05. Juni 2026, Dresden: „Zwischen Beobachtung und Vermessung“, Dialogveranstaltung des Pestalozzi-Fröbel-Verbands

Kompetenzfeststellung bzw. -diagnostik im Übergang Kita–Schule: Professionelle Einschätzung, standardisierte Tests und ihre Grenzen

Der Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule rückt aktuell erneut in den Fokus bildungspolitischer Diskussionen. Zunehmend wird nach fundierten Diagnostikverfahren und Instrumenten zur Kompetenzprofilerfassung gefragt, die die kindliche Entwicklungsstände am Übergang transparent machen sollen. Gleichzeitig steht die Praxis vor der Herausforderung, diesen Übergang chancengerecht zu gestalten und anschlussfähige Bildungsbiografien in einer zunehmend heterogenen Gesellschaft zu fördern.

Vor diesem Hintergrund gewinnen kindzentrierte, stärkenorientierte Verfahren zur Erfassung und Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen an Bedeutung.

Mika ist ein solches Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren, das zentrale Entwicklungs- und Bildungsbereiche berücksichtigt – von Sprache und früher Literalität über mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen bis hin zu motorischer Entwicklung, Musik und dem biopsychosozialen Wohlbefinden. Ziel ist es, pädagogischen Fachkräften in Kita und Schule eine fundierte Grundlage zu bieten, um Bildungsprozesse anschlussfähig, individuell und chancengerecht zu gestalten.

Im Rahmen der Veranstaltung wird das Verfahren Mika vor- und zur Diskussion gestellt. Neben Einblicken in Aufbau, Inhalte und Anwendung des Verfahrens werden auch empirische Erkenntnisse aus bisherigen Studien beleuchtet.

Gemeinsam wollen wir danach fragen, welche Potenziale und Herausforderungen mit solchen Übergangsdokumentationen verbunden sind – und inwiefern sie dazu beitragen können, unterschiedliche Lernvoraussetzungen frühzeitig sichtbar zu machen und Kinder auf ihrem Bildungsweg gezielt zu unterstützen.

Impulsvorträge:

  • Aktuelle Perspektive der Bildungspolitik Dr. Nicole Wolfram (RL), Staatsministerium für Kultus, Sachsen (angefragt)
  • Kompetenzprofil am Übergang – Das beste zweier Welten: MIKA Dr. Beatrice Rupprecht, TU Dresden

Die Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, Wissenschaftler:innen, Träger von Kindertageseinrichtungen, Studierende sowie kommunale Bildungspolitiker:innen und bildungspolitisch Interessierte.

Termin: Freitag, 05. Juni 2026, von 09:00-12:00 Uhr
Adresse: TU Dresden, Münchner Straße 1, 01187 Dresden, Raum MS1 101 (Aula)

Die Teilnahme ist kostenfrei, die Teilnehmerzahl begrenzt. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Seite des Pestalozzi-Fröbel-Verbands.

28. Mai 2026, Dresden: „Gutes Wohnen für Alleinerziehende“, Landesregionalkonferenz von SHIA e. V.

12.00-18.00 Uhr ‒ Schützenplatz 14, Dresden
Ort: Gewerkschaftshaus Dresden (01067 Dresden)

Unter der Schirmherrschaft von Herrn Landtagspräsidenten Alexander Dierks veranstaltet der Landesfamilienverband SHIA e.V. LV Sachsen im Rahmen des Landeskompetenzzentrums (LKAS) am 28. Mai 2026 eine Landesregionalkonferenz zum Thema ‚Gutes Wohnen für Alleinerziehende‘.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Stiftung Alltagsheld:innen, dem Bündnis ‚Gutes Wohnen für Alleinerziehende‘, sowie dem Landesfrauenrat und dem DGB Sachsen statt.

Im Mittelpunkt der Konferenz steht die aktuelle Wohnsituation alleinerziehender Familien im Freistaat Sachsen. In themenspezifischen Workshops zu den Forderungen und Handlungsempfehlungen des Bündnisses ‚Gutes Wohnen für Alleinerziehende‘ sowie im fachlichen Austausch werden bestehende Herausforderungen und strukturelle Hindernisse analysiert und sichtbar gemacht.

Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren tragfähige, praxisnahe und zukunftsorientierte Lösungen zu vereinbaren, um die Wohn- und Lebensbedingungen alleinerziehender Familien nachhaltig zu verbessern.

Die Anmeldung ist bis zum 22.5. möglich unter https://shia.de/cockpit/newsletter/register_1.php?id_event=26.

Informationen zum Programm finden Sie unter: https://lkas.online/files/Programm_Konferenz_Gutes%20Wohnen%20f%C3%BCr%20Alleinerziehende_2026.pdf

4.-5. Mai 2026, Berlin: Deutsches Kita-Symposium 2026: „Gerechte Zugänge zur frühen Bildung, Betreuung und Erziehung“, Fachtagung des Paritätischen Gesamtverband

Unter dem Leitgedanken „Gerechte Zugänge zur frühen Bildung, Betreuung und Erziehung“ bringt das Deutsche Kita-Symposium am 4. und 5. Mai 2026 zentrale Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis zusammen.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können Zugänge ins System der Kindertagesbetreuung gerechter gestaltet und bestehende Benachteiligungen wirksam abgebaut werden? 

Ziel der Veranstaltungist es, 

  • die Bedeutung des Zugangs zum Frühen Bildungssystem für Teilhabe und Armutsprävention hervorzuheben, 
  • Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren und aufzuzeigen und 
  • den fachlichen Austausch zwischen Entscheidungsträger*innen aller Ebenen des Kita-Systems zu fördern. 

Wer ist eingeladen? 
Das 1. Kita-Symposium schafft einen Raum für den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteur*innen. Eingeladen sind daher alle relevanten Akteursgruppen, die für die Gestaltung von Zugängen zur Kindertagesbetreuung mitverantwortlich sind:  

  • Mitglieder des Bundestags, der Landtage und deren Mitarbeitende,  
  • Vertreter*innen aus Kommunen und von Kommunalen Spitzenverbänden 
  • Kita-Träger, Fachberater*innen, Verbände 
  • Gewerkschaften und Fachpraxis 
  • Wissenschaft und Forschung  

Die Teilnahme ist kostenpflichtig (92,00 €).  Bitte melden Sie sich mit der unten folgenden Anmeldemaske an (Eveeno). Sie erhalten nach der Anmeldung eine E-Mail mit der Rechnung. Nach Zahlungseingang erhalten Sie die Anmeldebestätigung. Im Buchungscenter (Link in der ersten Mail) können Sie ggf. stornieren.

Veranstalter*innen: 
Der Paritätische Gesamtverband | Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) | Auridis Stiftung | ver.di | BAG Bildung und Erziehung in der Kindheit in Kooperation mit weiteren Partner*innen aus Fachpraxis, Politik und Wissenschaft. 

Weitere Informationen und die Möglichkei zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Paritätischen Gesamtverband.

Impulsworkshop am 18.03.2025: „Klimaschutz auf kommunaler Ebene für und mit Familien – Teil 1: Finanzierung“

Die kommunale Ebene ist für das Familienleben von zentraler Bedeutung. Hier findet das Leben der Familien statt. Auch kommunaler Klimaschutz betrifft Familien in ihrem Alltag direkt: Zum Beispiel durch energetische Sanierungen von Schulen und Familienzentren oder Hitzeschutzmaßnahmen für Seniorenheime und Kitas. Investitionen in kommunale Infrastruktur, Klimaschutz und Klimaanpassung sind daher dringend nötig, um den Lebensraum für Familien nachhaltig zu gestalten. In den Kommunen stehen die Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung auch sehr weit oben auf der Prioritätenliste, wie eine Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik unter den deutschen Oberbürgermeister*innen bestätigt. Jedoch liegen die zusätzlichen jährlichen Klima-Investitionsbedarfe in den Kommunen unterschiedlichen Studien zufolge bei ca. sechs bis 26 Milliarden Euro.[1]

Wie wird Klimaschutz in den Kommunen also finanziert und welche Alternativen zum Status Quo sind denkbar? In dem Impulsworkshop versammelten sich knapp 20 Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie, um sich über die Rahmenbedingungen von kommunalem Klimaschutz zu informieren und gemeinsam zu diskutieren.

Die Mitgliederbefragung zu Beginn der Themenperiode hat gezeigt, dass kommunaler Klimaschutz ein zentrales Thema auch für Familienorganisationen sei. In diesem Spannungsfeld von großem Handlungsbedarf und finanziellen Lücken gaben zwei Referenten Input zur aktuellen Lage der Finanzierung von Energieprojekten in Kommunen und zu alternativen Finanzierungsmodellen von kommunalem Klimaschutz.

Impuls: Jonas Müller, LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen

Tätigkeitsspektrum und Zielsetzung

Die LandesEnergieAgentur (LEA) Hessen GmbH entfalte Jonas Müller zufolge positive Effekte auf die Lebensqualität von Familien insbesondere durch Beratung für Kommunen zur Umsetzung und Finanzierung von großen Strom- und Wärmeprojekten sowie erneuerbaren Energien. Sie übernehme im Auftrag der Hessischen Landesregierung zentrale Aufgaben bei der Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes. Die LEA arbeite unter der Zielsetzung, in Hessen eine Klimaneutralität bis 2045 sowie eine Deckung des Endenergieverbrauchs von Strom und Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu erreichen. Als Dienstleistungsunternehmen berate die LEA kostenlos und vor Ort zu allen Themen der Energiewende und des Klimaschutzes: Sanierung, Energieeffizienz und Energiekonzepte, Mobilität, Wärme, Infrastruktur, erneuerbare Energien sowie zu Förderprogrammen. Adressaten seien vor allem Kommunen in Hessen, wobei auch Unternehmen und Privatpersonen beraten würden. Ziel sei es, dass Kommunen finanziell profitieren – nicht selten fließe eingespartes Geld zusätzlich in Infrastrukturen der Kommunen wie Schulen, Kindergärten oder Sport- und Freizeiteinrichtungen.

Mit dem Projekt Bürgerforum Energiewende Hessen biete die LEA Hessen darüber hinaus auch Unterstützung in der Vorbereitung von Bürger*innenentscheiden sowie in der Mediation von Konflikten an. Im Rahmen des Bürgerforums würden auch Vorträge und Informationsveranstaltungen zu Energieprojekten in den Kommunen durchgeführt. Ziel sei es, die Akzeptanz für energiepolitische Maßnahmen durch Transparenz und Dialog mit den Bürger*innen zu stärken. Die Erfahrung habe gezeigt, dass bei ausreichender Information und gründlicher Abwägung aller Argumente bei Bürger*innenentscheiden häufig im Sinne des Klimaschutzes abgestimmt werde.

Kommunale Steuerungsmodelle 

Aus Sicht von Jonas Müller gebe es kommunale Steuerungsmöglichkeiten und Beteiligungen an Energieprojekten vorrangig in der Verpachtung und dem Betrieb von Energieanlagen. Dass die Kommunen selbst als Betreiberin und Projektiererin agiere, komme eher selten vor. Zwar seien mit steigender Einbindung in ein Projekt erhöhte finanzielle Erlöse möglich. Gleichzeitig sei dies jedoch mit einem höheren Risiko verbunden und übersteige oft die Kapazitäten der Kommunen. Kommunen agierten somit eher in der Gesamtstrategie zur Energieversorgung und Flächennutzung.

Finanzielle Beteiligung von Kommunen und finanzielle Bürger*innenbeteiligung

Jonas Müller erläuterte, dass sich Betreiber von Windenergie- und Freiflächenanlagen (Photovoltaik) nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an den räumlich betroffenen Kommunen finanziell beteiligen können. Sie dürfen den betroffenen Kommunen Zuwendungen von 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde zukommen lassen, was sich für Kommunen als lukrativ erweisen könne. Die Gewerbesteuer stelle eine zusätzliche Einnahmequelle für Kommunen dar. Darüber hinaus könnten sich Kommunen an Betriebsgesellschaften beteiligen.

Auch Bürger*innen können zu Anteilseigner*innen an Betriebsgesellschaften werden. Dies sei über die Gründung von Bürgerenergiegesellschaften und über die Beteiligung als Kommanditist*innen (Teilhaftende) möglich. Bürgerenergiegenossenschaften böten weiterhin die Möglichkeit, Bürger*innen indirekt an der Energieanlage zu beteiligen. Jedes Mitglied erhalte, unabhängig von der Höhe des Anteils, ein Stimmrecht.
Bei Bürger*innenbeteiligung über Nachrangdarlehen/Crowdinvestement seien die Bürger*innen wiederum selbst zeitlich befristete Darlehens- oder Fremdkapitalgebende. Dies biete zwar eine feste Verzinsung, gebe jedoch kein Stimmrecht.

Ausblick

Abschließend betonte Jonas Müller, dass Kommunen zur Finanzierung des Klimaschutzes und der Energiewende die Sektorenkopplung stärker in den Fokus nehmen sollten. Dies bedeute, dass Strom aus erneuerbaren Energien auch zur Wärmeerzeugung genutzt und einer großen Anzahl von Haushalten über Fernwärmenetze zur Verfügung gestellt werde. Dadurch würde die Wärmeerzeugung in den einzelnen Haushalten entfallen.
Zudem sei in Zukunft der Flächenmangel eine Herausforderung. Hier sollten zusätzliche Möglichkeiten durch die Doppelnutzungen von Flächen für Landwirtschaft und Photovoltaik (Agri-PV) geprüft werden. Bei dieser Doppelnutzung gebe es bereits gute Praxisbeispiele.

Jonas Müller bot an, die monatliche Sprechstunde der LEA Hessen auch für die Teilnehmenden der Veranstaltung sowie für Nachfragen zu nutzen. Die Beratung erfolge kostenlos.

Diskussion

In der Diskussion wurde die Bedeutung von Dialog und Transparenz bei der Planung von Energieversorgungsprojekten erneut aufgegriffen, da die Akzeptanz von solchen Projekten stark steige, wenn sich für Bürger*innen ein entsprechendes Identifikationspotential anbiete.

Auch einige Details der Bürger*innengenossenschaften wurden angesprochen, insbesondere die Stimmrechtsgewichtung, da pro Mitglied ein Stimmrecht vergeben werde. Dies biete eine Möglichkeit, so die Einschätzung der Diskutierenden, sich auch mit geringen Geldanteilen an Genossenschaften zu beteiligen. Die Mindestbeiträge in den genannten Beispielen lägen zwischen 100 bis 500 Euro und würden in der Regel durch die Genossenschaften selbst festgelegt. In der Diskussion wurde dies insgesamt positiv bewertet, da es immer noch ein sozial verträgliches Konzept sei. Unklar blieb jedoch wie viele Genossenschaftsverbände es bereits gibt, die sich als Netzwerke zu Wärmegenossenschaften zusammenschließen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Impuls: Dr. Henrik Scheller, Deutsches Institut für Urbanistik

Dr. Henrik Scheller vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) stellte die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor, die das difu im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland zur Einrichtung einer „Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz“ durchgeführt hat.

Einführend erläuterte er, dass die Anzahl der Schadensereignisse in immer kürzeren Sequenzen ansteige. Immer noch werde über alle Sektoren hinweg bis zu 70 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen in urbanen Räumen und damit in den Kommunen ausgestoßen, wo sich Klimaprobleme manifestieren. Um bis 2045 die Klimaziele noch erreichen zu können, müsse jegliches Handlungspotential ausgeschöpft werden.

Scheller betonte, dass der kommunale Klimaschutz jedoch nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommunen gehöre. Zudem dürften zwischen Bund und Kommunen keine direkten Finanzbeziehungen bestehen, sodass Bundesmittel den Kommunen lediglich über zeitlich befristete Projektförderungen zur Verfügung gestellt werden könnten. So existiere bundesweit eine für die Kommunen oft unübersichtliche Förderlandschaft mit weit über 200 Programmen für kommunalen Klimaschutz.

Um Möglichkeiten zu finden, wie kommunaler Klimaschutz mit zusätzlichen Mitteln und langfristig finanziert werden kann, wurden in der Studie des difu die Optionen einer neuen im Grundgesetz zu verankernden „Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz“ und eine reformierte Umsatzsteuerverteilung zugunsten der Kommunen gegeneinander abgewogen.

Investitionen und Finanzbedarfe

Zentrale Herausforderung sei, dass die notwendigen klimabezogenen Investitionen vor dem Hintergrund ohnehin bereits großer Investitionsrückstände und zukünftiger Finanzbedarfe in den Kommunen stünden. So habe sich ein wahrgenommener Investitionsrückstand von 186 Milliarden Euro aufgestaut. Davon betroffen seien auch viele Bereiche mit Familienbezug, wie Schulen, Kitas oder Sport (zusammengenommen ca. 43% des Gesamtvolumens).

Finanzbedarfe der Kommunen: Wahrgenommener Investitionsrückstand 2023 © Dr. Henrik Scheller, difu

Finanzbedarfe der Kommunen: Wahrgenommener Investitionsrückstand 2023 © Dr. Henrik Scheller, difu

Der Transformationsbedarf für die Energie- und Wärmewende werde auf zusätzlich 780 Milliarden Euro geschätzt. Über 80% der Kommunen erwarteten steigende Investitionsausgaben für Klimaschutz und -anpassung. Die Kommunen hätten damit nach dem Bund den höchsten Bedarf an Mitteln für Dekarbonisierung und Klimafolgenanpassung.
Um den geschätzten finanziellen Bedarfen für Klimaschutz und –anpassung der Kommunen gerecht zu werden, sei Scheller zufolge eine Verdopplung der Investitionen in diesen Bereich erforderlich. Zusätzlich müssten die Kapazitäten und Kompetenzen zur Umsetzung der Investitionen erhöht werden.

Machbarkeitsstudie: Abwägen zweier alternativer Finanzierungsansätze

Die Machbarkeitsstudie des difu untersuche, wie die notwendigen Finanzierungen für den Klimaschutz den Kommunen ziel- und wirkungsorientiert zugeführt werden können. Zwei Konzepte wurden dafür einander gegenübergestellt: Die Einführung einer neuen „Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz“ im Grundgesetz sowie eine veränderte Verteilung von Umsatzsteuereinnahmen zugunsten der Kommunen.

Vor- und Nachteile einer Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz

Dr. Henrik Scheller erläuterte, dass Mittel einer Gemeinschaftsaufgabe immer zweckgebunden seien. Gemeinschaftsaufgaben seien grundsätzlich stärker durch eine Politikverflechtung charakterisiert, weil die Planung der Mittelvergabe durch Bund und Länder gemeinsam in Koordinierungsausschüssen vorgenommen werde. Diese Struktur ermögliche, dass die Vergabe von Geldern aus der Gemeinschaftsaufgabe an Effizienzkriterien (wie zum Beispiel eine Reduktion von THG-Emissionen) geknüpft werden könne.

Zudem ermögliche eine Gemeinschaftsaufgabe die bedarfsgerechte Verteilung von Mitteln an die Kommunen und beinhalte somit die Möglichkeit, auf ökonomische Strukturschwächen oder besondere Klimaschutzbedarfe einzelner Kommunen einzugehen. Dies wäre der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen deutschen Regionen zuträglich. Gleichzeitig werde mit der wirkungsorientierten Vergabe von Mitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe ein ökonomisch-ökologisch und ökologisch-sozial effizientes Handeln innerhalb der Kommunen befördert, welches im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Ziele gleichberechtigt umsetzt.

Um eine neue Gemeinschaftsaufgabe im Gesetz zu verankern, müsste das Grundgesetz mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament geändert werden.

Vor- und Nachteile einer veränderten Umsatzsteuerverteilung

Mit Bezug auf die Alternative einer angepassten Umsatzsteuerverteilung zugunsten der Kommunen führte Scheller aus, dass die Einnahmen aus der Umsatzsteuer Eigeneinnahmen der Kommunen und somit ungebundene Mittel seien. Das Gesamtaufkommen der Umsatzsteuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen werde durch einfachgesetzliche Regelungen prozentual aufgeteilt. Die Länder verteilten den Anteil der Kommunen nach Einwohner*innenzahl und leiteten diesen an die Kommunen weiter. Dies bedeute, dass eine Verteilung auf Grundlage ökonomischer, ökologischer oder sozialer Kriterien im Rahmen der Umsatzsteuer nicht ausreichend differenziert berücksichtigt werden könne.

Dieses Modell hätte hingegen den Vorteil, dass die Haushaltsautonomie der Kommunen geschützt wäre, da die Mittel den Kommunen ohne weitere Auflagen zur Verfügung gestellt würden. Aus den zusätzlichen Mitteln könnten somit auch Personalkosten getragen werden, was mit Geldern aus der Gemeinschaftsaufgabe nicht möglich wäre. Die mangelnde Verpflichtung zur Verausgabung für Klimaschutz und fehlende Überprüfungsmöglichkeiten stellten allerdings eine Schwäche des Modells dar. Die Änderung der Umsatzsteuerverteilung könne durch eine einfachgesetzliche Regelung herbeigeführt werden und unterliege damit geringeren politischen Hürden als die Einführung einer neuen Gemeinschaftsaufgabe.

Daher käme die Studie laut Dr. Hendrik Scheller zu dem Ergebnis, dass in Abwägung der unterschiedlichen Eigenschaften die Gemeinschaftsaufgabe für nachhaltigen und effizienten kommunalen Klimaschutz die bessere Lösung sei.

Mögliche Umsetzung einer Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz

Für die mit einer Gemeinschaftsaufgabe verbundene notwendige Grundgesetzänderung könne man sich an den rechtlichen Grundlagen der anderen Gemeinschaftsaufgaben im Grundgesetz orientieren.

Die Studie führe zudem verschiedene mögliche Förderschwerpunkte im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe auf, die im Weiteren genauer entwickelt werden müssten. Eine mögliche Variante beinhalte den Ausbau strategischer Kompetenzen in den Kommunen, um hier Kapazitäten für ein effizientes Vorgehen in der Potenzialanalyse, der Umsetzung und dem Monitoring von Klimaschutzmaßnahmen zu erreichen. Eine zweite Variante sehe die Förderung politisch vordefinierter Klimaschutzmaßnahmen vor. Eine dritte Variante sehe vor, dass die Kommunen Förderpauschalen für Klimaschutzmaßnahmen erhielten. Sie könnten dann entscheiden welche Maßnahmen sie umsetzen und müssten die Wirkung in Form der Reduzierung von THG-Emissionen nachweisen. Diese Variante würde die Autonomie der Kommunen am meisten wahren.

Ausblick

Dr. Henrik Scheller fasste zusammen, dass eine „Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz“ ein zentraler Anker für die Klimafinanzierung in den Kommunen werden und an die Stelle der zahlreichen Förderprogramme treten könnte. Dies könnte der Einstieg in eine wirkungsorientierte Pauschalförderung sein. Eine neue „Gemeinschaftsaufgabe kommunaler Klimaschutz“ scheine zudem im Vergleich zu einer umfassenden Reform der Schuldenbremse politisch am ehesten konsensfähig. Wenn auch eine Klimafolgenanpassung Gemeinschaftsaufgabe werden sollte, wäre dies als eigenständige Gemeinschaftsaufgabe zu definieren.

Diskussion

In der anschließenden Diskussion betonte Dr. Henrik Scheller, dass Klimaschutz und Klimafolgenanpassung bislang zu wenig differenziert worden seien. Es handele sich um unterschiedliche Felder mit jeweils unterschiedlichen Handlungsbedarfen. Um diese Trennung nicht aufzuweichen, plädiere er dafür, eine Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zunächst nur für kommunalen Klimaschutz und nicht, wie von anderen Stellen gefordert, für Klimaschutz und Klimaanpassung aufzunehmen.

Diskutiert wurde zudem erneut die Frage der Flächenverteilung und -nutzung. Wie bereits in der vorherigen Diskussion wurde betont, dass der Mangel an Flächen in kommunaler Hand ein Problem darstelle. Flächenländer und Ballungsräume stünden dabei vor unterschiedlichen Herausforderungen. Für die Erzeugung von Windenergie würde zum Beispiel deutlich weniger Fläche benötigt als bei der Solarenergie. Abhilfe könne beispielsweise durch gemeinschaftliche Nutzung von Landwirtschaft und Solar auf einer Fläche geschaffen werden.

Die Instandhaltung von umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen wurde in der Diskussion problematisiert. Auch aus Mitteln einer Gemeinschaftsaufgabe könnten keine Erhaltungskosten finanziert werden. Auch weitere Folgekosten und Personalkosten seien nicht inkludiert. Um dies aufzufangen, müsse auf die bewährten Systeme der Umsatzsteuerverteilung oder auf Finanzausgleichsysteme zurückgegriffen werden.

[1] Bertelsmann Stiftung und Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.) (2024): Die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aus kommunaler Sicht – Bestandsaufnahme und Schlussfolgerungen; Verfasser: Liedloff, Valeska; Scheller, Henrik; Peters, Oliver; Rosenthal, Leon; Haubner, Oliver, S. 27.

22. April, Online: „Gewalt. Prävention und Intervention“, Fachtagung, Fachverband für Psychologische Beratung und Supervision (EkFul), Bundesgeschäftsstelle Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung e.V.

Ein Jahr nach dem Gewalthilfegesetz laden wir Sie herzlich zu unserem Online-Fachtag ein, der sich dem Thema Gewalt als Realität naher Beziehungen widmet. Gemeinsam beleuchten wir die geschlechtsspezifischen Strukturmerkmale von Gewalt, richten den Blick auf den Kinderschutz im Kontext Häuslicher Gewalt und diskutieren Täterarbeit als wirksamen Beitrag zum Opferschutz.

Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Ansätze zur Prävention und Intervention in der Beratung, die Sie in unseren interaktiven Arbeitsgruppen vertiefen und direkt für Ihre eigene Arbeit nutzbar machen können.

Im Programm finden Sie den Tagungsablauf sowie weiterführende Informationen zu Vorträgen und Arbeitsgruppen – entdecken Sie die vielfältigen Impulse unseres Fachtags und wählen die für Sie relevanten Schwerpunkte aus.

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Die Veranstaltung findet Online statt.
Mittwoch, 22. April 2026, von 09:00 – 17:00 Uhr 

Mehr Informationen sowie das Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung unter https://www.ekful.de/2026/03/04/online_ft_gewalt26/

17. April 2026, Vechta / online: „Chancenorientierte Kita-Platzvergabe und Onboarding von Eltern mit erschwertem Zugang“, Dialogveranstaltung des pfv

Wie können Kita-Plätze gerecht vergeben werden – besonders für Familien mit erschwertem Zugang zum Bildungssystem? Und wie gelingt ein guter Start in die Kita für Eltern, unabhängig von z.B. Sprache, Herkunft oder familiären Hintergrund?

Unsere Veranstaltung widmet sich der chancengerechten Platzvergabe und dem kultur- und armutssensiblen Onboarding von Familien. Im Fokus stehen praxisnahe Ansätze für eine faire, transparente Vergabe sowie bewährte Strategien der Elternarbeit. Gemeinsam mit Fachkräften, Trägern und kommunalen Vertreter:innen diskutieren wir, wie Zugangsbarrieren abgebaut und Partizipation gestärkt werden können.

In Anlehnung an Friedrich Fröbel verstehen wir frühkindliche Bildung als gemeinsame Aufgabe von Familie, Fachpraxis und Gesellschaft. Familie ist dabei der erste und wichtigste Bildungsort, in dem das Kind durch Beziehung, Spiel und Nachahmung seine Welt erschließt. Fröbel betonte die enge Verbindung zwischen Elternhaus und öffentlicher Erziehung und sah im Kindergarten einen Raum, der diesen Dialog bewusst stärkt. Familienbildung und eine dialogische Zusammenarbeit mit Eltern sind deshalb kein „zusätzliches Angebot“, sondern ein Kernauftrag frühpädagogischer Praxis.

Drei kurze Inputs sorgen für Einblicke und Anregungen, u.a. aus der Arbeit eines Familienzentrums sowie von Familienbegleiterinnen aus Osnabrück. Der Fokus liegt auf praxisnahen Ansätzen, fachlicher Diskussion und der Entwicklung von Handlungsoptionen, um Zugangsbarrieren abzubauen und Partizipation zu fördern.

Impulse:             

  • Strukturelle Armutsprävention in Barsinghausen – Die sozialraumorientierte Kita-Platzvergabe führt zu mehr Teilhabe! Réne Beck, Stadt Barsinghausen
  • Ohne Beziehung geht es nicht– Beziehung als Schlüssel zu Zugang. Karina Hooper und Karina Kosbab, Familienbegleiterinnen Stadt Osnabrück
  • Zugang, Vertrauen, Teilhabe: Familienzentren als Brücke zu Bildung. Sandra Köper-Jocksch, nifbe

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Die Veranstaltung findet hybrid statt.
FREITAG, 17. April 2026, von 09:00-12:00 Uhr

Adresse: Uni-Vechta, Driverstraße 22, 49377 Vechta im R-Gebäude Raum R005/ digital

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Pestalozzi-Fröbel-Verbands.

12. März 2026, online: „Unterwegs mit Kind und Kegel: Klimagerechte Mobilität für Familien“, Gesprächsveranstaltung von eaf und FDK

12. März 2026, 11:00-12:30 Uhr, online

Gemeinsame Online-Gesprächsreihe von eaf und Familienbund 
„Gutes Klima für Familien: Wie gestalten wir eine familiengerechte und soziale Klimawende?“ 

Als Einstieg in das Thema wird uns Nils Löster (Referent Verkehrspolitik, NABU) die Arbeit des „Bündnisses sozialverträgliche Mobilitätswende“ vorstellen und Alexander Kaas Elias (Sprecher für Bahn, ÖPNV und Multimodalität, VCD Verkehrsclub Deutschland e.V.) ergänzt mit praktischen Impulsen und Ideen des VCD für klimagerechte Mobilität von Familien.

Wir möchte mit Ihnen und euch unter anderem folgende Fragen diskutieren:  

  • Wie sind Haushalte und Familien aktuell in Deutschland unterwegs? Und was muss sich beim Verkehr ändern?
  • Wie kann Familien die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel erleichtert werden und was macht insbesondere den ÖPNV für Familien attraktiv?
  • Welche unterschiedlichen Lösungen braucht es in Stadt und Land? Welchen Stellenwert wollen wir künftig dem Individualverkehr geben, auf den bisher viele Familien angewiesen sind?
  • Wie können Mobilität und familienrelevante Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Wohnen, Arbeiten und Einkaufen zusammengedacht werden? 

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf den Webseite der eaf.

Netzwerktreffen des Bundesforums Familie „Die öko-soziale Frage im Familienalltag“ 16. Oktober 2024

Wie kann die öko-soziale Transformation gelingen? Wie können die zukünftigen gesellschaftlichen und finanziellen Belastungen, die durch Maßnahmen für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung entstehen, gerecht verteilt werden? Diese und weitere Fragen diskutierten rund 30 Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen auf dem diesjährigen Netzwerktreffen in Berlin.

Die Fragestellungen, die auf dem Weg zu einer sozial-ökologischen Transformation auftauchen, sind vielschichtig und verlangen einen interdisziplinären Zugang. Daher lud das Bundesforum Familie Expert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen ein, ihre Perspektive auf zukünftige Entwicklungen und aktuelle Notwendigkeiten zu teilen. Eine sozialpolitische Perspektive nahm Prof. Dr. Frank Nullmeier vom Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung der Universität Bremen ein. Dr. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung trug durch seinen Input zur Klimaprämie mit einer ökonomischen Perspektive bei. Jana Holz, Mitglied der Nachwuchsforschungsgruppe „Mentalitäten im Fluss“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena, stellte die Ergebnisse einer soziologischen Studie vor, die die Mentalitäten verschiedener Bevölkerungsgruppen beforscht. Im anschließenden Workshop wurde der Fokus auf die eigenen Handlungsspielräume gerichtet. Welche Rollen und Aufgaben können familienpolitische Akteure in einer sozial-ökologischen Transformation übernehmen?

Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen

„Wie kann eine Integration von Ökologie und Sozialpolitik aussehen? Neue Risiken, Ökosozialversicherung und Politik des Genug“

Prof. Dr. Frank Nullmeier (Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Universität Bremen) ging in seinem Vortrag auf die Idee einer Ökosozialversicherung ein, skizzierte zukünftige neue Risiken und stellte das Prinzip einer „Politik des Genug“ vor.
Er betonte, dass bisher noch keine wirkliche Integration von klima- und sozialpolitischen Maßnahmen bestehe. Zum Beispiel lasse die CO2- Bepreisung keinen unmittelbaren Zusammenhang der politischen Maßnahmen in den Bereichen Klima- und Sozialpolitik erkennen und es fehle ein sinnvoller und umsetzbarer Auszahlungsmechanismus. Daher werde die politische Wirksamkeit eines Klimageldes sowie dessen Sinnhaftigkeit selbst von Unterstützer*innen mehr und mehr hinterfragt. Auch würden zukünftige höhere Gesundheitsrisiken, verursacht durch Hitze, Kälte oder veränderte Wetterlagen und Lebensbedingungen, die Krankenversicherungen stärker belasten. Auch weitere Sicherungssysteme, wie die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung würden für Einkommenseinbußen aufgrund von Klimafolgen betroffen sein. Für eine Anzahl klimabedingter Risiken bestünden derzeit überhaupt keine institutionellen Strukturen und es gebe dazu bisher keine sozialpolitische Antwort.

Angesichts des Klimawandels und damit verbundenen neuen Risiken sowie sozialer Ungleichheit sei es notwendig, integrative Ansätze zu entwickeln, die sowohl ökologische Nachhaltigkeit als auch soziale Gerechtigkeit fördern. Mögliche Wege zur Integration dieser beiden Politikfelder beschrieb er mit dem Konzept einer Ökosozialversicherung.

Prof. Dr. Frank Nullmeier vor einem Stehpult

I. Ökosoziale Risiken

Prof. Dr. Frank Nullmeier erläuterte, dass der Klimawandel neue Risiken mit sich bringe, die sowohl ökologische als auch sozialpolitische Folgen hätten und eine Reaktionsfähigkeit des gesellschaftlichen Systems erforderten. Teilweise führten auch die klimapolitischen Maßnahmen selbst zu weiteren sozialen Ungleichheiten. Eine integrierte Politik müsse diese Risiken ganzheitlich betrachten. Dafür brauche es eine systematische Bearbeitung im Rahmen einer gesamtgesellschaftlichen Lösung, die die Kosten eines Schadeneintritts bzw. des Ausgleichs von Präventionsmaßnahmen, finanzielle Mehrbelastungen und Umverteilungen absichere. Für Investitionsrisiken, die durch ökologische Anpassungs-und Transformationspolitik entstünden, müsse es auch sozialpolitische Lösungen geben.

II. Ökosozialversicherung

Das Konzept der Ökosozialversicherung, stelle dafür eine Integration sozial- und klimapolitischer Maßnahmen dar. Ziel sei es, mit ihr das Risiko zu versichern, durch Klimaschutzmaßnahmen bzw. Klimawandelfolgen in seiner Einkommens-und Vermögenssituation stark beeinträchtigt zu werden. Sie biete sowohl präventive Leistungen als auch kompensatorische Leistungen. Sie könne auch eine Elementarschadensversicherung für Hausbesitzer*innen umfassen, da Lösungen auf der Ebene der Privatversicherungen gescheitert seien.
Die Finanzierung einer solchen Ökosozialversicherung, so Nullmeier, könne zum einen über Einnahmen aus dem CO2-Emisssionshandel und zum anderen, analog zur Sozialversicherung, über Beiträge erfolgen. Die Integration von Sozialversicherungen in die Klimasozialpolitik biete einige Vorteile, wie zum Beispiel die klare Definition von Risiken und solidarische Leistungen. Eine Pflichtmitgliedschaft verhindere Free-Rider-Möglichkeiten. Würde die Organisation über eine öffentlich-rechtliche Körperschaft organisiert, könnten die klimasozialen Transfers (-leistungen) und Kompensationen von der direkten Staatsverwaltung abgekoppelt werden. Eine eigenständige Sozialversicherung biete andere Möglichkeiten als einzelne klimapolitische Maßnahmen und deren sozialpolitische Abfederung über den Bundesetat.

III. Politik des Genug

Prof. Dr. Frank Nullmeier brachte zum Abschluss das Konzept der „Politik des Genug“ ein. Langfristig müsse das Ziel sein, die Lebensweise in dieser Gesellschaft zu ändern. Das Freiheitsverständnis einer ökologisch-sozialen Transformation könne daher nicht ein individualistisches sein, vielmehr sei Freiheit eine soziale Freiheit, eine wechselseitige und gegenseitige Freiheit.

„Wenn jeder grundlegendere Eingriff in die heute vorherrschenden Lebensweisen als ‚Verzicht‘ und ‚Freiheitsverlust‘ stigmatisiert werden kann, ist ein Erreichen der Klimaziele völlig ausgeschlossen.“

In diesem Zusammenhang betonte er, dass ein gesellschaftlicher Diskurs über das „Genug“ notwendig sei. Dies beinhalte 1. eine Vermeidung des Zuwenig, 2. die Verringerung des Zuviel und 3. eine Orientierung auf ein Genug für alle. Er kritisierte, dass derzeit das Grundgesetz durch ein radikal-individualistisches Freiheitsverständnis interpretiert werde. Stattdessen forderte er eine Politik des Genug, die eine Orientierung an dem sozial Angemessenen und einem nachhaltigen Lebensstil beinhalte, der durch eine entsprechende öffentliche Infrastruktur ermöglicht werden müsse.
Als letztes Mittel müsse diese Politik des Genug ggf. auch durch Gesetze und Verbote umgesetzt werden. Es gelte also, die Lebensweise dem Klimaschutz und Klimawandel anzupassen und dabei gleichzeitig die Pluralität von Lebensweisen zu erhalten

„Sozialer Ausgleich im Klimaschutz: Wie gelingt die Einführung eines Klimageldes in Zeiten knapper Haushalte?“

Dr. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte die neuesten Forschungsergebnisse zur Klimaprämie vor, die das DIW am selben Tag in seinem Wochenbericht veröffentlicht hatte. Ausgangspunkt der Untersuchung sei die begründete Prognose, dass sich durch den Übergang vom nationalen zum europäischen Emissionshandel ab 2027 die Preise für Kohlendioxid (CO2) deutlich erhöhen werden. Diese Entwicklung träfe insbesondere einkommensschwächere Haushalte, die im Durchschnitt einen höheren Anteil ihres Nettoeinkommens für Energie und Mobilität ausgeben als Besser- und Hochverdienende. Das läge auch daran, dass ärmere Haushalte oft nicht den Spielraum hätten, ihren Energieverbrauch zu reduzieren. So könne z.B. eine Familie in einer schlecht gedämmten Mietwohnung weniger einsparen als in einem neu gebauten Niedrigenergiehaus. So würde die CO2-Bepreisung ohne eine finanzielle Entlastung die eh schon bestehende ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland noch befördern. Dr. Stefan Bach stellte davon ausgehend die Frage, wie diese erwartbaren Mehrbelastungen durch die Einführung eines Klimageldes etwas abgeschwächt werden könnten und welche politischen und ökonomischen Weichen dafür gestellt werden müssten. Die vorgestellte Studie berechne Möglichkeiten, wie die Klimaprämie auf verhältnismäßig stärker belastete Haushalte ausgerichtet werden könnte.

Infografik des DIW

Quelle: DIW Berlin

Bei der Gestaltung des Klimageldes gehe es oft um die prinzipielle Frage: Gießkanne oder passgenaue Auszahlung? Der Vorschlag des DIW, so Dr. Stefan Bach, versuche beides: Eine pragmatische und unbürokratische Pro-Kopf-Klimaprämie für alle Einwohnenden, da eine Einkommensdifferenzierung bei der Auszahlung zu aufwändig wäre. Um die erwähnten Ungleichheiten auszugleichen, schlage das DIW eine nachträgliche Belastung der Klimaprämie im Rahmen der Lohn- und Einkommensteuerverfahren vor. So könne die Klimaprämie bei mittleren Nettoeinkommen über ein Einkommensintervall von 10000 Euro im Jahr linear abgeschmolzen werden. So würden die ärmeren Haushalte von der gesamten Prämie von etwa 129,04 € profitieren, während dieser Betrag bei den reichsten 30 Prozent, d.h. den Besser- und Hochverdienenden komplett abgeschmolzen werde. Die dadurch frei werdenden Mittel könnten für zusätzliche Hilfen und Förderprogramme zur Dekarbonisierung genutzt werden. Eine so gestaltete Klimaprämie könnte nicht nur die Bevölkerung vor einer wachsenden sozialen Ungleichheit bewahren, sondern auch für eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen sorgen.

Im Anschluss wurde rege diskutiert, inwieweit ein Betrag von 129,04 € überhaupt zu einer Entlastung führen könne und inwiefern ein Klimageld mehr politische Signalwirkung als tatsächliche Hilfe sei. Dass ein Klimageld zwar versprochen, aber nicht umgesetzt wurde, gefährde den gesellschaftlichen Rückhalt für Klimaschutzmaßnahmen. Das Prinzip „Förderung vor Forderung“, das eben davor bewahre, Mehrbelastungen ohne einen Ausgleichsmechanismus einzuführen, sei hier bisher missachtet worden.

„Familien und die sozial-ökologische Transformation. Soziologische Einblicke in Mentalitäten und Einstellungen“

Jana Holz („Mentalitäten im Fluss. Vorstellungswelten in modernen bio-kreislaufbasierten Gesellschaften – flumen“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena) stellte die Arbeit der flumen-Nachwuchsforschungsgruppe vor, die vorranngig soziale Positionen, Mentalitäten und politische Konflikte in der sozial-ökologischen Transformation untersuche. Der Bericht zur vollständigen Studie stehe als Link und Download zur Verfügung. Die qualitative und quantitative soziologische Forschung basiere auf einer repräsentativen Studie mit 4.000 Personen im Winter 2021/22 und fragte nach deren Einstellungen zu Themen der sozialökologischen Transformation (z.B. Wachstums-, Staats- und Naturorientierung, sozialer Wandel etc.), ihren sozial-ökologische Alltagspraktiken (z.B. politische Aktionen, Mobilität) sowie ihrem sozialen Hintergrund und Sozialraum (Einkommen, Beruf, Geschlecht, Bildung etc.). Die Umfragen seien vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine durchgeführt worden, heute würden die Ergebnisse vermutlich etwas anders ausfallen, schätzte Jana Holz.  Die Ergebnisse der Studie zeigten drei Spektren sozial-ökologischer Mentalitäten mit vielfachen Konfliktlinien:

  • ein öko-soziales Spektrum: zeige eine grundsätzliche Zustimmung sowie proökologische und Wachstumskritische egalitäre Einstellungen.
  • ein konservativ-steigerungsorientiertes Spektrum: tendiere zur Erhaltung des eigenen erreichten Wohlstandes.
  • ein defensiv-reaktives Spektrum: zeige dagegen ablehnende und feindliche Haltungen, welche eine Transformation eher als Bedrohung wahrnehme

Jana Holz skizzierte für das Netzwerktreffen diese Ergebnisse im Hinblick auf Mehr-Eltern gegenübern Ein-Eltern-Haushalten (Alleinerziehende). Sie erläuterte, es sei nicht explizit nach dem Familienstand gefragt worden. Dieser könne jedoch auf der Grundlage des erfragten Haushaltseinkommens sowie der angegebenen Anzahl der Kinder unter 15 Jahren eingegrenzt werden. Gefragt wurden nach denen im Haushalt lebenden Personen und deren Einkommen, um das Äquivalenzeinkommen (Einkommen pro Person im Haushalt) sowie die Erwerbstätigkeit zu ermitteln.

Jana Holz am Stehpult

Ergebnisse
Insgesamt sei jeder Einstellungstypus, „öko-soziales Spektrum“ „konservativ-steigerungsorientiertes Spektrum“ sowie „defensiv-reaktives Spektrum“ unter Mehr-Eltern sowie Ein-Eltern-Haushalten breit gestreut verteilt und zeige wenige Konzentrationen. Relevante Ergebnisse zeigten sich insbesondere entlang der finanziellen Unterschiede der Gruppen: So waren in Haushalten mit Kindern Mentalitäten aus dem „harmonistischen Konformismus“-Typ überdurchschnittlich häufig, während „ökosoziale Reduktion“ deutlich seltener vertreten sei, als dies im Durchschnitt aller Befragten vorkomme. Bei Alleinerziehenden sei der Typ „Ökosoziale Reduktion“ am wenigsten von allen Gruppen vertreten. Regressive Veränderungsaversion“ seien jedoch doppelt so häufig wie dies im Durchschnitt vorkomme. Hier gebe es eine Korrelation in der Zustimmung zur sozial-ökologischen Transformation: bei Alleinerziehenden sei eine signifikante geringere Zustimmung zu erkennen. In der Befragung nach den Einstellungen zum Leistungsdenken, zum Postwachstum sowie zu höheren Preisen für erneuerbare Energien ergaben sich unterschiedliche Ergebnisse für Mehr-Eltern-Haushalte mit Kindern und Ein-Eltern-Haushalte mit Kindern. Die Einstellungen beider Gruppen seien wohlstandsorientiert. Auch Fragen zum Leistungsgedanken wurden hier von beiden Gruppen eher kritisch gesehen.
Zu vermuten sei, dass insbesondere Ein-Eltern-Haushalte in einer Leistungsorientierung erneut starke Belastungen sehen. Fragen zu einem Wirtschaftswachstum wurde hingegen von Mehr-Eltern gegenüber den Ein-Eltern-Haushalten mit Kindern deutlich positiver bewertet.
In allen Haushalten mit Kindern werde es scheinbar oft besonders schwer empfunden ein sozial-ökologisch bewusstes Leben zu führen. Ein-Eltern-Haushalte hätten hingegen, oft durch fehlende finanzielle Mittel, den mit Abstand geringsten CO2-Fussabdruck. Mehr-Eltern Haushalte mit Kindern hingegen eher einen hohen CO2 Fußabdruck. Das zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen spiele für diese Entscheidungen und Einstellungen demnach eine große Rolle. In den Konflikten zur sozial-ökologischen Transformation seien Kinder also nur ein Faktor von vielen. Ökonomische Zwänge und gesellschaftliche Normen seien hingegen relevanter. Soziale und finanzielle Lasten erschweren somit zusätzlich eine Mehrheitsfähigkeit des Projekts einer sozial-ökologischen Transformation.

Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der flumen-Studie legten nahe, dass für eine sozial-ökologische Transformation derzeit schwer demokratische Mehrheiten zu gewinnen seien. Wichtig sei es daher, Handlungsvoraussetzungen zu schaffen und gesellschaftliche Bedingungen so zu verändern, dass Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitskriterien, auch durch entsprechende Umverteilung, zum Standard werden. Damit einhergehend sei mit entsprechendem Widerstand gerade aus dem konservativ-steigerungsorientiertem Spektrum zu rechnen. Jana Holz schlussfolgerte, dazu brauche es neue politische Ansätze:  

  • Umverteilung– weniger private, mehr öffentlich/gemeinnützige Daseinsvorsorge
  • Ausbau von allgemein zugänglichen öffentlichen Infrastrukturen
  • Suffizienz– nötig seien auch absolute Obergrenzen
    • es müsse einen Bruch mit der Steigerungslogik geben
    • eine Verständigung darauf, was es für gutes Leben braucht
  • eine Politik der Internalisierung, diese solle nicht eng ökonomisch, sondern eher als weitreichender Umbau von Lebensweisen, sozialer Arbeitsteilung, Macht-und Herrschaftsverhältnissen gesehen werden
  • notwendig sei weiterhin eine demokratische Partizipation

Kritisch stand Jana Holz technokratischen Konzepten, marktlicher Steuerung und wissenschaftlicher Aufklärung für „Akzeptanz“ gegenüber; sie stärkten die bereits entstandene Entfremdung zu Transformationsprozessen weiter. Eine Transformation müsse daher partizipativ und an lokale Bedürfnisse anpassbar organisiert werden. Notwendig sei es, Möglichkeiten für alternative Sichtweisen, Kritik und Gegenvorschläge zu schaffen. Eine Möglichkeit dafür sei, so schloss sie, zum Beispiel die Initiierung von Bürgerräten.

Elena Gußmann präsentiert den Stand des Projekts

Diskussion

In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Aspekte eingehender diskutiert. Beim Thema Ökosozialversicherung fragten sich die Teilnehmer*innen, wie eine individuelle Risikoabsicherung (wie sie derzeit über die Sozialversicherungssysteme bestünde), zu einer sozial gerechten gemeinsamen Risikoabsicherung umgestaltet werden könnte. Hierbei wurde die aktuelle Risikoabsicherung kritisiert, die zu sehr am Status quo orientiert sei und damit der Logik „Wer hat, dem wird gegeben“ folge. Es müsse daher eine Umstrukturierung stattfinden und bereits bestehende individuelle Risikoabsicherungen berücksichtigt werden.
Sehr intensiv wurde um den Ansatz „Politik des Genug“ debattiert. Wie kann ein im Diskurs überbetontes individuelles Freiheitsverständnis mit einer kollektiven, gesellschaftlichen Beziehungsfreiheit ins Verhältnis gesetzt werden? Betont wurde die Notwendigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses, der im Gegensatz zu einem bloßen Propagieren von Zerrbildern und Neidunterstellungen stehen würde. Es müsse deutlich werden, dass zukünftige Risiken die Gesellschaft als Ganzes, und damit jedes Individuum betreffe.
Diskutiert wurde in dem Zusammenhang, wie der Wandel zu einer ökosozialen Lebensweise geschaffen werden könnte. Fraglich sei, wie Anreize dazu entwickelt werden könnten, wenn zum Beispiel die sozialen Ausgleichsmechanismen durch steigende Lebenshaltungskosten amortisiert würden. So bestünde die Gefahr, dass ein ökosozialer Lebensstil und eine nachhaltige Landwirtschaft Kostensteigerungen zur Folge hätten, die sich viele Menschen nicht leisten könnten.

Das Klimageld gilt als ein mögliches Instrument, um diese Anreize zu schaffen und den Transformationsprozess zu unterstützen. Die CO2-Steuer, als ökologisches Steuerungsinstrument, sei wichtig und richtig. Die Rückzahlung der Einnahmen über das Klimageld zur Abfederung nachteiliger Effekte auf sozialer Ebene sei jedoch nur dann sinnvoll, wenn dies einen ausreichenden Umverteilungseffekt bei höherem Verbrauch in gutverdienenden Haushalten haben würde. Dies führe zur Frage einer Klimageldanpassung: das Klimageld sei entweder sozial (Verteilungsschlüssel) oder regional (durch klimatische Betroffenheit) zu staffeln. Darauf hingewiesen wurde, dass bei der Einführung der Ökosteuer ähnliche Diskussionen geführt worden waren. Jedoch sei die Grundproblematik, dass Transformationen oft zunächst Kosten verursachen. Diese zu finanzieren fehlten an anderer Stelle und müssten anderweitig ausgeglichen werden. Das Klimageld in Kombination mit der CO2-Bepreisung könne zwar einen sinnvollen Beitrag leisten, zusätzlich müssten jedoch bessere Anreize geschaffen werden, um z.B. energetische Sanierungen zu sichern. Auch sollte in verbesserte Infrastrukturen investiert werden, um eine klimagerechte Stadt zu schaffen.

Im zweiten Teil des Netzwerktreffens diskutierten die Teilnehmer*innen die Dimensionen der sozialökologischen Transformation in den eigenen Verbänden. Ausgehend von den Berührungspunkten, die es in der eigenen Organisation mit der sozialökologischen Transformation gibt, wurde diskutiert, welche gemeinsamen Schlussfolgerungen gezogen werden könnten. Ideen, welche Verbindungen und Netzwerke entwickelt werden müssten, wurden gesammelt. Überschneidungen von Klima-, Familien- und Sozialpolitik seien deutlich geworden. Zu vielem gebe es in den Verbänden bereits Ansätze und Ideen. Als eigener Beitrag zur sozialökologischen Transformation werde mitgenommen, sich auch den Themen Umweltbildung und Klima noch mehr zu widmen sowie Familienleistungen und Familien als Akteure sichtbarer zu machen.

17. Dezember 2025, online: „Frühe Hilfen und Kindertagesstätten – Kooperation im Aufwachsen“, Online-Veranstaltung des Paritätischen

In der Inforeihe Kinder, Jugend und Familie

17. Dezember 2025, 12:00 – 13:30 Uhr

Welche Gemeinsamkeiten von Frühen Hilfen und Kindertagesstätten prägt die Unterstützung und Förderung von Kindern unter drei Jahren und deren Eltern? Inwieweit taugt der frühkindliche Bildungsbegriff als programmatische Klammer für eine interinstitutionelle und multiprofessionelle Kooperation? Wie gestaltet sich die konkrete Umsetzung der Kooperation? Welche Perspektiven ergeben sich daraus? – In einer partizipativ angelegten Infoveranstaltung sollen aus den Frühen Hilfen heraus Anknüpfungspunkte zu den Kindertagesstätten analysiert und vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen diskutiert werden.

An der Veranstaltung wirkt mit:
Prof. Dr. phil. Jörg Fischer, stellvertret. Vorsitzender des Beirats der Bundesstiftung Frühe Hilfen und des NZFH

Für die Teilnahme an der Fachveranstaltung werden keine Beiträge erhoben.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Paritätischen.

10. Dezember 2025, online: „Wann ist es genug? Familienleben zwischen Wohlstandsidealen und Nachhaltigkeit“, Online-Gesprächsveranstaltung von eaf und Familienbund der Katholiken

10. Dezember 2025, 11:00-12:30 Uhr
Astrid Hake, Referentin Politik beim Netzwerk Eine Erde 

Im Rahmen der gemeinsamen Online-Gesprächsreihe von eaf und Familienbund 
„Gutes Klima für Familien: Wie gestalten wir eine familiengerechte und soziale Klimawende?“ 

Passend zur Weihnachtszeit wollen wir gemeinsam über Konsum sprechen und darüber nachdenken, wie wir ein ökologisch und sozial vertretbares Maß finden: Wie schaffen wir es, dass die Ressourcen der Erde für alle reichen? Wieviel ist genug? Was bedeutet Wohlstand und ein gutes Leben für Familien? Wer kann sich ein Weniger überhaupt leisten? Wie lässt sich über Verzicht sprechen und was lässt sich damit gerade für Familien gewinnen?

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung (ab Anfang Dezember) finden Sie auf der Website der eaf.

27.11.2025, online: „Kinderrechte verteidigen!“, Online-Veranstaltung der AGJ

Europäische Strategien gegen rechtspopulistische und rechtsextremistische Narrative und Angriffe auf die Zivilgesellschaft

27.11.2025, 9.00-11.00 Uhr

Eine Gemeinsame Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ und der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention

In vielen europäischen Ländern, auch in Deutschland, haben rechtspopulistische und rechtsextremistische Akteure spürbaren gesellschaftlichen und politischen Einfluss gewonnen. Die politischen Debatten und öffentlichen Diskurse verändern sich tiefgreifend. Kinderrechte geraten dabei zunehmend unter Druck: Statt die in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten individuellen Rechte jedes Kindes anzuerkennen, wird Kindheit zunehmend im Sinne nationalistischer, identitärer und bevölkerungspolitischer Zielsetzungen instrumentalisiert. 

Mit dieser Veranstaltung möchten die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ und die National Coalition Deutschland auf diese Entwicklungen aufmerksam machen und ihre Auswirkungen auf Kinderrechte und Kinderrechtsarbeit in Europa adressieren. Im ersten Teil der Veranstaltung werden Strategien, aktuelle Diskursverschiebungen und Anti-Rights-Bewegungen aus deutscher und europäischer Perspektive analysiert sowie ihre Auswirkungen auf die Verwirklichung von Kinderrechten beleuchtet. Anschließend kommen Vertreter*innen aus europäischen Institutionen zu Wort: Vorgestellt werden die geplante Europäische Beobachtungsstelle für Kinderrechte sowie Ansätze und Unterstützungsinstrumente der Jugendabteilung des Europarats zur Stärkung junger Zivilgesellschaft in Europa. 

Im dritten Teil öffnen wir den Raum für ein gemeinsames Gespräch mit allen Gästen: Welche Strategien können Fachkräfte, Organisationen und Institutionen entwickeln, um Kinderrechte und demokratische Räume wirksam zu stärken? Wo liegen Handlungsspielräume – und wie können wir sie gemeinsam nutzen? 

Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Mitarbeitende aus Verwaltung und Politik sowie an Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, die Kinderrechte in einem herausfordernden gesellschaftlichen Klima aktiv umsetzen und schützen möchten.

Hinweis zur Sprache 

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt. Es steht eine KI-basierte Live-Untertitelung mit Übersetzungsfunktion zur Verfügung. Beiträge und Fragen können sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch gestellt werden – im Chat oder mündlich. Wir unterstützen auf Wunsch gern bei der Übersetzung. 

Anmeldung

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung (bis spätestens 25.11.2025) finden Sie auf der Website der AGJ.

14. November 2025, Frankfurt a. M.: „Donnerwetter: Wieso muss ich die blöde Jacke im Sommer anziehen?“, Seminar des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband

Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit Kindern besprechen – Seminar für pädagogische Fachkräfte

Zielgruppe: Mitarbeitende aus Kindergarten und Horteinrichtungen, Multiplikator:innen der Eltern- und Familienbildung und am Thema Interessierte

Der Klimawandel ist inzwischen deutlich zu spüren. Nicht nur in anderen Ländern, sondern direkt vor unserer Haustüre und in unserem Alltag. Immer mehr Starkwetterereignisse (Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen, etc.) prägen unser Leben. Die durch den Klimawandel ausgelösten Probleme werden nicht von selbst verschwinden, weswegen es wichtig ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen und Lösungen zu finden. Damit der Klimawandel verlangsamt wird und die Welt noch lange lebenswert bleibt, sollten wir Kindern schon früh ein Bewusstsein für die Ursachen des Klimawandels und die Möglichkeiten einer nachhaltigen Lebensweise zu vermitteln. Wir Erwachsene und auch unsere Kinder müssen durch unser Konsumverhalten, unseren Energieverbrauch und unser Verhalten im Alltag einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

In diesem Methoden-Seminar sollen Möglichkeiten vermittelt werden, Kinder an die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit heranzuführen sowie konkrete Handlungsweisen für den Alltag in den Einrichtungen und zu Hause zu erarbeiten. Wir besprechen und erproben praxisnahe und niedrigschwellige Methoden, Experimente und Kleinprojekte, die mit Kindern in der pädagogischen Praxis durchgeführt werden können.

Teilnahmebeitrag: 155,- € inkl. Seminargetränke und Kuchen am Nachmittag

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband.

4. November 2025, Berlin: Netzwerktreffen des Bundesforums Familie „Mit Blick auf die Zukunft“: Generationengerechtigkeit in der sozial-ökologischen Transformation

10:30-16:00 Uhr | Ankommen und Begrüßungskaffee ab 10:00 Uhr
Hotel Grenzfall, Ackerstr. 136, 13355 Berlin

Das diesjährige Netzwerktreffen des Bundesforums Familie steht an der Schwelle zwischen Rückschau und Ausblick. Zum Ende der Themenperiode „Familien und Klima“ wollen wir Bilanz ziehen über die Impulse, Diskussionen und Ergebnisse der Arbeit der letzten zwei Jahre. Gleichzeitig richten wir den Blick in die Zukunft: Mit einem Vortrag zur Generationengerechtigkeit im Klimawandel nimmt Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel Bezug auf die Ergebnisse der Themenperiode und gibt Impulse für die abschließende Diskussion. Dabei wollen wir Schlussfolgerungen darüber ziehen, wie Familien in der Klimatransformation gestärkt werden können und welche Stellung dabei die Belange der kommenden Generationen haben. Zum Abschluss der Themenperiode wollen wir diskutieren, wo die Arbeit des Bundesforums Familie zum Thema „Familien und Klima“ ein Wegweiser sein kann, und wo noch weitergedacht werden kann.

Im Anschluss an den thematischen Abschluss findet die Wahl des neuen Beirats des Bundesforums Familie statt sowie am Nachmittag die Wahl des Schwerpunkts der neuen Themenperiode 2026/2027.

Da die Entscheidungen auf Grundlage der Diskussionen auf der Veranstaltung getroffen werden sollen, finden die Stimmabgaben wie auch in den letzten Jahren persönlich und in Präsenz während des Netzwerktreffens statt. Eine Person pro Mitgliedsorganisation ist stimmberechtigt.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 31.10.2025 über das untenstehende Anmeldeformular an.

Anreise

Wenn Sie nach Berlin zur Veranstaltung anreisen, bemühen wir uns, Sie bei den Reisekosten zu unterstützen. Damit wir die Möglichkeiten dafür besser abschätzen können, geben Sie bitte bereits möglichst frühzeitig im Anmeldeformular Ihre ungefähren Reisekosten an. Sollten Sie ein Hotelzimmer benötigen, setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung. Bitte denken Sie daran, dass wir hinsichtlich der Reisekosten teilweise recht spezielle Vorschriften beachten müssen, die sich aus unserer Zuwendungsbewilligung ergeben und gegebenenfalls auch vom Bundesreisekostengesetz abweichen.
Merkblatt Reisekosten
Hinweise zur Anreise zum Hotel Grenzfall
Hinweise zur barrierefreien Anreise

Ablauf

Programm zum Download

10:00-10:30 Ankommen und Begrüßungskaffee
10:30-10:40 Begrüßung
10:40-12:00 Inhaltlicher Abschluss der Themenperiode mit Vortrag und Diskussion
12:00-13:00 Wahl der neuen Beiratsmitglieder
13:00-13:45 Mittagsimbiss
13:45-15:15 Vorstellung und Diskussion der Themenvorschläge für den Schwerpunkt 2026/2027
15:15-15:30 Kaffeepause
15:30-16:00 Abstimmung mit Klebepunkten, Auswertung und Verkündung des Ergebnisses
16:00 Ende der Veranstaltung

Anmeldung

18. Oktober 2025, Bremen: „Eltern am Limit – Belastungen von Eltern mit Kita-Kindern“, Fachtag der Bundeselternvertretung KiTa (BEVKi)

Immer mehr Eltern fühlen sich gestresst, überlastet oder sogar ausgebrannt. Fehlende Betreuungsplätze, schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie und unzureichende Unterstützung im Alltag setzen Familien unter Druck. Viele leiden unter zusätzlichen „Stressfaktoren“ und versagenden Strukturen.  
 
Genau darum geht es bei dem bundesweiten Fachtag der BEVKi am 18.10.2025 von 13:00 bis 18:00 Uhr im Martinsclub Bremen:  
Die BEVKi lädt ein zu fachlichem Austausch, zur Diskussion verschiedener Perspektiven und zur Vernetzung untereinander. Ziel ist es, Belastungen sichtbar zu machen, Verständnis zu schaffen und strukturelle Veränderungen anzustoßen. 
 
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der BEVKi. Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Die Anmeldung ist möglich bis zum 30.09.2025 unter diesem Link.
 

09./10. Oktober 2025, Berlin: Barcamp Nachhaltigkeit und Klimaresilienz des AWO Bundesverbands

Um innovative Ansätze gemeinsam zu erkunden und weiterzuentwickeln, veranstalten der Bundesverband und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) am 9. und 10. Oktober ein Barcamp zu Nachhaltigkeit und Klimaresilienz in der Wohlfahrtspflege. Das partizipative Format bietet Infos aus Projekten, gibt Impulse und ermöglicht es Teilnehmenden aus verschiedenen Organisationen, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Zusammen stark durch heiße Zeiten – mit Ideen, die bewegen

Die Klimakrise ist ungerecht. Diejenigen, die am wenigsten zu ihr beitragen, leiden oft am stärksten unter den Folgen und haben zugleich wenig Ressourcen, um sich zu schützen. Die AWO und KLUG setzen sich seit Jahren für eine klimagerechte und gesunde Zukunft ein – in der Wohlfahrtspflege und darüber hinaus. Der Bundesverband unterstützt die Verbände und Einrichtungen der AWO auf ihrem Weg zur Klimaneutralität bis 2040. Projekte wie Klimafreundlich pflegen, Hitzeresiliente und Gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege (HIGELA) und KidZ – köstlich in die Zukunft waren dabei wichtige Impulsgeber. Anlässlich des Abschlusses von HIGELA und KidZ möchten wir mit den Barcamp-Teilnehmenden über den Weg der Freien Wohlfahrtspflege zur Klimaneutralität und -resilienz sprechen sowie innovative Methoden und Ansätze aus verschiedenen Arbeitsbereichen kennenlernen.

Veränderungen gelingen nur gemeinsam

Ein Barcamp (oder auch „Unkonferenz“) ist ein offenes Veranstaltungsformat, das sich besonders durch die Selbstorganisation und Gestaltung der Teilnehmenden auszeichnet. Wir setzen auf Austausch auf Augenhöhe und das Engagement jedes Einzelnen und legen großen Wert auf den Aspekt der Vernetzung. Durch beide Tage des interaktiven Programms führt uns Maike Voss, Agenturleiterin bei neues handeln.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie beim AWO Bundesverband. 

Impulsworkshop am 06. September 2024: „Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit im Familienalltag“

Der Klimawandel ist nicht nur eine politische, technische und wirtschaftliche Herausforderung, sondern greift auch erheblich in den Gefühlshaushalt ein: die klimatischen Veränderungen und ihre Folgen nehmen auf vielen Ebenen erheblichen Einfluss auf die psychische Gesundheit – und damit auch auf das Miteinander im Familienalltag. Welche Folgen sich daraus ergeben und wie zukünftig auf diese Belastungen familien- wie gesundheitspolitisch reagiert werden kann, diskutierten knapp 40 Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie im Rahmen einer Online-Veranstaltung mit Katharina van Bronswijk (Sprecherin der Psychologists and Psychotherapists for Future).

Die Themenperiode „Familien und Klimawandel“ deckt viele Aspekte ab, die sich sowohl auf den Familienalltag und die individuelle Ebene, als auch auf die politisch strukturelle Ebene beziehen. Das Thema der Veranstaltung ist ein solches „Multilayer-Problem“, das in verschiedene Politikbereiche von Bildung, Gesundheit, Soziales und Umweltpolitik hineinreicht. Die Gesellschaft steht in all diesen Bereichen vor der Herausforderung multipler Krisen, die in emotional aufgeladenen Diskursen verhandelt werden. Studien zeigen, dass eine deutliche Mehrheit von 86 % der deutschen Bevölkerung aufgrund des Klimawandels besorgt sind. Hier gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen Haushalten mit und ohne Kinder (vgl. Soziales Nachhaltigkeitsbarometer 2023). Fast ebenso groß sei jedoch die Sorge vor sozialer Spaltung, die zunehmend mit der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Verbindung gebracht würde. Wie wirken sich diese Sorgen und die damit verbundenen gesundheitlichen Belastungen auf Familien, familienpolitische Organisationen und Fachkräfte aus? Wie kann kluge Familienpolitik insbesondere hinsichtlich des Klimawandels Familien stärken? Werden durch die Klimakrise neue Unterstützungsangebote nötig? Welche Anpassungen müssen stattfinden, um den zukünftigen Herausforderungen besser zu begegnen? Um diese Fragen fundiert diskutieren zu können, informierte zunächst Katharina van Bronswijk über die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit. Hier unterschied sie zwei große Stränge: 1. den „Climate Change Impact of Human Health“, das heißt den Einfluss einer veränderten Umwelt auf den menschlichen Organismus und 2. den „Climate Distress“, der die emotionale Belastung durch die Klimakrise bezeichnet.

„Climate Change Impact of Human Health“

Katharina van Bronswijk eröffnete ihren Vortrag mit einem Blick auf die sich verändernden Lebensbedingungen So seien die planetaren Belastbarkeitsgrenzen (d. h. die Grenzen, innerhalb derer sich die Erde selbst regenerieren kann) bereits in sechs von neun Bereichen deutlich überschritten. Wassermangel und Hitzewellen würden das Leben in Zukunft bestimmen. Durch den hohen Eintrag von Phosphat und Nitrat seien die biochemischen Kreisläufe aus der Balance gekommen. Neuartige Substanzen (Mikroplastik, Atommüll, Pestizide) seien in unsere Umwelt gelangt. Artensterben und die Abholzung von Wäldern führten zur Veränderung unserer Wassersysteme. Diese und weitere Entwicklungen hätten bereits heute gravierende Folgen für das Leben und das Zusammenleben.

Verschiedene Klimawandelfolgen können, so Katharina van Bronswijk, Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben (vgl. WHO „Climate Change Impact of Human Health“): anhaltende Hitzeperioden führten zu einem gesteigerten Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen; aufgrund von Luftverschmutzung und Erderwärmung käme es vermehrt zu Asthma und Allergien. Epidemiologische Studien zeigten, dass Schwermetalle und Feinstaub Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung von ungeborenen Kindern nehmen. Tropenkrankheiten (wie Malaria) würden sich zukünftig auch in Europa ausbreiten. Zudem sei damit zu rechnen, dass Extremwetterereignisse Ernteausfälle nach sich zögen und es daher zu einer schlechteren Nahrungsmittelversorgung kommen würde; Verteilungsproblematiken und vermehrte Migrationsbewegungen seien die Folge, was zu Konflikten und Kriegen führen könne. Sie vertiefte einzelne Aspekte:

Naturkatastrophen und Wetterextreme

Als eine der gravierendsten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit nannte Katharina van Bronswijk Angst- und Traumafolgestörungen. Durch das Erleben von Naturkatastrophen und durch die Zunahme von Extremwetterereignissen werde dies zukünftig mehr Menschen betreffen: bei 10 bis 15 % der Menschen führten derartige Erlebnisse zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTB). Entscheidend dafür sei die Art der Traumatisierung sowie die psychosoziale Versorgung nach den Ereignissen. Bei Nichtbehandlung drohe eine Chronifizierung der Symptome. In Folge dessen können Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen entstehen; laut Studien sei dies bei bis zu 49 % der Betroffenen der Fall. Somatisierungsstörungen (körperliche Symptome durch psychische Störungen) seien insbesondere bei Kindern zu beobachten.

Katharina van Bronswijk plädierte angesichts dieser Entwicklungen für eine flächendeckende Notfallversorgung und professionellere Strukturen. Der Anstieg an Menschen mit einer PTB werde in Zukunft zu einer Herausforderung für die Gesundheitssysteme, denn bereits jetzt betrage die Wartezeit für einen Therapieplatz in Deutschland ca. 5-6 Wochen. Durch die Zunahme von Naturkatastrophen sei auch in Deutschland mit einem höheren Bedarf an Psychotherapie-Plätzen zu rechnen. In Deutschland bestehe die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) derzeit fast ausschließlich aus ehrenamtlichen Helfer*innen – dies sei perspektivisch nicht weiter tragbar.

Hitze

Hitzeepisoden werden zukünftig zunehmen – mit zahlreichen Konsequenzen: Katharina van Bronswijk verwies auf Studien, die die Abnahme von Arbeitsproduktivität und Konzentration bei Hitze aufzeigten. Nicht zu unterschätzen sei, dass sich unter Hitzeeinwirkungen das Sozialverhalten ändere. Bei Hitze reagierten Menschen aggressiver, dies könnte insbesondere in Hochkonfliktfamilien eine Rolle spielen. Auch müsse zukünftig von großen Gruppen vulnerabler Personen ausgegangen werden: Bis zu zwei Drittel aller Menschen würden zukünftig zu den durch Hitze gefährdeten Personen zählen. Neben älteren Menschen und Kindern beinhalte das auch Menschen, die durch körperliche Arbeit, Arbeit unter freiem Himmel oder Obdachlosigkeit besonders exponiert seien. Menschen mit chronischen Erkrankungen seien ebenfalls gefährdet. Hitze, so Katharina van Bronswijk, gelte zudem als verstärkender Faktor von Demenz, bipolarer Störung oder Schizophrenie. Auch sei eine erhöhte Zahl an Suiziden und Gewaltverbrechen im Zusammenhang mit Hitzewellen festzustellen. Zudem hätten Medikamente bei Hitze teilweise veränderte Wirkungsweisen, die zu berücksichtigen seien. Manche Substanzen führten zudem zu einer schlechteren Hitzeanpassungsfähigkeit und so zu einer höheren Vulnerabilität der Behandelten.

Es sei notwendig, öffentliche Hitzeschutzräume auszubauen und zugänglich zu machen. Auch für den privaten Bereich brauche es Empfehlungen für Hitzeschutzmaßnahmen. Besonders wichtig sei, ein Verständnis in der Bevölkerung zu fördern, wie vielseitig die Wirkung langanhaltender hoher Temperaturen auf unseren Organismus und unsere Psyche ist.

Neue Herausforderungen für das Gesundheitswesen

Katharina van Bronswijk zeigte den Zusammenhang von individueller Gesundheit und Gesundheitswesen auf. Im Zentrum stehe das individuelle Wohlbefinden. Eine Verschlechterung individuell erlebter Lebensqualität wirke als Stressor im Sinne des Vulnerabilitäts-Stress-Modells. Stress könnte in einem resilienten System und durch Ressourcen abgepuffert werden. Wird ein System jedoch immer wieder gestresst und verfügt nicht über ausreichend Ressourcen, steige die Anfälligkeit für psychische Erkrankungen. Das bedeutet, dass Menschen mit Dispositionen für Krankheiten unter guten Lebensbedingungen ohne Erkrankung leben können. Stress – etwa stark veränderte Lebensbedingungen nach Naturkatastrophen, Hunger, gesundheitliche Probleme von Angehörigen – macht den Ausbruch eben dieser Krankheit wahrscheinlicher. Ein Beispiel: für einen Menschen mit depressiver Veranlagung wird mit Verschlechterung der Lebensumstände (=Stress) die Wahrscheinlichkeit höher, an einer Depression zu erkranken. Dieser Zusammenhang könne auch in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationsgeschichte relevant werden. Hier sei eine Sensibilisierung für die Problemlagen notwendig.

Nicht nur die Resilienz des Individuums, sondern des ganzen familiären Systems müsse in den Blick genommen werden. Systemische Belastungen könnten aus sozialpsychologischer Sicht zu einer Abnahme von sozialer Kohärenz und Stabilität führen. Eine Folge davon kann es zu einer gesellschaftlichen Entsolidarisierung und vermehrter Gewaltbereitschaft kommen. Dazu verwies Katharina van Bronswjik auf Studien, die den Zusammenhang von Sparpolitik im sozialen Bereich und demokratiegefährdenden Wahlergebnissen darlegen.

Climate Distress

Der Klimawandel und seine Folgen seien Auslöser von Unsicherheit und Angst, so Katharina van Bronswijk. Es gehe um die Bedrohung unserer körperlichen Unversehrtheit. Der Begriff Climate Distress  bezeichne emotionale Auswirkungen des Klimawandels: Angst – Climate Anxiety; Wut – Eco Anger und Trauer – Climate Grief/ Solastalgia. Angst und Wut seien im Diskurs relativ präsent, Trauerprozesse verliefen hingegen leise und hintergründig. Gerade das mache die Trauer zu einer Belastung, auch weil sie besonders intim sei und selten kollektiv ausgelebt werde. Der Begriff „Solastalgia = Trostschmerz“ bezeichne das Erleben ehemaliger Wohlfühl-Orte als verschwundene oder negativ veränderte Orte: wie zum Beispiel der gefällte Baum der Kindheit, die abgestorbenen Wälder im Harz, das leere Dorf an der Abbruchkante des Kohlereviers. Der Klimawandel führe bei vielen Menschen zu einem Gefühl von Kontrollverlust.

In der Diagnose von psychischen Erkrankungen seien diese spezifischen Phänomene nicht aufgenommen worden. Denn in der Diagnostik seien Gefühle keine emotionalen Störungen, sondern Bedürfnisanzeiger. Wenn sie erfüllt seien, gehe es uns gut. Sinnvoll sei daher, so Katharina von Bronswijk, diese Bedürfnisse als solche erkennen und zu erfüllen. Dies bedeute vor allem: (gemeinsam) aktiv zu werden.

Maladaptiver Umgang mit Klimagefühlen

Die Klimakrise bedrohe uns und unser Zusammenleben auf existenzielle Weise. Damit umzugehen sei nicht leicht. Katharina van Bronswijk ging auf verschiedene Coping-Strategien ein. Eine schlechte Anpassung, d.h. ein maladaptiver Umgang mit Klimagefühlen sei das Vermeiden von Nachrichten (News Fatigue). Laut Umfragen würden etwa zwei Drittel der Deutschen diesen Weg wählen. Ein gegenteiliger Umgang sei der ausdauernde Konsum von Nachrichten (Doomscrolling): das Erhalten von möglichst viel Information suggeriere einen Ausweg aus dem erlebten Kontrollverlust. Sowohl der verringerte als auch der exzessive Nachrichten-Konsum sei laut Studien mit einer wachsenden, indifferenten Wut auf Mitmenschen verbunden und daher auf Dauer nicht hilfreich.

Verarbeitungsstrategien (Climate Grief)

Verarbeitungsstrategien zu entwickeln sei eine wesentliche Aufgabe für Individuen und Institutionen. Katharina van Bronswijk stellte in dem Zusammenhang das Phasenmodell von Elisabeth Kübler-Ross vor, welches die verschiedenen Stadien im Sterbeprozess formuliert: Leugnung, Wut, Aushandlung, Depression und Akzeptanz. Diese Phasen der Verarbeitung einer existenziellen Transformation seien auch für den Umgang mit der Klimakrise erkennbar. In der Phase der Leugnung seien indes immer weniger Menschen, laut einer Studie seien etwa 6% der deutschen Bevölkerung als Klimawandelleugner*innen einzustufen.

Haltung im Diskurs einnehmen

Katharina van Bronswijk forderte das Ende des politischen Verzögerungsdiskurses. Der Ausreden-Rhetorik des „Klimaschutz ja, aber…“ müsse mit Haltung und Argumenten begegnet werden: Klimaschutz sei zwar teuer, aber nicht so teuer wie kein Klimaschutz, wenn langfristig gedacht wird. Die „Anderen“ müssten auch klimafreundlicher werden, aber das sei kein Argument für das eigene Nichtstun. Es sei zwar spät, aber nicht zu spät. Bei Verweisen auf kommende Technologien müsse man gut prüfen, ob diese Innovationen nur Scheinlösungen und Ausreden für das eigene Nichtstun oder tatsächliche Schritte auf dem Weg zu einer sozial-ökologischen Transformation seien.

Resilienz stärken

Um die psychische Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten zu fördern, brauche es, so Katharina van Bronswijk, drei Punkte: 1. Aufklärung und Information – um zu verstehen, was los ist; 2. Handhabbarkeit – um zu wissen, an welcher Stelle zu Lösungen beigetragen werden kann und 3. das Erleben von Sinnhaftigkeit – um zu fühlen, dass das eigene Handeln Bedeutung habe.

Der Umgang mit der Klimakrise und alle drei Aspekte gehörten in den Schulalltag. Kindern und Jugendlichen müsse hier Raum für ihre Fragen und Gefühle gegeben werden. Ebenso wichtig seien Prozesse auch in der Familie: wenn Kinder Fragen zum Klimawandel und den Folgen haben, sei es wichtig, altersgemäße, ehrliche Antworten zu bieten und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

 Diskussion

Die Runde diskutierte, welche Herausforderungen sich aus den psycho-sozialen Folgen der Klimakrise für den familienpolitischen Bereich ergeben. Ein Ziel müsse sein, Ressourcen aufzubringen, um pädagogische und therapeutische Angebote in entsprechenden Einrichtungen und ein Netz psychosozialer Versorgung auszubauen. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch eine Vereinfachung der Zulassungensverfahren von Therapeut*innen. Es müssten Wege gefunden werden, das System flexibler zu gestalten, um auf neue Versorgungslagen im Bereich der psychischen Gesundheit reagieren zu können.

Viel stärker müsse die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass Sparpolitik zu „extremen“, d.h. demokratiegefährdenden Wahlergebnissen führe, an die Politik herangetragen werden. Die Runde diskutierte die enge Verbindung von Ausgaben im sozialpolitischen Bereich, Demokratiestärkung bzw. –verteidigung und Klimapolitik. Gerade auf der kommunalen Ebene, die sich sehr auf das Ehrenamt stütze und sowohl durch eine angespannte Haushaltslage als auch durch die gesellschaftliche Stimmung unter Druck gerate, sei es zunehmend schwierig, sich für familienfreundlichen Klimaschutz einzusetzen. Elena Gußmann verwies darauf, dass zu diesem Thema eine weitere Veranstaltung des Bundesforums Familie in Planung sei.

Als Reaktion auf eine der Hauptaussagen des Inputs, dass gemeinsames Handeln eine zentrale Komponente für die psychische Gesundheit sei, diskutierte die Runde, wie Familien als „change agents“ verstanden und angesprochen werden können. Das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten für die ganze Familie sei hier elementar – etwa eine Kinder-Fahrraddemo (Kidical mass), die auf die Notwendigkeit der Mobilitätswende hinweist und die ganze Familie anspricht. Hier müsse klassismussensibel vorgegangen werden. Klimafreundliches Verhalten müsse allen Familien offenstehen und es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Kinder Zugang zu zum Beipiel gesundem, ökologischen Essen sowie zu Reparatur-Treffen und Kleiderkreiseln haben. Diese Orte und Praktiken sollten nicht zu Stigmatisierung und Segregation, sondern zu einem „Wir-Gefühl“ beitragen. Als mögliche Orte für den Aufbau dieser Angebote wurden Einrichtungen benannt, an denen sich bereits Kinder und Jugendliche aufhalten: Grundschulen, Schulen, soziale Zentren. Abschließend wurde der Wunsch geäußert, das Bundesforum Familie noch mehr als Plattform für Verbände zu nutzen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen. So könnte mehr Gewicht in die politischen Debatten eingebracht werden.

 

26./27. September 2025, Bamberg: „Chancengerechtigkeit durch frühkindliche Bildung?!“, Bundesfachtagung des Pestalozzi-Fröbel-Verbands e.V.

Chancengerechtigkeit durch frühkindliche Bildung?! Realitätscheck im Spiegel aktueller politischer Zielsetzungen.

Gute Bildung ist der Schlüssel für individuelle und gesellschaftliche Entwicklung und Zusammenhalt – und die Kita der Ort dafür. Soweit die allgemeine Annahme, doch wie sieht es aus mit dem Abbau der sozialen Ungleichheit und der Teilhabe für alle Kinder?

Als Institution und Ort früher Bildung mit einem ganzheitlichen, am Spiel orientierten Lern- und Bildungsverständnis setzt die Kindertagesstätte Bildungspläne um, baut Brücken zu elterlichen Erziehungsvorstellungen und übernimmt eine Lotsenfunktion bei kindlichem und familiärem Unterstützungsbedarf… Zudem richtet sich an Kita und Schule der Anspruch, trotz unterschiedlicher Bildungsaufträge durchgängige Bildungsbiografien zu sichern und die strukturelle und inhaltliche Anschlussfähigkeit voranzubringen – die Kita soll hier mit Kompetenzmessungen und evidenzbasierter Förderung unterstützen.

Wir fragen: Ist das alles umsetzbar und von welchen Leitbildern wird hier ausgegangen? Wie sieht es konkret in den Kindertagesstätten aus, welche Unterschiede gibt es und welche Ideen und Lösungsansätze? Und vor allem: was bedeutet das alles konkret für die praktische Pädagogik in der Kita und für das Spiel und das spielbasierte Lernen?

Die Tagung findet in Kooperation mit der Universität Bamberg statt.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Pestalozzi-Fröbel Verbands e.V.

24. September 2025, online: „Reden über Klima und Nachhaltigkeit: Wie sag ich’s der Familie?“, Gesprächsveranstaltung des Familienbunds der Katholiken und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie

Am 24. September von 10:00 – 11:30 Uhr werden wir uns unter dem Titel „Reden über Klima und Nachhaltigkeit: Wie sag ich’s der Familie?“ dem Thema Kommunikation widmen. Gemeinsam wollen wir mit Ihnen und euch darüber nachdenken, wie wir konstruktiv über die Anforderungen und Herausforderungen der Klimawende für und mit Familien sprechen können.  

  • Welche Art der Ansprache fördert nachhaltiges Verhalten von Familien?  
  • Wie lässt sich die vorhandene Sorge vor Überforderung und Wohlstandsverlusten aufgreifen? 
  • Mit welchen Argumenten gewinnen wir auch die Politik für nachhaltige Veränderungen? 
  • Und welche Aufgaben haben wir Familienverbände als Kommunizierende an der Schnittstelle zwischen Familien und Politik? 

Diese und weitere Fragen zur Kommunikation über Klimaschutz und Klimapolitik sollen im Zentrum der Veranstaltung stehen.  

Der einleitende Impuls kommt diesmal von Stefan Rostock, Bereichsleiter Bildung für nachhaltige Entwicklung bei Germanwatch e.V. Danach wollen wir in Kleingruppen und im Plenum über praktische Erfahrungen, Stolpersteine und erfolgversprechende Lösungsansätze diskutieren.  

Die Möglichkeit zur Anmeldung sowie weitere Informationen finden Sie auf der Website des Familienbunds der Katholiken.

10. September 2025, online: Impulsworkshop „Who cares? Gender, Care und Klimaschutz in der Familie“

14:00-16:00, online via Zoom

Klimaschutz wird als Variante der Sorgearbeit – Sorge um „die Natur“ oder „die Welt“ – mit Weiblichkeit verknüpft. Auf der anderen Seite steht „Petromaskulinität“, also die Verknüpfung von Männlichkeitsbildern mit einem Festhalten an fossilen Energien, fleischhaltiger Ernährung und der grundsätzlichen Skepsis bis Abwehr von Klimaschutzmaßnahmen. Mehrere Studien stellen diesen Zusammenhang von klimarelevantem Handeln und Geschlechterrollen dar. Dazu kommen geschlechterspezifische Unterschiede im CO2-Verbrauch, die sich auf die Organisation des Familien- und Arbeitsalltags zurückführen lassen, z.B. beim Punkt Mobilität (wer pendelt, wer nutzt eher den ÖPNV, wer fährt die Kinder etc.). Die Effekte geben zu denken und werfen die Frage auf: Lässt sich eine nachhaltigere Familienpolitik und eine familienfreundlichere Klimapolitik gestalten, wenn diese Zusammenhänge verstanden werden? Wir freuen uns auf einen Input von der Klimapolitik- und Gender-Expertin Gotelind Alber, Kommentare von Dr. Dag Schölper (Geschäftsführer Bundesforum Männer) und Monika von Palubicki (Sonderbeauftragte für das Politikfeld Klimaschutz, Deutscher Frauenrat) und eine gemeinsame Diskussion!

Anmeldung

Die Veranstaltung ist kostenlos und Vertreter*innen der Mitgliedsorganisationen vorbehalten. Bitte melden Sie sich bis zum 9. September 2025, 10:00 an. Die Einwahldaten bekommen Teilnehmende am Tag vor der Veranstaltung per Mail zugeschickt.

„Die öko-soziale Frage im Familienalltag“ – Netzwerktreffen des Bundesforum Familie am 16. Oktober 2024, Berlin

16. Oktober 2024 | 10:30 – 16:00 | Centre Monbijou Berlin

Welche Familien tragen die Lasten der Klimakrise und wie können Klimageld und andere politische Instrumente diese Last gerechter verteilen? Inwiefern steckt in der notwendigen Transformation nicht nur eine Mehrbelastung, sondern eine Chance für Familien?

Wir alle sind vom Klimawandel betroffen. Kurzfristig jedoch treffen die Auswirkungen des Klimawandels – seien es finanzielle, gesellschaftspolitische oder gesundheitliche – nicht alle gleich. Über „Familien und Klima“ lässt sich kaum nachdenken, ohne anzuerkennen, dass unterschiedliche Familien mit unterschiedlichen Perspektiven auf den Klimawandel blicken und unterschiedlich viel Last, auch die Last anderer Krisen, zu tragen haben – obwohl gerade einkommensschwächere Familien weit weniger zur Erderwärmung beitragen. Wie transformationsbereit, wie besorgt oder wie belastet Familien sind, hat maßgeblich mit sozioökonomischen Verhältnissen und der politischen Grundorientierung zu tun.

In welchen Familien wird das Thema auf welche Weise diskutiert? Was schafft Akzeptanz, was Abwehr von Klimaschutzmaßnahmen? Wie gelingt es, dass sich existierende soziale Disparitäten nicht weiter verschärfen? Konkrete politische Maßnahmen wie das Klimageld sollen helfen, Mehrkosten und Preissteigerungen auszugleichen und insbesondere Familien mit kleinen und mittleren Einkommen ganz konkret in ihrem Alltag zu entlasten. Welche Maßnahmen stehen an und wie steht es um deren Umsetzung? Wie können sich familienpolitische Akteure im Diskurs sinnvoll positionieren?

Wir freuen uns darauf, diese Fragen gemeinsam mit Ihnen und folgenden Referent*innen zu diskutieren: Prof. Dr. Frank Nullmeier (Universität Bremen, Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung [DIFIS]), Dr. Stefan Bach (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. [DIW]), Jana Holz (Friedrich-Schiller-Universität Jena).

Programm

10:30 Ankommen
11:00 Begrüßung und Einleitung
Elena Gußmann, Geschäftsstelle Bundesforum Familie
11:15 Input: „Wie kann eine Integration von Ökologie- und Sozialpolitik aussehen? – Neue Risiken, Ökosozialversicherung und Politik des Genug“
Prof. Dr. Frank Nullmeier, Universität Bremen, Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS)
Anschließend kurzes Q&A
11:45 Input: „Sozialer Ausgleich im Klimaschutz: Wie gelingt die Einführung eines Klimageldes in Zeiten knapper Haushalte?“
Dr. Stefan Bach, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW),
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Staat
Anschließend kurzes Q&A
12:10 Diskussion
12:30 ~ Mittagessen ~
13:15

 

Input: „Familien und die sozial-ökologische Transformation. Soziologische Einblicke in Mentalitäten und Einstellungen“
Jana Holz, Friedrich-Schiller-Universität Jena,
Institut für Soziologie, Nachwuchsgruppe flumen
Anschließend kurzes Q&A
13:45 Familienpolitische Antworten auf die öko-soziale Frage?
Welche Rolle spielen familienpolitische Akteure in der sozial-ökologischen Transformation? In zwei Workshop-Runden werden konkrete Konsequenzen für die Arbeit in den Organisationen der Teilnehmenden erkundet und diskutiert.
14:00 Workshop-Runde 1 – Relevanz für die eigene Arbeit
14:40 ~ Kaffeepause & Gruppenwechsel ~
14:50 Workshop-Runde 2 – Handlungsspielräume erkennen und nutzen
15:30 Ergebnissicherung und Abschlussrunde
16:00 Ende der Veranstaltung

Das Tagungsprogramm als PDF finden Sie hier.

Tagungsort:
Centre Monbijou, Oranienburger Str. 13 – 14
10178 Berlin, im Haus der Sozialbank.

Anreise mit ÖPNV

Mit den S-Bahnlinien 1, 2, 25 und 26, Haltestelle Oranienburger Straße, und mit den Straßenbahnlinien M1 und M5 verkehrt ab Hauptbahnhf/Bahnhofsvorplatz bis zur Station Monbijouplatz, bzw. den Straßenbahnlinien M1, M4, M5 und M6 bis zur Station Hackescher Markt. Zu Fuß sind es dann bis zum Sitz der BFS in der Oranienburger Str. 13/14 nur noch wenige Meter. Die Bank befindet sich in Höhe der Straßengabelung gegenüber vom Monbijouplatz.

Das Netzwerktreffen ist Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie vorbehalten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Bitte melden Sie sich bis zum 14. Oktober 2024 hier an: