Der soziale, ökonomische und kulturelle familiäre Kontext ist in Deutschland ein ausschlaggebender Faktor für die Bildungschancen eines Kindes. Auch vor dem Hintergrund, dass die Familie der erste Bildungsort ist, sind Bildungsgrad und finanzielle Ausstattung des Elternhauses sowie Herkunft und Familiensprache von zentraler Bedeutung für die Teilhabechancen und den Bildungserfolg.
Gleichzeitig sehen sich Familien zunehmend unter Druck, Übergänge in Kindertagesbetreuung, Grundschule und weiterführende Schule zu gestalten, Lernen zu begleiten und den Kindern außerschulische Bildungsangebote zugänglich zu machen und alltäglich zu organisieren. Dies addiert sich zu den ohnehin schon bestehenden Belastungen für Familien durch die Vereinbarkeit von Familie, Pflege, Haushalt und Beruf. In dieser Situation ist die Bildungsbegleitung der Kinder eine ressourcenabhängige Aufgabe, die nicht alle Familien in gleicher Weise bewältigen können. Hinzu kommen Hürden im Zugang zu und der Teilhabe in Kindertageseinrichtungen, Schule und Hortbetreuung, non-formellen Bildungsangeboten und weiteren Unterstützungsangeboten, die u. a. Familien mit niedriger formaler Bildung, Alleinerziehende und Familien mit Migrationsgeschichte sowie Eltern und Kinder mit Behinderungen besonders betreffen.
Bestehende Strukturen in Kindertagesbetreuung und Schule sowie weitere familienunterstützende Leistungen bieten Familien oftmals einen wichtigen Anker und zentrale Hilfestellung. Bestrebungen zur Vernetzung und Verzahnung verschiedener Angebote untereinander sowie mit formalen Bildungseinrichtungen bilden zentrale Ansätze, um Zielgruppen zu erreichen und umfassende Unterstützung zu leisten.
Hinzu kommt, dass die Landschaft der (frühen) Bildung für Kinder in Deutschland sehr unterschiedlich beschaffen ist. Regionale Unterschiede – zwischen den Bundesländern und Regionen sowie Stadt und Land – machen je nach Wohnort einen großen Unterschied im Zugang zu und Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung.
In den Jahren 2026 und 2027 nimmt das Bundesforum Familie die Chancengerechtigkeit in frühen Bildungs- und Übergangsprozessen in den Blick und fokussiert dabei auf die Perspektive der Familien. Unter anderem werden folgende Fragestellungen in der Themenperiode behandelt:
- Welche Rolle spielt die Familienbildung an der Schnittstelle zwischen Familien und Bildungsinstitutionen?
- Welche Gruppen benötigen besondere Unterstützung und wie können sie durch Angebote erreicht werden?
- Welche Ressourcen und Angebote bestehen in den Kommunen und wie können diese vernetzt und erweitert werden?
- Wie können Zugänge und Übergänge zu Bildungsinstitutionen für Familien und Kinder erleichtert werden?
- Wie können Ungleichbehandlungen und diskriminierende Strukturen in den Institutionen vermieden werden?
- Welche aktuellen Entwicklungen und Positivbeispiele auf der europäischen Ebene sind für eine chancengerechtere Gestaltung früher Bildungsphasen in Deutschland relevant?
„Chancengerechtigkeit in der (frühen) Bildung: Familien und Rahmenbedingungen im Fokus“ wurde von den Mitgliedsorganisationen im Rahmen des Netzwerktreffens des Bundesforum Familie am 4. November 2025 zum neuen Themenschwerpunkt für 2026/2027 gewählt.