehör findet, brauche mehr Möglichkeiten, die eigene Stimme einzubringen.

These 4: Vernetzung braucht Augenhöhe

Durch die Vernetzung von Familien, Kita und Kommune könne mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden, jedoch reiche Vernetzung allein nicht aus. Netzwerke seien oft sehr hierarchisch aufgebaut – und speziell das System Kita sei von einem Machtungleichgewicht geprägt. Familien leisteten einen großen Vertrauensvorschuss, indem sie ihr Wertvollstes in fremde Hände geben. Beteiligungsgerechtigkeit entstünde dann, wenn Familie, Kita und Kommune einander als gleichwertige Partner gegenübertreten sowie bestehende Machtgefälle thematisieren und gemeinsam gestalten.

Zusammenfassend verlangte Neugschwender mehr Schritte zu einer Mitentscheidungskultur.

Diskussion: die Haltung gegenüber der Elternbeteiligung – lästige Pflicht oder Entlastung?

In der Diskussion wurde betont, dass es für die Elternbeteiligung nicht ausreiche, den Eltern die Mitwirkung in einem „Kuchenkomitee“ anzubieten. Man solle von der Auffassung wegkommen, dass die Beteiligung etwas sei, das Kitas zusätzlich machen müssen. Eine Teilnehmerin sagte, der Vortrag entspreche genau ihrer Erfahrung in Mütterzentren – Institutionen und Familien können gemeinsam wachsen. Über das Machtgefälle, so hieß es weiter, würde meist zu schnell hinweggegangen. Dass Partnerschaft eine Frage der Haltung sei, dürfe nicht vernachlässigt werden. Dazu gehöre, sich selbst zu hinterfragen und zum Beispiel genau hinzusehen, ob die oft genannte „Augenhöhe“ wirklich bestünde. So verwies Neugschwender auf die in Rheinland-Pfalz gesetzlich sehr gut verankerte Elternvertretung, wo jedoch die Haltung der Fachkräfte oft ein Problem sei. Wo es gut läuft, werde die Elternbeteiligung von Kitas als Entlastung und nicht als Mehrarbeit angesehen. Daran solle man anknüpfen. Hinsichtlich weiterer Beispiele wurde auf positive Beispiele beim Deutschen Kita-Preis hingewiesen.

Bildungs- und Erziehungspartnerschaften seien Zweckverbindungen zum Wohle des Kindes. Wichtig sei ein Leitbild für die Kita als einem Ort, an dem alle – die Kinder, Eltern und die Fachkräfte – gerne Zeit verbringen. Damit alle dort willkommen sind, seien jedoch nicht nur mehrsprachige Informationsmaterialien notwendig; vielmehr solle Sprache als Brücke zur Kultur genutzt werden, um zu einer diskriminierungskritischen Elternarbeit zu gelangen.

Impulsvortrag von Stephanie Schaar und Mandy Winter, Leitungsteam der „Kita am Sommerbad“ in Greiz, Thüringen

Haltung und Ressourcen

Stephanie Schaar und Mandy Winter stellten ihre Arbeit in der Kita am Sommerbad vor, die 2024 mit dem zweiten Platz des Deutschen Kita-Preises ausgezeichnet wurde. Sie wiesen einleitend darauf hin, dass ihre Praxis sowie die bereits angesprochene Haltung im Sinne einer bestmöglichen Begleitung von Kindern und Familien eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ihre Kita habe eigentlich keine besonders guten Voraussetzungen für diese Arbeit gehabt, da die Einrichtung 50 Jahre alt sei und man mit den baulichen Voraussetzungen eines älteren Gebäudes umzugehen habe. Die Kita beteilige sich aktiv an Bundes- und Landesprojekten zur Qualitätsentwicklung. Dies sei jedoch weniger wegen der Finanzen wichtig, sondern vielmehr als Legitimierung für Anliegen, die sie realisieren wollten oder bereits realisiert hatten. Dazu gehörte z. B. Sprachkita zu werden. Als städtische Kita stünden sie oft unter einer Haushaltssperre. Mit dem Landesprogramm Vielfaltkita konnten sie jedoch einen Informationstresen für Eltern einrichten und mit einer Fachkraft besetzen, denn das angemessene Begrüßen gehöre bei ihnen zur Willkommenskultur gegenüber den Eltern. Zudem sei dies eine gute Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Diese Anlaufstelle diene auch als Entlastung der pädagogischen Fachkräfte. Es gebe außerdem eine Krabbelgruppe in der Kita, die dabei hilft, Eltern schon früh zu erreichen.

Sozialraumorientierung der Kita

Die Kita sei im Sozialraum präsent, zum Beispiel mit einem Umzugswagen auf dem jährlichen Festumzug des Park- und Schlossfestes sowie auf weiteren Veranstaltungen wie dem städtischen „Suppenfest“ im Schlossgarten. Die Mitwirkung von migrantischen Eltern hätte noch weitere Migrationsfamilien in den Schlossgarten gezogen. Das Jubiläum der Kita sei im benachbarten Sommerbad durchgeführt worden, im Rahmen einer Kooperation, mit kostenfreien Getränken für die Kinder und ohne vorgegebenes Ende („wir machen kein Sommerfest von 15 bis 17 Uhr“). Zu den regelmäßigen Angeboten der Kita gehörten ein Spinncafé, Familienkino, Yoga, Stammtische oder ein Nähkurs. In anderen Kitas seien Eltern häufig angewiesen, ihre Kinder bis zu einer bestimmten Uhrzeit abzuholen und die Kita dann zügig zu verlassen haben. Die Kita am Sommerbad ginge den umgekehrten Weg und lade die Eltern dazu ein, mit ihren Kindern dort zu verweilen, einen Kaffee zu trinken sowie untereinander und mit den Teammitgliedern ins Gespräch zu kommen.

Gelingensbedingungen

Die Kita sorge für Multiprofessionalität in der Zusammensetzung des Teams, externe Fachberatung, wechselseitige Hospitationen mit anderen Kitas sowie Fortbildungen. Das größte Problem der Kita sei die mangelnde Akzeptanz des Trägers für die genannten Aktivitäten. Aufgrund der Projekte könnten sie dem jedoch entgegnen, dass sie diese Aktivitäten machen dürfen bzw. müssen. Das entspräche ihrem Leitspruch: „Hinterher um Vergebung zu bitten ist oft besser, als vorher um Erlaubnis zu fragen.“

Diskussion: Haltung, Rahmenbedingungen, Träger, Visionsgeber:innen

In der Diskussion wurde gefragt, was zu dieser Arbeitsweise befähige. Die Antwort lautete, dass es ein starkes Leitungsteam und ein starkes Team brauche. Man müsse weg von der Haltung: ‚Das haben wir schon immer so gemacht.‘ Stattdessen solle man den Blick auf das Kind und auf die Anerkennung der Eltern als Erziehungspartner:innen richten. Die Haltung sei wichtiger als die Rahmenbedingungen. Eine Teilnehmerin verwies darauf, dass sie jetzt einen Träger hätten, der Beteiligung wolle, und zusammen seien sie mehr als vorher. Außerdem seien Visionsgeber:innen wichtig, und eine Haltung für Menschen und gegen Misstrauen. Die nötige Flexibilität falle jedoch oft schwer. Für diese unorthodoxen Ansätze und die nötigen Rahmenbedingungen solle man bundesweit laut vernehmbar werden.

Schlussfolgerungen und Ausblick: Mitwirkungskultur, Familienbildung, Träger, Haltungsarbeit

Auf die Frage nach Schlussfolgerungen wurde zunächst betont, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen, die Infrastruktur jedoch prekär sei und gekürzt werde. Mitwirkungskultur gebe einer Einrichtung etwas Positives, man gebe Definitionsmacht und Verantwortung ab. Mitwirkung brauche Zeit, Know-how und Ressourcen seitens der Eltern und Fachkräfte, bringe jedoch einen „Return on Investment“. So verbessere Mitwirkung die Atmosphäre, und mehr Leute machten mit.

Angemerkt wurde, dass Familie als Bildungsort in der öffentlichen Debatte um frühe Bildung zu kurz käme. Familien bräuchten Unterstützung bereits vor Eintritt in die Kita. Die Kita sei auch eine Familienbildungsstätte. Franziska Oelkers betonte, dass Familienbildung in dieser Themenperiode ein wichtiger Punkt sein werde.

Was es brauche, sei eine bedarfsorientierte Steuerung. Diese sei ohne Projektmittel aktuell kaum leistbar. Die Anforderungen der Vielfaltsgesellschaft nähmen zu, gleichzeitig zögen sich Kommunen aus Programmen der Familienbildung zurück. Die Kita als ein Ort des sozialen Miteinanders sei bei verschiedenen Stellen schwer zu kommunizieren. Es komme daher darauf an, die Träger zu überzeugen und die Verantwortung der Träger und Kommunen zu schärfen.

Auch wenn das strukturelle Umfeld wichtig sei, komme es oft auf Einzelpersonen an. Die Haltung sei ein Schlüsselmoment, aber keine Selbstverständlichkeit – Menschen entwickelten sie durch ihre Erfahrung, durch Supervision usw. Es brauche Zeit, entsprechende Haltungen zu entwickeln bzw. zu ändern. Gefragt wurde: Wo und wie kann man Haltungsarbeit etablieren?

Des Weiteren sei eine Professionalisierung bei Förderanträgen in Städten oder Kreisen erforderlich, um Antragstellungen effizienter zu gestalten und Kitas hier zu entlasten.

Impulsworkshop am 17. September 2026: „Sprachenvielfalt als Stärke: Mehrsprachigkeit in Familien und Kindertagesbetreuung“

17. September 2026 | 9:30-12:30 Uhr
Online via Zoom

Mehrsprachigkeit gehört in deutschen Kitas längst zum Alltag: Rund ein Viertel der drei- bis sechsjährigen Kinder spricht zuhause eine andere Sprache als Deutsch. Diese sprachliche Vielfalt wird jedoch in Bildungsinstitutionen oftmals eher als Problem denn als Chance wahrgenommen – mehrsprachige Kinder und ihre Familien geraten dabei schnell in eine defizitorientierte Perspektive. Dabei entwickeln mehrsprachig aufwachsende Kinder oft ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein sowie kognitive Flexibilität, da sie früh lernen, zwischen unterschiedlichen sprachlichen Systemen zu wechseln und diese zu vergleichen – Fähigkeiten, die sich auch positiv auf andere Lern- und Denkprozesse auswirken können.

In diesem Impulsworkshop des Bundesforums Familie wollen wir den Blick wenden: Wie kann eine ressourcenorientierte Haltung gegenüber Mehrsprachigkeit zu mehr Chancengerechtigkeit in der frühen Bildung beitragen? Besonders in den Fokus rücken dabei die im Koalitionsvertrag vorgesehenen verpflichtenden Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen für Vierjährige: Welche Chancen bieten sie, welche Risiken bergen sie und worauf kommt es bei ihrer Ausgestaltung und Umsetzung an?

Programm

  • Impulsvortrag: Dr.in Sophie Koch, Volkssolidarität
  • Kommentar: Olga Chlebicka, Verband binationaler Familien und Partnerschaften | iaf
  • Good-Practice-Beispiele: „Lesestart: Geschichten sprechen deine Sprache“ der Stiftung Lesen, vorgestellt von Sabine Bonewitz & „Rucksack Kita“, vorgestellt von Britta Kreuzer, BAG Soziale Stadtentwicklung und Dr. Claudia Seele, RAA-MV
  • Austausch und Diskussion in Kleingruppen und im Plenum

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 15. September über das Formular unten auf dieser Seite an. Die Einwahldaten erhalten Teilnehmende einen Tag vor der Veranstaltung per E-Mail.

Anmeldung

Dokumentation der Auftaktveranstaltung am 20. März 2026 zur Themenperiode „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“

Zusammenfassung zentraler Aussagen

Ganzheitliches Verständnis von Bildung mit dem Kind im Mittelpunkt Bildung darf nicht auf schulische Leistung und ökonomischen Nutzen reduziert werden. Bildung umfasst formale, non-formale und informelle Bildung, an der Kinder im Umfeld von Familie, Bezugspersonen, Bildungsinstitutionen und non-formalen Bildungsangeboten im gesellschaftlichen Kontext teilhaben. Bildung umfasst auch Betreuung, Fürsorge, soziale, kognitive, emotionale und sprachliche Entwicklung sowie informelle Lernprozesse in Familie und Alltag.
Soziale Herkunft beeinflusst Bildungschancen langfristig Bildungschancen werden in Deutschland weiterhin stark durch die soziale Lage und die Ressourcen von Familien beeinflusst. Unterschiede in der Teilhabe an früher Bildung zeigen sich bereits in den ersten Lebensjahren und wirken sich langfristig auf Bildungswege aus.
Familiale Anregung braucht Ressourcen Familien tragen wesentlich zur Entwicklung und Bildung von Kindern bei. Fehlende Förderung ist häufig nicht Ausdruck mangelnden Engagements, sondern Folge begrenzter Ressourcen, hoher Belastungen oder fehlender Unterstützungsstrukturen.
Ungleiche Zugänge zu frühkindlicher Bildung Frühkindliche Bildungsangebote erreichen gerade jene Familien seltener, die besonders auf Unterstützung angewiesen wären. Hohe Kosten, fehlende Plätze, regionale Unterschiede, mangelnde Informationen und diskriminierende Strukturen erschweren den Zugang.
Ungleiche Chancen bei Bildungsübergängen Bildungsübergänge sind stark durch den sozioökonomischen Status und die Erwartungen der Eltern an den Bildungsweg ihres Kindes geprägt. Für Kinder aus Familien mit niedrigem formalen Bildungsniveau ist der Zugang zu höherer Bildung weiterhin erschwert.
Bessere Rahmenbedingungen und Prävention Chancengerechtigkeit in der Bildung erfordert strukturelle und präventive Ansätze: zuverlässige frühe Förderung, kostenfreie Bildungsangebote, angemessene personelle Ausstattung, Ganztagsangebote sowie sektorenübergreifende Zusammenarbeit.
Teilhabe für Familien in Risikolagen stärken Eltern und Kinder mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, Armutsrisiken oder Migrationsgeschichte müssen stärker in den Blick genommen werden. Für sie braucht es entsprechende Zugänge zu Unterstützung, Beratung und Bildungsteilhabe.

Veranstaltungsbericht

An der Auftaktveranstaltung der neuen Themenperiode des Bundesforums Familie „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“ am 20. März 2026 nahmen mehr als 55 Personen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie teil.

Franziska Oelkers vom Bundesforum Familie begrüßte die Teilnehmenden zur ersten Veranstaltung der Themenperiode, deren Thema auf dem Netzwerktreffen im November 2025 von den Vertrerter:innen der Mitgliedsorganisationen gewählt worden war.

Auftaktimpuls: Prof. Dr. Susanne Kuger: „Chancengerechtigkeit im Fokus: Familien unter Druck“

Im Auftaktimpuls der Veranstaltung sprach Prof. Dr. Susanne Kuger, Forschungsdirektorin des DJI, über die Rolle der Familien und die Auswirkungen des sozio-ökonomischen Hintergrunds auf Bildungschancen.
Einleitend erläuterte sie, Familien übernähmen eine Vielzahl von Aufgaben für das Aufwachsen von Kindern, die sowohl für die individuelle Entwicklung des Kindes als auch gesellschaftlich zentral seien: die soziale Integration, die emotionale Bindung und Stabilität, die Erziehung und Bildung der Kinder sowie deren wirtschaftlich-ökonomische Absicherung. Bei diesen Aufgaben stünden Familien heute unter großem Druck.

Enkulturation, normative und religiöse Anleitung sowie kindliche Entwicklung finde darüber hinaus in vielen sozialen Kontexten (Kita, Schule, Peergroups) statt. Mit zunehmendem Lebensalter seien somit neben der Familie Erfahrungen in Kindertagesbetreuung und Schule, Musikunterricht oder Sportverein wichtig. Das komplexe Zusammenspiel dieser verschiedenen Entwicklungsbedingungen und sozialen Systeme zeigte Susanne Kuger anhand des sozio-ökologischen Modells des Aufwachsens (Bronfenbrenner und Morris 2006). Es könne die genannten Kontexte gut erfassen und zeige, dass das Aufwachsen in sozialen Systemen vielen verschiedenen Einflüssen auf die kindliche Entwicklung unterliege, und verdeutliche, dass nicht alle diese Einflüsse steuerbar seien.

Ungleichheit per se sei hierbei nicht allein ausschlaggebend; Ungerechtigkeit entstehe erst, wenn vorhandene Ressourcen, die zur Verfügung stehen, nicht genutzt werden können (in Anlehnung an den Lebenschancen-Ansatz „Capability-Approach“). Maßgeblich für Lebensentscheidungen seien neben vorhandener Infrastruktur (Arbeitsmarkt, Technologie etc.) auch individuelle Gegebenheiten (Gesundheit etc.), sozialer Kontext (Gesellschaft, soziales Umfeld) sowie die persönliche Biografie. Ausschlaggebend für mehr Chancengerechtigkeit seien in diesen Entscheidungsprozessen Gelegenheiten zum Erreichen von individuellen Fähig- und Fertigkeiten. Diese wiederum beeinflussten Entscheidungsfähigkeit und individuelle Umsetzungsfaktoren. 

Große Unterschiede in der Teilhabe an früher Bildung

Im Folgenden ging Susanne Kuger der Frage nach, welchen Einfluss Familien auf das Aufwachsen des Kindes innerhalb dieser Systeme auf frühe Bildung haben. Studien belegten, dass Kinder aus höher gebildeten Familien häufiger frühkindliche Bildungsangebote wahrnähmen und im Alltag intensiver gefördert würden, etwa durch Vorlesen oder Gespräche. Die Daten zeigten aber auch, dass Familien mit geringerem Bildungsniveau ihre Kinder auf andere Arten förderten und unterstützten. Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Qualität der Anregung und Unterstützung durch die Eltern, sei ausschlaggebend. Diese Unterstützung sei abhängig von familiären Lebenslagen (z. B. Bildungs- und Einkommensniveau der Eltern), welche sich wiederum auf Lebensführung und Erziehungsverhalten sowie auf die Möglichkeiten kognitiver und sozial-emotionaler Unterstützung durch die Eltern auswirkten. Elterlicher Stress, zeitliche Verfügbarkeit, Unwissenheit, Sprache oder Unsicherheiten in der Lebensführung führten hier bereits in frühen Lebensjahren zu ungleichen Anregungsbedingungen. Kuger betonte, demnach seien bei mangelnder frühkindlicher Förderung durch die Eltern oft nicht fehlender Wille, sondern fehlende Möglichkeiten entscheidend. Umso bedeutender sei für vulnerable soziale Gruppen der Zugang zu Unterstützungs- und Betreuungssystemen.

Der Bildungsbericht 2024 habe gezeigt, dass die Unterschiede bei der Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung bei den Kindern unter drei Jahren besonders groß seien. Für das unterschiedliche Eintrittsalter in Kita oder Kindertagespflege zeigten Studien die Erwerbstätigkeit der Mütter als ausschlaggebendes Kriterium. Außerdem seien Kinder von Eltern mit hohem Bildungsabschluss und ohne Migrationshintergrund stärker bei den Unter-Drei-Jährigen in Kindertagesbetreuung vertreten. Dadurch entstehe ein Präventionsparadox äquivalent zu den Frühen Hilfen: Die Angebote früher Bildung kämen denjenigen Familien seltener zugute, die sie am meisten brauchten.

Zudem bestünden starke länderspezifische und regionale Unterschiede sowohl bei der Abdeckung des Bedarfs durch zur Verfügung stehende Plätze als auch bei der Inanspruchnahme. Kostenfaktoren beeinflussten Kita- und Betreuungszugänge weiterhin stark. Sowohl bei den Kosten als auch beim durchschnittlichen Kindesalter beim Kitastart spielten ebenfalls regionale Unterschiede eine große Rolle. In den neuen Bundesländern sei ein früher Kitaeintritt nach wie vor weiter verbreitet als in den alten.

Eine zentrale Erkenntnis sei, dass ungleiche Bildungszugänge bereits sehr früh im Leben von Kindern eine Rolle spielen.

Bildungschancen: Eine Frage der Gerechtigkeit

Mit Blick auf den weiteren Bildungsweg lasse sich feststellen, dass diese Ungleichheit mit zunehmendem Lebensalter des Kindes weiter anwachse. So erhielten Kinder aus Elternhäusern mit hohem sozio-ökonomischen Status beim Übertritt nach der Grundschule deutlich häufiger eine Gymnasialempfehlung; das gelte auch bei Vorliegen gleicher Noten und Leistungen. So habe die Bildungsexpansion der letzten 50 Jahre nur den Anteil der Kinder mit mittel und hoch gebildeten Eltern am Gymnasium erhöht, nicht aber den Anteil von Kindern aus Familien mit niedriger formaler Bildung.

Ungleichheiten in der Unterstützung und Förderung seien auch im Bereich Spiel, Sport und Bewegung erkennbar. So nutzten Kinder mit höherem familiären Bildungshintergrund außerschulische Sport- und Bewegungsangebote häufiger. Bei Angeboten im Rahmen des schulischen Ganztags (Sport-AG) seien hingegen Kinder mit niedrigem elterlichen Bildungsniveau deutlich häufiger vertreten. Sport sei somit als wichtiger Baustein im Ganztag zu erkennen.

Sowohl für Sport und Freizeit als auch für die Betreuungsangebote gelte, dass fehlende Angebote von Eltern mit höheren Einkommen eher selbstständig ausgeglichen werden. Familien mit niedrigen Einkommen hingegen könnten sowohl einen Mangel an Freizeit- und Bewegungsangeboten als auch Betreuungslücken oft nicht kompensieren.

Die Kosten für frühe Bildung seien für die zweitärmste Bevölkerungsgruppe (60-100 % des Medians) prozentual am höchsten. Hinzu kämen Schließungen von Kitas, die von einem Tag bis zu zwei Wochen reichten und vor allem Eltern mit Einwanderungsgeschichte, Leistungsempfänger:innen und Eltern mit mehreren Risikofaktoren beträfen.

Zusammenfassend hielt Susanne Kuger fest, dass es sich bei den Unterschieden in der Teilhabe an früher Bildung nicht nur um Ungleichheit, sondern um Ungerechtigkeit handele. Die ungleichen Voraussetzungen schlügen sich schon früh (mit zwei Jahren) in der kindlichen Entwicklung nieder (in Sprach-, Sozialverhalten und kognitiver Entwicklung), und Verhaltensprobleme bei Kindern in Familien mit multiplen Belastungen kämen besonders häufig vor. Es reiche daher nicht aus, kompensatorisch nur stellenweise aktiv zu werden. Bei kumulativen Problemlagen müsse mit sektoren- und rechtskreisübergreifenden Ansätzen reagiert werden. Angesichts der sozialen Stratifizierung familialer Anregung sowie regionaler und lokaler Unterschiede in der Steuerung von Angeboten seien die Systeme in der Pflicht, Bildungszugänge und ‑teilhabe unabhängig von familialen Lebenslagen zu gewährleisten.

Diskussion

In der Diskussion wurde Kritik an der aktuellen Bildungspolitik geäußert. Entgegen der hier dargelegten Ergebnisse liege der Fokus stark auf Sprachstandserhebungen, während die frühzeitige Förderung vernachlässigt werde. Entscheidend sei eine frühzeitige, kontinuierliche Förderung, die auch Sprachförderung beinhalte, vor und nach dem Schuleintritt. Es brauche entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für pädagogische Fachkräfte und einen Ressourcenaufbau, da dies als zusätzliche Aufgabe für pädagogische Fachkräfte nicht leistbar sei.

Rahmenbedingungen und Bildungsstrukturen verbessern

Das stereotypisierende Bild von „Eltern mit niedrigem Bildungsniveau, die sich nicht um ihre Kinder kümmern“, wurde in der Diskussion zurückgewiesen. Unabhängig vom eigenen Bildungsniveau bemühten sich die meisten Eltern sehr um ihre Kinder, seien jedoch nicht immer erfolgreich – häufig aufgrund fehlender Ressourcen wie Zeit, Geld, eigener Bildungserfahrungen oder wegen mangelnden Wissens über eine wirksame Unterstützung der Kinder. Mit den entsprechenden Unterstützungsangeboten für Eltern und Kinder könne es jedoch gelingen, Anregungsbedingungen innerhalb der Familie zu verbessern, da das Familienklima auch bei stark belasteten Familien Defizite kompensieren könne. Verbesserte Zugänge und Informationen zu Unterstützungsangeboten für Familien seien hierfür nötig.

Viele Eltern seien darüber hinaus von den hohen Anforderungen, die Schulen an sie stellten (z. B. Hausaufgabenhilfe, Ausgleich von Unterrichtsausfall und Homeschooling), überfordert. Wenn Eltern diese Anforderungen nicht erfüllen können, verstärke sich Bildungsungerechtigkeit. Statt Bildungsverantwortung auf Eltern zu verlagern, müssten jedoch strukturelle Probleme im Bildungssystem prioritär angegangen werden. Notwendig sei ein Perspektivenwechsel: weg von der Reproduktion von Bildungsungleichheit hin zu mehr Chancengerechtigkeit. Susanne Kuger betonte, es sei der falsche Ansatz, die Kinder „verbessern“ zu wollen – vielmehr müssten die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass alle Kinder faire Bildungschancen erhielten. Strukturelle Maßnahmen wie verbindliche frühe Förderangebote, kostenfreie Zugänge zu Bildungsangeboten sowie gezielte Unterstützung in benachteiligten Regionen könnten dazu beitragen.

Die Runde appellierte an die Politik, stärker auf vorhandene empirische Befunde zu reagieren: Zugangs- und Teilhabebarrieren müssten früh abgebaut, Kinder sollten stärker in den Mittelpunkt gerückt und wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Maßnahmen übersetzt werden. Prävention müsse von allen Beteiligten neu gedacht und Familien sollten auch als wirtschaftlicher Faktor anerkannt werden. Bildungs- und Wirtschaftspolitik sollten stärker im Sinne einer Investition in Kinder und ihre Entwicklungschancen zusammengedacht und dabei auch der Bereich der frühen Bildung berücksichtigt werden.

Familie mit Behinderung und Schulabschlüsse 

Die Berücksichtigung der Sondersituation von Eltern und Kindern mit Behinderung wurde als ein wichtiges Thema im Bildungsdiskurs genannt. Als Herausforderung wurde diskutiert, wie die Bildungschancen für Kinder mit Förderbedarf oder Behinderungen trotz bestehender Barrieren gesichert werden können. Ihr Recht auf Bildung und Bildungsabschlüsse müsse sichtbarer und zugänglicher sein. Aktuell sei Inklusion in Schulen noch nicht flächendeckend vorhanden und die Frage nach dem Verbleib behinderter Kinder ohne Schulabschluss bleibe offen.

Belange von Kindern und Eltern mit Behinderung müssten auch in der Unterstützungsstruktur stärker berücksichtigt werden. Für die Eltern sollte es mehr Information und Zugänge zu rechtlicher Beratung und konkreten Antragshilfen (z. B. Hilfe bei Bildungs- und Teilhabeleistungen oder Elternassistenzen) geben. Eltern unter psychischer Belastung müssten durch frühzeitige Identifikation eines Förderbedarfs besser unterstützt werden.

Vertiefungsimpuls: Prof. Dr. Tanja Betz: Bildung(sungleichheit) zwischen Familie, Kita und Schule

Im Folgenden stellte Tanja Betz, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Kindheitsforschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Diskussionen des (frühkindlichen) Bildungsbegriffs und dessen Aspekte in familialen Kontexten vor.

Betz bemerkte einführend, ihr Beitrag gehe von den Fragen aus, was unter früher Bildung zu verstehen ist, welchen Fokus das Bundesforum Familie darin setzen könnte und welche Zusammenhänge zwischen früher Bildung und Chancengerechtigkeit in den Blick genommen werden könnten. Sie zeigte auf, dass Bildung ein komplexer Begriff sei, der uneinheitlich definiert und eng mit gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Rahmenbedingungen verbunden werde. Der Bildungsbegriff werde so z. B. in der Kindheitspädagogik und in Rechtsgrundlagen mit Erziehung, Förderung, Entwicklungsbegleitung und Kompetenzerwerb verknüpft, in weiteren Anwendungsbereichen seien auch noch weitere Verknüpfungen gebräuchlich. Dieser weite Verwendungsrahmen beschreibe ein großes „Feld der Uneindeutigkeit“ (Kaul et al. 2023).

All diese Begriffe beschrieben zwar in keiner Weise konkrete Beziehungen zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Eltern und Fach-/Lehrkräften. Jedoch bilde ihre Bedeutung den Rahmen, innerhalb dessen elterliche Aktivitäten wahrgenommen und beurteilt würden (Jergus 2018). Sie definierten, wie Anforderungen und Erwartungshaltungen an Familie, Eltern und insbesondere an Mütter formuliert würden. Bildungsbegriffe seien somit immer in ihrem gesellschaftlichen Rahmen einzuordnen.

Bildungskindheit

Die Bedeutung dieser gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen müsse mehr in den Fokus genommen werden. Um dem in der Bearbeitung des Themas im Bundesforum Familie Platz zu geben, stellte Tanja Betz den Begriff der „Bildungskindheit“ vor, der Kindheit insgesamt als eine Phase des Lernens und der Entwicklung verstehe – sowohl innerhalb der Familie als auch in Bildungsinstitutionen sowie außerfamilialen und außerschulischen Bildungskontexten. Diese Dimensionen seien untrennbar miteinander verbunden und stünden in wechselseitigen Einflussverhältnissen zueinander. Betz erläuterte, diese „Transformation der frühen Kindheit zur Bildungskindheit“ (Neumann 2014) stelle den größten Einschnitt in die Lebensphase Kindheit seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht dar. Dem Konzept liege darüber hinaus ein breites Verständnis von Bildung als informeller, formaler und non-formaler Bildung, jeweils im gesellschaftlichen Kontext betrachtet, zugrunde.

Die gesamte Bildungskindheit und alle mit ihr verbundenen Akteure seien geprägt durch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen und darin zu verortenden Ungleichheitsverhältnisse. In diesem Kontext würden Widersprüche und divergente Ansprüche deutlich: Die Ziele im Hinblick auf Bildung seitens Staat und Familie seien nicht zwangsläufig deckungsgleich. Wirtschaftliches Denken und übergreifende wohlfahrtsstaatliche Entwicklungen hätten zu steigenden Ansprüchen an Erziehung und Bildung auch im familialen Kontext geführt. Elternschaft habe eine Intensivierung erfahren und Normen der Erwartung an elterliche Anregung und Bildungsanreize stiegen kontinuierlich. Auch eigene Ansprüche der Eltern an sich selbst seien gestiegen. Familiale Bildung werde auch als Selbstpositionierung gegenüber gesellschaftlichen Leitbildern verstanden. Diese gesellschaftlichen „Imperative der Optimierung von Familie und Kindheit“ (Jergus 2018) ließen sich im elterlichen Handeln kaum realisieren und brächten viele Eltern zunehmend an ihre Grenzen.

Auch hier zeigten sich deutliche soziale Unterschiede, da nicht alle Familien über die gleichen Ressourcen verfügten, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Bezugnehmend auf das Konzept „Displaying Family“ (Finch 2007) verdeutlichte Betz, dass insbesondere für Familien, die nicht dem Bild der „bürgerlichen Normalfamilie“ entsprächen (zum Beispiel aufgrund von Armut, prekären Wohnverhältnissen, Migrationshintergrund etc.), der Legitimationsdruck steige, nach außen ein funktionierendes Familienleben und Bildungskompetenz zu suggerieren.

Innerhalb dieses Anforderungsrahmens vollzögen sich in den Familien individuelle Aushandlungsprozesse zur Umsetzung der äußeren Erwartungen, z. B. bei der Hausaufgabenbetreuung. Die Übersetzung der Bildungsanforderungen in die eigene familiale Logik werde auch in einer milieuspezifischen Erziehungspraxis deutlich: Bildungsnahe Familien suchten selbstständig Angebote der Bildung und Erziehung auf oder suchten nach Unterstützung (Beratungsstellen, Wissen, Ratgeber). Bildungsferne Milieus seien weniger proaktiv. Das daraus resultierende Präventionsdilemma verfestige dann Bildungsungleichheiten, wenn die ohnehin privilegierten Familien auf den Optimierungsdruck mit weiterer Förderung reagierten, während Familien in Risikolagen schlechter erreicht würden.

Auch das Verhältnis zwischen Bildungseinrichtungen und Eltern werde dadurch definiert: Familial ungleiche Möglichkeiten führten zu (Defizit-)Zuschreibungen. Statt einer gleichberechtigten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft entstehe Kritik auf Seite der Bildungsinstitutionen und das Gefühl von Unterordnung und Machtlosigkeit auf Seite der Familien. Stattdessen sei es erforderlich, im Interesse der bestmöglichen Förderung des Kindes gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen. Letztlich schloss Betz, gebe es auch hier wieder große soziale Unterschiede. Es sei abhängig vom sozialen Hintergrund der Eltern, ob diese Mitsprache und Einfluss einforderten oder sich aus den Bildungssystem zurückzögen.

Diskussion

In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass Bildung nicht auf schulische Leistungen reduziert werden dürfe. Vielmehr sollten auch informelle Lernprozesse und die Rolle der Familie stärker berücksichtigt werden. Der Begriff der Bildungskindheit wurde positiv bewertet, da er im Zusammenspiel mit der Trias Bildung, Betreuung und Erziehung ein breites Verständnis von Bildung zugrunde lege. Insbesondere in der frühen Kindheit sei der Aspekt der Betreuung im Sinne von Fürsorge für das Kind nicht zu vernachlässigen. Im Zentrum stünden das Kind und die Familie in ihrem Verhältnis zum öffentlichen System. Ein Ziel der Themenperiode solle daher sein, Familien als Akteure in Prozess zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe in den Mittelpunkt zu stellen, um der der Bildungsleistung von Familien stärker Rechnung zu tragen.

Zudem wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, politische Maßnahmen stärker auf die tatsächlichen Lebenslagen von Familien auszurichten und ihnen mehr Unterstützung zu bieten. Insbesondere die Herausforderungen chronisch kranker Eltern, von Familien mit Migrationshintergrund und armutsgefährdeten Haushalten müssten stärker berücksichtigt werden. Denn es sei deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für Familien und ihre Bildungschancen wechselseitig beeinflussten. Eine stärkere Berücksichtigung familialer Risikolagen müsse im Einklang mit der Beachtung von Ressourcen, Haltungen und Kompetenzen der Fachkräfte erfolgen. Hier müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, Familien und ihre Lebenslagen stärker einzubeziehen, ohne dabei andere Akteure zu überfordern.

In der anschließenden Kleingruppenphase tauschten sich die Teilnehmenden über Möglichkeiten aus, wie Familien Kinder auf ihrem Bildungsweg unterstützen können und welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind. Dabei wurden unter anderem die Bedeutung von Prävention, der Abbau von Zugangsbarrieren zu Bildungsangeboten, die Stärkung von Familien als Bildungspartner sowie die Förderung von Inklusion und Ganztagsangeboten diskutiert.

Abschluss und Ausblick

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden zentrale Ergebnisse zusammengetragen. Es wurde deutlich, dass Familien stärker in den Mittelpunkt gestellt werden müssen und dass Bildung als ein umfassender Prozess verstanden werden sollte, der weit über die Schule hinausgeht. Zudem wurde betont, dass strukturelle Ungleichheiten aktiv angegangen werden müssen, um allen Kindern faire Bildungs- und Entwicklungschancen zu ermöglichen. Die Teilnehmenden hoben hervor, dass es wichtig sei, die bestehenden Erkenntnisse stärker in politische Prozesse einzubringen und konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Die Veranstaltung endete mit einem Ausblick auf die weitere Arbeit des Bundesforums Familie. In den kommenden zwei Jahren sollen die diskutierten Themen vertieft und gemeinsame Positionen entwickelt werden, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Chancengerechtigkeit in der frühen Bildung nachhaltig verbessert und wie die Rolle der Familien dabei gestärkt werden kann.

Impulsworkshop am 30. Juni 2026: „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit?“

30. Juni 2026
10:00-12:00 Uhr | online via Zoom

Eine gelingende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Kita oder Grundschule bzw. Hort ist ein zentraler Hebel für mehr Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung. Denn Bildungsprozesse beginnen lange vor der Schule und finden nicht nur in Institutionen, sondern maßgeblich im familiären Alltag statt. Wenn pädagogische Fachkräfte und Eltern zusammenarbeiten, können sie Kinder in ihrer Entwicklung konsistenter und wirksamer unterstützen.

Gerade für Kinder aus benachteiligten Lebenslagen ist diese Zusammenarbeit besonders entscheidend. Sie profitieren in hohem Maße davon, wenn Bildungsimpulse aus der Kita auch im familiären Umfeld aufgegriffen werden – und umgekehrt die Lebensrealitäten der Familien in der pädagogischen Arbeit berücksichtigt werden. Eine vertrauensvolle Partnerschaft hilft dabei, Bildungsbarrieren frühzeitig zu erkennen und gemeinsam zu überwinden.

Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass Erwartungen und Voraussetzungen oft auseinandergehen. Nicht alle Familien haben die Möglichkeit eine solche Partnerschaft mit „ihrer“ Institution zu knüfen – mit Folgen für die Bildungswege von Kindern.

Welche Zugangshürden bestehen in der Partizipation für Eltern? Wie kann Zusammenarbeit so gestaltet werden, dass Institutionen und Familien einander vertrauensvoll begegnen können? Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Bildungs- und Erziehungspartnerschaft nicht zur zusätzlichen Belastung wird, sondern zur echten Unterstützung beiträgt?

Diesen Fragen widmet sich der Workshop des Bundesforums Familie mit Impulsvorträgen von Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Ruhr-Universität Bochum, Annegret Neugschwender, Vorsitzende des Landeselternausschusses Rheinland-Pfalz, sowie Mandy Winter und Stephanie Schaar, Leitungsteam der Kita „Am Sommerbad“ in Greiz, Thüringen.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 28. Juni über das Formular unten auf dieser Seite an. Die Einwahldaten erhalten Teilnehmende einen Tag vor der Veranstaltung per E-Mail.

Anmeldung

Der Anmeldezeitraum ist abgelaufen.

Publikation „Familien und Klima. Sozial-ökologische Herausforderung und familiäre Handlungsperspektiven“ an die Vorsitzende des Familienausschusses übergeben

Bild: Kira Sagner

Am 23. April 2026 übergaben Projektkoordinatorin Franziska Oelkers und AGF-Geschäftsführer Sven Iversen die Abschlusspublikation der Themenperiode „Familien und Klima“ an Saskia Esken, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Deutschen Bundestag.

In den Jahren 2024-2025 arbeiteten die Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie an der Schnittstelle zwischen Familien- und Klimapolitik und beleuchteten zentrale Herausforderungen für Familien in der sozial-ökologischen Transformation.

Bild: Kira Sagner

Im Austausch mit Mitgliedern des Familien- und Umweltausschusses stellten Franziska Oelkers und Sven Iversen zentrale Erkenntnisse der Themenperiode vor. Sie unterstrichen die Notwendigkeit eines venetzten, ressortübergreifenden politischen Handelns, um Rahmenbedingungen für ein klima- und umweltfreundliches Handeln in der Familie zu verbessern. Die Ausschussmitglieder griffen das Thema mit Interesse auf und unterstützten den Impuls, Klimaschutz als Querschnittsthema auch in Bezug auf Familien weiter zu disktuieren.

20. März 2026, online: Auftaktveranstaltung der Themenperiode „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung. Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“

10:00-13:00 | online via Zoom

In den Jahren 2026–2027 beschäftigt sich das Bundesforum Familie mit dem Thema „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung. Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“. Ziel ist es, gemeinsam zu erkunden, wie Bildungswege von der frühen Kindheit bis zum Übergang in die weiterführende Schule so gestaltet werden können, dass alle Kinder die bestmöglichen Chancen erhalten. Dabei stehen die vielfältigen Lebenslagen und Perspektiven von Familien, strukturelle Rahmenbedingungen und die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und weiteren Bildungsakteuren im Mittelpunkt.

Die Auftaktveranstaltung bietet den ersten Impuls für die Themenperiode: Prof. Dr. Susanne Kuger, Forschungsdirektorin des Deutschen Jungendinstituts, beleuchtet auf Grundlage der Nationalen Bildungsberichte und Daten des DJI die Zusammenhänge zwischen familiärem Hintergrund und Bildungschancen sowie Hürden und zentrale Handlungsfelder. Die Vielfalt der Verständnisse von Bildung in unterschiedlichen Bereichen – in der Familie, in Kindertagesbetreuung und in der Schule – wird Prof. Dr. Tanja Betz, Kindheitsforscherin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, vorstellen. Gemeinsam soll diskutiert werden, welche Perspektiven und Fragen in den kommenden zwei Jahren im Zentrum stehen und welcher Bildungsbegriff die Themenperiode leiten soll.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 18. März über das Formular unten auf dieser Seite an. Die Einwahldaten erhalten Teilnehmende einen Tag vor der Veranstaltung per E-Mail.

Programm

10:00Begrüßung und inhaltliche Einleitung
Franziska Oelkers, Projektkoordination Bundesforum Familie
10:05Auftaktimpuls: „Chancengerechtigkeit im Fokus: Familien unter Druck“
Prof. Dr. Susanne Kuger, DJI
Diskussion
11:10Vertiefungsimpuls: Bildung(sungleichheit) zwischen Familie, Kita und Schule
Prof. Dr. Tanja Betz, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Diskussion
11:55Pause
12:00Kleingruppendiskussion in Breakout-Sessions zur inhaltlichen Vertiefung und zum weiteren Vorgehen in der Themenperiode
Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse aus den Kleingruppen im Plenum
12:40Ausblick auf die Planung der Themenperiode
12:50Blitzlichter und Abschluss
13:00Ende der Veranstaltung

Anmeldung

Neue Publikation erschienen: „Familien und Klima. Sozial-ökologische Herausforderung und familiäre Handlungsperspektiven“

Die Abschlusspublikation der Themenperiode Familien und Klima fasst den zweijährigen dialogischen Prozess der Themenperiode 2024/25 zusammen und stellt die Inhalte und Diskussionsergebnisse aus den Fachveranstaltungen des Bundesforums Familie vor. 

Die Publikation macht deutlich, dass Familien zentrale Akteur*innen der sozial-ökologischen Transformation sind. Sie sind zugleich vom Klimawandel betroffen und gestalten durch ihre Alltagsentscheidungen, die in ihnen getragene Sorgeverantwortung und generationsübergreifenden Perspektiven den gesellschaftlichen Wandel mit. Gleichzeitig zeigt die Publikation, dass klimagerechtes Handeln im Familienalltag häufig mit strukturellen Hürden verbunden ist. Damit Familien ihre Potenziale entfalten können, braucht es politische Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Verhalten für alle Familienformen ermöglichen, soziale Ungleichheiten berücksichtigen und insbesondere vulnerable Gruppen stärken. Mit diesen Perspektiven liefert die Publikation wichtige Impulse für die Verknüpfung von Klima-, Sozial- und Familienpolitik.

▶ Download der Publikation

Dokumentation zum Netzwerktreffen am 4. November 2025: „Mit Blick auf die Zukunft: Generationengerechtigkeit in der sozial-ökologischen Transformation“

Rund 40 Teilnehmende aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie kamen am 4. November 2025 zum Netzwerktreffen in Berlin zusammen. Das Netzwerktreffen stand im Zeichen des Abschlusses der Themenperiode Familien und Klima. Zwei Jahre hatten sich die Mitgliedsorganisationen mit dem Themenkomplex beschäftigt. Zum Abschluss wurden die erarbeiteten Ergebnisse von Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel aus der Perspektive der Generationengerechtigkeit betrachtet und diskutiert.
Im zweiten Teil des Netzwerktreffens der Mitgliedsorganisationen folgte die Wahl der neuen Beiratsmitglieder für die kommenden vier Jahre. Anschließend wurde das Thema für die neue Themenperiode 2026/2027 gewählt. 

Franziska Oelkers, Projektkoordinatorin des Bundesforums Familie, gab einleitend einen kurzen Rückblick auf die Themenperiode Familie und Klima und fasste einige zentrale Ergebnisse zusammen. Die Komplexität des Themas Familie und Klima habe eine Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Aspekten im Laufe der Themenperiode nötig gemacht: von psychischer und physischer Gesundheit über ökologische Kinderrechte, kommunalen Klimaschutz für Familien bis hin zur Frage nach der Verteilung von Care-Aufgaben und Genderrollen. Die Erarbeitung des Themas habe gezeigt, dass die finanziellen Möglichkeiten und die soziale Situation von Familien zentrale Elemente für den individuellen CO2-Fußabdruck und klimafreundliches Handeln seien. Es sei deutlich geworden, dass es strukturelle Maßnahmen und Rahmenbedingungen brauche, damit individuelle Handlungsoptionen und persönliche Verantwortungsübernahme besser in den ohnehin fordernden Familienalltag integriert werden können. Franziska Oelkers hob das Potenzial von Familien als Vorbilder positiv hervor und stellte heraus, wie bedeutend die nachhaltige Verbindung der Generationen in der Familie sei. Der Aspekt der Generationengerechtigkeit sei in vielen Diskussionen implizit präsent gewesen, da die junge Generation zwar am wenigsten zur Klimakrise beitrage, jedoch in der Zukunft am stärksten von deren Auswirkungen betroffen sein werde.
Um das Thema zu vertiefen, kommentierte Jörg Tremmel, Professor für Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, einige Ergebnisse der Themenperiode aus Perspektive der Generationengerechtigkeit. 

Impulsvortrag: Der Klimawandel, der Generationenwechsel und die Rolle der Familien

Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel, Professor für Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, begann seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass der Glaube, es gebe einen generellen gesellschaftlichen Aufwärtstrend, durch den die Lebensbedingungen für die nachfolgenden Generationen sich jeweils verbessern würden, der Vergangenheit angehöre. Durch den Klimawandel sei es hier zu einer Umkehr gekommen, von der Familien als Trägerinnen der zukünftigen Generationen entscheidend betroffen seien. Er betonte zudem, dass der Begriff der Generation in diesem Zusammenhang geklärt werden müsse, da diesem vielfältige Verständnisse zugrunde lägen. So beziehe sich der familiale Generationenbegriff auf den Abstammungsverlauf innerhalb eines Stammbaumes. Dies habe zur Folge, dass auch Familienmitglieder, die im gleichen Jahr geboren werden, zu zwei unterschiedlichen “familialen Generationen” gehören könnten (Beispiel: ältere Geschwister bekommen früh ein Kind, sodass jüngere Geschwister und Nichten eine Altersgruppe bilden).
In Abgrenzung dazu beziehe sich der Begriff chronologische (oder demografische) Generation auf Altersgruppen der heute lebenden Menschen: z. B. die „junge Generation“ (alle Menschen unter 30 Jahren) oder die ältere Generation (alle Menschen über 60 Jahren). Eine weitere Definition des chronologischen Generationenbegriffs bezeichne hingegen mehrere zusammengefasste Kohorten als eine „Generation“ der derzeit lebenden Menschen. Diese würden im Diskurs oft als sich gegenüberstehend dargestellt: die „heutige Generation“ den „zukünftigen Generationen“.

Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel spricht ins Mikrofon
© Holger Adolph, AGF

Es gebe also mindestens zwei Dimensionen der Generationengerechtigkeit. „Jung-Alt-Gerechtigkeit“ könne je nach Politikfeld etwas anderes bedeuten als „Gerechtigkeit zwischen heutigen und zukünftigen Generationen“.
Zum Zweck des Generationenvergleichs hielt Tremmel die Unterscheidung der Begriffe „intragenerationell“ und „intergenerationell“ für sinnvoll:

  • Intragenerationelle Gerechtigkeit: innerhalb einer einzelnen Generation/Kohorte: dies bezieht sich auf Menschen gleichen Alters, die durch Wohlstand, Gesellschaftsschicht, biologisches Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion usw. getrennt sein können.
  • Intergenerationelle Gerechtigkeit: zwischen Generationen/Kohorten, die jeweils als Durchschnitt ihrer Generationenmitglieder betrachtet werden. Vergleich zwischen parallel lebenden Altersgruppen, oder zwischen verschiedenen Generationen von Menschen, die alle in einer Zeit gelebt haben.

Generationengerechtigkeit und Klimawandel

Bezogen auf den Klimawandel sei es aussagekräftiger Geburtenjahre zu betrachten. Dies würde zum Beispiel zeigen, dass später Geborene in ihrer Lebenszeit stärker von Hitzeperioden, Meeresspiegelanstieg und Missernten betroffen sein werden. 

Quelle: IPCC Lee, H, Calvin, K., Dasgupta, D., Krinner, G. et al. eds.: Synthesis Report of the IPCC sixth assessment report (AR6). Summary for Policymakers. report.ipcc.ch/ar6syr/pdf/IPCC_AR6_SYR_SPM.pdf

Es böten sich dazu unterschiedliche Arten des Vergleichs: ein indirekter Vergleich zeige, dass die früher Geborenen in ihrem Gesamtlebensverlauf besser gestellt seien als die im Jahr 1980 oder 2000 Geborenen. In einem direkten Vergleich zu einem bestimmten Zeitpunkt sei je nach Ereignis jede Generation gleich betroffen, zum Beispiel bei Starkregenereignissen. Hitze betreffe hingegen Ältere und Kinder ggf. mehr als andere.

Tremmel ging im Weiteren der Frage nach, warum Generationen die auf sie nachfolgenden Generationen schützen. Eine Theorie (nach Passmore 1974) gehe davon aus, dass dem vor allem eine emotionale Komponente zugrunde liege. Jedoch schütze Liebe der Eltern zu ihren Kindern womöglich nicht alle folgenden Generationen umfassend. Demgegenüber sei ein Grundsatz der Native Americans, bei jeder Handlung an die sieben folgenden Generationen zu denken. Diesem liege eher eine Universalität des eigenen Handelns zu Grunde. In seinem eigenen Ansatz geht Jörg Tremmel von einem Treppenmodell aus. Demnach sei jede kommende Generation als gleichwertig anzusehen und müsse berücksichtigt werden. Dabei sei in einem universalistischen Ansatz die gesamte künftige Menschheit gemeint. Die Form der Treppe symbolisiere die Gleichwertigkeit und das Aufeinanderaufbauen der Generationen.  
Vor diesem Hintergrund betonte Jörg Tremmel die Dringlichkeit des Handelns. Durch den starken Temperaturanstieg durch CO2-Emissionen gebe es unumkehrbare Auswirkungen, die auch durch eine Reduktion von CO2-Emissionen nicht aufzuhalten seien. Es würden globale Entwicklungen angestoßen, die nicht mehr zu stoppen seien, sobald die sogenannten „Kipppunkte“ erreicht würden. Einige dieser Kipppunkte würden bereits bei einem dauerhaften Temperaturanstieg von einem Grad erreicht. Jörg Tremmel wies darauf hin, dass die Zunahme der CO2-Konzentration sich aktuell weiterhin erhöhe – trotz Klimapolitik und Vermeidungsstrategien. Er zog daher die Analogie der Menschheit als Schnellboot im Nebel. 

Handlungsspielräume

Politik und Familien könnten Einfluss auf diese Entwicklung nehmen. Dafür brauche es neben einem entsprechenden staatlichen Wirken auch individuelles Handeln. Dies sei nicht zuletzt eine Kernfrage der Ethik nach Kant: „Was soll ich, was sollen wir tun?“ und weniger: „Was sollen die anderen tun?“. Würde in dem Sinne jede*r Einzelne den entsprechenden Beitrag leisten, dann leiste im Ergebnis die komplette Generation ihren notwendigen Beitrag.
So zeige sich in den Bereichen Verkehr und Wohnen, dass die Klimaziele deutlich verfehlt worden seien. Beides seien zentrale Themen für Familien im Alltag. Zur Unterstützung des familiären Klimaschutzes schlug Jörg Tremmel ein „Gesetz zur Ermittlung des persönlichen bzw. familiären CO2-Fußabdrucks“ (ohne Veröffentlichungspflicht) vor, um zur Bewusstmachung der eigenen Emissionen beizutragen. Ziel wäre, in der Familie gemeinsam wirksam zu werden. Vor dem Hintergrund, dass Klimaangst eines der drängendsten Probleme der Jugendlichen sei, motiviere die Reduktion des eigenen CO2-Fußabdruck eigenes Handeln und könnte durch das Erleben von Selbstwirksamkeit dazu führen, Ängste zu nehmen. 
Insgesamt würden die Daten zeigen, dass Ältere und Einkommensstärkere einen höheren CO2Fußabdruck haben als jüngere Menschen mit geringerem Einkommen. Der entscheidende Unterschied liege im Mobilitätsverhalten, wobei Flugreisen hier der stärkste Einflussfaktor seien (siehe Grafik).

Quelle: Bohmann, Sandra / Küçük, Merve (2024): Einkommensstarke Haushalte verursachen mehr Treibhausgasemissionen – vor allem wegen ihres Mobilitätsverhaltens. DIW Wochenbericht 27/2024. https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.906974.de/24-27.pdf

Dort lägen auch die Ansatzpunkte. Tremmel betonte, dass laut Studien des Umweltbundesamtes die Mehrheit der Menschen zwar nachhaltiger reisen möchten, dies jedoch nicht umsetze. So läge zum Beispiel viel Potenzial darin, nachhaltiges Reisen zum einem familienpolitischen Thema zu machen.

Neben dem Handlungsansatz, durch einen entsprechenden Lebensstil Emissionen zu vermeiden, stellte er den Ansatz der Negativ-Emissionen vor. Es gebe mittlerweile sowohl biologische als auch geologische Methoden, die z. B. durch Mineralisierung von CO2 und Speicherung im Boden (DACCS-Methode) oder die Herstellung von Pflanzenkohle der Luft CO2 entzögen. Durch den Erwerb von Zertifikaten könnten Emissionen somit ausgeglichen werden.

Jörg Tremmel hob hervor, dass es aus seiner Sicht einen moralischen Anspruch insbesondere an Hochverdienende gebe, einen Teil ihres Einkommens im Sinne der Klimagerechtigkeit aufzuwenden – sowohl für Re-Emissionen als auch für Anstrengungen, Emissionen zu vermeiden. Sein klimaethischer Imperativ lautete daher: „Richte keinen Schaden an, mache möglichst keinen Dreck (Emissionsvermeidung) und räume deinen Dreck hinter dir auf (Entnahme und Speicherung von CO2)“. Er begrüße, dass sich junge Menschen für Klimaschutz engagierten. Die junge Fridays for Future-Bewegung und Initiativen wie die „Klimakleber“ ließen deren Verzweiflung erkennen. Hier zeige sich ein Aufstand junger Generationen, dem mit Solidarität zwischen den Generationen begegnet werden solle. Entscheidend sei es, die Einstellungs-Handlungs-Lücke der Bevölkerung im Klimaschutz zu verändern. Kooperation statt Konfrontation sei grundlegend dafür, welche Zukunft wir wahr werden lassen.

Diskussion: Moralische Fragen von individueller und öffentlicher Verantwortung

In der anschließenden Diskussion warfen die Teilnehmenden Fragen zum Verhältnis individueller Handlungsmöglichkeiten und struktureller Rahmenbedingungen in der Klimapolitik auf und nahmen dabei insbesondere auch die Themen Mobilität und Wohnen in den Blick. 

Teilnehmende der Veranstaltung spricht ins Mikrofon
© Holger Adolph, AGF

Wohnen

Ein Fokus lag auf der Frage, wie Familien im Bereich Wohnen die eigene Energiebilanz verringern könnten. Wenn zum Beispiel (oft ältere) Menschen allein in (zu) großen Wohnungen oder Häusern lebten, sorge dies für einen hohen CO2-Fußabdruck. Politisches Ziel sei es jedoch, den deutschen CO2-Ausstoß im Bereich Wohnen bis 2045 auf null zu reduzieren. Demgegenüber stehe ein großer Teil der Bevölkerung, für die die Umstellung auf umweltfreundliche Energieträger und mehr Energieeffizienz gar nicht oder nur zu unverhältnismäßig hohen Kosten möglich sei. Würden dann umweltschädliche fossile Energien entsprechend teurer, würden diese Menschen zukünftig durch die hohen Kosten von Öl und Gas in finanzielle Notlagen geraten. Die Einführung eines Klimageldes wäre dazu ein sinnvoller Ausgleich gewesen. Dessen Einführung wurde in der Diskussion als sehr unwahrscheinlich angesehen. Notwendig sei es, energieeffiziente Umstellungen sozial gerecht und gleichzeitig effizient umzusetzen.

Mobilität und Verkehr

In der Diskussion wurde der Frage nachgegangen, wie Familien dazu motiviert werden könnten, im Alltag öffentliche Verkehrsmittel und für Reisen umweltfreundliche Verkehrsmittel statt Flugzeuge zu nutzen. Die Diskutierenden sprachen sich dafür aus, dass es ein deutliches Zeichen für umweltfreundliche Mobilität geben müsse, indem der ÖPNV weiter ausgebaut und günstiger werde als die Nutzung von motorisiertem Individualverkehr. Um den hohen CO2-Ausstoß durch Flugreisen zu reduzieren, nannte Jörg Tremmel auch Flugverbote als sinnvolle Maßnahme. Im europäischen Vergleich sei Frankreich Vorbild, das ein Flugverbot für Kurzstreckenflüge (unter zwei Stunden) eingeführt habe. 
Jörg Tremmel sprach sich zudem dafür aus, nicht nur die gegenwärtigen individuellen Kosten zu betrachten. Es müsse hingegen zu einem generellen Umdenken kommen. Derzeit bestehe im Hinblick auf dieses Umdenken jedoch ein Kampf um die Deutungshoheit der Realität. Interessant sei daher die Frage, wie Dialoge und Diskussionen entwickelt werden könnten. Die krisenhafte Situation derzeit zeige, dass Konfrontation nicht der richtige Weg sei, so Tremmel. Er vertrat die Haltung, dass es letztlich nicht auf unsere Einstellungen, sondern vielmehr auf unsere Handlungen ankomme.

Medienkonsum

Ein hoher CO2-Ausstoß wurde auch im Hinblick auf die Digitalisierung kritisch diskutiert und hinterfragt, ob die junge Generation hier durch die eigene Mediennutzung einen hohen Beitrag leiste. Als Möglichkeiten den individuellen Fußabdruck zu reduzieren wurde hier zu einem reflektierten Medienkonsum geraten. Es sei entscheidend, was genutzt werde: Streaming und Videospiele verbrauchten z. B. wesentlich mehr Energie als Chats.

Moralischer Anspruch und individuelles Handeln

Individuelle Handlungsmöglichkeiten, wurde hervorgehoben, benötigten immer und gerade für Familien entsprechende Rahmenbedingungen, die ein nachhaltiges Handeln unterstützten. Jörg Tremmel sprach sich für beides aus: es brauche ein „Bottum-up“ ebenso wie ein „Top-down“. Politik sollte steuernd eingreifen. Als Beispiel nannte er die Änderungen der Mehrwertsteuer: z. B. würde die Berechnung des vollen Mehrwertsteuersatzes für Fleisch und nur eines halben für Obst und Gemüse den CO2-Ausstoß reduzieren. Weiterhin schlug er vor, dass Einnahmen aus einer neu einzuführenden Kerosinsteuer im ÖPNV reinvestiert werden könnten. 
Jörg Tremmel sprach sich dafür aus, auch ethische Überzeugungen zu hinterfragen und Verzicht als mögliche Variante ethisch zu diskutieren. So sei der individuelle Beitrag von 84 Millionen Einwohner*innen entscheidend, um Klimaziele zu erreichen. Die Gesellschaft bestehe aus Menschen und deren individuellem Alltagshandeln; dieses entscheide darüber, wie neue gesellschaftliche Leitbilder entstehen.
Der Frage nachgehend, wie gesellschaftliche Leitbilder modifiziert werden können, um Verhaltensänderungen zu erreichen, wurde in der Diskussion der Familie eine bedeutende Rolle zugemessen. Jüngere Menschen seien Treiber des gesellschaftlichen Wandels. Dieser könnte in den Familien am Esstisch begonnen werden. Zudem brauche das Thema in den Medien eine große Aufmerksamkeit.
Tremmel plädierte zudem für ein Bekenntnis zu Klimaschutz im parteiübergreifenden Handeln. Klimaschutz dürfe kein Thema mehr im Wahlkampf sein.
Für die Diskutierenden blieb dennoch die Frage offen, wie die Lücke zwischen Einstellungen und Handeln geschlossen werde könne und wie mit moralischer Verpflichtung und Verantwortung umgegangen werden könne. Jörg Tremmel sprach sich dafür aus, Klimaschutz moralisch zu diskutieren und nicht nur in finanzieller Hinsicht. Er kritisierte in dieser Hinsicht die Debatte in Deutschland und unterstrich, dass diese in europäischen Ländern so nicht geführt würde. Strategische Überlegungen in der Klimaethik zeigten, dass es unstrittig sei, Klima als eine moralische Frage zu diskutieren. Es sei ein Fehler, dies auszublenden.

Mitglieder des neu gewählten Beirats, v.l.n.r.: Dr. Dag Schölper, Dr. Susanne Eggert, Brunhild Fischer, Ricarda Scholz
v. l. n. r.: Dr. Dag Schölper, Dr. Susanne Eggert, Brunhild Fischer, Ricarda Scholz
© Holger Adolph, AGF

Beiratswahl

Im weiteren folgte die Beirats- sowie die Themenwahl. Die Beiratswahl erfolgt auf vier Jahre und soll eine Anbindung an die Mitgliedsorganisationen sowie an Politik und Wissenschaft gewährleisten. Der Beirat besteht aus insgesamt zehn Mitgliedern, von denen fünf aus den Mitgliedsorganisationen gewählt werden, und weiteren fünf Mitgliedern, die von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen berufen werden. Franziska Oelkers bedankte sich zunächst bei den ausscheidenden Beiratsmitgliedern sowie bei allen Kandidat*innen, die sich zur Wahl für den neuen Beirat gestellt hatten. Die Kandidat*innen stellten sich im Anschluss in einer kurzen Vorstellungsrunde vor. In der anschließenden Beiratswahl wurden folgende neue Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen in den Beirat gewählt:

  • Antje Asmus (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge)
  • Susanne Eggert (JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis)
  • Brunhild Fischer (SHIA Bundesverband)
  • Dag Schölper (Bundesforum Männer)
  • Ricarda Scholz (Deutscher Gewerkschaftsbund)

Themenwahl

Franziska Oelkers stellte anschließend den Auswahlprozess für das neue Schwerpunktthema für die Jahre 2026-2027 vor. Im Vorfeld waren mehr als 30 Themenvorschläge von den Mitgliedsorganisationen eingereicht worden. Der Beirat hatte im Vorfeld zur Netzwerkversammlung aus den Vorschlägen vier Themenbereiche ausgewählt, die nun zur Abstimmung standen. Darüber hinaus wurden Querschnittsthemen identifiziert, die in allen Themenbereichen mit bedacht werden sollten. Dazu zählten: Vielfalt von Familien, Gesundheit und die europäische Perspektive.

In wechselnden Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden anschließend alle vier ausgewählten Themenvorschläge:

  1. Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus
  2. Zeit für Gerechtigkeit – Familien zwischen Erwerbsdruck und Sorgezeit 
  3. Familien im demografischen Wandel
  4. Familie und Demokratie in Zeiten von Polarisierung und Vertrauenskrise

Nach vier Diskussionsrunden, in denen alle Teilnehmenden Gelegenheit hatten, alle Themenvorschläge zu diskutieren, wählten die Teilnehmenden als neues Thema für die künftige Themenperiode: „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“.

 

25. November 2026, Berlin: „Gewalt gegen Frauen zwischen Patriarchat und Rassismus“, Fachtagung des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften

Gewalt gegen Frauen zwischen Patriarchat und Rassismus. Perspektiven auf Familie, Staat und Gewaltschutz
25.11.2026 | 10-16:15 Uhr
Berlin Global Village (Am Sudhaus 2, 12053 Berlin)

Gewalt gegen Frauen im familiären Kontext ist ein verbreitetes gesellschaftliches Phänomen, das eng mit Machtverhältnissen wie Patriarchat und Rassismus verknüpft ist. In öffentlichen Debatten wird Gewalt dabei oft kulturalisiert, während strukturelle Ursachen aus dem Blick geraten.

Die Fachtagung beleuchtet dieses Spannungsfeld aus intersektionaler Perspektive und fragt, wie Gewalt benannt und bekämpft werden kann, ohne rassistische Zuschreibungen zu reproduzieren. Beiträge aus Wissenschaft, Recht und Praxis verbinden Machtkritik, Gewaltschutz und institutionelle Verantwortung.

Informationen zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften. 

12. November 2026, Frankfurt a. M.: „Wenn Haltung den Unterschied macht: Eltern- und Familienbilduing zwischen Dialog, Beziehung und Entwicklung“, Fachtagung Eltern- und Familienbildung des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband

Familien in Deutschland sind heute so vielfältig wie nie zuvor. Insbesondere in Ballungsräumen prägt eine zunehmende Superdiversität den Familienalltag: Unterschiedliche soziale Hintergründe, vielfältige Familienformen sowie Bildungs- und Lebenserfahrungen treffen aufeinander. Diese Vielfalt eröffnet zahlreiche Chancen. Sie stellt Fachkräfte gleichzeitig vor Herausforderungen bei der angemessenen Begleitung und Wahrnehmung von Familien in ihrer jeweiligen Lebenssituation. In der Eltern- und Familienbildung ist maßgeblich, inwieweit Fachkräfte offen, dialogisch und diversitätssensibel handeln. Eine solche Haltung kann Vertrauen stärken, Beziehungen fördern und Entwicklung ermöglichen. Im Mittelpunkt unserer diesjährigen Tagung steht daher die Frage: Wie kann eine perspektivoffene und wertschätzende Haltung in der Arbeit mit Familien gelingen?

Den Startpunkt der Veranstaltung setzt ein Impulsvortrag zu Faktoren gelingender dialogischer Elternbegleitung von Gośka Soluch (Projektkoordination Bundesprojekt „Verstetigung und Qualitätssicherung von Elternbegleitung“). Der Impuls führt in die dialogische Haltung als zentrales Element der Qualifizierung zur Elternbegleiter:in ein. Im Fokus steht der Unterschied zwischen Dialog und Diskussion: Dialog eröffnet Räume für Zuhören, Verstehen und Perspektivwechsel. Daran anschließend wird Lösungsorientierung thematisiert und die Frage, wie Fachkräfte Familien stärken können, ohne vorschnell eigene Lösungen anzubieten. Der Vortrag zeigt, wie dialogische Haltung Perspektivoffenheit unterstützt – sowohl in der eigenen Haltung als auch der konkreten Kommunikation. Und es wird Bezug zu Diversität hergestellt, als grundlegende Voraussetzung für eine dialogische Praxis, die Beziehung und Entwicklung ermöglicht.

Im Kontext des Impulsvortrages eröffnen wir auch den Raum für einen fachlichen Austausch der Teilnehmenden. Nachmittags laden wir Sie in praxisorientiert angeleiteten Workshops dazu ein, die eigene Rolle zu reflektieren, Erfahrungen auszutauschen und neue Anregungen für den eigenen Arbeitsalltag mitzunehmen. In drei Workshops beleuchten wir, wie sich Institutionen und Organisationen dialogisch und diversitätssensibel aufstellen können. Wir erarbeiten gemeinsam, wie lösungsorientiert in Beratungssettings mit Familien agiert werden kann und tauschen uns dazu aus, wie diese Perspektiven die Zusammenarbeit pädagogischer Fachkräfte mit Eltern und Familien prägen. Wie gewohnt, möchten wir Ihnen bei unserer Tagung viel Raum zum Erfahrungsaustausch sowie zur Erweiterung des eigenen Fachwissens im Gespräch mit Kolleg:innen bieten.

Wir laden Sie ganz herzlich ein und freuen uns auf einen dialogorientierten Tag, der uns alle ein bisschen gestärkter und sensibler in die Zusammenarbeit mit Familien gehen lässt!

Weitere Informationen zum Programm, Kosten und Anmeldung finden Sie auf der Website des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband.

04.11.2025: Neuer Themenschwerpunkt und Beiratsmitglieder gewählt

Auf dem Netzwerktreffen des Bundesforums Familie 2025 wurde die Themenperiode Familien und Klima mit einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel von der Eberhard Karls Universität Tübingen zum Thema Klimawandel, Generationenwechsel und der Rolle der Familien inhaltlich abgerundet. Anschließend diskutierten die anwesenden Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen zentrale Aspekte des Themenfelds Familien und Klima. Die Gewichtung individueller Verantwortung im Verhältnis zur Setzung politischer Rahmenbedingungen für klimafreundliches Verhalten sowie eine aktivierende, positive und inklusive Kommunikation trotz Krisenhaftigkeit waren einige der Themen, die diskutiert wurden.

Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel spricht ins Mikrofon
Teilnehmende der Veranstaltung an Tischen

Bei der anschließenden Wahl der fünf Beiratsmitglieder aus dem Kreis der Mitgliedsorganisationen wurden folgende Personen in den Beirat des Bundesforums Familie gewählt:

  • Antje Asmus (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge)
  • Dr. Susanne Eggert (JFF –  Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis)
  • Brunhild Fischer (SHIA Bundesverband)
  • Dr. Dag Schölper (Bundesforum Männer)
  • Ricarda Scholz (Deutscher Gewerkschaftsbund)

Der Beirat des Bundesforums Familie besteht aus insgesamt 10 Mitgliedern, von denen fünf aus dem Kreis der Mitgliedsorganisationen gewählt und weitere fünf von der AGF frei berufen werden.

Mitglieder des neu gewählten Beirats, v.l.n.r.: Dr. Dag Schölper, Dr. Susanne Eggert, Brunhild Fischer, Ricarda Scholz
v.l.n.r.: Dr. Dag Schölper, Dr. Susanne Eggert, Brunhild Fischer, Ricarda Scholz

Im Anschluss wurde über das Thema für die Themenperiode 2026-2027 abgestimmt. Die anwesenden Mitglieder wählten das Thema „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“ als Schwerpunkt für die nächsten zwei Jahre aus. 

Pinnwand mit vielen bunten Notizzetteln

Dokumentation zum Impulsworkshop am 10.09.2025: „Who cares? Gender, Care und Klimaschutz in der Familie“

Die Verteilung von Sorgearbeit in der Familie ist eng mit Geschlechterrollen und -bildern verknüpft. Wie sieht es aber mit der Sorge um das Klima aus? Inwiefern hängen Genderrollen und Klimaschutz miteinander zusammen und wie kann dem Klimawandel aus Geschlechterperspektive gerecht begegnet werden? Zu diesem Thema kamen im letzten Online-Impulsworkshop des Bundesforums Familie in der Themenperiode „Familien und Klima“ rund 25 Teilnehmende aus den Mitgliedsorganisationen zusammen.

Gotelind Alber, Mitbegründerin des Netzwerks GenderCC – Women for Climate Justice und Expertin für nachhaltige Energie- und Klimapolitik mit besonderem Schwerpunkt auf Genderfragen, gab einen umfassenden Einblick in das Wissen und die Datenlage zu Gender und Klima. Sie zeigte auf, wie politische Maßnahmen und Strukturen verändert werden müssten, um Gender- und Klimapolitik zusammen zu denken.

Impulsvortrag: Who Cares? Gender, Care und Klimaschutz in der Familie

Gotelind Alber stellte einleitend fest, dass das Thema „Gender und Klima“ in der gesellschaftlichen Debatte bisher nur marginal wahrgenommen werde. Umfangreiches Wissen über Zusammenhänge von Gender und Klima sei jedoch vorhanden. So zeigten zahlreiche Umfragen des Bundesumweltamtes deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in den Einstellungen zur Umwelt  und  im Umweltverhalten, zum Beispiel im Energieverbrauch, Mobilitäts- und Konsumverhalten und bei der Ernährung. Geschlechtsspezifische Vulnerabilitäten gegenüber Klimawandelfolgen seien auch belegt: So gebe es zum Beispiel im globalen Süden mehr weibliche als männliche Todesopfer bei extremen Wetterereignissen, während im globalen Norden bei Extremwetterereignissen Männer stärker betroffen seien, beispielsweise durch Einsätze im Katastrophenschutz.

Neben dem individuellen CO2-Fußabdruck seien auch die individuellen Handlungsmöglichkeiten geschlechtsspezifisch verschieden und die Geschlechter auch unterschiedlich von den Folgen der Klimapolitik betroffen. Daten belegten weiterhin eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen im Sektor Energie, Verkehr und Bauwesen und Landwirtschaft, vor allem auf der praktischen Umsetzungsebene.
Aus der vorhandenen Datenlage ließe sich schließen, so Gotelind Alber, dass Gender für alle Aspekte des Klimawandels relevant sei: für den Beitrag als Verursacher*innen des Klimawandels, für Auswirkungen des Klimawandels sowie für die individuellen Handlungsmöglichkeiten. Gender sollte daher als Kriterium bei der Entscheidung über klimapolitische Maßnahmen eine Rolle spielen.

Care-Arbeit und Klima

Der Klimawandel führe tendenziell zu mehr Care-Arbeit, zum Beispiel durch mehr Pflegebedarf älterer Angehöriger bei Hitzewellen oder Aufräumarbeiten nach Extremwetterereignissen. Aufgrund des Gender Care Gaps seien von dieser Mehrbelastung deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Zudem könnten auch klimapolitische Maßnahmen für Sorgearbeitende eine zusätzliche Belastung darstellen, zum Beispiel durch Mehraufwand durch den Einkauf ökologischer Lebensmittel.

Umgekehrt sei jedoch der Einfluss von Care-Arbeit leistenden auf den CO2-Fußabdruck relevant. Wie Daten im vierten Gleichstellungsbericht zeigten, wendeten Frauen deutlich mehr Zeit für Hausarbeit (Kochen, Haushalt, Putzen, Betreuung, Ernährung) auf. Auch die für die Betreuung von Haushaltsangehörigen notwendige Mobilität werde mehrheitlich von Frauen umgesetzt. Dies sollte in der Klimapolitik mitbetrachtet werden.

Handlungsfelder der Klimapolitik aus Genderperspektive

Gotelind Alber erläuterte, dass verschiedene Studien einen Gender Eco Gap belegten, der durch Geschlechterrollenbilder und gesellschaftliche Normen geprägt sei: Frauen seien hinsichtlich Umwelt und Klimawandel deutlich besorgter, Männer neigten hingegen tendenziell eher zu Klimaskepsis. Frauen zeigten zudem eine höhere Bereitschaft für eigene Lösungsbeiträge und Verhaltensänderungen.
Dies wirke sich auch auf zentrale Klima-Handlungsfelder aus: Bei Männern zeige sich weniger Interesse und Bereitschaft zu nachhaltigem Konsumverhalten. So hätten Männer beispielsweise einen doppelt so hohen Fleischkonsum wie Frauen, was Gotelind Alber zufolge u. a. mit traditionellen Männlichkeitsidealen in Verbindung zu bringen sei.

Auch bei der Betrachtung der Daten zur Mobilität und Verkehrsverhalten seien geschlechtsspezifische Unterschiede zu erkennen. Erkennbar sei, dass vorhandenen Normen wie die Verbindung von Maskulinität und Motorisierung bei Männern zu einem klimaschädlichen Mobilitätsverhalten führe. Weiterhin sei bekannt, dass Frauen durch die Übernahme von Care-Arbeit komplexere Wegeketten nutzten, Arbeitsorte eher wohnortnah wählten und kürzere Pendelstrecken als Männer hätten, dafür aber umweltfreundlichere Mobilitätsangebote nutzten.

Über die Zeit sei zwar eine Angleichung unter den Geschlechtern bei jüngeren Menschen zu erkennen, jedoch mit der Tendenz zu einer Retraditionalisierung in der Familienphase. Durch vermehrte Verantwortungsübernahme von Frauen im Privaten werde oftmals eine „Feminisierung der Umweltverantwortung“ abgeleitet, die die Sorge um die Umwelt als weiblich konnotiertes Aufgabenfeld deute. Gotelind Alber wies darauf hin, dass hier die Grenzen individueller Handlungsmöglichkeiten deutlich würden und stattdessen strukturelle Ungleichheiten in den Blick genommen werden müssten.

Gotelind Alber betonte, dass hier ein Umdenken stattfinden müsse. Denn der Ausbau von ÖPNV-Infrastrukturen und -services orientiere sich bisher eher an Mobilitätsbedarfen männlicher Erwerbsarbeit und weniger von Care-Arbeit. Ungleich verteilt seien auch die Folgen von Luft- und Lärmbelastungen, denen Frauen durch die Nutzung von Fahrrad- und Fußverkehr vermehrt ausgesetzt seien.

Beim Bereich Wohnen und Energie verwies Gotelind Alber auf ein wachsendes Ungleichgewicht in der geschlechtsspezifischen Verteilung. Frauen seien im Energieverbrauch insgesamt sparsamer, demgegenüber stehe aber ein höherer Wärmebedarf. Durch die längere Aufenthaltsdauer in Wohnungen durch mehr Care-Arbeit steigere sich damit auch die Gefahr der Energiearmut bei Frauen, von der vor allem Alleinerziehende und Rentnerinnen betroffen seien. Diese Gruppen seien auch als Mieterinnen in schlecht gedämmtem Wohnbestand durch Kostensteigerungen durch energetische Sanierungen besonders belastet. Mit einem Blick auf die internationale Ebene lasse sich feststellen, dass vor allem Frauen im globalen Süden unter den negativen Folgen von Rohstoffabbau und Energieproduktion litten, so Gotelind Alber.

Genderdimensionen der Klimapolitik

Gotelind Alber betonte, eine Genderperspektive sei in der Klimapolitik  relevant, um den Blick dafür zu stärken, ob und wie die symbolische Ordnung, Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und Geschlechternormen durch (klima-)politische Maßnahmen aufrechterhalten oder hinterfragt würden. Dazu werde das Instrument des Gender Impact Assessment genutzt, das auch als ein Familien Impact Assessment ausgeweitet werden könne, schlug Alber vor. Dieses diene dazu, die Auswirkungen klimapolitischer Maßnahmen auf das Geschlechterverhältnis zu überprüfen, um negative Folgen zu minimieren und positive zu maximieren sowie Geschlechternormen und –rollen und männliche Privilegien infrage zu stellen. Unterstützend müssten institutionelle Rahmenbedingungen und Ansätze verändert werden, um die Präferenzen und Ansätze von Frauen besser zu integrieren.

Beim Aspekt der Care-Ökonomie sei relevant, wie Politik die Anerkennung von Care-Arbeit und deren Wert für die Gesellschaft unterstütze. Zentrale Fragen zur Bewertung politischer Maßnahmen seien: Sorgt die Politik für Entlastung für den Aufwand von Care-Arbeit? Trägt die Politik zur Umverteilung der Care-Arbeit bei? Und wie wirkt sich die Verteilung von Care-Arbeit auf das private und öffentlichen Leben aus? Partizipation und Gleichstellungsmacht werde auch von Genderwissen geprägt: was wird zugänglich, was wird priorisiert? Ein weiterer kurzer Überblick skizzierte Genderdimensionen in der Erwerbsökonomie, Fragen nach Repräsentation und Partizipation von Frauen in der Politik sowie Fragen nach der Beteiligung und Gestaltungsmacht von Frauen. Weiterhin sei von Relevanz, wie zugänglich öffentliche Ressourcen für Frauen seien, ob öffentliche Infrastruktur bereitgestellt und ausgerichtet sei auf die Bedürfnisse von Frauen oder wie der öffentliche Raum gerechter verteilt und zugänglich werden könne.

Klimapolitik in Deutschland

Zusammenfassend werde Gender bisher sowohl auf nationaler als auch auf kommunaler Ebene wenig in der Klimapolitik berücksichtigt. Auf internationaler Ebene sei die Verbindung beider Themen mittlerweile hingegen etabliert. Die bisherige nationale Klimapolitik ziele eher auf technologieorientierte ökologische Modernisierung ohne Berücksichtigung struktureller Ungerechtigkeiten oder ein Hinterfragen von Wachstum. Feministische Ansätze und Gender-Teams seien nur marginal vertreten. Dennoch enthalte der vierte Gleichstellungsbericht wichtige Forderungen zu geschlechtergerechter ökologischer Transformation. Darüber hinaus existierten auf kommunaler Ebene einzelne Forschungs- und Pilotprojekte zu Gender und kommunaler Klimapolitik und es bestehe ein wachsendes Interesse der Gleichstellungsbeauftragten und Frauenverbände an Klima sowie ein wachsendes Interesse in der Zivilgesellschaft daran, Klimamaßnahmen gendergerecht zu gestalten.
Es existierte jedoch auch eine „petromaskuline“ Gegenbewegung. Petromaskulinität konzentriere sich dabei auf drei wesentliche Faktoren: traditionelle fossile Energien und Leugnung des Klimawandels, Abwesenheit von Gendergerechtigkeit sowie eine autoritäre Orientierung. Gotelind Alber forderte daher, Gender müsse in (klima)politische Zielsetzungen aufgenommen werden: Die Politikbereiche Klimaschutz und Gleichstellung sollten zu stärkerer Kooperationen aufgerufen werden. Darüber hinaus müsse die Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen erhöht und eine Genderexpertise aufgebaut und einbezogen und die Zusammenarbeit zwischen Klimaschutzbeauftragten und den Gleichstellungsstellen verbessert und intensiviert werden. Ein wichtiges Instrument sei das vorher erwähnte Gender Impact Assessment, um Maßnahmen geschlechtergerecht zu gestalten. Dazu sei es notwendig, die Datenlage zu geschlechtsspezifischen Unterschieden zu verbessern und Geschlechtergerechtigkeit auch bei Fördermaßnahmen der Klimapolitik zu berücksichtigen. Eine Berücksichtigung von Gender müsse sich zudem im Klimamonitoring, der Klimapolitik und im Gender Budgeting widerspiegeln. Klimapolitik insgesamt solle sich stärker auf die gesellschaftliche und soziale Transformation ausrichten.

Abschließend skizzierte Gotelind Alber einige spezifische Empfehlungen zu Care und Klima, die dazu beitragen könnten, dass Care-Arbeit nicht als weiblich konnotierte Aufgabe gewertet werde, sondern allen Geschlechtern zugeordnet werden könne. So nannte sie Arbeitszeitverkürzung als Voraussetzung für gerechtere Aufteilung der Sorgearbeit. Der Ausbau von Gemeinschaftsverpflegung könnte ebenso dazu beitragen, mehr Gleichberechtigung in der Care-Arbeit zu schaffen. Sie plädierte für ein staatliches Label für umweltfreundliche, gesunde und tierfreundliche Produkte sowie für die Einführung von Mindeststandards für Energieeffizienz, da solche Maßnahmen die Last der Entscheidung für umweltfreundliche Alternativen verringerten. Weiterhin brauche es eine Verringerung des erwerbsorientiertem Verkehrs und eine stärkere Berücksichtigung von Care-Bedarfen in der ÖPNV-Infrastruktur sowie bei der Förderung der Sharing Angebote (z. B. die Mitnahme von Kindern oder Einkäufen). Zum Abbau und zur Bekämpfung von Energiearmut sollten Alber zufolge ein Klimasozialplan sowie gendersensible Energieberatungsprogramme entwickelt werden. 

Impulsvortrag: Bremswirkung herrschender Männlichkeitsbilder

Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforums Männer, kommentierte den Vortrag von Gotelind Alber in dem er sowohl Bremswirkung als auch Hebelwirkungen herrschender Männlichkeitsbilder in der Gesellschaft mit Blick auf die Verteilung von Care-Arbeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel beschrieb. Er sah aus Gleichstellungsperspektive das Erreichen einer 50/50 Verteilung zwischen den Geschlechtern von (bezahlter) Erwerbsarbeit und (unbezahlter) Haus- und Familienarbeit als Zielstellung. Problematisch sei jedoch, dass politisch nicht alle dafür notwendigen Hebel genutzt würden.
Ziel der Gleichstellungspolitik müsse sein, eine Förderung von Frauen in den ersten Arbeitsmarkt zu erreichen. Zudem müsste es eine bessere Unterstützung geben, damit Männer vermehrt Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen. Es brauche eine Förderung von Maßnahmen und Rahmenbedingungen, damit Frauen Care-Arbeit an ihre Partner abgeben könnten und gleichzeitig müsste die Übernahme von Care-Aufgaben durch Männer durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden (z. B. Lohngestaltung, Anreize, Vorbilder in Arbeitswelt und Politik).
Durch ein Verständnis von Männlichkeit als Leitbild und Norm, das oft als Symbol von Unabhängigkeit, Leistungsorientierung und Erwerbsarbeit verstanden werde, verenge sich der Handlungsspielraum für Männer, Care-Arbeit zu übernehmen. Die Folgen seien, dass tradierte Rollenvorstellungen sich im Alltag, in der Arbeitswelt und Politik verankerten, wodurch Vertrauen in eine geteilte Care-Arbeit sinke. Als Beispiel nannte Schölper ein Bild von Männlichkeit, das Autofahren, Technik oder egozentrische Konsumentscheidungen präferiere. Der Fokus liege daher auf Männlichkeit als sozialem Konstrukt, was beinhalte, dass Geschlechterrollen sozial konstruiert und dadurch auch veränderbar seien. 

Perspektiven zur Fürsorge

Dag Schölper wies auf die Relevanz von Fürsorge und Verantwortungsübernahme für das Gemeinwohl hin.  Männer sollten in der Erziehung präsenter sein, um das Kümmern und Trösten zu übernehmen und zu erleben. Denn wer eigene Bedürfnisse wahrnehmen könne, sei tendenziell empathischer. Sorge bedeute dabei auch, auf das Gemeinwohl zu schauen. Die aktuelle Realität zeige hingegen eine Abnahme männlicher Sorgepraxis. Zwar sei die Inanspruchnahme von Elterngeld zwischen 2016 bis 2022 auf niedrigem Niveau gestiegen. Bei der Inanspruchnahme und dem zeitlichen Umfang von Elternzeit zeige sich jedoch nach wie vor ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern. Familien entschieden sich auch durch finanziellen Druck für die klassische Rollenverteilung, so Schölper weiter.

Appelle reichten für eine Veränderung der Situation nicht aus. Vielmehr sollten Erkenntnisse wie aus dem Väterreport 2023 zu verschiedenen Vätertypen genutzt werden, um Bedürfnisse zu ermitteln und herauszufinden, welche Gruppen wie anzusprechen seien. Dabei gehe es konkret darum, progressive Einstellungen politisch zu unterstützen und konservative oder regressive Einstellungen durch politische Öffnungs- und/oder Begrenzungsmaßnahmen zu beantworten. Umfragewerte unter Vätern zeigten, dass Bewusstsein für Gleichberechtigung und Care mit dem Alter steige und zunehmend in der Verantwortung der Arbeitgeber gesehen werde. 

In der Frage von Klimaschutz zeige sich, so Dag Schölper, dass die Reproduktion von klischeehaften Bildern Nachhaltigkeitsfragen ausblende. Gesellschaftliche Narrative über Männlichkeit mit einem Fokus auf fleischlastiger Ernährung, Auto-Kultur oder Motorräder als Hobby verstärkten demnach klimaschädliche Muster. Bilder von Maskulinität würden oft mit Unabhängigkeit, Mobilität und Schnelligkeit assoziiert, was nachhaltige Verhaltensänderungen erschwere. Es gelte also, zunehmend Nachhaltigkeit und Männlichkeit zusammen zu adressieren. In diesem Zusammenhang entsprächen Forderungen nach der Freistellung für Väter nach der Geburt („Familienstartzeit reloaded“), einer gleichmäßig verteilten Elternzeit zwischen Müttern und Vätern sowie der Einführung einer Lohnersatzleistung für Pflege nicht nur einer Förderung von Gleichstellung, sondern auch von Nachhaltigkeit. Durch Übernahme von mehr Verantwortung in der Sorgearbeit könnten stereotype Männlichkeitsbilder erweitert und der Blick für Sorgearbeit und Umweltverantwortung geweitet werden.

Impulsvortrag: Handlungsmöglichkeiten gendergerechter Klimapolitik

Monika von Palubicki, Sonderbeauftragte des Deutschen Frauenrats für das Politikfeld Klimaschutz, kommentierte den Vortrag von Gotelind Alber aus der Perspektive eines Frauenverbands.
Sie betonte, das sich bereits viele Frauenverbände mit Umwelt- und Klimafragen im Zusammenhang mit Sorgearbeit und Gleichstellungsfragen beschäftigt hätten. Ziel müsse es zum einen sein, Optimismus zu bewahren und zum anderen Verantwortung zu übernehmen. Trotz einer Politik, die bei Klimaschutz und Gleichstellung Rückschritte zu machen drohe, sollten Ziele definiert werden und diese Schritt für Schritt umgesetzt werden. 
Sie betonte zunächst, dass zu Gleichstellung und Klimaschutz bereits einiges erreicht worden sei. So habe der Deutsche Frauenrat 2021-2023 einen Fachausschuss Klimaschutz gebildet, der unter dem Titel „Klimaschutz geht alle an!“ ein Positionspapier entwickelt habe, das die Zusammenhänge zwischen Einkommen, Klimaschutz und Care-Arbeit erörtere.  Auch habe der vierte Gleichstellungsbericht verschiedene Themen aufgegriffen. Mit einem Fokus auf die Fragen von Mobilität habe dieser gezeigt, wie Frauen durch die CO2-Bepreisung bei Care-Arbeit finanziell stärker belastet seien.

Monika von Palubicki betonte die Bedeutung von Vernetzung und nannte als Beispiel die Klima-Allianz Deutschland, in der sich bisher über 150 Verbände zusammengeschlossen hätten. Ein breites Spektrum von u. a. Umwelt- und Naturschutzverbände, Kirchen, Hilfsorganisationen und Gewerkschaften beschäftige sich hier bereits mit Klimaschutz, Hitzeschutz und Care-Arbeit. Auf Initiative des Deutschen Frauenrats und der Bundesstiftung Gleichstellung sei dort kürzlich eine Gender-AG eingerichtet worden.

Als entscheidend nannte Monika von Palubicki die Bildungsarbeit. Diese werde bereits von verschiedenen Verbänden umgesetzt. Beispielsweise arbeiteten Gewerkschaften an Programmen, um Transformation und Gleichstellung miteinander in Verbindung zu bringen. Auch auf kommunaler Ebene gebe es Zusammenarbeit zwischen Gleichstellungs- und Klimaschutzbeauftragten, wie Konzepte in Kommunen (z. B. in Bochum und Berlin zur Umgestaltung von Straßenzügen hin zu mehr Familienfreundlichkeit) zeigten.

Monika von Palubicki rief dazu auf, ins Handeln zu kommen und auch „im falschen System das Richtige zu tun“. Beispiele seien Change Clubs, die Aktion Gutes Klima, plattform n oder auch Basisgruppen in Kirchen, Stadtteilen oder Kommunen. Auch sei Engagement durch Teilnahmen an Demonstrationen möglich. Es gebe genügend Beispiele, wie sich eigene Alltagsroutinen ändern ließen und Mobilität, Ernährung und Konsum einen eigenen Beitrag leisteten. Sinnvoll sei es, in kleinen Schritten voranzugehen und positive Erfahrungen mit anderen zu teilen. Um eine Sensibilisierung für Care-Arbeit der Frauen zu erreichen, sei zum Beispiel das Spiel „Gleich gewinnt“ von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) entwickelt worden, das in Form von Personas versuche, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen Zeit und Geld verschiedene Bedürfnisse und Verpflichtungen zu erfüllen. Weiterhin biete auch die Lebenskarte, entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, die Möglichkeit zu verstehen, wie Care-Arbeit Biografien verändere. Weiterhin wies von Palubicki auf Untersuchungen hin, die zeigten, dass bei Protestbewegungen in den letzten 100 Jahren der gewaltfreie Widerstand von drei bis vier Prozent der Bevölkerung ausreichten, um einen Kipppunkt zur erreichen für politische Veränderungen in der Gesellschaft. Sie schloss ihren Beitrag mit einer Forderung nach neuen Arbeitsstrukturen. Die derzeitigen Betreuungsstrukturen reichten nicht aus für klimaschonendes Verhalten. Notwendig sei eine flexiblere Arbeitsgestaltung für Frauen und Männer.

Diskussion

In der folgenden Diskussion wurde gefragt, wie es möglich sei, durch strukturelle Veränderungen geschlechtsspezifische Einstellungen dahingehend zu verändern, mehr Bewusstsein für klimafreundliches Verhalten zu schaffen. Die Familie wurde als geeigneter Ort für die Diskussion über Haltungen und Einstellungen angesehen. Entscheidend sei, dabei anzuerkennen, wie groß der eigene ökologische Fußabdruck sei und eigene Veränderungen anzustreben. Dafür es gebe zahlreiche Möglichkeiten und die Familie sei ein Ort, in dem sich Verhaltensveränderungen bereits zügig festigen können.
Strukturelle und individuelle Handlungsmöglichkeiten sollten ausgeschöpft und Positives vorgelebt werden. Als Beispiel wurde das Klima-Bündnis genannt, welches Kampagnen für eine neue Mobilität mache und in die Familie hineintrage. Diese müsse mit entsprechender politischer Rahmensetzung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zusammen gehen. Betont wurde in diesem Zusammenhang, dass zwar durch individuelle Handlungen etwas verändert werden könne, jedoch individuelle Handlungsmöglichkeiten oft durch hindernde Strukturen begrenzt würden.

Generell wurde unterstrichen, dass mehr Austausch und Wissenstransfer zwischen den Kompetenz- und Politikbereichen Gender und Umwelt geschaffen werden müsste. Hierzu seien auch die Familienorganisationen als Unterstützung anzusehen. Hervorgehoben wurde, dass ein Zusammenschluss nach dem Vorbild des Bundesforums Familie von Umwelt- und Sozialverbänden, die gemeinsam in der Politik auftreten, begrüßenswert wäre. Beispiele wie ein Frauengeneralstreik in der Schweiz oder die Demonstrationen unter dem Motto „Hunderttausend Mütter“ zeigten, was durch Zusammenschlüsse bewirkt werden könnte.

Ein weiteres Thema der Diskussion war die Frage nach der Vereinbarkeit eines Sozialmonitorings Klimaschutz, welches soziale Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen vor Einführung prüfen und von der Ampelregierung eingeführt werden sollte, und eines Gender Impact Assessments, das die gleiche Prüfleistung im Hinblick auf Geschlechteraspekte erbringt. Sowohl für die Prüfung sozialer Aspekte als auch Belange von Gender und Familie sollten Energien gebündelt werden, um diese Aspekte auf Landes- und Bundesebene in die Klimapolitik einzubringen. Ebenso wurde zum Stand des Klimagelds diskutiert und die Notwendigkeit einer Entlastung einkommensschwacher Gruppen betont. Die Bedeutung eines Ausbaus von Infrastruktur wurde ebenfalls betont. So seien der Ausbau von ÖPNV-Infrastruktur und Fernwärme zentrale Instrumente, um es Familien zu ermöglichen ihren CO2-Abdruck zu senken.


1. Oktober 2026, Berlin und online: „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Gute Wohnungspolitik für alle Familien!“, Fachgespräch des ZFF

ZFF-Fachgespräch am 1. Oktober 2026, 10:00 Uhr – 11:30 Uhr

Ort: AWO Bundesverband e.V.| Blücherstraße 62/63| 10961 Berlin + online

Wohnen ist längst wieder eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. Steigende Mieten, knapper bezahlbarer Wohnraum, Wohnungslosigkeit und zunehmende soziale Ungleichheiten stellen Familien vor große Herausforderungen. Besonders Familien mit geringen Einkommen erleben, wie schwierig es geworden ist, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden.

Gemeinsam mit Wissenschaft, Praxis und Politik möchten wir diskutieren: Wie sieht die Wohnsituation von Familien heute aus? Welche Folgen haben Mietbelastung, Wohnraummangel und soziale Segregation? Und was braucht es für eine Wohnungspolitik, die allen Familien Zugang zu sicherem und bezahlbarem Wohnraum ermöglicht? Neben wissenschaftlichen Einblicken stehen auch die Erfahrungen betroffener Familien im Mittelpunkt. Wir wollen gemeinsam darüber sprechen, wo Handlungsbedarfe liegen und welche konkreten Veränderungen notwendig sind. Wir freuen uns sehr, dass wir dafür Dr. Andrej Holm (HU Berlin) und Madeline Sturhahn (AWO-Familienhaus Potsdam) gewinnen konnten.

Weitere Informationen zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Zukunftsforums Familie. Anmeldeschluss ist der 20. September 2026.

24./25. September 2026, Vechta: „Bildungslandschaften als Gestaltungsaufgabe: Ganztag zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, Bundesfachtagung des pfv

Ab August 2026 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung – und das Bildungssystem steht vor einem historischen Wandel.

Zwei unterschiedliche Systeme, Schule und Kinder- und Jugendhilfe, begegnen sich mit einem gemeinsamen Auftrag: Bildung, Betreuung und Erziehung neu zu verbinden. Der Ganztag wird damit zu einem pädagogischen Raum, der das Aufwachsen von Kindern prägt und neue Perspektiven eröffnet. Es gilt einen Ort zu schaffen, an dem Kinder wie Erwachsene gerne leben und lernen.

Die Bundesfachtagung bringt Fachkräfte aus Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Politik zusammen, um über pädagogische Qualität, kindgerechte Bildungsräume und ein gelingendes Aufwachsen im Wandel zu diskutieren. Seien Sie dabei und gestalten Sie den Ganztag der Zukunft mit! 

Veranstaltungsort: Universität Vechta, Driverstraße 22, 49377 Vechta

Termin: Donnerstag, 24. bis Freitag, 25. September 2026

Die Bundesfachtagung des pfv erfolgt in Kooperation mit der Universität Vechta.

Weitere Informationen und Anmeldung (demnächst) auf https://pfv.info/24-25-09-2026-bundesfachtagung-in-vechta/

Zum Save-the-Date: https://pfv.info/wp-content/uploads/2026/04/Vorankuendigung-BFT-Vechta.pdf

Die Anmeldung zur Tagung wird voraussichtlich ab Anfang/Mitte Mai 2025 möglich sein.

Bei einem unverbindlichen Eintrag in die Vormerkliste werden Sie direkt bei Freischaltung der Anmeldung informiert:
https://pfv.info/veranstaltungen/bundesfachtagung/vormerkliste-bundesfachtagung-2026/

 

23.-25. September 2026, Wuppertal: „THINK BIG! Zukunftsfähiger Sozialstaat für Familien“, Jahrestagung der eaf

Effizienz, Verschlankung, Einsparpotenziale? In der Debatte rund um die Sozialstaatsreform geht es für Familien neben ausreichenden finanziellen Leistungen um viel mehr! Wir wollen den Blick weiten und größer denken. Denn für Familien zeigt sich ein gut funktionierender Sozialstaat nicht nur im Portemonnaie. Er muss seine Qualität im Alltag beweisen, wenn Eltern Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt jonglieren: Durch alltagsnahe Unterstützungs- und Beratungsangebote, ausreichende und qualitativ hochwertige Betreuungsplätze sowie echte gesellschaftliche Teilhabe. Familien brauchen einfache Antragsverfahren in übersichtlichen Strukturen und keinen entmutigenden Behördendschungel.

Seit einigen Monaten liegen die Empfehlungen der Sozialstaatskommission vor und erste Reformschritte werden bereits umgesetzt. Jetzt brauchen wir einen mutigen und visionären Blick, um den Sozialstaat neu auf die Bedürfnisse von Familien auszurichten!

Als evangelischer Familienverband bringen wir die Familienperspektive in den Diskurs ein und fragen: Wie kann der Sozialstaat dafür sorgen, dass alle Kinder echte Startchancen erhalten, unabhängig von familiärer Herkunft und Lebenslage? Wie sollten einzelne familienbezogene Leistungen ausgestaltet sein? Und wie gewährleisten wir niedrigschwellige, gut erreichbare Zugänge und Verfahren?

Wir laden Sie herzlich ein, diese Fragen mit uns zu diskutieren! Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen und Perspektiven und möchten mit Ihnen nach praktischen Lösungen suchen, wie ein zukunftsfähiger Sozialstaat für Familien aussehen sollte.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website der eaf.

16.-18. September 2026, Frankfurt a.M.: „Sprache“, Wissenschaftliche Jahrestagung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Die Wissenschaftliche Jahresstagung der bke findet vom 16. bis zum 18. September 2026 in Frankfurt am Main statt.

Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wenden sich an Erziehungsberatungsstellen, um sich dabei unterstützen zu lassen, etwas Wesentliches in ihrem Leben zu verändern. Zentrales Medium in der Beratungsarbeit ist dabei die Sprache – auf der Grundlage der Annahme, dass Sprechen zu Veränderung führen kann.

Die wissenschaftliche Jahrestagung 2026 der Bundes­konferenz für Erziehungsberatung (bke) in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) für Erziehungsberatung in Hessen widmet sich dem Thema Sprache in seinen verschiedenen Aspekten und Facetten, die für die Arbeit in der Erziehungsberatung von Bedeutung sind. Dabei soll der Bogen vom Individuum und seiner Lebenswelt bis hin zu einer gesellschaftlichen Perspektive gespannt werden. So werden aktuelle Forschungsergebnisse und Methoden zu Sprachentwicklung, Kulturunterschieden, Mehrsprachigkeit, Bildungs(un)gerechtigkeit, Sprachbarrieren, Inklusion, Jugendsprache, KI und Sprache als Macht- und Bewertungsinstrument vorgestellt sowie vermittelt. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, wie genau Sprache in der Beratungsarbeit wirkt.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie auf der Website des bke.

18. August 2026, online: „Frühe Hilfen und Inklusion: Auf den Anfang kommt es an, Eltern als Partner stärken“, Veranstaltung des Paritätischen Gesamtverband

In der Inforeihe Kinder, Jugend und Familie
– Uhr, online

Auf den Anfang kommt es an: Die ersten drei Lebensjahre legen den Grundstein für die weitere Entwicklung eines Kindes, hier sind Frühe Hilfen, Frühförderung und Kita besonders gefragt.

Wenn sie an den Übergängen eng zusammenarbeiten und dabei die Eltern als kompetente Partner stärken, kann dies maßgeblich zu einer gelingenden Inklusion von Kindern mit Behinderung oder Entwicklungsauffälligkeiten beitragen. Der Vortrag gibt anhand von Praxisbeispielen Einblicke in diese Zusammenarbeit und Elternkompetenzstärkung und liefert Impulse für den eigenen Alltag.

An der Veranstaltung wirkt mit: 
Prof. Dr. Anke Buschmann, Hochschule Nordhausen, Professur Frühförderung und Frühe Hilfen, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Gesundheits- und Sozialwesen, Studiengangsleitung Weiterbildungsmaster Frühe Hilfen und Inklusion (MA FHI)

Für die Teilnahme an der Fachveranstaltung werden keine Beiträge erhoben. Weiter Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Paritätischen Gesamtverbands.

Impulsworkshop am 30.04.2025: „Klimaschutz auf kommunaler Ebene für und mit Familien – Teil 2: Partizipation“

Ob Investitionen in kommunale Infrastruktur, Klimaschutz oder Klimaanpassung: der Lebensraum für Familien wird auf kommunaler Ebene gestaltet. Welche Entscheidungen zum Klimaschutz werden auf kommunaler Ebene getroffen? Wie werden Bürger*innen und insbesondere Familien in den Entscheidungsprozessen beteiligt?
In dem Impulsworkshop informierten sich und diskutierten circa 30 Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie über kommunalen Klimaschutz und innovative Formate der Beteiligung und Mitbestimmung von Familien, Kindern und jungen Menschen.

Die Veranstaltung schloss an einen ersten Teil an, in dem eine Veranstaltung sich bereits dem Thema Finanzierung von kommunalem Klimaschutz gewidmet hatte. Die Vielfalt der Beteiligungsmöglichkeiten sowie Hürden und Erkenntnisse verdeutlichten Impulse von drei Referent*innen: Sina Trölenberg, Projektkoordinatorin für „Klima trifft Kommune“ beim Verein BürgerBegehren Klimaschutz, Dr. Tobias Lehberg, Bürgermeister der Klimakommune Saerbeck und Patrick Kunkel, Bürgermeister von Eltville am Rhein.

Klimakommune Saerbeck

Dr.Tobias Lehberg, Bürgermeister der Klimakommune Saerbeck, eröffnete seinen Impuls mit dem Hinweis, dass Erkenntnisse aus Saerbeck trotz ländlicher Lage auch bundesweit übertragbar seien. Denn wichtig und entscheidend sei es, zwischen den Kommunen und den Bürger*innen eine Verbindung zu schaffen.

Beteiligung

Für eine erfolgreiche Beteiligung sei ein akteurszentrierter Ansatz, der alle Beteiligten und Betroffenen mitnehme und deren Sicht mitdiskutiere, von besonderer Bedeutung. Dabei gehe es sowohl um politische Mitsprache als auch um finanzielle Beteiligungsmodelle. Saerbeck verfüge über einen Energiepark mit Windenergie und Photovoltaikanlage, dessen Energiemix zum Zeitpunkt der Entstehung noch technisches Neuland war. Heute übersteige die dort erzeugte Energie den eigenen Strombedarf der Kommune um das Vierfache. Der Energiepark sei in eigener Hand und werde von der Kommune und dem Kreis finanziert.

Die private Energieerzeugung sei zudem großflächig ausgebaut: jedes zweite Haus verfüge über eine Photovoltaikanlage. Lehberg betonte, der hohe Anteil an erneuerbarer Energieerzeugung in der Kommune und der damit verbundene wirtschaftliche Erfolg sei nur zu erreichen, wenn die Bürger*innen überzeugt von Klimaschutzmaßnahmen seien. Das Selbstverständnis als Klimakommune entstehe in den Köpfen der Menschen und werde durch direkten Austausch der Bürger*innen untereinander, durch transparente Beteiligung und Bildung befördert.

Bildung und Vermittlung

Um Menschen den Zugang zum Thema Wärmewende und erneuerbare Energien zu erleichtern, setze die Kommune darauf, diese Themen in zugänglichen und attraktiven Angeboten verständlich und ansprechend zu vermitteln. In Saerbeck wurden beispielsweise ein Vortrag eines aus dem Fernsehen bekannten Meteorologen und ein Improvisationstheater zum Thema Klima angeboten.
Die Vermittlung der Möglichkeiten eines persönlichen Beitrags zur Energie- und Klimawende fördere das Handeln, motiviere und zeige auf, wo eigene Interventionen möglich sind. Die Gesamtheit kommunaler Akteure wie Landwirtschaft, Energieversorgung, Gewerbe, Unternehmen und Vereine sollte eingebunden werden.

Spezielle Bildungsangebote, die an außerschulischen Lernorten und als Projekte aufgebaut wurden, sensibilisieren Kinder in Saerbeck für Klimaschutz. Tobias Lehberg betonte, es sei wichtig, bei Kindern das Interesse zu wecken und Klimakompetenz zu fördern, um die Grundlage für eine angemessene Beteiligung zu schaffen. Über die Bildungsangebote für Kinder würden die Inhalte auch in die Familien getragen. Im Bioenergiepark in Saerbeck wurde dazu ein außerschulischer Lernort etabliert, in dem ein praxisbezogener, experimenteller und kindgerechter Unterricht in Kooperation mit den örtlichen Schulen stattfindet. Finanziell unterstützt und getragen wird dieses Projekt von der Bezirksregierung.

Dr. Tobias Lehberg betonte abschließend, dass Bildung zum Thema Klimaschutz für Familien in den Kommunen ideal angesiedelt sei. Die Familie sei eine Akteursgruppe, die sich sehr stark mit der Gemeinde identifizieren und in sie integrieren könne. Wenn Familien sich in den kommunalen Klimaschutz einbringen, sei ein gemeinsames, überzeugendes Ziel erkennbar.

Diskussion

Kontrovers diskutiert wurde am Beispiel der Elektromobilität, zu welchen Teilen es die finanzielle Leistungsfähigkeit bzw. die individuellen Überzeugungen es seien, die über klima- und umweltfreundliches Verhalten der Familien entscheiden. Dr. Tobias Lehberg betonte, dass er Überzeugungen für ausschlaggebender halte.

Auf die Nachfrage nach weiteren konkreten Beispielen erläuterte Lehberg, Programme und Projekte würden in der Kommune gemeinsam entwickelt. So werde zum Beispiel die Biogasanlage in einer Gemeinschaft von 16 lokalen Landwirten betrieben. Bei privaten PV-Anlagen setze die Kommune vor allem auf Informationsweitergabe und Überzeugungsarbeit. In Energiegesprächen berichteten Bürger*innen über ihre Erfahrungen mit dem Bau von PV-Anlagen oder Wärmepumpen und gäben Informationen dazu weiter.

Finanzielle und personelle Ressourcen zur Umsetzung von Klima-Bildungsprojekten in der Kommune waren ein weiteres Thema. Ein wichtiger Impuls sei ein landesweiter Preis vor 15 Jahren gewesen, der mit einem Preisgeld verbunden gewesen sei. Die kontinuierliche Finanzierung werde heute aus dem Haushalt für Klimaschutz finanziert. Weiterhin würden Sponsoren gesucht und Kooperationen mit anderen Akteuren eingegangen, die nun den außerschulischen Lernstandort finanzieren. Ein Finanzierungsmodell sei etabliert worden, sodass alle ansässigen Unternehmen, die Strom aus dem Energiepark beziehen, 1 Cent pro Kilowattstunde für den außerschulischen Lernstandort spenden.

Dr. Tobias Lehberg kritisierte, dass Fördermittel für den Klimaschutz oft Projektmittel und nach kurzer Zeit aufgebraucht seien. Investitionen aus solchen Mitteln müssten sehr gut überlegt sein, um langfristig Wirkung zu entfalten. Optimal sei es, wenn die Kommune mit eigenen finanziellen Mitteln agieren könne und dies auch entsprechend täte. Wichtig sei es zum Beispiel, Rahmenbedingungen zu schaffen, die individuell klimafreundliches Verhalten wie etwa durch Installation von PV-Anlagen oder Nutzung von Lastenrädern für alle leistbar zu gestalten statt nicht-sozial gestaffelte Fördergelder zu vergeben. Entscheidend sei für die erfolgreiche Umsetzung letztlich jedoch der politische Wille, Klimaschutz und Klimabildung umzusetzen.

Zuletzt verwies Lehberg darauf, dass die Mehreinnahmen des Energieparks als EEG-Einsparungen gerechnet werden. So gebe es nördlich vom Ruhrgebiet große Stromverbraucher, die die Hauptabnehmer für den erzeugten Strom seien. Dies formulierte er als eine Zukunftsaufgabe: Ländlichen Regionen seien in der Zukunft die Stromproduzenten für erneuerbare Energien, Ballungsräume deren Abnehmer. Es müsse ein Neudenken über Landwirtschaft als zentralem Handlungsraum in der Energieerzeugung stattfinden.

Klima trifft Kommune

Es folgte der Impulsbeitrag von Sina Trölenberg, die das Modellprojekt „Klima trifft Kommune“ vorstellte. Das Projekt, angesiedelt beim Verein BürgerBegehren Klimaschutz, setze sich seit 2024 für mehr Demokratie im kommunalen Klimaschutzmanagement ein. Man befinde sich noch in der Aufbauphase; mit ersten Ergebnissen sei im kommenden Jahr zu rechnen. Sina Trölenberg führte ein, das Modellprojekt führe Klima-Bürger*innenräte in drei Modellkommunen zu von der jeweiligen Kommune festgelegten Themen durch. Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Bürger*innenräten bestünde darin, dass sich die teilnehmenden Kommunen zu einem Bürger*innenentscheid über das vom Bürger*innenrat erarbeitete Projekt verpflichte und die Arbeit so mit mehr Verbindlichkeit versehe.

Ausgangslage des Projekts waren Bevölkerungsbefragungen zur politischen Beteiligung (IDPF, 2024) sowie zu politischen Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Kommunen (UNICEF). Die Ergebnisse zeigten, dass mehr politische Beteiligung gewünscht sei. Möglichkeiten dafür seien hingegen begrenzt: Beteiligungsformate seien häufig projektbezogen, oft nicht langfristig angelegt und nur etwa der Hälfte der Befragten sei es bisher möglich gewesen, sich einzubringen. Zudem sei eine sinkende Akzeptanz der Bevölkerung zu Klimaschutzmaßnahmen zu verzeichnen. Aktuelle Studien zeigten, dass 2022 noch fast die Hälfte der Befragten angegeben habe, dass die Klimaschutzmaßnahmen nicht weit genug gingen. Derzeit hielten 20 % der Befragten die Klimaschutzmaßnahmen hingegen für stark überzogene Maßnahmen; die Zustimmung zu ähnlichen Aussagen sei steigend.

Bürger*innenrat und Projektphasen

Derzeit seien im Projekt drei Kommunen aus den alten und neuen Bundesländern (Flensburg, Osterburg und Pinneberg) vertreten, welche noch bis 2027 zusammenarbeiten werden. Zu Beginn des Projekts fand in den Kommunen ein Stadtratsbeschluss zur Teilnahme an dem Projekt statt. In der folgenden Phase des Agendasettings berate BürgerBegehren Klimaschutz die Kommunen zur Wahl eines Themas mit dem größten Klimaschutzpotential. Nach der Themenwahl für den Entscheid folge das Losverfahren und die Zusammensetzung des Bürger*innenrates. Als Vorbild für die Vorgehensweise in der Besetzung der Klima-Bürger*innenräte wurde der Bürgerrat Klima gewählt, der bis 2022 von BürgerBegehren Klimaschutz durchgeführt wurde. Dieser wurde anhand eines geschichteten Losverfahrens unter Berücksichtigung sozioökonomischer Kriterien wie Alter, Geschlecht und Wohnort repräsentativ besetzt.

In der Ausgestaltung der Arbeit des Bürger*innenrats werde zusammen mit den Kommunen darauf geachtet, die Sitzungstermine nach Möglichkeit zu familienfreundlichen Zeiten einzurichten. In der Transferphase werde dann festgelegt, welche Entscheidungen im Handlungsspielraum des Bürger*innenrates liegen. Während der Projektphase werde die gesamte Bevölkerung informiert. Nach Abschluss der Arbeit des Bürger*innenrats übergebe dieser ein Gutachten mit Empfehlungen an den Stadtrat bzw. Gemeinderat. Dieser wähle daraus unter Beratung durch das Projektteam und möglichst den Empfehlungen des Bürger*innenrats folgend zentrale Empfehlungen aus, über die anschließend in einem Bürger*innentscheid von allen Wahlberechtigten in der Kommune abgestimmt werde. Die Ergebnisse aus dem Bürger*innenentscheid seien gleichwertig bindend wie andere kommunale Entscheidungsergebnisse auch. Bis zum politischen Beschluss durch die Stadt oder Kommune vergehen in der Regel ca. ein bis zwei Jahre.

Diskussion

In der anschließenden Diskussion wurde hinterfragt, wie repräsentativ Bürger*innenräte seien und angemerkt, dass Familienstand nicht als eines der sozioökonomischen Kriterien aufgeführt sei, aufgrund derer die Auswahl nach dem Losverfahren erfolgt. Auf Nachfragen erläuterte Sina Trölenberg, das Losverfahren sei insofern repräsentativ und gerecht, da es sich um ein geschichtetes Losverfahren handele, dessen Grundlage Grunddaten der Einwohnermeldeämter seien: Alter und Geschlecht, etc. Weitere Kriterien könnten nach vorheriger Absprache mit der Kommune in den Prozess der Auswertung hinzugenommen werden. Kindern und Jugendlichen sei eine Teilnahme ab 14 Jahren möglich und sie würden entsprechend ihres Anteils an der gesamtdeutschen Bevölkerung in die Bürger*innenräte aufgenommen. Trölenberg merkte jedoch an, je mehr Kriterien berücksichtigt würden, desto größer sei der Aufwand des Auswahlverfahrens. Das Format des Bürger*innenrats sei so angelegt, dass es alle erreiche. Armutsbetroffene seien ebenso vertreten wie Unternehmer*innen. Sie erläuterte, dass die Auswertungen in den Modellkommunen gezeigt haben, dass für den Erfolg der Bürger*innenräte der politische Wille entscheidend sei und weniger, ob sich alle vertreten fühlten. Wie tragfähig diese Annahme sei, werde sich im Frühjahr 2026 zeigen, wenn in zwei der Kommunen die Abstimmungen zu den Empfehlungen des Bürger*innenrates folgen werden.

Das Plenum diskutierte weiterhin die Frage nach der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen unter dem Aspekt, dass es immer weniger Haushalte mit Kindern in Deutschland gebe und junge Menschen somit in den Bürger*innenräten nicht sehr stark repräsentiert sein dürften. Gleichsam seien sie vom Klimawandel perspektivisch aber am meisten betroffen. Hierzu erläuterte Sina Trölenberg, dass Jugendliche ab 14 Jahren in den Bürger*innenräten mitwirken könnten und insbesondere in Flensburg seitens der Kommune ein Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendbeteiligung im Bürger*innenrat gesetzt werde.

Eltville am Rhein

Abschließend gab Patrick Kunkel, Bürgermeister von der 20.000 Einwohnergemeinde Eltville am Rhein, einen Einblick in die Partizipationsstrukturen seiner Stadt. Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehe die Kommune als Zukunftsaufgabe und versuche die Bürger*innen von Beginn an zu beteiligen. Dabei sei ein behutsamer, aber klarer Aufbau des Themenkomplexes Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und Transformation vorgenommen worden. Ausgehend von dem Pariser Klimaabkommen und den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG) wurde versucht, diese an die Historie der Stadt und der Stadtgesellschaft anzubinden. Ziel war es, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und zugleich eine Beteiligungsstruktur für Bürger*innen zu erreichen. Der gewonnene Nachhaltigkeitspreis 2021 war ein guter Auftakt, um Maßnahmen dauerhaft zu verstetigen, so Patrick Kunkel. Die Auswirkungen des Klimawandels in der Familie und bei den Kindern auch in die Politik zu tragen und bewusst zu machen, sei das Ziel gewesen.

Nachhaltigkeit in der Verwaltung

Patrick Kunkel verwies darauf, dass es notwendig sei, kommunalen Klimaschutz auch in der kommunalen Strukturen und in der Verwaltung aufzunehmen. Als Beispiel nannte er das Eltviller Lernlabor: Dieses biete als Experimentierraum innerhalb der Verwaltung einen geschützten Raum, um Abläufe und Prozesse zu überprüfen, Ideen und einen amtsübergreifenden Austausch zu ermöglichen. Notwendig sei es, ein Nachhaltigkeitsmanagement in der Stadt zu verankern und in der Stadtentwicklung mit zu planen. Es sei jedoch eine Herausforderung, bisherige Hierarchien in der Verwaltung aufzubrechen und gleichzeitig Zuständigkeiten zu wahren.

Auch über Kommunalgrenzen hinweg sei Kooperation auf Verwaltungsebene insbesondere bei Themen wie Klimafolgenanpassung sehr wichtig. In Eltville bestehe eine Zusammenarbeit zu dem Thema mit den Nachbarkommunen seit fast drei Jahren. Hier betonte Kunkel die wesentliche Rolle der Kommunikation nach außen und innen; alle Stakeholder und Akteure müssen eingebunden werden.

Kommunikation

Als wesentlich beschrieb Patrick Kunkel weiterhin, inhaltliche Verbindungen zu stärken, indem in der Bevölkerung etablierte Themen mit dem Thema Klima verbunden werden. So habe beispielsweise das Thema „Schutz des Weinanbaus vor Klimaveränderungen wie Starkregen und Dürreperioden zur Sicherung des wirtschaftlichen Erfolgs“ in der Region eine wesentliche Rolle für die eigene wirtschaftliche Sicherheit.
Um die Menschen zu überzeugen, sollten Kommunikationsplattformen und Formate besser genutzt werden. Entwickelt wurden in Eltville zum Beispiel Kommunikationsstrategien für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um Begrifflichkeiten und Klimathemen positiv zu besetzen. Wichtig sei es zudem, die lokale Verbundenheit der Menschen zu ihrem Lebensort zu stärken. Das Thema Klimaschutz müsse „aus der Blase“ herausgeholt und Begeisterung dafür entwickelt werden.
Die Zielgruppenadressierung sollte vielfältig sein und alle Generationen ansprechen. Mit unterschiedlichsten Kommunikationsformaten (Gremienarbeit, persönliche Kontakte, Bürger*innenbeteiligung) sollte an die Lebenswelten angeschlossen werden. Formen der Kommunikation müssten zudem auch innerhalb der Verwaltung neu aufgebaut werden.
Als Beispiel für politische Nähe und Bürger*innenbeteiligung nannte er die „Your City for Future“ Gruppe von Eltville, mit denen ein persönlicher Austausch und Ideenimpuls mit ihm als Bürgermeister bestand. Bei der Renaturierung eines Flusses wurde zudem ein Leitbild gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet, die sehr pointierte Gedanken einbrachten. Dies fördere, neben den guten Ideen auch individuell deren Kreativität außerhalb der schulischen Kontexte.

Nachvollziehbarkeit und Erfahrungsraum Klimaschutz

Klimaschutzmaßnahmen müssten für Menschen vor Ort positiv erfahrbar sein, führte Patrick Kunkel fort. Die Kommune sollte dazu einladen, Maßnahmen erlebbar zu machen. Hierbei müssten sowohl Familien als auch ansässige Unternehmen mitgenommen werden. Als Beispiel nannte Kunkel die mit Büger*innen errichtete temporäre Begrünung mit Hochbeetkästen auf Straßen und Parkplätzen vor einer Kita.

Aufgabe der Politik sei es, im Klimaschutz vorausschauend zu planen und zu arbeiten. Stadtentwicklung und Klimaschutz müssten aufeinander abgestimmt sein. Dies bedeute auch, auf divergierende Interessen wie mehr Begrünung vs. wegfallender Parkplätze einzugehen.

Weiterhin müsse es Gelegenheiten für einen persönlichen und direkten Austausch mit den Bürger*innen geben. Als Beispiel nannte er eine Renaturierungsmaßnahme: Mit Hilfe einer Simulation wurden die Auswirkungen von Hochwasser in einem Bach in Eltville verdeutlicht. Als gemeinsame Aktion und mit der Unterstützung von aktiven Bürger*innen seien im Anschluss Hochwasserschutzmaßnahmen entstanden, indem ein Regenrückhaltebecken angelegt wurde. Es wurde deutlich, dass Wasserrückhalt „Menschenschutz“ und Klimaschutz zugleich sei. Es verdeutliche, dass Politik erlebbar sein und vor Ort beschlossen und umgesetzt werden muss, erläuterte Patrick Kunkel. Um die Grundlage dafür zu schaffen, seien Investitionen in BNE und Umweltbildung nötig.

Entscheidend sei auch, positive Aspekte von Klimaschutz und -anpassung zu betonen. Beispielsweise werde Geld eingespart, wenn kommunale Wiesen weniger gemäht würden. Gleichzeitig diene dies dem Insektenschutz und der Artenvielfalt. Klimaanpassung kann darüber hinaus einen Zugewinn an Grünflächen für die Bevölkerung bedeuten. Mit der Klimaanpassungsmaßnahme „100 wilde Bäche“ sei in Eltville z. B. ein komplettes Wiesental mit Kinderspielplatz als Naturraum und Naherholungsgebiet neu gestaltet worden, so Kunkel. Als weiteres Beispiel nannte er den Aufbau einer Baumschule, die gemeinsam mit verschiedenen Akteuren geschaffen wurde. Die Pflanzung von klimaresistenten Bäumen erhalte die Wälder und gebe gleichzeitig die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche über die Funktion und den Erhalt von Wäldern für das Klima aufzuklären.
Ziel von Eltville sei es, sich als klimaresistente Stadt aufzustellen, für alle Bürger*innen. Für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen spreche insbesondere, dass sie ihre Wünsche klar äußerten und ein großes Gerechtigkeitsgefühl besäßen. Die Mitwirkung sei dabei besonders wichtig dafür, Entscheidungen in der Kommune als erster Ebene des Staats zu erfahren, mitzugestalten und mitzutragen.
Kritik an der Umsetzung der Klimaschutzmaßnahme wurde seitens der Bürger*innen bisher relativ wenig geäußert, führte Patrick Kunkel aus. Zuletzt betonte er, es gebe bundesweit über 1.000 Städte und Gemeinden. Mit diesen müsse ein Netzwerk aufgebaut und Ideen ausgetauscht werden.

Diskussion

In der sich anschließende Diskussion wurde nach der Inklusion von Eltern oder Kindern mit Behinderung bei Partizipationsformaten gefragt. Patrick Kunkel beschrieb den Versuch Inklusionskosten und Inklusionsanträge durch Förderanträge zu unterstützen. Weiterhin gebe es barrierefreie Webauftritte. Ziel sei es, alle Menschen einzubeziehen. Dies würde auch für die Integration neu Zugezogener aus der Ukraine gelten. Wichtig sei es, für Sensibilität für vielfältige Bedarfe zu entwickeln und entsprechende inklusive Programme zu gestalten.

Zur Frage der Akteure im kommunalen Klimaschutz betonte er, persönliche Initiative sei wichtig sowie eine verlässliche Verstetigung. Um Aktivität aufzubauen, sei es wichtig Verantwortung zu übernehmen, dann würden sich Mitstreiter*innen finden. Beispielsweise könne eine Bürgerstiftung gegründet werden oder Vereine könnten angefragt werden. Insgesamt sei es ein sehr sensibles Thema, Menschen vor dem Klima zu schützen. Sich zu beteiligen und zu engagieren müsse lebendig sein und Spaß machen, um Menschen zu motivieren und Engagement und Teilnahme nachhaltig aufzubauen.

9. Juni 2026, Berlin, Präsenz: „Vereinbarkeit gestalten – Fachkräfte sichern“, Familienpolitische Fachtagung, DGB-Bundesvorstand

Familienpolitische Fachtagung DGB-Projekt „Vereinbarkeit gestalten“ & DGB-Bundesvorstand
Familienfreundliche Arbeitsbedingungen sind ein zentraler Faktor für die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig stehen viele Beschäftigte mit Sorgeverantwortung weiterhin vor großen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Neben den familienpolitischen Rahmenbedingungen stehen die sozialpartnerschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Mittelpunkt unserer Fachtagung.
Vor diesem Hintergrund diskutieren wir gemeinsam mit der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien und der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack – ergänzt durch wissenschaftlichen Input von Dr. David Juncke (Prognos) sowie Einblicke aus der betrieblichen Praxis – neue Möglichkeiten der Gestaltung einer familiengerechten Arbeitswelt im Kontext der Fachkräftesicherung.

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Die Veranstaltung findet in Präsenz statt: 
Diestag, 09. Juni, von 09:30 Uhr bis 16:00 Uhr,

Adresse: DGB-Bundesvorstand, Keithstraße 1, 10787 Berlin

Weitere Information sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter:
DGB Fachtagung | Vereinbarkeit gestalten