Zusammenfassung zentraler Aussagen
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Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelingt nur auf Augenhöhe |
Familien sind die ersten Bildungsorte für Kinder. Damit Bildungs- und Erziehungspartnerschaften gelingen, müssen Eltern als Expert:innen für ihre Kinder anerkannt und ernsthaft einbezogen werden. Zusammenarbeit lebt von gegenseitigem Vertrauen, Transparenz und einer wertschätzenden Haltung – immer mit dem gemeinsamen Ziel, das Kind bestmöglich zu begleiten. |
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Chancengerechte Bildung braucht Beteiligungsgerechtigkeit |
Damit alle Familien ihre Kinder auch in der Kita gut begleiten können, braucht es Beteiligungsangebote, die sich an ihren unterschiedlichen Lebenslagen orientieren. Chancengerechtigkeit bedeutet deshalb auch, Beteiligung und Unterstützung so zu gestalten, dass sie alle Familien erreichen. |
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Elternmitwirkung als Ressource für Qualitätsentwicklung |
Eltern sind nicht nur Adressat:innen pädagogischer Arbeit, sondern wichtige Mitgestalter:innen von Bildungsqualität. Beteiligung sollte daher nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als selbstverständlicher Bestandteil guter pädagogischer Arbeit verstanden werden. Denn von einer gelungenen Partnerschaft profitieren sowohl die Familien als auch die Institutionen. |
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Haltung als Schlüssel |
Ob Bildungs- und Erziehungspartnerschaften gelingen, hängt wesentlich von der Haltung der Fachkräfte, Leitungen und Träger ab. Familien willkommen zu heißen, Vielfalt wertzuschätzen und Vertrauen aufzubauen sind grundlegende Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gleichzeitig braucht Haltungsentwicklung Zeit, Reflexion und Ressourcen für Fortbildung. |
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Kommunale Vernetzung stärkt Familien |
Das Praxisbeispiel der Kita am Sommerbad verdeutlicht, welches Potenzial in einer familien- und sozialraumorientierten Kita steckt. Niedrigschwellige Begegnungsangebote, Beratung und eine enge Vernetzung mit weiteren Unterstützungsangeboten stärken Familien und fördern Teilhabe. Solche Ansätze benötigen jedoch verlässliche Ressourcen und politischen Rückhalt. |
Veranstaltungsbericht
An dem online durchgeführten Impulsworkshop am 30. Juni 2026 nahmen etwa 45 Personen aus den Mitgliedsorganisationen des Bundesforums Familie teil.
Franziska Oelkers vom Bundesforum begrüßte die Teilnehmenden zur zweiten Veranstaltung der Themenperiode „Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“. Als Schwerpunkt des Workshops benannte sie Partnerschaften zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen, hauptsächlich in der frühen Bildung. Damit sei das Idealbild einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Eltern und Bildungsinstitutionen gemeint, die sich an den Lebenslagen der Familien orientiert und das Wohl und die Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt.
Impulsvortrag von Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Ruhr-Universität Bochum und Ständiger Beirat des Bundesforums Familie
Birgit Leyendecker wies eingangs darauf hin, dass der gerade erschienene Bildungsbericht 2026 verschiedene Herausforderungen der Bildungsgerechtigkeit aufgezeigt habe.
Risikolagen und Bildungsgerechtigkeit
Jedes vierte Kind sei im Jahr 2024 von mindestens einer Risikolage betroffen gewesen: Armutsgefährdung, geringe elterliche Qualifikation oder fehlende Erwerbstätigkeit. Am häufigsten seien Familien mit Migrationsgeschichte sowie Alleinerziehende damit konfrontiert. Während die Kinder der ‚Gastarbeitergeneration‘ fast den gleichen Bildungserfolg erzielt hätten wie Kinder ohne Migrationshintergrund, sei dies bei den Kindern von neu Eingewanderten nicht der Fall. Die Kita könne Risikolagen ausgleichen, aber der Zugang zur Kita bleibe eine Hürde insbesondere für Familien mit Risikolagen. Der Fokus richte sich heute auf schwer erreichbare Familien, die oft noch von weiteren Risikolagen gekennzeichnet seien.
Zentrale Orte kindlicher Entwicklung: Familie – Kita – Familienzentrum/Kommune
Kinder verbrächten vor allem in der frühen Familienphase die meiste Zeit in der Familie und erführen hier sozial-emotionale Bindung und Geborgenheit sowie sprachliche und kognitive Anregungen. Dies hänge jedoch von den Ressourcen Zeit, Geld, Gesundheit und Vernetzung ab. Die Kita könne mit professioneller früher Bildung und Betreuung einen Ausgleich schaffen, erreiche aber nicht alle Familien in Risikolagen. Nach Joyce Epstein (2018) käme noch ein dritter Bildungsort hinzu, nämlich die Nachbarschaft, das Stadtviertel, die Kommune, gegebenenfalls mit einem Familienzentrum. Letzteres fungiere als „One-Stop“-Anlaufstelle für frühe Hilfen, Beratung, Jugendamt und den Abbau von Sprachbarrieren.
Wie kann Erziehungspartnerschaft gelingen?
Auf der Grundlage einer Willkommenskultur gehe es um niedrigschwellige Formate (z. B. Elterncafé mit Nähmaschinen), die Stärkung der Zugehörigkeit durch Elternbeteiligung (z. B. Kuchenbacken als Einstieg), mehrsprachige Apps und die Einbeziehung der Väter. Außerdem müsse man unterschiedliche Erwartungen verstehen und berücksichtigen. So sei nicht jedes stille Elternteil ein desinteressiertes Elternteil. Zum Beispiel sei es in manchen Ländern erwünscht, dass sich die Eltern aus der Kita heraushalten, oder Eltern aus Osteuropa seien oft irritiert, wenn ihre Kinder nicht mit auswendig gelernten Gedichten nach Hause kommen. Zugewanderte Eltern hätten oft hohe Ambitionen für die Bildung ihrer Kinder, wüssten aber nicht, was ihr Beitrag für die Kita sein könnte. Zu den bereits genannten Hürden für die Eltern kämen noch eine geringe Selbstwirksamkeit und wenig Erfahrung mit der Beteiligung an Bildungseinrichtungen hinzu. Bei den Kitas seien es fehlende Erfahrungen oder ungenügende Ausbildung für heterogene Elterngruppen sowie implizite Defizitannahmen gegenüber schwer erreichbaren Zielgruppen, die dazu führen könnten, dass Versuche schnell aufgegeben werden. Bei den Kommunen fehle es an Personal, für Familienzentren seien multiprofessionelle Teams und neue Organisationsformen nötig, z. B. weil eine Fachkraft nicht ständig vor Ort sein könne, sondern mehrere Familienzentren betreuen müsse. Dies erfordere auch die Bereitschaft, Ungleiches ungleich zu behandeln.
Was ist der Ertrag gelungener Partnerschaften?
Untersucht worden seien gute Praxisbeispiele wie die Early Excellence Centres in England und Deutschland, die auf eine enge Kooperation mit den Eltern setzten, das Förderprogramm Opstapje in den Niederlanden, das mit Hausbesuchen die häusliche Situation der Kinder zu verbessern suche, und das langfristig angelegte Perry Preschool Project in den USA, das habe zeigen können, dass eine frühe Förderung lebenslange positive Auswirkungen habe. Zu den Erfolgen bei Kindern zählten eine höhere Lernbereitschaft und bessere sozio-emotionale Entwicklung. Diese führten zu Entlastungen bei den Kitas. Eltern gewännen ein besseres Verständnis der Kita-Prozesse. Bei der Kommune (Jugendamt, frühe Hilfen, Beratung usw.) fiele zwar zunächst mehr Aufwand an, danach seien die entsprechenden Akteure jedoch näher an den Familien und könnten gezielter Unterstützung leisten. Durch diese Vernetzung erhöhe sich insgesamt die Chance auf mehr Bildungsgerechtigkeit.
Diskussion: Kommune, Zeit, neue Organisationsformen
In der Diskussion wurde begrüßt, dass Birgit Leyendecker die Kommune in die Betrachtung hineingebracht hat. Es wurde jedoch in Frage gestellt, dass Kinder die meiste Zeit zuhause verbrächten. Leyendecker wies darauf hin, dass dies gemäß Zeitstudien je nach Alter der Fall sei, wobei Zeit nicht nur die interaktive Zeit umfasse. Mit zunehmendem Alter verschiebe sich das Bild.
Zu den positiven Ansätzen wurde gefragt: Wer muss es hören, damit es umgesetzt wird? Ebenso wurde nach den erwähnten neuen Organisationsformen der Kommune gefragt. Leyendecker bezog sich vor allem auf die Familienzentren. Kommunen müssten sich regional vernetzen und Zuständigkeiten dort in einer einzigen Anlaufstelle konzentrieren. Dem Einwand, dass dies sich für freie Träger anders gestalte und Kita-Arbeit endlich sei, stimmte Leyendecker zu – andere Einrichtungen müssten dann übernehmen und ergänzen.
Impulsvortrag von Annegret Neugschwender, Vorsitzende des Landeselternausschusses der Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz (LEA RLP)
Annegret Neugschwender verfolgte aus Sicht der Eltern die Fragestellung, wie eine tatsächlich wirksame Partnerschaft in der Bildung und Erziehung erreicht werden kann. Diese Problemstellung gehörte zu den Ausgangspunkten einer landesweiten Befragung, die der Landeselternausschuss gemeinsam mit der Hochschule Koblenz im April/Mai 2025 durchgeführt hat und an der 1.257 Kita-Eltern teilgenommen haben. Im Zentrum stand der Zusammenhang zwischen Elternmitwirkung und Kita-Qualität. Was sind die Bedingungen dafür, dass aus einer guten Zusammenarbeit tatsächlich eine Partnerschaft auf Augenhöhe wird? Hierzu stellte Annegret Neugschwender vier Thesen vor.
These 1: Bildungsgerechtigkeit braucht Beteiligungsgerechtigkeit
Neugschwender betonte, dass Bildungsgerechtigkeit nicht nur Zugänge, Sprachförderung, Personal und Ressourcen erfordere, sondern auch Beteiligungsgerechtigkeit. Für die Wirksamkeit von Bildungspartnerschaften reiche es nicht, dass Eltern erreicht werden. Entscheidend sei vielmehr, was danach passiert. Dieses „Danach“ sei leider häufig eine Pseudobeteiligung. Der Landeselternausschuss erhalte häufig Rückmeldungen von Eltern über eine gescheiterte Mitwirkung, in der sie nichts hätten bewirken können. Die damit verbundene Hilflosigkeit von Eltern gegenüber dem Kita-System führe oft auch zu einer Radikalisierung. Eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft hingegen entfalte ihre Wirkung dann, wenn Eltern erleben, dass ihre Perspektive zählt und ihre Anliegen etwas bewirken. Es frage sich also nicht nur, wie Eltern erreicht werden, sondern auch, wie es ihnen Eltern ermöglicht wird, wirksam zu werden.
These 2: Eltern sind nicht nur Zielgruppe, sondern Qualitätsakteur:innen
Eltern seien Mitgestalter:innen von Qualität, die aus ihrem Familienalltag Erfahrungen mitbringen, was funktioniert und was nicht. Elternmitwirkung sei daher kein zusätzliches Angebot, sondern eine Ressource für die Qualitätsentwicklung.
These 3: Besonders benachteiligte Familien brauchen mehr Mitsprache, und nicht weniger
Für die Bildungsgerechtigkeit sei es wichtig, benachteiligte Familien einzubeziehen. In der Diskussion darüber werde jedoch oft eher die Frage danach gestellt, warum sich diese Familien nicht beteiligen würden, als danach, ob die Beteiligungsstrukturen überhaupt so gestaltet sind, dass sie für alle zugänglich sind. Im Sinne des bereits von Birgit Leyendecker genannten Grundsatzes, Ungleiches ungleich zu behandeln, bedeute auch Beteiligungsgerechtigkeit nicht, allen die gleichen Beteiligungsangebote zu machen. Wer mehr Hürden überwinden muss, brauche mehr Unterstützung beim Zugang. Wer wenig Gehör findet, brauche mehr Möglichkeiten, die eigene Stimme einzubringen.
These 4: Vernetzung braucht Augenhöhe
Durch die Vernetzung von Familien, Kita und Kommune könne mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden, jedoch reiche Vernetzung allein nicht aus. Netzwerke seien oft sehr hierarchisch aufgebaut – und speziell das System Kita sei von einem Machtungleichgewicht geprägt. Familien leisteten einen großen Vertrauensvorschuss, indem sie ihr Wertvollstes in fremde Hände geben. Beteiligungsgerechtigkeit entstünde dann, wenn Familie, Kita und Kommune einander als gleichwertige Partner gegenübertreten sowie bestehende Machtgefälle thematisieren und gemeinsam gestalten.
Zusammenfassend verlangte Neugschwender mehr Schritte zu einer Mitentscheidungskultur.
Diskussion: die Haltung gegenüber der Elternbeteiligung – lästige Pflicht oder Entlastung?
In der Diskussion wurde betont, dass es für die Elternbeteiligung nicht ausreiche, den Eltern die Mitwirkung in einem „Kuchenkomitee“ anzubieten. Man solle von der Auffassung wegkommen, dass die Beteiligung etwas sei, das Kitas zusätzlich machen müssen. Eine Teilnehmerin sagte, der Vortrag entspreche genau ihrer Erfahrung in Mütterzentren – Institutionen und Familien können gemeinsam wachsen. Über das Machtgefälle, so hieß es weiter, würde meist zu schnell hinweggegangen. Dass Partnerschaft eine Frage der Haltung sei, dürfe nicht vernachlässigt werden. Dazu gehöre, sich selbst zu hinterfragen und zum Beispiel genau hinzusehen, ob die oft genannte „Augenhöhe“ wirklich bestünde. So verwies Neugschwender auf die in Rheinland-Pfalz gesetzlich sehr gut verankerte Elternvertretung, wo jedoch die Haltung der Fachkräfte oft ein Problem sei. Wo es gut läuft, werde die Elternbeteiligung von Kitas als Entlastung und nicht als Mehrarbeit angesehen. Daran solle man anknüpfen. Hinsichtlich weiterer Beispiele wurde auf positive Beispiele beim Deutschen Kita-Preis hingewiesen.
Bildungs- und Erziehungspartnerschaften seien Zweckverbindungen zum Wohle des Kindes. Wichtig sei ein Leitbild für die Kita als einem Ort, an dem alle – die Kinder, Eltern und die Fachkräfte – gerne Zeit verbringen. Damit alle dort willkommen sind, seien jedoch nicht nur mehrsprachige Informationsmaterialien notwendig; vielmehr solle Sprache als Brücke zur Kultur genutzt werden, um zu einer diskriminierungskritischen Elternarbeit zu gelangen.
Impulsvortrag von Stephanie Schaar und Mandy Winter, Leitungsteam der „Kita am Sommerbad“ in Greiz, Thüringen
Haltung und Ressourcen
Stephanie Schaar und Mandy Winter stellten ihre Arbeit in der Kita am Sommerbad vor, die 2024 mit dem zweiten Platz des Deutschen Kita-Preises ausgezeichnet wurde. Sie wiesen einleitend darauf hin, dass ihre Praxis sowie die bereits angesprochene Haltung im Sinne einer bestmöglichen Begleitung von Kindern und Familien eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ihre Kita habe eigentlich keine besonders guten Voraussetzungen für diese Arbeit gehabt, da die Einrichtung 50 Jahre alt sei und man mit den baulichen Voraussetzungen eines älteren Gebäudes umzugehen habe. Die Kita beteilige sich aktiv an Bundes- und Landesprojekten zur Qualitätsentwicklung. Dies sei jedoch weniger wegen der Finanzen wichtig, sondern vielmehr als Legitimierung für Anliegen, die sie realisieren wollten oder bereits realisiert hatten. Dazu gehörte z. B. Sprachkita zu werden. Als städtische Kita stünden sie oft unter einer Haushaltssperre. Mit dem Landesprogramm Vielfaltkita konnten sie jedoch einen Informationstresen für Eltern einrichten und mit einer Fachkraft besetzen, denn das angemessene Begrüßen gehöre bei ihnen zur Willkommenskultur gegenüber den Eltern. Zudem sei dies eine gute Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Diese Anlaufstelle diene auch als Entlastung der pädagogischen Fachkräfte. Es gebe außerdem eine Krabbelgruppe in der Kita, die dabei hilft, Eltern schon früh zu erreichen.
Sozialraumorientierung der Kita
Die Kita sei im Sozialraum präsent, zum Beispiel mit einem Umzugswagen auf dem jährlichen Festumzug des Park- und Schlossfestes sowie auf weiteren Veranstaltungen wie dem städtischen „Suppenfest“ im Schlossgarten. Die Mitwirkung von migrantischen Eltern hätte noch weitere Migrationsfamilien in den Schlossgarten gezogen. Das Jubiläum der Kita sei im benachbarten Sommerbad durchgeführt worden, im Rahmen einer Kooperation, mit kostenfreien Getränken für die Kinder und ohne vorgegebenes Ende („wir machen kein Sommerfest von 15 bis 17 Uhr“). Zu den regelmäßigen Angeboten der Kita gehörten ein Spinncafé, Familienkino, Yoga, Stammtische oder ein Nähkurs. In anderen Kitas seien Eltern häufig angewiesen, ihre Kinder bis zu einer bestimmten Uhrzeit abzuholen und die Kita dann zügig zu verlassen haben. Die Kita am Sommerbad ginge den umgekehrten Weg und lade die Eltern dazu ein, mit ihren Kindern dort zu verweilen, einen Kaffee zu trinken sowie untereinander und mit den Teammitgliedern ins Gespräch zu kommen.
Gelingensbedingungen
Die Kita sorge für Multiprofessionalität in der Zusammensetzung des Teams, externe Fachberatung, wechselseitige Hospitationen mit anderen Kitas sowie Fortbildungen. Das größte Problem der Kita sei die mangelnde Akzeptanz des Trägers für die genannten Aktivitäten. Aufgrund der Projekte könnten sie dem jedoch entgegnen, dass sie diese Aktivitäten machen dürfen bzw. müssen. Das entspräche ihrem Leitspruch: „Hinterher um Vergebung zu bitten ist oft besser, als vorher um Erlaubnis zu fragen.“
Diskussion: Haltung, Rahmenbedingungen, Träger, Visionsgeber:innen
In der Diskussion wurde gefragt, was zu dieser Arbeitsweise befähige. Die Antwort lautete, dass es ein starkes Leitungsteam und ein starkes Team brauche. Man müsse weg von der Haltung: ‚Das haben wir schon immer so gemacht.‘ Stattdessen solle man den Blick auf das Kind und auf die Anerkennung der Eltern als Erziehungspartner:innen richten. Die Haltung sei wichtiger als die Rahmenbedingungen. Eine Teilnehmerin verwies darauf, dass sie jetzt einen Träger hätten, der Beteiligung wolle, und zusammen seien sie mehr als vorher. Außerdem seien Visionsgeber:innen wichtig, und eine Haltung für Menschen und gegen Misstrauen. Die nötige Flexibilität falle jedoch oft schwer. Für diese unorthodoxen Ansätze und die nötigen Rahmenbedingungen solle man bundesweit laut vernehmbar werden.
Schlussfolgerungen und Ausblick: Mitwirkungskultur, Familienbildung, Träger, Haltungsarbeit
Auf die Frage nach Schlussfolgerungen wurde zunächst betont, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen, die Infrastruktur jedoch prekär sei und gekürzt werde. Mitwirkungskultur gebe einer Einrichtung etwas Positives, man gebe Definitionsmacht und Verantwortung ab. Mitwirkung brauche Zeit, Know-how und Ressourcen seitens der Eltern und Fachkräfte, bringe jedoch einen „Return on Investment“. So verbessere Mitwirkung die Atmosphäre, und mehr Leute machten mit.
Angemerkt wurde, dass Familie als Bildungsort in der öffentlichen Debatte um frühe Bildung zu kurz käme. Familien bräuchten Unterstützung bereits vor Eintritt in die Kita. Die Kita sei auch eine Familienbildungsstätte. Franziska Oelkers betonte, dass Familienbildung in dieser Themenperiode ein wichtiger Punkt sein werde.
Was es brauche, sei eine bedarfsorientierte Steuerung. Diese sei ohne Projektmittel aktuell kaum leistbar. Die Anforderungen der Vielfaltsgesellschaft nähmen zu, gleichzeitig zögen sich Kommunen aus Programmen der Familienbildung zurück. Die Kita als ein Ort des sozialen Miteinanders sei bei verschiedenen Stellen schwer zu kommunizieren. Es komme daher darauf an, die Träger zu überzeugen und die Verantwortung der Träger und Kommunen zu schärfen.
Auch wenn das strukturelle Umfeld wichtig sei, komme es oft auf Einzelpersonen an. Die Haltung sei ein Schlüsselmoment, aber keine Selbstverständlichkeit – Menschen entwickelten sie durch ihre Erfahrung, durch Supervision usw. Es brauche Zeit, entsprechende Haltungen zu entwickeln bzw. zu ändern. Gefragt wurde: Wo und wie kann man Haltungsarbeit etablieren?
Des Weiteren sei eine Professionalisierung bei Förderanträgen in Städten oder Kreisen erforderlich, um Antragstellungen effizienter zu gestalten und Kitas hier zu entlasten.